Wendy Red Star

Wendy Red Star (* 1981 in Billings, Montana) ist eine US-amerikanische Künstlerin und Angehörige der Apsáalooke (Crow). In Fotografien, Collagen, Skulpturen und Installationen betrachtet sie die Geschichte und Gegenwart der Apsáalooke und stellt kolonial geprägte Darstellungen indigener Menschen infrage. Im Jahr 2024 wurde sie mit einer MacArthur Fellowship ausgezeichnet.

Leben

Red Star wuchs im Bezirk Pryor des Crow-Reservats im Süden Montanas auf; ihre Mutter irischer Herkunft arbeitete als Krankenschwester, ihr Vater als Rancher. Sie besuchte eine Schule im nahe gelegenen Hardin und erfuhr erst in Lehrveranstaltungen zu Native American Studies an der Universität von der Geschichte indigener Bevölkerungsgruppen und der Apsáalooke. An der Montana State University erwarb sie 2004 einen Bachelor of Fine Arts, an der University of California, Los Angeles 2006 einen Master of Fine Arts. Anschließend zog sie nach Portland in Oregon, wo sie indigene Geschichte und die Bestände des Portland Art Museum studierte und seither arbeitet.

Wirken

Mit der Selbstporträtserie Four Seasons (2006) inszenierte sich Red Star in Apsáalooke-Kleidung vor sichtbar künstlichen Landschaften, Kunstrasen und Tierattrappen und parodierte damit naturkundliche Dioramen, die indigene Kulturen als statisch und vergangen präsentieren. Für White Squaw (2014) ersetzte sie die sexualisierten Illustrationen auf den Umschlägen einer 24-bändigen Pulpromanreihe durch parodistische Selbstporträts. In 1880 Crow Peace Delegation (2014) versah sie historische Porträts von Apsáalooke-Anführern mit roten handschriftlichen Erläuterungen zu deren Namen, Biografien und Kleidung und setzte der entpersonalisierenden Logik kolonialer Archive eigene Deutungen entgegen. Die Serie Apsáalooke Feminist (2016), in der Red Star und ihre Tochter Beatrice in Apsáalooke-Kleidung auftreten, verweist auf die matrilineare Tradition der Gemeinschaft und entwirft zugleich ein Bild weiblicher indigener Gegenwart und Zukunft. Für Um-basax-bilua, “Where They Make the Noise” 1904–2016 (2019) ordnete sie historische und persönliche Aufnahmen der Crow Fair zu einer rund 40 Meter langen, handschriftlich erläuterten Zeitleiste, die öffentliche Geschichte und Familienerinnerung zusammenführt. Die rund 40 Werke umfassende Überblicksausstellung Wendy Red Star: A Scratch on the Earth war 2019 die erste Einzelausstellung des Newark Museum, die einer indigenen Künstlerin oder einem indigenen Künstler gewidmet war. Mit Apsáalooke: Children of the Large-Beaked Bird richtete sie 2020 am Massachusetts Museum of Contemporary Art eine Ausstellung zur Geschichte der Apsáalooke gezielt an Kinder und stellte historische Personen als individuelle Menschen dar. Im Jahr 2026 zeigte das Museum Ludwig in Köln Arbeiten Red Stars gemeinsam mit Werken von Marie Watt in der Ausstellung De/Collecting Memories from Turtle Island, die westliche Vorstellungen von Indigenität und museale Kategorien kritisch befragte.

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 Wendy Red Star on the Power of Indigenous Art. In: Aperture. 11. Oktober 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Wendy Red Star. In: MacArthur Foundation. 1. Oktober 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  3. ↑ Apsáalooke artist based in Portland awarded MacArthur Fellowship. In: Oregon Public Broadcasting. 3. Oktober 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  4. 1 2 Wendy Red Star: ‘Native artists are hot right now’. In: Financial Times. 11. Mai 2024, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  5. ↑ Wendy Red Star’s New Exhibition Is Part Historical Corrective, Part Ghost Story. In: Vogue. 2. März 2019, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  6. ↑ Wendy Red Star’s Indigenous Gaze. In: The New Yorker. 18. Juli 2022, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ Wendy Red Star’s Empowered Vision of Crow History. In: Hyperallergic. 21. April 2022, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  8. 1 2 Wendy Red Star at the Newark Museum: A Powerful Portrait of the Crow Nation. In: The New York Times. 5. Juni 2019, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  9. ↑ Wendy Red Star Is Teaching Children About the Crow Nation With Her Art. In: Hyperallergic. 6. August 2020, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  10. ↑ HIER UND JETZT im Museum Ludwig. De/Collecting Memories from Turtle Island. In: Museum Ludwig. Abgerufen am 17. Juni 2026.
Personendaten
NAME Red Star, Wendy
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Künstlerin und Angehörige der Apsáalooke (Crow)
GEBURTSDATUM 1981
GEBURTSORT Billings, Montana