Will Graham ist eine fiktive Figur und der Protagonist des 1981 veröffentlichten Romans Roter Drache von Thomas Harris. Graham ist außerdem die Hauptfigur der beiden Romanverfilmungen Manhunter – Roter Drache (1986) und Roter Drache (2002) sowie der Fernsehserie Hannibal (2013–2015), die verschiedene Bestandteile der Romanreihe um Hannibal Lecter verarbeitet.
In Roter Drache wird Graham als hochintelligenter und angesehener ehemaliger FBI-Fallanalytiker eingeführt. Seine außergewöhnliche Fähigkeit, sich in die Denkweise von Psychopathen hineinzuversetzen, ermöglicht es ihm, deren Handlungen und Motive nachzuvollziehen, belastet jedoch seine eigene Psyche.
Graham ist für die Festnahme des forensischen Psychiaters und kannibalistischen Serienmörders Hannibal Lecter verantwortlich, der ihn bei ihrer ersten Auseinandersetzung beinahe tötet. Durch dieses Erlebnis schwer traumatisiert, verlässt Graham das FBI. Während der Handlung von Roter Drache kehrt er widerwillig aus dem Ruhestand zurück, um einen als „Zahnfee“ bezeichneten Serienmörder zu finden. Dabei muss er Lecter im Gefängnis erneut aufsuchen und um Unterstützung bitten.
Abgesehen von kurzen Erwähnungen in Harris’ Fortsetzungsroman Das Schweigen der Lämmer tritt Graham in keinem weiteren Roman der Hannibal-Lecter-Reihe auf. In Manhunter – Roter Drache wird er von William Petersen, in Roter Drache von Edward Norton und in der Fernsehserie Hannibal von Hugh Dancy dargestellt.
In seinem ersten Auftritt und den Adaptionen ist Graham ein FBI-Fallanalytiker, der zunächst Hannibal Lecter enttarnt und später mit der Suche nach dem Serienmörder Francis Dolarhyde beauftragt wird. Er wird als hochintelligent, kriminalistisch versiert und außergewöhnlich empathisch dargestellt. Seine Empathie ermöglicht es ihm, die Perspektive von Straftätern und Psychopathen einzunehmen und deren Denkweise und Motive selbst auf Grundlage weniger Informationen lebhaft nachzuvollziehen. Dadurch kann er Gewaltverbrecher besonders erfolgreich verfolgen, wird von den gedanklichen Rekonstruktionen ihrer Taten jedoch psychisch stark belastet. Graham fürchtet zeitweise, dass er Psychopathen deshalb so gut verstehe, weil er selbst einer von ihnen sein könnte. Außerdem besitzt er ein außergewöhnlich ausgeprägtes Gedächtnis, das mit demjenigen Lecters verglichen wird.
Roter Drache schildert Grahams Vorgeschichte. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen in Louisiana auf und zieht später nach New Orleans, wo er als Mordermittler arbeitet. Anschließend nimmt er ein Studium der Forensik an der George Washington University auf. Nach seinem Abschluss beginnt er im Kriminallabor des FBI zu arbeiten. Aufgrund seiner besonderen Leistungen im Labor und bei Außeneinsätzen erhält er später eine Lehrstelle an der FBI Academy. Bei Ermittlungen im Außendienst trägt er die Funktionsbezeichnung „Special Investigator“.
Sein erster bedeutender Fall betrifft einen als „Minnesota-Würger“ bezeichneten Serienmörder, der Studentinnen tötet. Graham findet den Täter Garrett Jacob Hobbs in dessen Wohnung, während dieser versucht, seine eigene Familie zu ermorden. Auf dem Treppenabsatz entdeckt Graham Hobbs’ Frau, die an zahlreichen Stichverletzungen stirbt. Er bricht die Wohnungstür auf und erschießt Hobbs, der seiner Tochter wiederholt in den Hals sticht. Die Tochter überlebt. Graham wird durch das Erlebnis schwer belastet und für einen Monat in die psychiatrische Abteilung des Bethesda Naval Hospital eingewiesen. Anschließend kehrt er zum FBI zurück.
1975 verfolgt Graham einen weiteren Serienmörder, der als „Chesapeake Ripper“ bekannt ist und essbare Organe seiner Opfer chirurgisch entfernt. Bei einem Opfer mit zahlreichen Stichverletzungen bemerkt Graham eine ältere, bereits verheilte Stichwunde. Aus den Krankenunterlagen geht hervor, dass die Verletzung fünf Jahre zuvor bei einem Jagdunfall behandelt wurde. Graham sucht den damaligen Notarzt, den inzwischen bekannten Psychiater Hannibal Lecter, auf und befragt ihn zu dem Patienten. Lecter behauptet zunächst, sich kaum erinnern zu können. Bei einem weiteren Besuch in dessen Praxis erkennt Graham innerhalb weniger Minuten, dass Lecter der gesuchte Mörder ist. Ausschlaggebend ist eine alte medizinische Darstellung des sogenannten „verwundeten Mannes“, deren Verletzungsmuster denjenigen eines Opfers des Chesapeake Ripper entspricht.
Graham begibt sich in Lecters Vorzimmer, um die FBI-Außenstelle in Baltimore anzurufen. Lecter zieht seine Schuhe aus, nähert sich ihm unbemerkt und schlitzt ihm mit einem Linoleummesser den Bauch auf. FBI-Agenten und Beamte der Staatspolizei von Maryland treffen ein und nehmen Lecter fest. Graham verbringt mehrere Monate im Krankenhaus. Durch die Festnahme Lecters wird er öffentlich bekannt und innerhalb des FBI als Legende verehrt. Der Boulevardreporter Freddy Lounds verschafft sich Zutritt zu Grahams Krankenzimmer, fotografiert dessen Verletzungen und veröffentlicht die Bilder im National Tattler. Nach seiner Genesung verlässt Graham traumatisiert das FBI.
1980 lebt Graham mit seiner Ehefrau Molly, die er ein Jahr nach dem Angriff Lecters kennengelernt hat, und deren Sohn Willy auf Sugarloaf Key in Florida. Sein früherer Vorgesetzter Jack Crawford überredet ihn, seinen Ruhestand zu unterbrechen und das FBI bei der Suche nach der „Zahnfee“ zu unterstützen. Der Täter hat im Abstand eines Mondzyklus zwei Familien ermordet, zunächst in Birmingham, Alabama, danach in Atlanta, Georgia. Nach der Untersuchung der Tatorte sucht Graham Lecter auf, der inzwischen im Baltimore State Hospital for the Criminally Insane untergebracht ist. Lecter verspottet ihn und übermittelt Dolarhyde später Grahams Privatadresse in einer verschlüsselten Nachricht. Um Molly und Willy zu schützen, werden sie zunächst in ein Ferienhaus von Crawfords Bruder gebracht. Später reist Molly mit ihrem Sohn zu den Eltern ihres verstorbenen ersten Ehemanns nach Oregon.
Graham verfolgt Dolarhyde weiter und benutzt Freddy Lounds für den Versuch, die Verbindung zwischen Lecter und Dolarhyde zu unterbrechen. In einem Interview lässt er Lounds absichtlich falsche Behauptungen veröffentlichen, nach denen Dolarhyde impotent, homosexuell und aus Inzest hervorgegangen sei. Dolarhyde entführt und ermordet Lounds daraufhin. Schließlich erkennt Graham, dass der Täter Zugang zu den privaten Filmaufnahmen der ermordeten Familien gehabt haben muss. Da die Filme beider Familien im selben Betrieb entwickelt wurden, können die Ermittler Dolarhyde identifizieren.
Graham, Crawford und weitere FBI-Agenten treffen an Dolarhydes Haus ein, das dieser in Brand gesetzt hat. Seine blinde Freundin Reba McClane befindet sich noch im Gebäude, während Dolarhyde scheinbar einen gemeinsamen Suizid erzwungen und sich selbst erschossen hat. Graham rettet Reba aus dem brennenden Haus und tröstet sie. Er kehrt anschließend nach Hause zurück, weil er Dolarhyde für tot hält.
Dolarhydes vermeintlicher Suizid erweist sich jedoch als Täuschung. Er hat einem früheren Opfer ins Gesicht geschossen und dadurch Reba sowie die Polizei glauben lassen, bei der Leiche handle es sich um ihn. Dolarhyde greift Graham und dessen Familie in ihrem Haus in Florida an und verletzt Graham schwer im Gesicht. Molly erschießt Dolarhyde mit dem Revolver der Familie. Graham überlebt, behält jedoch entstellende Narben und wird erneut schwer traumatisiert. Kurz darauf schickt Lecter ihm eine höhnische Nachricht, in der er ihm eine schnelle Genesung wünscht und hofft, dass Graham nicht allzu hässlich geworden sei. Crawford vernichtet die Nachricht.
In Das Schweigen der Lämmer wird Graham kurz erwähnt. Die FBI-Anwärterin Clarice Starling erinnert sich daran, dass er als bester Ermittler Crawfords an der Akademie als Legende galt, inzwischen jedoch als alkoholabhängiger Mann mit einem schwer entstellten Gesicht in Florida lebe. Crawford vergleicht Grahams Gesicht mit einem Bild Pablo Picassos. Bei Starlings erster Begegnung mit Lecter erkundigt sich dieser nach Grahams Aussehen. Später erwähnt Frederick Chilton gegenüber Lecter, dass Crawford ihm nicht verziehen habe, seinen Schützling verstümmelt zu haben.
Graham wurde zweimal in einer Filmadaption dargestellt: 1986 von William Petersen in Manhunter – Roter Drache und 2002 von Edward Norton in Roter Drache.
Die Darstellung Grahams in Manhunter – Roter Drache entspricht der Romanfigur weitgehend, weist jedoch mehrere Änderungen auf. Im Roman ist Graham mit Molly verheiratet und der Stiefvater ihres Sohnes Willy. Im Film haben Graham und Molly (Kim Greist) einen Sohn namens Kevin; es wird nicht angedeutet, dass dieser nicht Grahams leibliches Kind ist. Auch seine Beziehung zu Lecter, dessen Name im Film „Lecktor“ geschrieben wird und der von Brian Cox dargestellt wird, ist verändert. Während Graham den inhaftierten Lecter im Roman nur einmal wegen der Zahnfee aufsucht, telefoniert er im Film später erneut mit ihm, um Dollarhyde (Tom Noonan) besser zu verstehen.
Auch das Ende weicht von der Romanvorlage ab. Graham rettet Reba McClane (Joan Allen) vor Dollarhyde, der sie aus Eifersucht töten will. Bei der anschließenden Auseinandersetzung erschießt Graham den Täter.
Die Verfilmung Roter Drache von 2002 verändert vor allem Grahams Beziehung zu Lecter (Anthony Hopkins). Im Roman begegnet er ihm erstmals, als er ihn zu einem früheren Patienten befragt. Im Film kennen sich beide bereits länger, und Graham hat Lecter mehrfach bei Ermittlungen konsultiert. Er bespricht mit ihm eine Mordserie, bei der der Täter Organe seiner Opfer verzehrt. In Lecters Haus entdeckt Graham ein Rezept, das sämtliche entfernten Organe enthält, und erkennt dadurch, dass Lecter der gesuchte Mörder ist.
Im Unterschied zu Manhunter – Roter Drache bleibt die abschließende Auseinandersetzung mit Dolarhyde (Ralph Fiennes) näher am Roman. Graham und Dolarhyde werden bei einem Schusswechsel schwer verletzt; Grahams Gesicht bleibt jedoch unversehrt. Seine Ehefrau Molly (Mary-Louise Parker) erschießt Dolarhyde in den Kopf, als dieser erneut angreifen will. Die Schlussszene deutet an, dass Graham die psychische Belastung übersteht und seine Ehe fortbesteht. In dieser Fassung haben Graham und Molly einen leiblichen Sohn namens Josh (Tyler Patrick Jones), anstatt dass Graham wie im Roman Stiefvater ist.
Hugh Dancy verkörpert Graham in Hannibal, einer Fernsehserie über dessen Beziehung zu Hannibal Lecter (Mads Mikkelsen) vor Lecters Festnahme. Graham entwickelt während gemeinsamer Mordermittlungen eine komplexe Bindung zu Lecter, bevor er dessen Verbrechen erkennt. Die Serie wurde am 4. April 2013 auf NBC erstmals ausgestrahlt.
Die Serienfassung weist Verhaltensweisen auf, die von anderen Figuren zunächst mit dem Autismus-Spektrum in Verbindung gebracht werden. Serienschöpfer Bryan Fuller stellte jedoch klar, dass Graham nicht am Asperger-Syndrom leide. Dancy zufolge nutzt Graham vielmehr Verhaltensweisen, die oberflächlich an autistische Merkmale erinnern, als Schutzmechanismen gegen seine extrem ausgeprägte Empathie. Grahams außergewöhnliche Empathie und Vorstellungskraft ermöglichen ihm, die untersuchten Morde gedanklich aus der Perspektive des Täters zu rekonstruieren. In der ersten Staffel leidet er zudem unbemerkt an einer fortgeschrittenen Enzephalitis, wodurch Halluzinationen und Gedächtnislücken auftreten. Lecter ist von Grahams Fähigkeit fasziniert und versucht im Verlauf der Serie, ihn zu manipulieren und selbst zum Mörder zu machen.
Zu Beginn der Serie unterrichtet Graham Forensik an der FBI Academy. Wegen der psychischen Belastung hat er den aktiven Außendienst verlassen und lebt mit mehreren aufgenommenen streunenden Hunden zurückgezogen in Wolf Trap, Virginia. Special Agent Jack Crawford (Laurence Fishburne) beauftragt Graham und den beratenden Psychiater Hannibal Lecter mit der Suche nach Garrett Jacob Hobbs (Vladimir Cubrt), dem „Minnesota-Würger“. Graham findet Hobbs und erschießt ihn, um dessen Tochter Abigail Hobbs (Kacey Rohl) zu retten. Da Graham zum ersten Mal einen Menschen getötet hat und befürchtet, die Tat genossen zu haben, beginnt er bei Lecter eine Therapie.
Graham und Lecter entwickeln väterliche Gefühle für Abigail und versuchen, ihr bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen. Sie schützen sie vor Crawford, der vermutet, dass sie ihren Vater bei dessen Verbrechen unterstützt hat, sowie vor der Boulevardjournalistin Freddie Lounds (Lara Jean Chorostecki), die ihre Geschichte ausschlachten will. Graham erfährt später, dass Abigail den Bruder eines von Lecters Opfern getötet und die Tat mit Lecters Hilfe vertuscht hat. Da er den Tod für Notwehr hält und beide schützen möchte, deckt er sie. Zeitweise versucht Graham, eine Beziehung mit seiner Freundin und Kollegin Dr. Alana Bloom (Caroline Dhavernas) einzugehen. Sie lehnt ihn jedoch wegen seines instabilen Zustands ab.
Im Verlauf der Staffel verschlechtert sich Grahams geistiger und körperlicher Zustand durch die Enzephalitis und die Belastung der Mordermittlungen. Er leidet an Schlafwandeln, Halluzinationen, Fuguezuständen und leichten Anfällen. Lecter verschärft die Symptome absichtlich und manipuliert die Beweislage so, dass Graham glaubt, Abigail während einer Psychose getötet und ihre Leiche beseitigt zu haben. Graham stellt sich seinen Kollegen. Nachdem weitere Beweise auftauchen, die ihn auch mit mehreren von Lecter begangenen Morden in Verbindung bringen, flieht er aus der Haft und zwingt Lecter, ihn zum verlassenen Haus der Familie Hobbs zu bringen. Dort erkennt Graham, dass Lecter der Chesapeake Ripper ist, und vermutet, dass er auch Abigail getötet hat. Lecter fordert ihn auf, ihn zu erschießen; Crawford verwundet Graham jedoch und nimmt ihn erneut fest. Im Krankenhaus wird schließlich die Enzephalitis diagnostiziert. Graham wird in einer psychiatrischen Einrichtung inhaftiert, während Lecter frei bleibt.
Die Art, auf die Graham Lecter im Roman enttarnt – die Befragung zu den Verletzungen eines Mordopfers und die Entdeckung der Darstellung des verwundeten Mannes –, wird in der Serie der FBI-Anwärterin Miriam Lass (Anna Chlumsky) zugeschrieben. Lecter greift sie an, bevor sie ihre Erkenntnis weitergeben kann. In der zweiten Staffel wird bekannt, dass er sie gefangen hielt und manipulierte, um die Ermittlungen des FBI von sich abzulenken.
Zu Beginn der zweiten Staffel ist Graham im Baltimore State Hospital for the Criminally Insane unter der Aufsicht von Frederick Chilton (Raúl Esparza) untergebracht und wartet auf seinen Prozess. Lecters Manipulationen und die gegen Graham platzierten Beweise lassen ihn zunächst zweifeln, ob Lecter tatsächlich der Täter ist oder ob er ihm aufgrund seiner eigenen Psychose die Schuld gibt. Nachdem Graham verdrängte Erinnerungen an Lecters Manipulation zurückgewinnt und Lecters Psychiaterin Bedelia Du Maurier (Gillian Anderson) ihm versichert, dass sie ihm glaubt, schwinden seine Zweifel.
Graham versucht aus seiner Zelle heraus, Lecter zu entlarven, und hält gegenüber seinen früheren Kollegen an dessen Schuld fest. Die Tatortermittlerin Beverly Katz (Hettienne Park) erklärt sich bereit, Lecter zu untersuchen, wenn Graham ihr bei anderen Mordfällen hilft. Sie beginnt ihm zu glauben und dringt in Lecters Haus ein, wird dort jedoch entdeckt und getötet. Lecter stellt ihre zerstückelte Leiche öffentlich aus. Nachdem Lecter Graham für Katz’ Tod verantwortlich macht und Alana indirekt bedroht, überredet Graham einen psychisch kranken Krankenpfleger (Jonathan Tucker) zu einem erfolglosen Mordanschlag auf Lecter.
Lecter entlastet Graham, indem er an einem neuen Tatort forensische Spuren der vermeintlichen Opfer Grahams zurücklässt. Nach seiner Freilassung kehrt Graham zum FBI zurück und versöhnt sich scheinbar mit Lecter. Er bittet darum, die Therapiesitzungen wieder aufzunehmen, um seine eigene dunkle Seite zu erforschen. Tatsächlich gehört dies zu einem gemeinsamen Plan mit Crawford, Lecter zu überführen. Lecter erkennt die Täuschung, lässt sie jedoch weiterlaufen, weil er die Bindung zu Graham erforschen und ihn tatsächlich zum Serienmörder machen möchte.
Lecter schickt seinen psychisch kranken früheren Patienten Randall Tier (Mark O’Brien) zu Graham, um ihn zu töten. Graham tötet und verstümmelt Tier, wie Lecter es beabsichtigt hatte. Nachdem Freddie Lounds unerlaubt Grahams Grundstück betritt und Tiers aufbewahrte Überreste entdeckt, greift Graham sie an. Später essen Graham und Lecter gemeinsam Fleisch, das angeblich von Lounds stammt. Tatsächlich lebt sie und arbeitet mit Graham und Crawford zusammen; das Fleisch stammt von Tier. Graham fühlt sich jedoch zunehmend von seiner vorgetäuschten Verbindung mit Lecter angezogen und wird unsicher, auf wessen Seite er steht.
Graham und Lecter verbindet weiterhin ihre Zuneigung zu Abigail, obwohl Graham Lecter wegen ihres vermeintlichen Todes nicht verziehen hat. Beide geraten außerdem mit dem wohlhabenden Sadisten Mason Verger (Michael Pitt) in Konflikt, der seine Zwillingsschwester Margot (Katharine Isabelle) psychisch und sexuell misshandelt. Da Mason ihr mit Enterbung droht, falls sie keinen Nachkommen der Familie Verger bekommt, schläft Margot mit Graham und wird schwanger. Lecter informiert Mason über ihre Absicht, woraufhin dieser ihr die Gebärmutter entfernen lässt. Graham stellt Mason wütend zur Rede und warnt ihn, dass Lecter sie beide manipuliere.
Graham rettet Lecter davor, von Masons Schweinen gefressen zu werden, und findet ihn später mit Mason als Gefangenem in seinem Haus vor. Lecter hat Mason Halluzinogene verabreicht und bringt ihn dazu, Teile seines eigenen Gesichts abzuschneiden und Grahams Hunden zum Fraß vorzuwerfen. Graham greift nicht ein. Lecter bricht Mason mit Grahams stillschweigender Zustimmung das Genick, wodurch dieser vom Hals abwärts gelähmt wird.
Crawford und Graham planen, Lecter zu überführen, indem sie ihn dazu verleiten, Crawford während eines Abendessens in seinem Haus anzugreifen. Am Vorabend schlägt Lecter Graham vor, gemeinsam das Land zu verlassen und den geplanten Mord an Crawford aufzugeben. Graham besteht nach kurzem Zögern darauf, den Plan fortzusetzen.
Als Graham erfährt, dass er wegen der Zusammenarbeit mit Crawford und wegen Tiers Tod festgenommen werden soll, warnt er Lecter telefonisch mit den Worten, „sie wissen es“, und hofft, dass dieser flieht. In Lecters Haus findet Graham Alana schwer verletzt vor, nachdem Abigail sie auf Lecters Anweisung aus einem Fenster gestoßen hat. Auch Crawford wurde bei dem Versuch, Lecter festzunehmen, schwer verwundet. Graham erkennt überrascht, dass Abigail noch lebt. Lecter schlitzt ihm mit einem Linoleummesser den Bauch auf und erklärt, er habe Abigails Tod vorgetäuscht, um sie vor einer Festnahme zu schützen. Hätte Graham sein Angebot zur gemeinsamen Flucht angenommen, hätte Abigail sie begleitet. Lecter erklärt Graham, dass er ihm seinen Verrat verzeihe, und fragt, ob Graham ihm ebenfalls vergeben könne. Anschließend schneidet er Abigail die Kehle durch und lässt beide verbluten. Kurz darauf trifft die Polizei ein.
Abigail stirbt, während Graham seine Verletzungen überlebt und sich mehrere Monate lang erholt. Auf der Suche nach Lecter reist er zunächst zu dessen Elternhaus in Litauen. Dort begegnet er Chiyoh (Tao Okamoto), einer früheren Bediensteten der Familie Lecter, und tötet den Mann, der Jahrzehnte zuvor Lecters Schwester Mischa ermordet und gegessen haben soll. Graham verstümmelt dessen Leiche und gestaltet daraus eine an Lecters Inszenierungen erinnernde Darstellung. Chiyoh hilft ihm anschließend, Lecter in Florenz aufzuspüren.
Graham trifft Lecter und versucht, ihn zu töten, wird jedoch von Chiyoh angeschossen. Lecter bringt ihn in seine Villa und will vor Crawfords Augen eine Kraniotomie an ihm durchführen. Korrupte italienische Polizisten im Dienst von Mason Verger (Joe Anderson) unterbrechen ihn, nehmen Graham und Lecter gefangen und bringen beide auf Vergers Anwesen in Maryland. Mason plant, Lecter mit Unterstützung seines Arztes Cordell Doemling (Glenn Fleshler) zu Tode zu foltern. Cordell soll zudem Grahams Gesicht ohne Betäubung entfernen und auf Masons Gesicht transplantieren. Lecter tötet Cordell, befreit Graham und hilft Margot, ihren Bruder zu töten. Anschließend trägt er den bewusstlosen Graham in Sicherheit und bringt ihn nach Hause. Graham erklärt, keinen weiteren Kontakt zu Lecter haben zu wollen, lässt ihn jedoch entkommen. Am selben Abend stellt Lecter sich Crawford, um Graham zu provozieren, da er weiß, dass Graham ihn aufsuchen wird, solange dessen Aufenthaltsort bekannt ist.
Drei Jahre später hat Graham das FBI erneut verlassen und lebt mit seiner Ehefrau Molly (Nina Arianda) und deren Sohn Walter zusammen. Crawford bittet ihn, ein Täterprofil der „Zahnfee“ zu erstellen, die ganze Familien ermordet. Graham stimmt nach anfänglichem Widerstand zu und sucht Lecter im Gefängnis auf. Durch die Gespräche mit Lecter gewinnt er seine Fähigkeit zurück, sich in Psychopathen hineinzuversetzen, leidet jedoch unter Albträumen, in denen er selbst seine Familie ermordet. Lecter erklärt, der Täter fühle sich mit William Blakes Aquarell Der große Rote Drache und die mit der Sonne bekleidete Frau verbunden, und rät Graham, das Bild zu betrachten. Im Brooklyn Museum trifft Graham auf Francis Dolarhyde (Richard Armitage), der ihn angreift. Lecter übermittelt Dolarhyde Grahams Privatadresse. Dieser greift Grahams Familie an und schießt Molly an, während sie mit Walter fliehen kann.
Um Dolarhyde von seiner Familie abzulenken, gibt Graham Lounds ein Interview, in dem er die „Zahnfee“ als hässlich, impotent und aus Inzest hervorgegangen bezeichnet. Er präsentiert Chilton als fachliche Quelle dieser Einschätzung. Dolarhyde entführt Chilton daraufhin, verstümmelt ihn und setzt ihn in Brand.
Im Serienfinale The Wrath of the Lamb täuscht Dolarhyde seinen Tod vor. Graham tröstet zunächst dessen Freundin Reba McClane (Rutina Wesley), wird anschließend jedoch von Dolarhyde in seinem Hotelzimmer angegriffen. Mit Bloom und Crawford entwickelt Graham einen Plan, Lecter als Köder einzusetzen. Er täuscht dessen Verlegung in eine andere Einrichtung vor, damit Dolarhyde den Transport angreift. Dolarhyde tötet Lecters Bewacher und ermöglicht Graham und Lecter die Flucht. Lecter bringt Graham zu einem Haus an einer Klippe, in dem er zuvor Abigail Hobbs und Miriam Lass gefangen gehalten hatte. Dolarhyde folgt ihnen, schießt Lecter in den Rücken und sticht Graham ins Gesicht. Gemeinsam überwältigen und töten Graham und Lecter ihn. Lecter reißt ihm mit den Zähnen die Kehle auf, während Graham ihm den Bauch aufschlitzt. Danach umarmen sich beide, und Graham reißt Lecter mit sich über die Klippe.
Eine Szene nach dem Abspann zeigt Bedelia Du Maurier an einem für drei Personen gedeckten Tisch, an dem ihr eigenes zubereitetes Bein serviert wird. Fuller erklärte, dies solle darauf hindeuten, dass Graham und Lecter den Sturz überlebt haben. Für eine mögliche Fortsetzung plante er, beide auf der Flucht vor dem FBI zu zeigen; zeitweise nannte er Kuba als möglichen Schauplatz.
Die emotionale Beziehung zwischen Graham und Lecter bildet die Grundlage der Fernsehserie. In der dritten Staffel wird die zuvor vor allem im Subtext angedeutete romantische Dimension ausdrücklich thematisiert, als Graham Bedelia fragt, ob Lecter in ihn verliebt sei.
Bryan Fuller erklärte, diese Entwicklung sei ursprünglich nicht fest geplant gewesen, sondern habe sich aus dem zunehmend intimen Zusammenspiel von Mads Mikkelsen und Hugh Dancy ergeben. Die Serie habe die Liebe zwischen den Figuren bewusst angesprochen, ohne ihre Beziehung eindeutig als sexuell zu definieren.
Bei der Entstehung des von Siouxsie Sioux gesungenen Liedes Love Crime für das Serienfinale beschrieb Fuller die Handlung als Liebesgeschichte zwischen zwei Männern: einem Kannibalen und einem Mann, der dessen kannibalistische Impulse besonders gut versteht.
Screen Rant nahm Graham 2021 in eine Rangliste der sympathischsten Hauptfiguren der frühen Staffeln der Fernsehserie auf.