Wettereffekt

Der Wettereffekt beschreibt eine beobachtete Kapitalmarktanomalie auf dem Aktienmarkt, die erstmals 1993 in einer empirischen Untersuchung von Edward Saunders erwähnt wurde. Laut dem Wettereffekt besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der Bewölkungsdichte und der Rendite auf Aktienmärkten. Saunders untersuchte den Zusammenhang zwischen den Wetterdaten New Yorks und den Kursdaten des New Yorker Stock Exchange zwischen 1962 und 1989 und konnte hierbei einen signifikanten Zusammenhang zwischen den Tagesrenditen und dem Bewölkungsgrad nachweisen. Für den deutschen Aktienmarkt wurde dieses Phänomen von Christian Klein empirisch nachgewiesen.

Eine aktualisierte Studie für den Zeitraum 2002–2018 konnte keine entsprechenden empirischen Belege für die Existenz des Wettereffekts finden. Die Autoren der Studie spekulieren, dass dies durch die Berücksichtigung des Wettereffektes durch Marktteilnehmer ausgelöst worden sein könnte.

Vereinbarkeit mit der Markteffizienzhypothese

Die Markteffizienzhypothese besagt, dass die Preise auf einem Kapitalmarkt alle zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen abbilden. Renditen folgen also keinem Muster und sind nicht vorhersagbar. Anomalien wie zum Beispiel der Wettereffekt würden dieser Theorie widersprechen, wenn man den Bewölkungsgrad als vorhersagbar betrachtet.

Erklärung durch die Psychologie

Eine einfache Erklärung für diese Beziehung liefert die Psychologie. Das menschliche Verhalten wird stark vom Wetter beeinflusst. Menschen reagieren bei Sonnenlicht optimistischer als an regnerischen Tagen. Die positive Stimmung lässt die Aktienrenditen steigen.

Weitere Kapitalmarktanomalien

Andere Verwendungen des Begriffs

In der Computergrafik, Computerspielen, Fotografie und Computerphysik werden Wettereffekte verwendet, um Wetter zu simulieren bzw. darzustellen. Ebenfalls kann man von Wettereffekten in der Kunst sprechen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ M: Stock Prices and Wall Street Weather. In: American Economic Review. Band 83, Nr. 5. American Economic Association, 1993, S. 1337–45 (repec.org [abgerufen am 29. September 2026]).
  2. ↑ Does screen trading weather the weather? A note on cloudy skies, liquidity, and computerized stock markets. In: ScienceDirect. ScienceDirect, 2010, abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Wochenend' und Sonnenschein : der Wettereffekt in deutschen Aktienindizes. In: EconBiz. EconBiz, abgerufen am 29. September 2026 (deutsch).
  4. ↑ Athanasios Andrikopoulos, Changyu Wang, Min Zheng: Is there still a weather anomaly? An investigation of stock and foreign exchange markets. In: Finance Research Letters. Band 30, September 2019, ISSN 1544-6123, S. 51–59, doi:10.1016/j.frl.2019.03.026 (sciencedirect.com [abgerufen am 29. September 2026]).
  5. ↑ Luke Ahearn: 3D Game Textures: Create Professional Game Art Using Photoshop. CRC Press, 2014, ISBN 978-1-317-55798-2 (google.de [abgerufen am 1. November 2018]).
  6. ↑ Corry Delaan: Die Kunst der Wetterfotografie: Stimmungsvolle Fotos zu jeder Tages- und Jahreszeit. dpunkt.verlag, 2018, ISBN 978-3-96088-325-8 (google.de [abgerufen am 1. November 2018]).
  7. ↑ Christina Storch: Wetter, Wolken und Affekte: die Atmosphäre in der Malerei der Frühen Neuzeit. Gebr. Mann Verlag, 2015, ISBN 978-3-7861-2748-2 (google.de [abgerufen am 1. November 2018]).