Wiener Parteischule

Die Wiener Parteischule in der Praterstraße ist die wichtigste und älteste Bildungseinrichtung der Wiener SPÖ. Sie wurde 1924 gegründet.

Geschichte

Die Wiener Schule wurde 1924 gegründet, jedoch existierte eine Vorgängerschule (Parteischule in Bodenbach 1910–1914) bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Die Wiener Schule existierte bis 1934. Sie bildete in den 1920er und 1930er Jahren 60 bis 100 Absolventen pro Jahr aus. Sie war Teil eines Bildungssystems, das von den Bezirksparteischulen über die Wiener Parteischule bis zur Oberstufe der Wiener Arbeiterhochschule reichte. Leiter der Schule war von 1927 bis 1934 der spätere Staatssekretär im Bundesministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung Franz Rauscher (1900–1988).

Zu den Unterrichtsthemen und Lehrenden gehörten von 1923 bis 1932: Marx' ökonomische Lehren (anfangs Karl Renner, der spätere Bundespräsident, anschließend Benedikt Kautsky); Soziale und ökonomische Schichtung der Bevölkerung Deutschösterreichs (Adolf Schärf, der spätere Bundespräsident); Wirtschaftliche Krisenerscheinungen; Wirtschaftsprobleme der Gegenwart (Helene Bauer, Kautsky); Gewerkschaftliche Probleme (Viktor Stein); Verfassung der Republik (Max Adler).

1947 wurde sie durch Karl Czernetz wieder eröffnet. Der Parteischulleiter war unter anderem Franz Rauscher. In den letzten fast 80 Jahren haben über 1.000 Funktionäre der Partei diese Ausbildungsschiene erfolgreich absolviert.

Im September 2022 wurde die 75-Jahr-Feier durchgeführt. Redner und Rednerinnen waren der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig sowie der Sohn von Käthe Leichter, Franz S. Leichter, ehemaliger demokratischer Senator in New York, die damalige SPÖ Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, der Wiener Landtagspräsident Ernst Woller, der spätere Landeshauptmannstellvertreter von Tirol Georg Dornauer und der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin Dennis Buchner.

Absolventen

Unter anderem haben folgende Personen die Wiener Parteischule absolviert: Rudolf Gelbard, Christian Deutsch, Michael Ludwig, Christian Kern, Gerhard Zatlokal, Christian Hursky, Ewa Samel, Marcus Gremel, Marcus Schober, Benjamin Schulz, Silvia Janković, Renate Kaufmann, Birgit Jischa, Hans Werner Sokop, Albert Schultz, Alfred Heinrich, Elke Hanel-Torsch, Mireille Ngosso, Elisabeth Hlavac, Alice Seidl, Andreas Schieder, Alexander Ackerl, Thomas Mader und Denis Šakić sowie Wolfgang Markytan.

Karl-Czernetz-Preis für herausragende Leistungen im Rahmen der Wiener Parteischule

Im Februar 2020 wurde erstmalig der „Karl-Czernetz-Preis für herausragende Leistungen im Rahmen der Wiener Parteischule“ vergeben. Erster Preisträger wurde Wolfgang Markytan, der damals seinen 20. Lehrgang der Wiener Parteischule als Leiter eröffnete. Weitere Preisträger wurden im Jahr 2022 Peter Heindl, 2023 Roland Löffler sowie 2024 Karin Manhartsberger.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Das Gründungsdatum ist in der Literatur sowohl mit November 1923 als auch mit 1924 angegeben. Historische Begebenheiten sprechen jedoch für 1924.
  2. ↑ Harald Troch: Wissen ist Macht!: zur Geschichte sozialdemokratischer Bildungsarbeit, S. 149 Online.
  3. ↑ Gernot Stimmer: Eliten in Österreich, Böhlau Verlag, 1997, S. 939 Online
  4. ↑ Gernot Stimmer: Eliten in Österreich, Böhlau Verlag, 1997, S. 628 Online
  5. ↑ Dieter Langewiesche: Zur Freizeit des Arbeiters, S. 314 Online
  6. ↑ Zitiert nach: Dieter Langewiesche: Zur Freizeit des Arbeiters, Klett-Cotta, 1980, ISBN 978-3-12-911960-0, S. 314
  7. ↑ Gernot Stimmer: Eliten in Österreich, Böhlau Verlag, 1997, S. 995 Online
  8. ↑ Sabine Lichtenberger, Gerald Netzl: Rudolfne „Fini“ Muhr Als glühende Revolutionärin ein Leben für den demokratischen Sozialismus. In: Peter Autengruber, Wolfgang Greif, Alexander Neunherz (Hrsg.): INS RAMPENLICHT. Persönlichkeiten der SPÖ zu Beginn der Zweiten Republik. 1. Auflage. mandelbaum verlag, Wien 2025, ISBN 978-3-99136-107-7, S. 193.
  9. ↑ „75 Jahre Wiener Parteischule“ Festveranstaltung am 7.9.2022. Abgerufen am 13. Juli 2023.
  10. ↑ Wolfgang Markytan: Die Wiener Parteischule. In: Wolfgang Markytan. 6. Oktober 2020, abgerufen am 4. Mai 2026 (deutsch).
  11. ↑ Wolfgang Markytan: 12. Februar 2025: Gedenken an Karl Czernetz: Ein Leben im Dienst der Sozialdemokratie und Bildung. In: SPÖ Bildung. 12. Februar 2025, abgerufen am 4. Mai 2026 (deutsch).