
Wiktor Iwanowitsch Belenko (russisch Виктор Иванович Беленко; * 15. Februar 1947 in Naltschik; † 24. September 2023 in Rosebud, Pope County, Illinois) war ein Überläuferpilot, der im Kalten Krieg 1976 als Offizier der Luftstreitkräfte der Sowjetunion mit einem Jagdflugzeug vom Typ MiG-25P nach Japan floh und später in den USA als Flugzeugingenieur lebte.
Belenko beendete seine Schulausbildung 1965. Vor seiner Einberufung in die Rote Armee besuchte er eine Abendschule, wo er eine Empfehlung für das Studium an einer Flugschule erhielt. Von 1967 bis 1971 besuchte Belenko die Höhere Militärfliegerschule in Armawir und wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Danach wurde er als Fluglehrer an die Höhere Militärfliegerschule für Piloten und Navigatoren in Stawropol versetzt. 1975 wurde er auf eigenen Wunsch in den Fernen Osten zum 513. Jagdfliegerregiment in Tschugujewka versetzt und flog hier den Abfangjäger MiG-25P.
Belenko war seit 1971 mit Ljudmila Petrowna (geb. Koslowa) verheiratet, das Paar hatte sich in Armawir kennengelernt. Der Ehe ensprang ein 1973 geborener Sohn.
Belenko desertierte am 6. September 1976 mit einer MiG-25P – bis dahin ein Militärgeheimnis der Sowjetunion – und landete nach einem Tiefflug über dem Japanischen Meer auf dem japanischen Hakodate.
Belenkos Flucht entsprang einerseits einer in den letzten Jahren gewachsenen Unzufriedenheit mit dem sowjetischen Gesellschaftssystem. Seinen japanischen Vernehmern sagte er: Seit den Zaren hat sich nichts geändert. Es ist ein erdrückendes Land. Die Wahrheit kann man nur sagen, wenn man mit seinen Freunden Wodka trinkt. Hinzu kamen private Probleme: seine Frau hatte vor der Flucht angekündigt, die Scheidung einzureichen.
Die Regierung der UdSSR verbreitete Informationen über eine „Notlandung infolge Orientierungsverlusts während eines Übungsfluges“, beziehungsweise: das „Flugzeug sei vom Kurs abgekommen...“, sowie „...ausländische Geheimdienste setzten Pilot Belenko unter Drogen“. Dies wurde von Belenko dementiert, indem er bekanntgab: Ich bin freiwillig hierher geflogen. Infolgedessen begannen die sowjetischen Gesandten in Japan, ihm offen zu drohen.
Nach den ersten Aufklärungserkenntnissen über die Existenz der MiG-25 im Jahr 1967 bestand seitens der US Air Force ein hohes Interesse, Informationen über die Leistungsfähigkeit des Flugzeues zu erlangen. Bis zu Belenkos Flucht wurde diese überschätzt. Dies führte dazu, dass an das kurz zuvor gestartete FX-Programm zur Entwicklung eines Luftüberlegenheitsjägers höhere Anforderungen gestellt wurden. Aus diesem Programm ging die McDonnell Douglas F-15 hervor. Ebenfalls auf Grundlage dieser Überschätzung wurde 1972 die Entwicklung der Luft-Luft-Rakete AIM-97 Seekbat als Waffe speziell gegen die MiG-25 eingeleitet. Belenkos Flugzeug wurde von der Abteilung für ausländische Technologie der US Air Force auf den Flughafen Ibaraki verbracht und dort auseinandergenommen und analysiert. Nach 67 Tagen wurde die MiG-25P der Sowjetunion in Einzelteilen zurück übergeben. Die Untersuchung brachte die Erkenntnis, dass der Flugzeugtyp nur für einen sehr begrenzten Einsatzbereich geeignet war, nämlich zum Abfangen von Flugzeugen in großer Höhe, und zahlreiche Schwächen aufwies, darunter geringe Stabilität bei Belastung im Kurvenflug und starken Verschleiß der Triebwerke bei Spitzengeschwindigkeit. Für die SR-71 wurde die MiG-25P nicht mehr als Gefahr angesehen. Aufgrund dieser Untersuchung bestand keine Notwendigkeit mehr zur Entwicklung der AIM-97 Seekbat und das Programm wurde eingestellt. In den folgenden monatelangen Gesprächen mit den amerikanischen Nachrichtendiensten erwies sich auch Belenko selbst aufgrund seines Wissens über technische, taktische und operative Aspekte der sowjetischen Luftfahrt als wichtige Informationsquelle.

Belenko beantragte umgehend politisches Asyl in den USA, welches ihm von Präsident Gerald Ford persönlich genehmigt wurde. Er wurde am 9. September mit einem Zivilflug in die USA ausgeflogen. Am 14. Oktober 1980 verabschiedete der US-Kongress ein eigenes Gesetz zur Verleihung der US-Staatsbürgerschaft an Belenko. In den USA zeigte sich Belenko beeindruckt sowohl vom Stand der amerikanischen Ausbildung als auch dem Umgang zwischen Soldaten und Offizieren. Beim Besuch eines Flugzeugträgers gestand er, zuerst an die Möglichkeit einer nur für ihn inszenierten Show geglaubt zu haben. Nach etwas Gewöhnung erhielt er das Auto des ihn betreuenden pensionierten Luftwaffenoffiziers, um auf eigene Faust die USA zu erkunden. Belenko lehrte danach mehrere Jahre an einer Militärakademie Taktik und Strategie des Luftkampfes. Er heiratete eine Amerikanerin und zog mit ihr zusammen zwei Kinder groß (gleichwohl blieb er mit seiner russischen Ehefrau verheiratet, mit der er einen gemeinsamen Sohn hatte). In der letzten Zeit hatte er ein eigenes Handelsunternehmen und trieb Handel mit mehreren Ländern, darunter unter einem Decknamen auch mit Russland.
Auf der Grundlage eines Manuskripts, das Belenko kurz nach seiner Einbürgerung in den USA verfasst hatte, erschien in der literarischen Bearbeitung des Schriftstellers John Barron das Buch "MiG Pilot".
Die ehemaligen staatlichen sowjetischen und später die russischen Medien verbreiteten mehrmals falsche Informationen über Belenkos „Unfalltod“. In der UdSSR und der heutigen Russischen Föderation gilt er als Landesverräter. Belenko wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Belenko, Wiktor Iwanowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Беленко, Виктор Иванович |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer, ehemals sowjetischer Flugzeugingenieur und Pilot |
| GEBURTSDATUM | 15. Februar 1947 |
| GEBURTSORT | Naltschik |
| STERBEDATUM | 24. September 2023 |
| STERBEORT | Rosebud, Pope County, Illinois |