Wilhelm Wilberg

Wilhelm Wilberg

Wilhelm Wilberg (* 1. Dezember 1872 in Athen; † 14. August 1956 in Gmunden, Österreich) war ein deutscher, seit 1908 österreichischer Bauforscher und Archäologe, der im Deutschen Archäologischen Institut (DAI) Athen und im Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) in Wien und Athen wirkte und an zahlreichen Grabungen, darunter 1893 mit Wilhelm Dörpfeld in Troja, beteiligt war. Wilbergs bauliche Rekonstruktion der Fassade der Celsus-Bibliothek in Ephesos, die er zu Beginn seiner Tätigkeit für das ÖAI erarbeitete und im Jahr 1908 veröffentlichte, konnte zur Grundlage der Neuerrichtung der Fassade der Celsus-Bibliothek in den Jahren 1970 bis 1978 werden.

Leben

Wilhelm Wilberg in Priene

Wilhelm Wilberg wurde als Sohn des Verlagsbuchhändlers und deutschen Konsuls Karl Wilberg (Essen 1829 – Athen 1882) in Athen geboren. Wilberg absolvierte seine Schulausbildung zunächst bei einem Hauslehrer und dann auf Gymnasien in Weimar und Leipzig. Er trat im Jahr 1891 seine Lehrjahre bei dem deutschen, später griechischen Architekten Ernst Ziller an. Wilhelm Wilberg führte während seiner Lehrzeit Bauzeichnungen und Neuvermessungen im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts Athen aus, diese entstanden insbesondere in Zusammenarbeit mit Wilhelm Dörpfeld, dem Leiter des Instituts. Wilberg war 1893 bis 1896 Assistent von Dörpfeld, beteiligte sich an verschiedenen Ausgrabungen und erarbeitete mit Dörpfeld eine topographische Karte von Troja (Hissarlik). Zum Abschluss seiner Architektenausbildung studierte Wilhelm 1896 bis 1897 zwei Semester an der Technischen Universität München. Im Jahr 1898 wurde Wilberg zum Grabungsarchitekten des neugegründeten Österreichischen Archäologischen Instituts ernannt. Für das Institut wurde er im Jahr 1912 zum Ersten Sekretär der Zweigstelle Athen berufen. Im Jahr 1914 promovierte Wilberg bei Rudolf Heberdey in Graz über das Südtor der Agora von Ephesos.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, während die Zweigstelle des ÖAI in Athen geschlossen war, und fortgesetzt bis 1922 war Wilberg der Zentrale des Instituts in Wien zugeteilt und arbeitete zu architektonischen Themen, mit einem Schwerpunkt auf Ephesos. Er kehrte nach der Wiedereröffnung der Zweigstelle Athen nicht dorthin zurück und schied im Jahr 1922 aus dem Institut aus. Danach war Wilberg in Wien mit wissenschaftlichen Schriften und Vorträgen zeitweise freiberuflich tätig.

Im Jahr 1904 hatte Wilberg Marie Favarger geheiratet, das Paar hatte einen Sohn, den späteren österreichischen Politiker Alexander Wilberg. Nach dem Tod seiner Frau Marie Wilberg im Jahr 1916 heiratete er im Jahr 1923 Adele Gerstle.

Wilhelm Wilbergs Vater Karl Wilberg war 1876 bis 1885 Verleger der Athenischen Mittheilungen, dem wissenschaftlichen Organ der Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts. Wilhelm Wilbergs ältere Brüder Fritz Wilberg und Karl Wilberg wirkten ebenfalls durch ihre Tätigkeiten für das Deutsche Archäologische Institut.

Der Kunsthistoriker Peter Vignau-Wilberg war Wilhelm Wilbergs Enkel.

Werk

Am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Athen entstand in der Zusammenarbeit mit Wilhelm Dörpfeld unter anderem eine topographische Karte von Troja. Zu Wilbergs Aufgaben im DAI gehörte die Bearbeitung der Zeichnungen von Monumenten für Publikationen der Kollegen im Institut, insbesondere für Dörpfelds Buch über das griechische Theater. Wilbergs Rekonstruktion der Fassade der Celsus-Bibliothek in Ephesos konnte als Grundlage bei ihrer Neuerrichtung in den Jahren 1970 bis 1978 dienen.

Wilberg war an archäologischen Grabungen beteiligt. Im Jahr 1897 plante Wilberg zusammen mit dem Archäologen Theodor Wiegand, im Auftrag des Berliner Museums, Ausgrabungen in Priene. Im folgenden Jahr 1898 wurde das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) mit der Zentrale in Wien und Zweigstellen in Athen, Smyrna und Konstantinopel gegründet. Wilberg wurde zum Grabungsarchitekten des ÖAI nach Wien berufen. Die Grabungen in Ephesos galten als Schwerpunkt der Aufgaben des Instituts, sie begannen im Jahr 1895. In den Jahren 1898 bis 1899 fanden die Grabungen in Lousoi auf der Peloponnes statt. Im Jahr 1900 erfolgten Grabungen in Spalato, des Weiteren in Bencovac, Ephesos und Smyrna. Im Jahr 1903 begannen die Ausgrabungen der Celsus-Bibliothek.

Einen Eindruck von Wilbergs schöpferischer Tätigkeit bieten die Entwurfszeichnungen für die Übermalung der Fresken der Wände des Peristyls vom Achilleion auf Korfu/Kerkyra. Das Achilleon war in den Jahren 1888 bis 1891 als Refugium für Kaiserin Elisabeth oberhalb der Villa Mon Repos erbaut worden. Kaiser Wilhelm II. erwarb im Jahr 1907 das Anwesen, die Einrichtung wurde geringfügig geändert. Für die Umbauten und Renovierungen war seit 1907 Ernst Ziller verantwortlich. In der Säulenhalle des Peristyls war eine Rückwand mit Szenen aus der griechischen Geschichte und Mythologie im Stil von Peter Cornelius versehen. Wilberg legte mehrere Entwürfe vor. Diese wurden im Jahr 1911 genehmigt und kamen schließlich zur Ausführung.

Ehrungen

Veröffentlichungen

Siehe das vollständige Schriftenverzeichnis in: Thea Vignau-Wilberg, Peter Vignau-Wilberg: Bauzeichnung und Rekonstruktion. Der Bauforscher Wilhelm Wilberg und die Archäologie um 1900. Schnell + Steiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7954-3771-8, S. 121–122

Literatur

Archivalien

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Thea und Peter Vignau-Wilberg: Bauzeichnung und Rekonstruktion. Der Bauforscher Wilhelm Wilberg und die Archäologie um 1900. Schnell & Steiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7954-3771-8, S. 73.
  2. ↑ Vgl. Wilhelm Dörpfeld und Emil Reisch: Das griechische Theater. Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater. Athen 1896
  3. ↑ Vgl. Archiv Vignau-Wilberg.
  4. ↑ Siehe die Abbildungen in: Vignau-Wilberg 2022, S. 97–103.
  5. ↑ Vgl. Thea und Peter Vignau-Wilberg: Bauzeichnung und Rekonstruktion. Der Bauforscher Wilhelm Wilberg und die Archäologie um 1900. Schnell & Steiner, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7954-3771-8.
Personendaten
NAME Wilberg, Wilhelm
KURZBESCHREIBUNG deutscher, später österreichischer Bauforscher
GEBURTSDATUM 1. Dezember 1872
GEBURTSORT Athen
STERBEDATUM 14. August 1956
STERBEORT Wien