Widad Kamel Kawar (arabisch وداد قعوار, DMG Widād Qaʿwār; geboren 1931 in Tulkarm als Widad Irani) ist eine palästinensische Kunsthistorikerin und Sammlerin palästinensischer sowie jordanischer Volkskunst und Kulturgüter. Im Laufe von über 60 Jahren sammelte sie mehr als 2000 Kleider, Kostüme, Textilien und Schmuckstücke, um ihre eigene durch Kriege und Konflikte weitgehend zerstreute Kultur zu bewahren. Heutzutage gehört ihre Kollektion weltweit zu den größten privaten Sammlungen der arabischen Tracht.
Widad wurde 1931 in Tulkarm in eine christliche wohlhabende Familie geboren. 1941 zog ihre Familie nach Bethlehem um. Ihr Vater Jalil war Lehrer und Leiter des Jugendbildungswesens unter der britischen Mandatsregierung in Palästina. Als sie noch klein war, besuchte ihre Familie ab und zu Aboud, das Heimatsdorf ihrer Mutter, wo die junge Widad Stickerinnen bei der Arbeit sehen konnte.
Widad ging auf eine amerikanische Schule in Ramallah. Das Interesse der Schulleiterin, Mrs. Jones, an lokalem Kunsthandwerk regte die Neugier der jungen Widad an. Jedes Mal wenn sie während der Schulferien nach Bethlehem zurückkehrte, pflegte sie den lokalen Samstagsmarkt zu besuchen, wo Frauen handbestickte Kleidungsstücke verkauften. Dort erwarb sie den ersten Gegenstand für ihre künftige Sammlung. Später bekam sie von einer Verwandten ein besticktes Kleid aus den 1880ern als Geschenk.
1955 absolvierte Widad die Amerikanischen Universität in Beirut mit dem Bachelor in Soziologie und arabischer Geschichte. Während des Studiums lernte sie Serene Schahid kennen. Kurz danach heiratete sie Kamel Kawar und zog anschließend nach Amman, in die Heimatstadt ihres Mannes.
Widad war Mitglied der Frauenhilfsorganisation des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA). Zudem engagierte sie sich freiwillig in den Flüchtlingslagern Hussein und Wihdat in Jordanien, wo sie sich weitere Kleidungsstücke für ihre Sammlung anschaffte. Während ihrer ehrenamtlichen Arbeit bemerkte sie, wie sehr sich die traditionelle palästinensische Stickerei nach dem Sechstagekrieg veränderte: Da Frauen aus verschiedenen Gebieten in die Flüchtlingslager verschoben wurden, prägten sie gegenseitig ihre Arbeitsweisen, wodurch die ornamentalen Muster nicht mehr, wie früher, einem konkreten Dorf zugeordnet werden konnten.
2015 eröffnete Widad in Amman ihr eigenes Museum namens "Tiraz" (طراز ‚Stickerei‘), wo ein Teil ihrer Sammlung ausgestellt wird. Nach dem Ausbruch des Krieges in Syrien fing Widad an, aus Mitleid mit dem syrischen Volk dessen Tracht zu sammeln. Anschließend bereitete sie eine Ausstellung in ihrem Museum vor, um die syrische Stickerei zu feiern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kawar, Widad |
| ALTERNATIVNAMEN | Kawar, Widad Kamel |
| KURZBESCHREIBUNG | palästinensische Kunsthistorikerin und Sammlerin |
| GEBURTSDATUM | 1931 |
| GEBURTSORT | Tulkarm |