Wilhelm Maas (Theologe)

Wilhelm Maria Maas (* 1937 in Witten; † 21. Mai 2012 in Trier) war ein deutscher Theologe und Islamforscher, der sich mit der Patristik, dem orthodoxen Christentum, der Anthroposophie und dem Buddhismus befasste.

Leben und Wirken

Maas besuchte das Gymnasium Theodorianum in Paderborn. Er studierte klassische Philologie, Philosophie, katholische Theologie und Religionswissenschaften mit dem Schwerpunkt auf dem Islam. Von 1968 bis 1974 war er an der Theologischen Fakultät Paderborn Assistent von Heribert Mühlen, bei dem er 1974 promovierte. An der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg habilitierte er sich 1979 bei Karl Lehmann. Hans Urs von Balthasar unterstützte die Arbeit und ließ sie im Johannes Verlag veröffentlichen. Als Mitarbeiter von Lehmann baute Maas das Theologische Zentrum der Universität Kassel mit auf, wo er als Professor für Systematische Theologie wirkte.

Er lebte einige Jahre in Stuttgart, wo er sich mit dem Werk Rudolf Steiners auseinandersetzte, freier Mitarbeiter im Verlag Urachhaus und für die theologische Forschungsstelle der Freien Hochschule der Christengemeinschaft tätig war. Er wirkte als Referent beim Weltkirchenrat in Genf und bei Pro Oriente in Wien. Nach Studien der arabischen Sprache und des Islam beteiligte Maas sich in den Jahren 1993/1994 mit seiner Frau Maria-Louise am biodynamischen Entwicklungsprojekt Sekem in Ägypten.

Die letzten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er in Trier. Zusammen mit Elisabeth Heckmann, Michael Frensch u. a. brachte er einer Studiengruppe das Werk des Mystikers Valentin Tomberg nahe, mit dem er sich über zwölf Jahre auseinandersetzte. Über Friederike Migneco kam er als Mitarbeiter zum Luxemburger Verlag Kairos Edition. „Am Kloster Himmerod wirkte Wilhelm Maas im Arbeitskreis für zisterziensische Spiritualität bis zu seinem Tod dafür, eine weiblich akzentuierte Ökotheologie im Geist von Alanus ab Insulis und Thomas Merton fruchtbar zu machen.“ Maas wurde im Kloster Himmerod beigesetzt.

Werk

Seine bei Heribert Mühlen verfasste Dissertation Die Unveränderlichkeit Gottes, untersucht das Verhältnis des Gottesbildes griechischer Philosophen zum christlichen Verständnis. Aus Mühlens Nachlass gab er den Band Im-Wir-Sein heraus das eine Integrierung der abendländischen Orientierung auf das Subjekt in eine Wir-Philosophie anstrebt. Vor allem wurde Maas’ theologisches Denken von der Auseinandersetzung mit der Karsamtagstheologie der Mystikerin Adrienne von Speyr und des Theologen Hans Urs von Balthasar geprägt. Die theologische Beziehung von Maas zu Balthasar, die eine persönliche Bekanntschaft verband, schlug sich in der Habilitationsschrift von Maas Gott und die Hölle (5) nieder. Das Buch gilt als Referenzwerk über den Abstieg Christi in die Unterwelt. Das als Apostolisches Glaubensbekenntnis bezeichnete Credo in seiner lateinischen Fassung bildet das Fundament dieser Auseinandersetzung, in dem nicht die Unterwelt, sondern die Hölle als solche noch genannt wird.

Maas’ Werk dreht sich um die Frage der Erlösung durch die Liebe im Zeitalter des Nihilismus und Relativismus zurückführen. Er untersucht und begründet die Karsamstagstheologie vor dem Hintergrund des Alten und Neuen Testaments und will sie für heutige Menschen fruchtbar machen, indem er sie in existentielle Kategorien der Moderne überträgt, ohne in eine unlösbare Dialektik zwischen Glauben und Atheismus zu geraten. Sein Band Hölle-Abgrund der Existenz? Hölle und Höllenabstieg in der modernen Literatur und Malerei behandelt den Höllenabstieg Christi als Symbol für die Erfahrung Gott ist tot des heutigen Menschen im Spiegel der Kunst der Moderne.

Johannes Paul II. lud Maas als Referenten zum Thema „Das Geheimnis des Karsamstags“ in den Vatikan ein. Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Benedikt XVI. vertraute Maas in einer Sammlung von Aufsätzen zu den Glaubensartikeln, die er 1992 herausgab, den Artikel „Descendit ad inferos“ an.

Monographien und Aufsätze

Herausgeberschaften

Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Christliches im Buddhismus? in: Novalis, Dezember 2004
  2. ↑ Biografische Daten und Werdegang nach Volker Zotz: In memoriam Prof. Dr. Wilhelm Maas (1937–2012) und Friederike Migneco, Abgestiegen zur Hölle : Der vergessene Glaubensartikel. Leben und Sterben in bescheidener, der Suche nach Liebe und wahrer Erkenntnis hingegebener Demut, Die Warte Nr. 24, Luxemburger Wort, 20. September 2012
  3. ↑ Dionysius Areopagita, Über die mystische Theologie, eingeleitet, übers. Und kommentiert von Wilhelm Maas, Freie Hochschule der Christengemeinschaft, Veröffentlichungen der Akademie, Band 2, 1998, S. 142, Stuttgart
  4. ↑ Islamische Impressionen, Brücken zwischen Orient und Okzident, Flensburger Hefte 69, 2000, S. 72, ISBN 3-926841-96-6
  5. ↑ Volker Zotz, In memoriam
  6. ↑ Unveränderlichkeit Gottes : zum Verhältnis von griechisch-philosophischer und christlicher Gotteslehre. München, Paderborn: Schöningh 1974, ISBN 978-3-506-76251-1
  7. ↑ Vgl. Friederike Migneco, Heribert Mühlen und die Grundlagen einer Wir-Philosophie. Nach der Es- und Ich-Philosophie : Die Sinnfrage betritt wieder den Raum, Luxemburger Wort, Die Warte, Nr. 8/2250, 5. März 2009
  8. ↑ Volker Zotz, In memoriam, op.cit. www.kairos.lu
  9. 1 2 Friederike Migneco: Abgestiegen zur Hölle: Der vergessene Glaubensartikel. Leben und Sterben in bescheidener, der Suche nach Liebe und wahrer Erkenntnis hingegebener Demut, Die Warte Nr. 24, Luxemburger Wort, 20. September 2012
  10. ↑ Hölle – Abgrund der Existenz? Hölle und Höllenabstieg in der modernen Literatur und Malerei, Hrsg. von Gebhard Fürst, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Kleine Hohenheimer Reihe; Bd. 36, Stuttgart, 1999, S. 39, ISBN 978-3-926297-74-7, S. 39
  11. ↑ Vgl. Migneco, Abgestiegen zur Hölle
  12. ↑ Abgestiegen zur Hölle, in: Credo. Ein theologisches Lesebuch, Joseph Ratzinger (Benedikt XVI., Papst Hrsg.), Peter Henrici (Hrsg.): Communio. Köln, 1992, S. 131–151, ISBN 3-921204-08-9
Personendaten
NAME Maas, Wilhelm
ALTERNATIVNAMEN Maas, Wilhelm Maria
KURZBESCHREIBUNG deutscher römisch-katholischer Theologe und Islamforscher
GEBURTSDATUM 1937
GEBURTSORT Witten
STERBEDATUM 21. Mai 2012
STERBEORT Trier