| Wasserspinne | ||||||||||||
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Wasserspinne (Argyroteta aquatica), Männchen | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Argyroneta aquatica | ||||||||||||
| (Clerck, 1757) |
Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica), auch Silberspinne oder Silberschwimmer genannt, ist ein Spinne aus der Familie der Wasserspinnenartigen (Argyronetidae) und die einzige Art der somit monotypischen Gattung der Wasserspinnen (Argyroneta). Die Art ist paläarktisch verbreitet und nimmt vegetations- und sauerstoffreiche Gewässer mit hoher Wasserqualität an, die entweder völlig stillstehen oder nur leichte Strömungen aufweisen. Die im Vergleich mittelgroße bis große Spinne hat eine mehrheitlich braune Färbung. Atypisch für Spinnen ist die Eigenschaft der Wasserspinne, dass das Männchen meist deutlich größer als das Weibchen ist.
Als einzige Spinne überhaupt lebt die Wasserspinne mehrheitlich bis ausschließlich aquatisch und somit unter Wasser. Das Atmen wird ihr durch eine Luftschicht ermöglicht, die Teile ihres Körpers ähnlich wie eine Taucherglocke umschließt und somit eine physikalische Kieme darstellt. Auch nutzt die sedentäre (standorttreue) Spinne als Retrait ein aus Wasserpflanzen zusammengewobenes Gespinst mit Luftvorrat, der regelmäßig erneuert wird. Der Beutefang der wie alle Spinnen räuberischen Wasserspinne findet ebenfalls unter Wasser statt, so auch die Fortpflanzung und die anfängliche Brutpflege, die das Muttertier in seinem luftgefüllten Gespinst übernimmt.
Bedingt durch den Rückgang sauberer Gewässer gilt die Wasserspinne als bedroht, obgleich sie stellenweise und darunter in Norddeutschland häufig angetroffen werden kann, während sie nach Süden hin deutlich seltener wird. Durch ihren Rückgang und ihre für Spinnen einzigartige Biologie wurde die Art von der Arachnologischen Gesellschaft 2000 zur Spinne des Jahres erwählt und war die erste Spinne, die im deutschsprachigen Raum diesen Titel erhielt. Der Biss gilt für Menschen als schmerzhaft, geht jedoch nicht mit medizinisch relevanten Komplikationen einher.

Das Männchen der Wasserspinne erreicht nach Sven Almquist (2006) eine Körperlänge von 8,2 bis 20 und im Durchschnitt 12,9 ± 2,8 Millimeter, das Weibchen eine von 8,7 bis 12,4 und durchschnittlich 10 ± 1 Millimeter. Damit handelt es sich um einen mittelgroßen bis großen Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae) – und das Männchen kann bei der Wasserspinne mit Abstand deutlich größer werden als das Weibchen, eine für Spinnen ungewöhnliche Eigenschaft, da bei anderen Spinnen das Weibchen meist größer ausfällt. Unter Wasser erscheint die Art durch die sie umgebende Luft silbrig glänzend.
| Geschlecht | Länge in mm | Durchschnittliche Länge in mm | Breite in mm | Durchschnittliche Breite in mm | Längen-Breiten-Verhältnis | Durchschnittliches Längen-Breiten-Verhältnis | Anzahl untersuchter Tiere |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Männchen | 4,05 bis 6,75 | 5,29 ± 0,92 | 2,93 bis 4,79 | 3,77 ± 0,61 | 1,29 bis 1,55 | 1,4 ± 0,08 | 17 |
| Weibchen | 3,7 bis 4,84 | 4,43 ± 0,42 | 2,92 bis 3,97 | 3,38 ± 0,31 | 1,23 bis 1,38 | 1,28 ± 0,04 | 15 |
Der bräunliche Carapax ist lateral (seitlich) merklich abschüssig. Der Kopf- bzw. der kephale Bereich ist konisch geformt und erscheint verglichen mit dem Rest des Carapax deutlich blasser. Auf diesem Bereich verlaufen drei dünne Linien und anterior (vorne) besitzt er kurze Setae (chitinisierte Haare). Die für Spinnen typischen acht Augen sind je zu viert in zwei Reihen, eine anteriore und eine posteriore (hintere) angeordnet, die im Falle der Wasserspinne beide prokurv (nach vorne gebogen) erscheinen, wenn frontal betrachtet. Alle Augen sind ungleich groß, die anterior medianen (mittleren) Augen sind dabei immer die kleinsten. Das mediane Augenviereck ist posterior am breitesten. Die Höhe des Clypeus (Abschnitt zwischen den anterioren Augen und dem Carapax) entspricht etwa dem Dreifachen des Durchmessers eines anterior medianen Auges.
Die dunkelbraunen und robusten Cheliceren (Kieferklauen) haben schwach ausgebildete Condylen (Ausstülpungen an der Basis), die Ausfuhrgänge der Giftdrüsen sind vergleichsweise groß. Promarginal (innen vorderseitig) haben die Cheliceren je drei und retromarginal (innen rückseitig) je zwei Zähne. Das Labium (sklerotisierte bzw. verhärtete Platte zwischen den Maxillae bzw. Mundwerkzeugen und vor dem Sternum) ist länger als breit. Das dunkelbraune Sternum (Brustschild des Prosomas) weist lange Setae auf.
Die Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) lautet 1-4-2-3. Alle Beine haben eine braune Grundfarbe. Die beiden vorderen Beinpaare haben ventral (unten) angelegte Stacheln und die beiden hinteren Beinpaare sind mit einer starken Bedeckung aus Setae und kräftigen Stacheln versehen. Diese dienen dem Fixieren von Luftvorräten am Körper der Spinne unter Wasser. Die Femora (Schenkel) und die Patellae (Glieder zwischen Femora und Tibien) verfügen zusätzlich über schräg angeordnete Setae. Zusätzlich haben die Femora des vierten Beinpaars einen aus feinen Setae bestehenden und breiten Kamm. Die Tarsen (Fußglieder) sind allesamt stachellos, verfügen aber dafür jeweils über zwei Reihen aus Trichobothria (Tastsetae). Scopulae (Bedeckungen aus Haftsetae) fehlen bei der Art ganz.
Ein für Spinnen typischer Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) macht sich bei der Wasserspinne neben der Körpergröße auch beim Aufbau des Opisthosomas (Hinterleibs) der gleich gefärbten Geschlechter bemerkbar, da dieses bei den Männchen spitz endet, bei den Weibchen jedoch posterior abgerundet ist. Das Opisthosoma ist dorsal (oben) dunkelgraubraun, ventral dunkelbraun gefärbt. Die Tracheen (Luftröhren) sind gut ausgebildet und verfügen über ein anteriores Paar Stigmen (Atemöffnungen) sowie eine einzelne posteriore. Die anterioren Stigmen sind als schlitzartige Öffnungen nahe der Epigastralfurche (ventrale Querspalte am Opisthosoma) ausgebildet und die posteriore Stigma befindet sich halbwegs zwischen der Epigastralfurche und den Spinnwarzen. Letztere bestehen im Gegensatz zu denen anderer Spinnen aus einem Segment. Die anterioren Spinnwarzen sind größer als die übrigen. Die Wasserspinne ist ecribellat (dickere Spinnenseide produzierend), ein Colulus (funktionsloser Hügel und Rest des einstigen sog. Cribellums) fehlt ihr gänzlich.
Die Tibien (Schienen) der Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) haben beim Männchen lange borstenartige Setae. Das Cymbium (erstes und vorderstes Sklerit) eines Bulbus (männliches Geschlechtsorgan) ist schmal und distal (von der Körpermitte entfernt) verlängert sowie mit mehreren Stacheln versehen. Der Embolus (drittes und letztes Sklerit des Bulbus) entspringt an der prolateralen (vorne seitlichen) Fläche des Bulbus und endet beim Sporn des Konduktors (den Embolus führender und stützender Fortsatz). Dieser hat eine Furche. Das Atrium (innere Kammer am Eingang) der Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist deutlich von einem breiten mit Setae bedeckten Septum (Trennwand) zweigeteilt. Die Kopulationsöffnungen, die in die sehr kurvigen Kanäle münden, befinden sich an weiteren kleinen Atrien. Die Spermatheken (Samentaschen) sind sehr stark sklerotisiert (verhärtet).

Das Verbreitungsgebiet der Wasserspinne reicht von Europa über die Türkei, Kaukasien, Russland (Europa bis zum Fernen Osten), dem Iran, Zentralasien, der Mongolei, China und Korea bis nach Japan. In Europa selber ist die Art flächendeckend verbreitet und fehlt nach bisherigen Kenntnissen innerhalb Kontinentaleuropas nur in Portugal, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Griechenland. Ferner fehlen Nachweise der Spinne innerhalb Europas von der russischen Doppelinsel Nowaja Semlja, Franz-Josef-Land, der Inselgruppe Spitzbergen, Island und sämtlichen Inseln des Mittelmeers.
Bedingt durch ihre Lebensweise nimmt die Art ausschließlich Gewässer als Habitate (Lebensräume) an. Diese müssen sauerstoffreich sein und viel Vegetation aufweisen sowie keine bis eine geringe Strömung aufweisen. Gängige Beispiele der von der Spinne genommenen Gewässer bilden Teiche, Seen und Flüsse mit leichter Strömung, daneben aber auch Marschland.

Als einzige Spinne ist die Wasserspinne an eine vollständig aquatische Biologie angepasst und verbringt nahezu ihr gesamtes Leben unter Wasser. Die Art ist ein guter Schwimmer und bewegt sich im Wasser immer mit der Ventralfläche nach oben gerichtet fort. Die Lokomotion selber geschieht mittels rudernder Beinbewegungen, die, obgleich sie unbeholfen wirken, eine zielgenaue Fortbewegung ermöglichen. Nur in seltenen Fällen verlässt die Spinne das Wasser, etwa zur Erschließung eines neuen Lebensraumes, kann sich aber auch an Land problemlos fortbewegen. Auch die unabdingbaren Reinigungen der Setae werden außerhalb des Wassers durchgeführt.

Die Lebensweise unter Wasser wird der Wasserspinne durch gespeicherte Luftvorräte ermöglicht. Dieser Luftvorrat in Form einer Luftblase umschließt Teile ihres Körpers unterhalb der Wasseroberfläche. Das Beibehalten der Luft am Körper geschieht mittels der kurzen Setae, die gefiedert und derart dicht angelegt sind, dass die Luft an ihnen haften bleibt. Die großen stachelartigen Setae hingegen dienen dem Durchstoßen der umgebenden Wasseroberfläche bei der Fortbewegung. Insgesamt funktioniert der gespeicherte Luftvorrat ähnlich wie eine Taucherglocke und ist faktisch eine physikalische Kieme. Die erfolgreiche Atmung durch den mitgenommenen Luftvorrat wird der Art durch ihr für Spinnen überdurchschnittlich gut entwickeltes Tracheensystem gewährleistet. Außerdem ist die Wasserspinne, bedingt durch den mitgenommenen Luftvorrat, etwas leichter als das umgebende Wasser. Um verbrauchte Luft zu erneuern, lässt sie sich bis zur Wasseroberfläche wie schon bei der Fortbewegung bauchaufwärts nach oben treiben, bis sie mit der Spitze ihres Opisthosomas die Wasseroberfläche durchstößt. Dies dient dazu, dass die alte Luft entweichen und neue aufgenommen werden kann. Durch einen Ruck löst sich die Spinne von dieser Position und taucht wieder unter. Das Männchen der Wasserspinne kann insgesamt tiefer und besser tauchen als das Weibchen und zeigt sich auch allgemein agiler.


Vor allem das Weibchen der Wasserspinne ist sedentär (standorttreu) und legt unter Wasser einen Unterschlupf nahe des Ufers an. Dafür fertigt sie zunächst zwischen Pflanzen einen waagerechten Gespinstteppich mit einem Durchmesser von etwa 2 bis 3 cm an. Dann folgt ein waagerecht verlaufender Faden, der an einer Wasserpflanze bis zur Wasseroberfläche verläuft und dem Anlegen eines Luftvorrats für den Unterschlupf unter Wasser dient. An diesem Faden steigt die Spinne bis zum Wasserspiegel, streckt ähnlich wie beim regulären Luftholen die Spitze des Opisthosomas heraus und zusätzlich die beiden Beine des vierten Beinpaares, die überkreuzt über dem Endpunkt des Opisthosomas positioniert werden. Anschließend taucht die Spinne ruckartig wieder ab. Auf diese Weise wird eine große Luftblase zwischen den Beinen und dem Opisthosoma gebildet, der später als Luftvorrat für das Wohngespinst dient. Die Wasserspinne nutzt den senkrechten Faden, um die Blase nach unten zu transportieren und bewegt sich mithilfe der drei übrigen Beinpaare an diesem fort. Unter dem Gespinst angekommen lässt die Spinne die mitgenommene Luftblase wieder frei, indem sie das vierte Beinpaar wieder öffnet. Die durch den Auftrieb nach oben steigende Luftblase wird nun durch das Gespinst gefangen und wölbt es nach oben. Die Spinne wiederholt den gesamten Vorgang mehrmals und sammelt mehrere Luftblasen, durch die der ebenfalls taucherglockenartige Luftvorrat unter dem Gespinst allmählich vergrößert wird, bis er die notwendige Größe erreicht hat und von der Spinne als nahezu permanenter Rückzugsort genutzt wird. Auch der Luftvorrat innerhalb dieses Rückzugsorts muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden. Dazu biegt die Spinne den Rand des Gespinstes nach oben, sodass die alte Luft entweichen und durch neue in Form von nachträglich geholten Luftblasen ersetzt werden kann. In sauerstoffärmeren Gewässern wendet sich die Wasserspinne vermehrt der Instandhaltung ihres Unterschlupfes zu.
Die Größe des Unterschlupfes wird durch Faktoren wie Sauerstoffgehalt des Wassers und Größe sowie Geschlecht der Spinne beeinflusst. Durch seine im Vergleich mit dem Männchen eingeschränktere Schwimmfähigkeit ist das Weibchen stärker an seinen Unterschlupf gebunden und pflegt diesen verstärkt, was auch seine kleinere Körpergröße erklären mag. Im Unterschied dazu fällt die Luftglocke des Männchens kleiner aus und das Männchen verbringt weniger Zeit sowohl darin als auch mit der Pflege deines Unterschlupfes. Manchmal funktioniert die Wasserspinne auch Gehäuse von aquatischen Schnecken um und nutzt diese als Behausung für ihren Unterschlupf.

Die Wasserspinne lebt wie alle Spinnen räuberisch und führt auch den Beuteerwerb unter Wasser aus. Sie nutzt einzelne von ihrem Unterschlupf ausgehende und bis an die umliegenden Wasserpflanzen reichenden Signalfäden zum Orten von Beutetieren. Berührt ein Beutetier einen dieser Fäden, eilt die Spinne herbei und packt das Beutetier, ehe sie ihm mittels der Cheliceren einen Giftbiss versetzt. Der blitzartige Zugriff erfolgt mittels der langen Beine. Mit ihrer Jagdweise ist die Wasserspinne ein Lauerjäger. Das Männchen kann jedoch im Gegensatz zum Weibchen auch aktiv Beute aufsuchen und unternimmt dafür mitunter tiefere Tauchgänge. Der Beuteerwerb findet überwiegend nachts statt.
Obgleich die Art grundsätzlich euryphag (nicht auf bestimmte Nahrung angewiesen) ist, begrenzt sich ihr Beutespektrum auf andere im Wasser lebende Gliederfüßer, darunter semi- bis aquatische Insekten einschließlich deren Larven und kleinere Krebstiere wie die Wasserassel (Asellus aquaticus) und Flohkrebse. Kleinere Wirbeltiere wie Fische in passender Größe erweitern das Beutespektrum. Da die Wasserspinne wie für Spinnen üblich ihre Beute mit Verdauungssäften zuerst von innen verflüssigt und dann aussaugt, muss sie sich für den Verzehr wieder in den Luftvorrat ihrer Wohnröhre zurückziehen, da anderweitig die vorverdaute Nahrung im Wasser verfließen würde. Oftmals wird erlegte Beute zu Anfang in der Luftblase der Wohnröhre deponiert und die Spinne holt unmittelbar danach einen neuen Luftvorrat für diese, um zu verhindern, dass der Sauerstoff während des Verzehrs ausgeht. Manchmal werden Beutetiere auch außerhalb des Unterschlupfes über dem Wasser verzehrt.

Die Phänologie (Aktivitätszeit) umfasst bei ausgewachsenen wie heranwachsenden Individuen der Wasserspinne das ganze Jahr. Dabei überwintert die Art je nach geographischer Lage auf unterschiedliche Weise, darunter häufig in zwecks der Überwinterung angelegten Luftvorräten oder entsprechend in leeren Schneckenhäusern. Daneben sind auch schon Individuen nachgewiesen worden, die frei zwischen Wasserpflanzen oder an Land überwinterten. Die Überwinterung kann auch problemlos unter gefrorenem Wasser stattfinden. Sogar in Eisschichten ließen sich eingefrorene aber noch lebende Exemplare der Wasserspinne nachweisen. Als Gefrierpunktserniedrigung der Spinne wird −9,2 °C angegeben.
Die Fortpflanzung der Wasserspinne findet wie ihre übrige Lebensweise unter Wasser im Zeitraum von der Mitte des Frühlings bis zum Spätsommer statt. Zuerst nimmt ein geschlechtsreifes Männchen abgegebenes Sperma über seine Bulbi auf. Dieser Vorgang findet im Luftvorrat seines Unterschlupfes statt. Dann sucht es den Unterschlupf eines Weibchens auf und scheucht dieses aus seiner Luftglocke in das Waser. Dort findet die eigentliche Balz statt, die sich aus tapsenden Beinbewegungen des Männchens gegenüber dem Weibchen zusammensetzt. Ist das Weibchen nicht paarungswillig, verhält es sich gegenüber dem Männchen aggressiv und verjagt es aus seinem Unterschlupf. Ist das Gegenteil der Fall, wird die Balz fortgesetzt, die beide Geschlechtspartner nun gegeneinander schwimmend nahe des Unterschlupfes des Weibchens ausüben. Anschließend bewegen sich beide wieder zum Unterschlupf des Weibchens, jagen einander für kurze Zeit und üben dann im Luftvorrat des Verlieses die eigentliche Paarung aus, bei der das Mänchen die in die Epigyne seines Geschlechtspartners eingeführten Bulbi mehrmals wechselt. Allgemein zeigt das Weibchen der Wasserspinne eine deutliche Präferenz für größere Männchen, das Männchen der Art jedoch zeigt keinerlei Vorlieben bezüglich der Größe des Geschlechtspartners. Allerdings zeigen insbesondere kleinere Männchen eine größere Paarungswilligkeit und nähern sich Weibchen häufiger an als große.
Das Männchen verlässt unmittelbar nach der Paarung die Luftglocke des Weibchens. Es kann aber auch vorkommen, dass beide Geschlechtspartner für einige Zeit nach der Begattung im Unterschlupf des Weibchens verweilen. Sexueller Kannibalismus nach normalem Maßstab kommt also bei der Wasserspinne nicht vor. Das begattete Weibchen legt einige Zeit nach der Paarung nacheinander einen bis zu sechs Eikokons an, die je 50 bis 100 Eier enthalten, sodass ein einzelnes begattetes Weibchen 50 bis 600 Nachkommen produzieren kann. Die Gelegezahl nimmt allerdings mit jedem folgenden Kokon meist deutlich ab. Meistens werden nur zwei Kokons angelegt. Hat sich ein Weibchen jedoch mehrmals verpaart, sind mehrere Kokons deutlich wahrscheinlicher und auch in den späteren entsprechend große Gelege möglich.
Das Weibchen der Wasserspinne betreibt anfangs Brutpflege und baut seinen Unterschlupf zu einer glockenförmigen Brutkammer aus, bei der der Luftvorrat in einen oberen und einen unteren Bereich geteilt wird. Im oberen wird jeweils der Kokon deponiert, im unteren verbleibt das Muttertier und bewacht seinen Nachwuchs. Nach dem Vollenden des Eikokons werden beide Kammern durch ein dichtes Gespinstfeld voneinander separiert und das Weibchen verlässt seinen Standort sehr selten. Die Nachkommen schlüpfen drei bis vier Wochen nach dem Kokonbau und verbleiben für weitere zwei bis vier Wochen in ihrer Brutkammer. Sie wachsen selbstständig über mehrere Fresshäute (Häutungsstadien) heran und legen wie die ausgewachsenen Spinnen Unterschlüpfe an. Häutungen finden nicht selten außerhalb des Wassers statt. Ihre Geschlechtsreife erlangen die Jungtiere im Folgejahr, sodass der Lebenszyklus der Wasserspinne mindestens einjährig ist. In Gefangenschaft hat die Art eine Lebenserwartung von bis zu gut zwei Jahren.
Während sexueller Kannibalismus bei der Wasserspinne nicht vorkommt, so ist Kannibalismus anderweitig bei der Art durchaus geläufig, vor allem von größeren Männchen ausgehend. Diese erbeuten sowohl kleinere Männchen als auch Weibchen. Damit ist die Wasserspinne eine der sehr wenigen Spinnen, bei der umgekehrter sexueller Kannibalismus dokumentiert ist. Dies ist vor allem durch die im Regelfall höher ausfallende Körperlänge des Männchens bedingt und tritt häufiger auf, wenn das Weibchen kleiner ist.
Männchen der Wasserspinne sind untereinander recht aggressiv, was zwischen diesen die Wahrscheinlichkeit von Kannibalismus erhöht, und das Weibchen der Art flieht häufiger vor größeren Männchen. Da das Weibchen der Wasserspinne jedoch größere Männchen bevorzugt und kleinere zumeist verschmäht, entsteht hier ein deutlicher Konflikt, zumal das Weibchen bei Paarungswilligkeit mitunter dem Männchen zum Opfer fällt. Der Grund für dieses Phänomen dürfte lediglich durch die Größe der Individuen beeinflusst und bestimmt werden, zumal dies lediglich bei größeren Männchen bekannt ist.
Übliche Prädatoren (Fressfeinde) der Wasserspinne an Land würden Vögel oder auch andere räuberisch lebende Gliederfüßer darstellen. Durch die mehrheitliche Lebensweise der Spinne im Wasser geht sie diesen aber überwiegend aus dem Weg. Unter Wasser bilden vor allem größere Fische und auch Frösche häufige Antagonisten. Da diese bessere Schwimmer als die Spinne darstellen, verlässt sie sich auf den Schutz der von ihr umgebenden dichten Wasservegetation. Ein Biss als Verteidigung ist auch möglich, ist aber selten erfolgreich. Ohnehin werden häufig Gewässer aufgesucht, in denen derartige Prädatoren nicht vorkommen.

Die Systematik der Wasserspinne erfuhr mehrfach Änderungen. Der Gattungsname Argyroneta leitet sich aus den altgriechischen Wörtern argyros (ἄργυρος) für „silber“ und einer Form von neta, bzw. nete für „gesponnen“ bzw. „Netz/Faden“ her und bedeutet sinngemäß „Silberspinner“ oder „die Silbernes Spinnende“. Der Artname aquatica stammt vom lateinischen Adjektiv aquaticus und ist dessen weibliche Form. Es leitet sich direkt vom lateinischen Substantiv aqua für „Wasser“ ab und bedeutet übersetzt „im Wasser lebend“, „zum Wasser gehörig“ oder einfach „wässrig“. Der Gattungsname rührt also von dem Erscheinungsbild unter Wasser und der Artname von der Lebensweise der Spinne.
Erstbeschreiber Carl Alexander Clerck ordnete die Wasserspinne 1757 wie damals für Spinnen üblich der Gattung Araneus (heute die der Kreuzspinnen) unter der Bezeichnung A. aquaticus zu und erhielt anschließend von verschiedenen Autoren unterschiedliche Bezeichnungen. Pierre André Latreille beschrieb 1804 die Gattung der Wasserspinnen (Argyroneta) und transferierte die Wasserspinne in diese unter der noch heute gültigen Bezeichnung A. aquatica. Da zwischenzeitig alle anderen Arten, die einst zu dieser Gattung zählten, synonymisiert oder in andere Gattungen gestellt wurden, ist die Gattung nun monotypisch und die Wasserspinne somit ihre einzige Art, was sie gleichzeitig zur Typusart der Gattung macht.
Die taxonomische Zugehörigkeit der Wasserspinne variierte in der Vergangenheit stark. Gustav Heinrich Emil Ohlert stellte die Art 1867 zur Familie Drassides, die heute nicht mehr besteht. Tamerlan Thorell transferierte sie 1871 zu den Trichterspinnen (Agelenidae), was 1875 von Eugène Simon bekräftigt wurde. Dem gegenüber ordnete Anton Menge im gleichen Jahr wie Thorell die Art erstmals zu den Wasserspinnenartigen (Argyronetidae), was sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Anschließend galt die Wasserspinne lange Zeit den Gebirgstrichterspinnen (Cybaeidae) zugehörig, was jedoch bereits Pekka Taisto Lehtinen 1967 anhand morphologischer (Struktur und Form betreffender) Analysen angezweifelt wurde, zumal molekulargenetische (die Erbinformation und deren Weitergabe betreffende) Untersuchungen bereits auf eine nähere Verwandtschaft der Wasserspinne zu den Kräuselspinnen (Dictynidae) deuteten. Ward C. Wheeler et al. (zusammen mit 34 anderen Autoren) stellte die Wasserspinne 2017 zu den Kräuselspinnen.
Katherine O. Montana et al. (zusammen mit acht weiteren Autoren) teilte die Kräuselspinnen 2025 anhand phylogenetischer (stammestechnischer) Analysen jedoch weiter auf und gliederten einige Taxa (wieder) aus der Familie raus, so auch die Wasserspinne. Im Zuge dessen wurde außerdem die bereits die 1869 von Thorell beschriebene und vorgeschlagene Familie der Wasserspinnenartigen revalidiert und die Wasserspinne in diese transferiert. Das Verhältnis der Wasserspinne zu anderen Taxa innerhalb der Familie und somit die äußere Systematik nach Montana et al. wird in folgendem Kladogramm verdeutlicht:
| Wasserspinnenartige (Argyronetidae) |
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Vier Arten einschließlich einer Unterart, die allesamt zuletzt zur Gattung der Wasserspinnen (Argyroneta) zählten, wurden mit der Wasserspinne selber synonymisiert und verloren somit ihren Artstatus. Diese ehemaligen Arten waren:
Eine Art zählte zuletzt zu den der Gattung der Wasserspinne und gilt heute als Nomen dubium. Die aufgelöste Art ist:

Die Wasserspinne erhält alleine durch ihre für Spinnen einzigartige Lebensweise eine gewisse Aufmerksamkeit und wurde u. a. deshalb 2000 von der Arachnologischen Gesellschaft zur Spinne des Jahres 2000 gekürt. Ein anderer Grund ist ihre Bestandsgefährdung, die vor allem auf den Rückgang geeigneter Lebensräume zurückzuführen ist.
Die Häufigkeit der Wasserspinne fällt je nach geographischer Lage unterschiedlich aus. In Europa ist sie gebietsweise nicht selten und vor allem in Mittel- und Nordwesteuropa weit verbreitet. Ihre Bestände werden aber durch den Rückgang sauberer stillstehender Gewässer, an die sie gebunden ist, bedroht. Allerdings wird die Art aufgrund ihrer versteckten Lebensweise in der Wasservegetation oftmals übersehen. In Deutschland beispielsweise ist sie insbesondere im Norden stellenweise recht häufig vorzufinden, im Süden dagegen deutlich seltener. Im südlichen Teil Großbritanniens ist sie zwar weit verbreitet, aber allgemein verstreut vorzufinden, im nördlichen Teil der Insel kommt sie nur noch sehr vereinzelt vor.
Die Gefährdungssituation der Wasserspinne wird je nach Land unterschiedlich gewertet. In der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands von 2016 wird die Art in die Kategorie 3 („gefährdet“) eingestuft. Sie gilt in Deutschland allgemein als mäßig häufig, wobei längerfristig ein starker Rückgang zu verzeichnen ist, während für kurzfristige Analysen die Datenlage unzureichend ist. Im Vergleich zur vorherigen Version dieser Roten Liste aus 1996, wo die Art noch in der Kategorie 2 („stark gefährdet“) lag, ist aber eine Verbesserung der Bewertung zu vermerken. In der Roten Liste der Spinnen Kärntens (2023) wird die Art nach IUCN-Maßstab in die Kategorie EN („Endangered“, bzw. gefährdet) gestuft.
In der Roten Liste Großbritanniens (2017) wird die Wasserspinne nach gleichem Maßstab in der Kategorie LC („Least Concern“ bzw. nicht gefährdet) erfasst. In der Roten Liste der Spinnen Frankreichs (2023), wo aktuell ein mäßiger Bestandsrückgang zu verzeichnen ist, fällt die Wertung in die Kategorie EN. In der Roten Liste der Spinnentiere (Arachnida) Norwegens (2015) wird die Art wieder in der Kategorie LC erfasst, in der Roten Liste der Spinnen Tschechiens (2015) jedoch in der Kategorie VU („Vulnerable“ bzw. verletzlich), so auch in der Roten Liste der Slowakei (2001).

Die Wasserspinne wurde 2000 von der Arachnologischen Gesellschaft zur Spinne des Jahres gewählt und war die erste Spinne im deutschsprachigen Raum, die einen solchen Titel erhielt. Der Grund dafür waren vor allem die steigende Bedrohung durch den Rückgang von Habitaten der Wasserspinne und ihre für Spinnen einzigartige Lebensweise. Aus den gleichen Gründen wurde die Art das Wappentier der Arachnologischen Gesellschaft.
Der Wasserspinne ist es möglich, den Menschen zu beißen. Der Biss gilt als recht schmerzhaft, vergleichbar mit einem Wespenstich. Anderweitig geht vom Biss, soweit bekannt, keine Gefahr aus. Andere Quellen weisen darauf hin, dass es in der jüngeren Zeit keine Veröffentlichungen über verifizierte Bisse der Wasserspinne gegeben hat.