Die Ulnare Hemimelie ist eine seltene angeborene Fehlbildung mit Fehlen (Aplasie) oder Unterentwicklung (Hypoplasie) der Ulna (Elle) mit Verkürzung des Unterarmes und Fehlstellung der Hand.
Die Namensbezeichnungen beziehen sich auf die Erstbeschreibung aus dem Jahre 1943 durch Hans Grebe und auf den HamburgerPädiater Helmut Weyers.
Verbreitung
Die Erkrankung tritt meist sporadisch auf. Die Häufigkeit wird auf 1 zu 25.000–100.000 geschätzt, sie ist etwa 10 mal seltener als die Radiale Hemimelie. Das männliche Geschlecht ist im Verhältnis 3:2 häufiger betroffen. Die Vererbung erfolgt zumindest teilweise autosomal-rezessiv.
Als Ursache wird eine Störung während der 4. bis 7. Woche der Embryonalentwicklung angenommen in Form einer Unterbrechung im Hedgehog-Signalweg (sonic hedgehog), der für die Entwicklung der ulnarseitigen Unterarmstrukturen verantwortlich ist.
häufigste Form ist die Teilaplasie mit Fehlen des distalen Drittels (etwa 66%), seltener sind vollständige Aplasie und Hypoplasie
beidseitig in 22 bis 60%, die rechte Seite häufiger betroffen
mitunter ist eine bindegewebige Anlage der Ulna erhalten, die die Fehlstellung der Handwurzel durch Zug verstärken kann
meist ist das Ellbogengelenk verändert, spitzwinklige Ankylose, ventrales Pterygium sind möglich
an der Hand können die drei ulnaren Finger fehlen, der Daumen verändert sein. Der Zeigefinger ist fast immer normal, der Daumen angelegt. Die Hand neigt sich zur ulnaren Seite, Syndaktylien sind häufig
Die Diagnose ergibt sich aus den klinischen Befunden und den Ergebnissen der Röntgenuntersuchung.
Bereits vorgeburtlich ist mittels Feinultraschall eine Erfassung der Fehlbildung möglich.
Die Behandlung erfolgt in der Regel konservativ. Nur selten sind operative Korrekturen erforderlich.
Literatur
M. Özdemir, A. Turan, R. P. Kavak: Ulnar hemimelia: a report of four cases. In: Skeletal radiology, Juli 2019, Band 48, Nummer 7, S.1137–1143; doi:10.1007/s00256-019-3167-x, PMID 30712123.
Einzelnachweise
123456Bernfried Leiber (Begründer):Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Hrsg.: G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger. 7., völlig neu bearb. Auflage. Band2: Symptome. Urban & Schwarzenberg, München u. a. 1990, ISBN 3-541-01727-9.
12A. K. Martini: Angeborene Fehlbildungen. In: A. K. Martini (Hrsg.): Ellenbogen, Unterarm, Hand. 1. Auflage. 2003; doi:10.1055/b-001-2156, bilder.buecher.de (PDF).
↑L. G. Bayne: Ulnar club hand (Ulnar deficiencies). In: D. P. Green (Hrsg.): Operative hand surgery. Band 1. 2. Auflage. 1982, S. 245–57
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