Wayao

Yao-Jungen bei Initiationsritual in Malawi

Die Wayao (oder Yao, auch Yawo), deutsch Wajao oder Jao (zur Kolonialzeit auch Wahiao oder Wahiau), sind ein Bantuvolk aus dem Gebiet um das Südende des Malawisees. Sie leben im Süden Malawis, im Norden Mosambiks und im äußersten Süden Tansanias. Bei der Volkszählung 2018 gaben in Malawi 2.321.763 Menschen an, Yao zu sein, das sind 13,3 Prozent der Bevölkerung. Ihre Sprache ist die Bantusprache Yao, auch Chiyao oder Ciyawo genannt.

Name

In der Literatur stehen die Formen Yao, Wayao und Yawo nebeneinander; in Arbeiten aus Mosambik findet sich auch die Schreibung Yaawo. Nach der Überlieferung geht der Name auf einen Hügel namens Yao in der heutigen mosambikanischen Provinz Niassa zurück, zwischen den Flüssen Lujenda und Luchelingo östlich des Malawisees. Das Wort soll einen baumlosen, grasbewachsenen Ort bezeichnen, an dem die Vorfahren lebten.

Geschichte

Junge Frau der Wayao in Deutsch-Ostafrika, fotografiert von Carl Vincenti, 1900

Die Wayao kamen um 1830–1860 in das heutige Malawi und waren als Händler zwischen den Völkern im Binnenland und den Arabern und Swahili an der ostafrikanischen Küste tätig. Sie betrieben Handel mit Bienenwachs und Elfenbein und insbesondere auch Sklavenhandel in Zusammenarbeit mit den Swahili, was sie mit den vordringenden europäischen Kolonialmächten in Konflikt brachte. Die von ihnen als Sklaven verkauften Menschen waren zum Teil auch Angehörige des eigenen Volkes, wie der US-amerikanische Ethnologe Horatio Hale anhand von Yao-Sprechenden aus der südamerikanischen Stadt Rio de Janeiro nachwies. Yao-Sklaven gelangten auch in das heutige Somalia, wo sie zusammen mit Sklaven aus anderen Volksgruppen die Vorfahren der somalischen Bantu wurden.

Die Wayao bildeten nie eine politische Einheit, sondern waren in unabhängigen Stammesfürstentümern (Chiefdoms) unter wirtschaftlich-militärischen Führern organisiert. Bis 1900 hatten portugiesische, britische und deutsche Kolonisatoren ihr Gebiet unter ihre Kontrolle gebracht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten die Wayao auf dem Gebiet von Deutsch-Ostafrika im Süden der Kolonie westlich des Makondeplateaus, am Fluss Mbwemburu sowie vom mittleren Rovuma bis zum südlichen Malawisee und Shire hinunter. Ihr Anteil der Bevölkerung im Bezirk Lindi wurde 1905 auf 26000 geschätzt, deren lokales Oberhaupt Matola seine Residenz Ntschingulungulu bewohnte. Während des Maji-Maji-Aufstands von 1905 bis 1907 verhielt sich die Volksgruppe den Deutschen gegenüber loyal.

Lebensweise und Kultur

Vorherrschende Religion der Wayao ist der Islam, daneben sind auch die animistische Primärreligion und das Christentum verbreitet.

Die Wayao leben in Dörfern mit etwa 75 bis 100 Personen, die traditionellen Dorfoberhäuptern unterstehen. Das Amt des Oberhauptes wird matrilinear vererbt, sodass üblicherweise der Erstgeborene von der ältesten Schwester nachfolgt. Nach der Heirat zieht der Mann in das Dorf der Frau. Jährlich werden Initiationsrituale durchgeführt, welche die Beschneidung der Jungen beinhalten. Ursprünglich wurden bei diesen Zeremonien die Geister der Ahnen verehrt, heute werden sie mit islamischen Elementen verbunden.

Lebensgrundlage der Wayao ist der Ackerbau, der die Grundnahrungsmittel Mais und Sorghum sowie in Malawi Tabak als Cash Crop hervorbringt. In Gebieten an Seen und größeren Flüssen ergänzt Fisch die Ernährung.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Stichwort Jao, Wajao, Wahiao, Wahiau, Ayawa. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, Band II. S. 125.
  2. ↑ Yao (people). In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ National Statistical Office: 2018 Malawi Population and Housing Census. Main Report. (PDF) 7. Juni 2019, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 T. J. Houston: The Supreme Being in Ciyawo Bible translation and managing the choice of adequate terms for God. In: Acta Theologica. Band 42, Nr. 2, 2022, S. 206–227, doi:10.18820/23099089/actat.v42i2.14 (englisch).
  5. ↑ Jonna Katto: Chiefs and Other Great Female Ancestors. Voice, Authority, and the Politics of Gendered Temporality in Northern Mozambique. In: History in Africa. Band 50, 2023, S. 40–72, doi:10.1017/hia.2023.4 (englisch).
  6. ↑ The Yao/Wayao people of Lake Malawi. In: Qiraat Africa. 17. Januar 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Herrmann Jungraithmayr, Wilhelm J. G. Möhlig (Hrsg.): Lexikon der Afrikanistik. Reimer, Berlin 1983. S. 101, S. 270f.