Werner Urban (* 14. Mai 1927 in Hamburg; † 18. Juli 2021 in Schwarzenbek) war ein deutscher Mittelschullehrer, zuletzt Realschulkonrektor, und mehrfach ausgezeichneter Naturschützer und Hobby-Archäologe.
Werner Urban, in Hamburg geboren, wuchs in Lübeck auf, wohin die Familie 1929 gezogen war. Dort besuchte er die Volksschule bis zum Abschluss; eine weiterführende Schule konnte er aus finanziellen Gründen nicht besuchen. Als begabter Volksschulabgänger nahm er aber die Möglichkeit wahr, an der Lehrerbildungsanstalt in Ratzeburg ein Studium zu beginnen. Dieses wurde durch Arbeits- und Wehrdienst unterbrochen. Während des Krieges geriet er in russische Gefangenschaft, aus welcher er im August 1948 entlassen wurde.
1950 konnte er aufgrund des Spätheimkehrergesetzes sein Studium fortsetzen. Nach Abschluss der ersten Lehrerprüfung wurde er Lehrer in Gudow. Dort legte er die zweite Lehrerprüfung ab und wurde nach Schwarzenbek versetzt. Zunächst war er Hauptlehrer am Aufbauzug, nach weiteren Prüfungen dann Mittelschullehrer; 1968 kam die Ernennung zum Realschulkonrektor. 1988 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
1955 trat er in den Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg in Schwarzenbek ein. Bald engagierte er sich im Vorstand und war von Anfang 1984 bis Anfang 1998 Vorsitzender der Bezirksgruppe.
Ab 1958 war er außerdem für 18 Jahre phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst, d. h. er berichtete über die fortlaufende Entwicklung bei Wild- und Kulturpflanzen. Sein erster Beitrag für die Lauenburgische Heimat (LH) war ein Aufsatz über die Vogel- und Pflanzenwelt im Sachsenwald. Von 1969 bis 1988 betreute er zudem als Dozent an der Volkshochschule Schwarzenbek den Bereich „Vogelwelt unserer Heimat“.
Sein besonderes Augenmerk legte er auf den Bereich der Archäologie. Das führte dazu, dass er jahrelang Vertrauensmann des archäologischen Landesamtes war. Die Zahl der von ihm betreuten archäologischen Fundorte beinhaltet u. a.: 1960 wurden in der Schwarzenbeker Ziegelei Funde eines germanischen Dorfes aus der älteren römischen Kaiserzeit (1. und 2. Jahrhundert n. Chr.) entdeckt. Weiter wurden Funde aus vorchristlicher Eisenzeit im Bereich des Rosenweges geborgen. Gräber aus der Frühen Bronzezeit und andere vorgeschichtliche Funde wurden beim Bau der Realschule in Schwarzenbek sichergestellt. Werner Urban betreute auch diese Grabung und erreichte hier, dass im Innenhof der Schule Teile dieses Urnenfriedhofes sowie Mahl-, Mühl- und Schalensteine aus anderen Fundorten aufgebaut wurden.
Auch am Schwarzenbeker Körnerplatz wurde 1961 ein Urnenfriedhof der Bronzezeit entdeckt; 1991 fanden sich im Rahmen des Brückenbaus noch weitere Urnen. Werner Urban war auch maßgeblich beteiligt an der Begutachtung und Aufzeichnung der vorhandenen Überreste der Marienburg, die bei der Bebauung des ehemaligen Bismarckschen Vorwerks gefunden wurden. Er setzte durch, dass auf dem Parkplatz ein Schild auf die Turmhügelburg hinweist und der halbe Durchmesser der Burg in den Pflastersteinen dargestellt wurde.
Er setzte sich vehement für den Erhalt der Schwarzenbeker Kulturdenkmäler ein. Dies gelang nicht immer, wie zum Beispiel beim Amtshaus (sog. Compehaus). Die alte Oberförsterei dagegen konnte aufgrund seiner Beharrlichkeit erhalten werden. Neben diesen Tätigkeiten begleitete er weitere Ausgrabungen im Kreis und verfasste entsprechende Beiträge für die LH: Siedlung der römischen Kaiserzeit am Segrahner See bei Gudow, Opfergefäß der Eisenzeit aus dem Sachsenwald, Glockenbecherfunde in Grove, Funde von Moor-Eichen beim Bau der A 24.
Weitere Aufsätze verfasste er u. a. über einen Ringwall in Franzhagen, berichtete über die Kinder- und Jugendzeit der Chausseen im Lande Lauenburg, die Rittersitze der Daldorffs auf Wotersen, eingedrehte Schälchen und geschabte Rillen in Ziegeln mittelalterlicher Kirchen, das ehemalige Amtsgerichtsgebäude in Schwarzenbek, slawische Flurnamen in der Brunstorfer und Worther Gemarkung, Amtmann Compe und die Konkurrenz zur Stecknitzfahrt, fertigte Bilddokumente zur Grenzöffnung, erzählte von den Anfängen des kirchlichen Lebens in Schwarzenbek und nicht zuletzt über das ehemalige Bundeswehrgelände Lanken („Vom Rittersitz zum Gewerbegebiet“).
Neben diesen schriftlichen Berichten brachte er den Zuhörern in zahlreichen Vorträgen Geschichte nahe.
Die Vorsitzende des Heimatbundes und Geschichtsvereins für den Bezirk Schwarzenbek, Gisela Berger, würdigte Werner Urban in ihrem Nachruf:
„Ohne das unermüdliche Engagement Werner Urbans wäre viel über die Vergangenheit Schwarzenbeks und seiner Umgebung im südlichen Kreis verloren gegangen.“
| Personendaten | |
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| NAME | Urban, Werner |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mittelschullehrer (Realschulkonrektor), Hobby-Archäologe |
| GEBURTSDATUM | 14. Mai 1927 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 18. Juli 2021 |
| STERBEORT | Schwarzenbek |