


Willi Reiche (* 1954 in Fürth) ist ein deutscher Künstler, der ausgediente und meist anachronistische Gegenstände und Maschinenbestandteile mechanisch in Bewegung setzt und dabei humorvoll neu inszeniert. Er ist ein Vertreter der Kinetischen Kunst.
Reiche wuchs die ersten fünf Lebensjahre in Oberfranken auf. Wegen des Baus der Trinkwassertalsperre Mauthaus – auch Ködeltalsperre genannt – wurden Reiches Eltern enteignet, mussten ihr Haus im Ködeltal verlassen und zogen nach Bonn. Dort ging Willi Reiche zur Schule und studierte von 1975 bis 1982 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Kunstgeschichte. Anschließend war er bis 1990 Geschäftsführer der Grafischen Werkstatt in Wachtberg.
Bereits seit 1982 ist Reiche künstlerisch aktiv. Seit 1990 widmet er sich ausschließlich der bildenden Kunst. Ende 1989 begann Reiche mit der Konstruktion kinetischer Objekte. Seine Kunstmaschinen werden meist von Elektromotoren angetrieben, teilweise aber auch durch Muskelkraft. Seit Ende der 1970er-Jahre lebt der Künstler Willi Reiche in Wachtberg und arbeitet dort in seiner Metallwerkstatt, umgeben von seinem beachtlichen Materialfundus. Diese Werkstatt diente bereits in mehreren Kurzfilmen als außergewöhnliche Filmkulisse.

Mehrere Kunstmaschinen waren von 2012 bis 2016 im The MAD (Mechanical Art & Design) Museum in Stratford-upon-Avon zu sehen. 2016 war Reiche beteiligt an der Sonderausstellung Hommage à Tinguely in der MAG – Montreux Art Gallery anlässlich der 12. Contemporary Art Fair 2016 im Montreux Music & Convention Centre (2m2c).

Im Mai 2017 eröffnete er in der Nähe von Remagen die Kunstmaschinenhalle, in der seine Werke nach Terminvereinbarung in Bewegung besichtigt werden können. Ein Großteil seiner Kunstmaschinen ist dort untergebracht, individuell ausgeleuchtet und mit einem Tastschalter versehen, mit dem die Maschinen einzeln für ein mehrminütiges Zeitintervall in Bewegung gesetzt werden können. Diese Halle kann von Kunstinteressenten und Anhängern der kinetischen Kunst nach vorheriger Terminabsprache besichtigt werden. Die Kunstmaschinenhalle inmitten einer Obstplantage schafft eine Verbindung zwischen historischem Gebäude und zeitgenössischer Kunst. Da die Zukunft der Kunstmaschinenhalle an diesem Standort ungewiss ist, sucht Reiche nach einem neuen Ort für seine Kunstmaschinen.
Reiches kinetische Kunstmaschinen werden achtmal auf der NordArt präsentiert, die 12-teilige Installation Von der Wiege bis zur Bahre war anlässlich des 25-jährigen Jubiläums eines von vier Sonderprojekten, die NordArt 2025 präsentiert die Kunstmaschine Blowin' in the wind.


Seit April 2022 präsentiert das Mechanicum in der Asbachgasse in Rüdesheim in den Salons der ehemaligen Chefetage der Asbach Uralt Brennerei Willi Reiches kinetisches Werk The piano is still baking.
Mit drei Werken war Reiche 2024 in Brüssel im Rahmen des Skulpturenfestivals Sculptura #2 als ein Repräsentant für Deutschland vertreten mit den Arbeiten Schirmakazie und Bügelpalast im Gare Maritime sowie der kinetischen Installation Ganz große Bühne – kleiner Strahl im Park Tour & Taxis.
Im Rahmen der Ausschreibung Oberhausen CityArts 2025 wurde Willi Reiche am 8. Dezember 2025 für seine kinetische Kunst mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, der vom Künstlerförderverein Oberhausen e. V. gestiftet wurde. Zudem richtet das Weiterbildungsinstitut WbI den vier Preisträgern 2026 eine gemeinsame Ausstellung aus. Dr. Sarah Hülsewig, Kuratorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen und Jurymitglied, lobte die Ästhetik der nachhaltigen und humorvollen Kunstmaschinen, die aus Sicht der Kunsthistorikerin Zitate des anarchischen Dadaismus aufweisen.
Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) fördert das Kunstprojekt „Von Höhen und Tiefen“ an zwei historischen Orten in Krefeld, in dessen Rahmen Willi Reiche 2026 im Haus der Seidenkultur und im Klärwerk Uerdingen in einem außergewöhnlichen Zusammenspiel aus seiner kinetischen Kunst ergänzt mit Klangkunst von Nils Mosh Anspielungen auf die Geschichte der Seidenstadt präsentiert. Der WDR hat in einem Beitrag von Florian Zeeh (3:49 min) das Haus der Seidenkultur und die Ausstellung als Freizeit-Tipp und Ausflugsziel in NRW präsentiert.




| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reiche, Willi |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Künstler |
| GEBURTSDATUM | 1954 |
| GEBURTSORT | Fürth |