Als Werbeblocker, auch Werbefilter und englisch ad blocker, wird ein Computerprogramm bezeichnet, das dafür sorgt, dass auf Webseiten enthaltene Werbung dem Benutzer nicht angezeigt wird. Dies gilt für verschiedene Arten von Werbung, beispielsweise als Bild, Video, Texteinfügung oder Pop-up.
Werbeblocker kamen in den 1990er Jahren für das Fernsehen auf, indem über einen parallelen Übertragungsweg (z. B. RDS, später durch das WWW) simultan Werbeunterbrechungen signalisiert wurden. Die Anwendung Fernsehfee konnte im Jahr 1999 als erste Werbung in Echtzeit aus Videoaufnahmen entfernen. Bekanntheit erlangte sie vor allem durch eine einstweilige Verfügung, welche der Verband der Privaten TV- und Radiosender gegen die Software anstrebte. Die Hersteller wehrten sich dagegen und nach einem Prozessmarathon verlor RTL im Sommer 2004 vor dem Bundesgerichtshof. Im April 2013 brachte die TC Unterhaltungselektronik AG erneut einen live-TV-Adblocker auf den Markt, diesmal auf Android-Basis in Form eines Sat-Receivers.
Mit dem Programm Webwasher gab es ab Dezember 1998 den ersten kommerziellen, aber für den privaten Gebrauch kostenlosen Werbeblocker für das Betriebssystem Windows. Dieser beseitigte Werbung aus Webinhalten.
Mit zunehmender Bedeutung des Internets konzentrieren sich Werbeblocker heute hauptsächlich auf Internetwerbung und bieten oftmals über das reine Blockieren von Werbung hinaus Funktionen an, die auf den Schutz der Privatsphäre abzielen oder Tracking verhindern. 2017 wurde geschätzt, dass auf 500 Millionen Geräten Werbeblocker zum Einsatz kommen.
Wenn eine Website aufgerufen wird, geht die Anfrage an die sogenannte Erstanbieter-Domain. Diese ruft dann oftmals weitere Server bzw. Webseiten auf, die zusätzliche Ressourcen bereitstellen, so zum Beispiel Programmbibliotheken oder eingebettete Videos von anderen Webseiten. Über diesen Weg wird auch Werbung bereitgestellt. Die Adblocker-Programme erkennen anhand der Internetadresse (URL), dass es sich um eine Website handelt, die Werbung ausliefert. Dazu werden Mechanismen wie schwarze Listen und reguläre Ausdrücke verwendet. Die meisten Anwendungen enthalten zusätzlich eine weiße Liste, in die Webseiten eingetragen werden können, die nicht geblockt werden sollen. Das Programm Adblock Plus enthält seit 2011 eine von den Entwicklern moderierte weiße Liste, in der als unaufdringlich bewertete Werbeeinblendungen zugelassen werden.
Bilder, Skripte und andere eingebettete Objekte werden blockiert, wenn ihre URL einen in der benutzten Filterliste enthaltenen Ausdruck, etwa /adserv/, /ads/ enthält. Dabei steht das „ad“ für englisch advertisement = Werbeanzeige. Durch das Entgegenwirken der Werbetreibenden müssen die Filterlisten ständig angepasst werden, hierzu kommen auch heuristische Verfahren zum Einsatz.
Eine Filterung auf Basis der URL kann auch erreicht werden, indem Anfragen von Werbeanbietern über das Domain-Name-System (DNS) nicht aufgelöst werden. Das Domain-Name-System stellt gewissermaßen eine Bibliothek bereit, die von Menschen lesbare URLs in IP-Adressen übersetzt. Es wird normalerweise bei jedem Kontaktaufbau mit einer Internetseite benötigt.
Da Werbung im Internet heute oft technisch aufwändig ist (Flash-Animationen, Layer Ads) und daher ohne unterstützende Programmiersprachen nicht angezeigt werden kann, hilft gerade gegen Bewegtwerbung das Ausschalten von JavaScript mittels eines Scriptblockers wie NoScript oder uMatrix, oder das selektive Einschalten von Flash-Animationen. Das grundsätzliche Blockieren von Flash und JavaScript stoppt auch viele eingebettete Videoplayer. Das Einschränken von JavaScript ist zwar effektiv gegen die Auslieferung von Werbung, macht viele moderne Webseiten jedoch unbenutzbar. Diese Methode erfordert also viel manuelle Nachsteuerung durch den Nutzer. Die meisten Browser können JavaScript und andere Skriptsprachen auch nativ abstellen. HTML5 wird von Entwicklern als Alternative in der Werbebranche vorgeschlagen.
Die hosts-Datei ist die erste Stelle, an der die gängigen Betriebssysteme eine DNS-Auflösung versuchen. So ist es möglich, damit unerwünschte Domänen zu blockieren, indem diese durch einen Eintrag in diese Datei auf die lokale IPv4-Adresse 127.0.0.1 bzw. auf die lokale IPv6-Adresse ::1 umgeleitet werden. Dieses Vorgehen ist heutzutage jedoch für den Benutzer auf proprietären Betriebssystemen nicht mehr sinnvoll anwendbar. In Windows beispielsweise steht diese Datei unter der Kontrolle der systemeigenen Firewall, wodurch ihre Änderung erschwert wird. Außerdem behält sich Microsoft vor, bestimmte Domänen seines eigenen Unternehmens nicht blockierbar zu machen, mit der Begründung, dass dadurch Malware erfolgreich daran gehindert werde, schädigend in das System einzugreifen, da die Erreichbarkeit dieser Domains für den Erhalt regelmäßiger Updates unbedingt notwendig sei und dadurch die Systemsicherheit aufrechterhalten bleibe.
Als lokal betriebener Server kann ein DNS-Proxy die lokalen DNS-Anfragen der Netzwerk-Schnittstellen des Betriebssystems zunächst filtern, und nur die erwünschten Anfragen an den eigentlichen DNS-Resolver übergeben. Zusätzlich ermöglichen die meisten DNS-Proxies die Absicherung des regulär unverschlüsselten DNS-Verkehrs durch die dafür vorgesehenen Protokolle DoH, DoT oder DNSSEC. Viele Betriebssysteme bieten diese Möglichkeit bisher noch nicht von sich aus an.
In Browsern wie Firefox und Chrome lassen sich die Werbefilter über die Add-on-Funktion nachinstallieren. Bekannte Programme sind beispielsweise uBlock Origin, Adblock Plus, AdGuard und Ghostery. Proxomitron oder Privoxy eignet sich zum Filtern und Modifizieren von Webseiten, besonders auf zentralen Rechnern. Die Verwendung mehrerer Programme gleichzeitig, die sich in ihrer Funktion überschneiden, kann die Reaktionszeiten des Browsers verlangsamen und ist von einigen Entwicklern ausdrücklich nicht empfohlen, da es zu Funktionseinschränkungen kommen kann.
Die meisten Werbeblocker lassen feine Einstellungen zu, etwa die Möglichkeit, den Werbeblocker auf bestimmten Seiten zu deaktivieren, oder die Entscheidung darüber welche schwarzen Listen verwendet werden. Einige Programme erlauben ein Feedback an den Entwickler, falls der Werbeblocker nicht wie gewünscht alle Werbung entfernt. Einige der genannten Programme sind nicht nur in der Lage, in umfänglicher Weise Werbung zu filtern, sondern auch Tracker zu blockieren, die nicht durch Werbung ausgeliefert werden, sowie Cookie-Banner oder ähnliches. Der Entwickler von uBlock Origin, Raymond Hill, nennt sein Programm deshalb lieber einen Content Blocker.
Die Browsererweiterung Privacy Badger von der Electronic Frontier Foundation ist nicht direkt auf das Blockieren von Werbung ausgelegt, sondern blockiert Verbindungen zu Servern, die bekanntermaßen den Datenschutz untergraben. Werbung wird nur blockiert, wenn sie zusätzlich den Nutzer verfolgt.
In einem Test im Jahr 2017 empfahl Stiftung Warentest uBlock Origin als Testsieger.
Viele Webbrowser enthalten bereits integrierte Werkzeuge zur Eingrenzung von Trackingmaßnahmen auf Webseiten. Die Browser der BigTech-Unternehmen haben oftmals per Design kein Interesse, das Sammeln von Daten zu verhindern und die Privatsphäre zu schützen, weil es ihre Marktmacht schwächen würde. So hat Google Chrome bspw. seit Februar 2018 einen Werbeblocker integriert, der Werbung filtert, die sich nicht an die Richtlinien der Branchenvereinigung Coalition for Better Ads halten. Dabei handelt es sich um besonders nervende Werbeformate, die auf etwa 1 % der Webseiten vorhanden sind. Der integrierte Werbeblocker ist somit nicht vergleichbar mit Werbeblockern von anderen Anbietern, die jegliche Werbung filtern.
Deshalb kann der Schutz der Privatsphäre mit geeigneten Programmen und Werkzeugen oft besser erreicht werden, als mit regulären Browsern. Andere Browser wie Librewolf, Brave oder DuckduckGo dagegen sind bewusst für den Schutz der Privatsphäre konzipiert worden. Die Website PrivacyTests.org gibt einen Überblick über das aktuelle Verhalten von verschiedenen Browsern, auch in Bezug auf das Blockieren von Werbung.
Um ganze Netzwerke mit allen darin aktiven Geräten mit einem Werbeblocker auszustatten, können zentrale Werbeblocker eingesetzt werden. Durch diese Vorgehensweise wird auf DNS-Ebene blockiert, nicht nur im Webbrowser wird so das Nachladen von Werbung unterbunden, sondern auch innerhalb von Programmen. Beispiele sind Pi-hole oder AdGuard Home.
Während die meisten proprietären Router-Betriebssysteme diese Möglichkeit noch nicht bieten, kann die quelloffene Firmware OpenWrt um vielerlei Features, wie z. B. VPN-Client, VPN-Server oder Adblocker erweitert werden. Dabei profitieren sämtliche Geräte davon, die an den jeweiligen Router angeschlossen sind. OpenWrt kann auf einer Vielzahl (aktuell über 2400 verschiedene), aber nicht auf allen handelsüblichen Routern installiert werden. Dazu muss durch Hersteller-spezifische Funktionen (bestimmte Tastendrücke nach dem Einschalten, o. ä.) in den Start-Vorgang des Routers eingegriffen werden, um das bestehende Betriebssystem durch OpenWrt zu ersetzen. Es gibt jedoch inzwischen Router-Hersteller, die ihre Hardware mit vorinstallierter OpenWrt-Firmware ausliefern.
Die von freien Organisationen wie Freifunk oder DigitalCourage betriebenen DNS-Resolver stehen kostenlos zur Verfügung und bieten optional auch einen einfachen Malware-Schutz an. Es gibt auch Unternehmen, die solche DNS-Resolver zusammen mit einem Kundenportal betreiben. Der im DNS-Client hinterlegten DoH-Adresse wird dazu ein pseudonymisiertes Kürzel angehängt, sodass der Betreiber den DNS-Verkehr dem Benutzer zuordnen kann. Dieser hat über das Portal die Möglichkeit, seinen DNS-Verkehr einzusehen und sowohl vorgefertigte als auch eigene Filterlisten in Anspruch zu nehmen.
Das Blockieren von Werbung erhöht die Surfgeschwindigkeit und Effizienz beim Surfen im Internet in der Regel deutlich aus folgenden Gründen:

Die meisten Internet-Dienste und -portale haben eine Vielzahl von Betriebskosten und eine Mitarbeiterschaft aus Entwicklern, Redakteuren, Support-Mitarbeitern usw., die entlohnt werden möchten. Durch den verbreiteten Anspruch von Nutzern auf die Kostenfreiheit von Online-Inhalten, fehlt diesen oft die finanzielle Wertschätzung. Um ein scheinbar kostenloses Angebot finanzieren zu können, setzten Betreiber häufig auf aufdringliche oder personalisierte Online-Werbung mithilfe von Nutzerverfolgung. Der damit einhergehende Verlust von Datenhoheit und Nutzungsqualität motiviert eine zunehmende Nutzerzahl sich mit Werbeblockern dagegen zu wehren. Langfristig schmälert dies die Einkünfte der Betreiber und trägt zur Intensivierung von Werbung und invasiven Methoden der Datensammlung bei. Weil darüber hinaus die gesammelten Benutzerdaten auch zur Überwachung verwendet oder illegal verkauft werden können, forciert dies den weltweiten Überwachungskapitalismus.
Erst eine Bezahlung durch die Nutzer ermöglicht es Internet-Diensten, eine unabhängige Finanzierung zu gewährleisten. Das Bezahlen für favorisierte Dienste ist geboten, um hochwertige Angebote langfristig ohne Abstriche bei der Qualität als auch dem Datenschutz zu ermöglichen.