Willy Pragher wurde als Sohn der Johanna Decker aus Mittweida und des aus Bukarest stammenden Chemieingenieurs Moritz Prager geboren. Pragher besuchte Schulen in Berlin und in Stuttgart, 1924 begann er, zu fotografieren, 1928 eine Lehre beim Ullstein-Verlag in Berlin. Von 1930 bis 1932 absolvierte er eine Ausbildung in Gebrauchsgrafik und Dekoration an der Reimann-Schule in Berlin, der größten privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule Deutschlands. Dort wurde er ab 1931 auch in Fotografie ausgebildet.
Ab 1932 arbeitete er als freiberuflicher Pressefotograf unter anderem für den Ullstein-Verlag, die Berliner Illustrierte und die Badische Zeitung. Er baute einen eigenen Bilderdienst auf, unternahm zahlreiche Reisen und änderte seinen Familiennamen Prager zu Pragher, um nicht mit dem Schauspieler Willy Prager verwechselt zu werden.
1939 verließ er Deutschland und war bis 1944 in der Werbeabteilung der rumänischen Mineralölfirma OSIN Distribuţia, die ihren Sitz in Bukarest hatte, angestellt. Pragher war auf seinen Reisen auch für den Bilderdienst des Fotografen Hanns Tschira tätig, der Aufnahmen in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte, u.a. in der Wiener Illustrierten Das interessante Blatt. 1944 wurde Pragher zum Volkssturm in Bukarest eingezogen. Von 1945 bis 1949 war er in russischer Kriegsgefangenschaft in Sibirien.
Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Deutschland zurück, wo er seine Arbeit in Freiburg im Breisgau wiederaufnahm und dort bis zu seinem Tod lebte.
Bad Schachen, Maria von Khuon, Ernst von Khuon und Baron Dées de Sterio, 1966
Willy Pragher mit seiner Frau Friedel, 1985
Berlin, Pragher in der Ausstellung „Die Reise nach Berlin“, 1987
Sparkasse Freiburg, Ausstellung „Menschen in unserer Stadt“, 1988
Nachlass
Plakatentwurf von Pragher
Sein umfangreicher Nachlass von rund einer Million Fotografien befindet sich im Staatsarchiv Freiburg und besteht aus rund 6.000 Glasplattennegativen, 27.000Diapositiven, 110.000 Papierpositiven und mehreren hunderttausend Filmnegativen.
Ein umfangreicher Bildbestand wurde vom Staatsarchiv Freiburg Wikimedia Commons bereitgestellt.
Ausstellungen
Werbeplakat für die Zeit-Ausstellung in Freiburg, 1988
Rumänische Woche, Hotel Europäischer Hof Freiburg im Breisgau, Mai 1956
10 Jahre Amerikahaus Freiburg, Amerikahaus Freiburg im Breisgau, Bertoldstraße 8, 1962
Die Berliner S-Bahn. Gesellschaftsgeschichte eines industriellen Verkehrsmittels, Künstlerhaus BethanienWest-Berlin, 28. November 1982 – 19. Januar 1983
Freiburg in den 50er-Jahren. Festgehalten in Fotografien von Willy Pragher. Staatsarchiv Freiburg 2023, ISBN 978-3-8425-2418-7.
Freiburg in den 60er-Jahren. Festgehalten in Fotografien von Willy Pragher. Staatsarchiv Freiburg 2024, ISBN 978-3-8425-2464-4.
Literatur
Hans Sahl: Willy Prager. In: Gebrauchsgraphik. Bd. 10 (1933), Heft 2, S. 36–43 (Digitalisat).
Silke Judith Egelhof: Willy Pragher (1908–1992): Studien zu einem deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts. In: Fotogeschichte, Heft 58, 1995, S. 78.
Anja Schellinger / Christof Strauß (Hrsg.): Typisch!? Freiburg und die Region in Fotos von Willy Pragher: Begleitbuch zur Ausstellung des Augustinermuseums und des Landesarchivs Baden-Württemberg, Abteilung Staatsarchiv Freiburg: Haus der Graphischen Sammlung im Augustinermuseum, 23. Juli 2022 bis 16. Oktober 2022. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2022, ISBN 978-3-7319-1251-4.
↑Swantje Kuhfuss-Wickenheiser: Die Reimann-Schule in Berlin und London 1902–1943. Ein jüdisches Unternehmen zur Kunst- und Designausbildung internationaler Prägung bis zur Vernichtung durch das Hitlerregime. Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-475-2, S. 558
↑Swantje Kuhfuss-Wickenheiser, Die Reimann-Schule in Berlin und London 1902–1943. Ein jüdisches Unternehmen zur Kunst- und Designausbildung internationaler Prägung bis zur Vernichtung durch das Hitlerregime, Aachen 2009, ISBN 978-3-86858-475-2, S. 298 f., 309