Wind Profiler

Wind Profiler (Deutschland)
Wind Profiler (Deutschland)
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Nordholz
Windprofiler in Deutschland

Ein Windprofiler oder Radar-Wind-Profiler (RWP) ist seit den frühen 1970er Jahren ein meteorologisches Messsystem, zur Messung der Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre. Damit können Messungen der vertikalen Variation der Windrichtung und Windstärke (Vertikalprofil des horizontalen Windvektors) durchgeführt werden. Ein RWP besteht aus einem, auf dem Erdboden aufgebauten und vertikal strahlenden gepulsten Primär-Radarsensor.

Durch eins zusätzliches Radio Acoustic Sounding System (RASS) wird die Messung der schallvirtuellen Temperatur ermöglicht. Die RASS-Komponente eines RWP besteht aus zusätzlichen Lautsprechern, die durch vertikal abgestrahlte Schallwellen die Dichte der Atmosphäre modulieren. Durch die Wellenberge und Wellentäler der Schallwellen bilden sich Zonen unterschiedlicher Reflexionseigenschaften für die elektromagnetischen Wellen des Radars. Der Abstand dieser Zonen ändert sich aufgrund von Temperaturunterschieden in der Atmosphäre. Diese Abstandsänderungen können mit dem Radar gemessen und daraus der Temperaturverlauf bestimmt werden.

Ein RWP-System mit einer Sendefrequenz von 915 MHz erlaubt z. B. die Messung der Temperatur der Atmosphäre mit einer vertikalen Auflösung von 60 m bis zu 1,5 km Höhe. Ein anderes System, das auf 449 MHz sendet, hat eine Auflösung von 60 m bis zu einer Höhe von 3,5 km bei einer Mittelung der Messwerte über 5 Minuten.

Grundsätzlich hängt die erreichbare Reichweite, Auflösung und Genauigkeit u. a. von der Wahl der Betriebsfrequenz ab, wobei niedrigere Frequenzen eine bessere Durchdringung von Gewitterwolken ermöglichen, während höhere Frequenzen aufgrund des größeren Dopplereffekte eine höhere Genauigkeit erlauben. Die Eigenschaften der RWP-Systeme in den üblichen Frequenzbereichen sind:

Die Zeitintervalle für die Mittlung der Messwerte von RWP und WTR können zwischen 1 Minute und 60 Minuten gewählt werden. Damit können in kürzeren Abständen aktuelle Messungen erfolgen als bei der Sondierungen der Atmosphäre mit Ballonen. Die Daten können direkt in dafür geeignete Netzwerke eingespeist und für die Initialisierung und Anpassung der Wettermodelle verwendet werden und dienen einer möglichst genauen Wettervorhersage. Windprofiler arbeiten vollautomatisch und können daher auch mit wenig Personal betrieben werden.

Messprinzip

Windgeschwindigkeit

Ehemaliger Windprofiler am Meteorologischen Observatorium Lindenberg
Mobiler Wind Profiler von Meteoschweiz

Eine gepulste elektromagnetische Welle wird über eine phasengesteuerten Gruppenantenne (engl.: Phased-Array-Antenne) in die Troposphäre abgestrahlt; zur Windmessung mit dem DBS-Verfahren (engl. Doppler beam swinging) werden dabei mindestens drei verschiedene Strahlrichtungen verwendet. Die elektromagnetischen Wellen werden durch Inhomogenitäten des Brechungsindexes gestreut. Aus der Phasenänderung der zurückgestreuten Welle kann die Dopplerverschiebung und damit die radiale Windgeschwindigkeit ermittelt werden.

Temperatur

Lautsprecher

Die Temperatur wird nach dem Prinzip des radio-acoustic sounding system gemessen. Dazu strahlen z. B. vier große Lautsprecher mit rund 135 dBa Schallwellen in die Atmosphäre, es können aber auch akustische Arrays aus Piezo-Lautsprechern genutzt werden. Das dabei entstehende Muster von Dichte-Fluktuationen wird vom Radar-Puls abgetastet, wobei die Schallgeschwindigkeit als Funktion der gemessenen Wellenlänge einer bekannten Frequenz bestimmt wird. Über die Laplacesche Beziehung wird dann aus der Schallgeschwindigkeit die Temperatur abgeleitet. Die Reichweite der Temperaturmessung ist auf 4 km begrenzt durch die Reichweite des akustischen Signals.

Genutzte Frequenzen

Für die Bestimmung von Windgeschwindigkeiten kann jede Radarfrequenz als Sendefrequenz genutzt werden. Es ist ein Kompromiss zu schließen:

Bodengestützt

Die üblicherweise international für RWP genutzten Frequenz-Bereiche im VHF- bis UHF-Band sind:

  1. 46–68 MHz (typ. 50 MHz)
  2. 440 MHz bis 450 MHz (typ. 449 MHz)
  3. 470 MHz bis 494 MHz, (typ. 482 MHz)

Auf der World Radio Conference 1997 (WRC-97) der ITU (International Telecommunication Union) wurden auch die folgenden Frequenzbereiche zugewiesen:

  1. 904 MHz bis 928 MHz nur in ITU Region 2 (typ. 915 MHz),
  2. 1270 MHz bis 1295 MHz (typ. 1290 MHz) und
  3. 1300 MHz bis 1375 MHz beschlossen.

Es gibt aber auch vereinzelt WPR Systeme, die auf unüblichen Frequenzen wie z. B. 205 MHz genutzt werden.

Die in Deutschland zugelassenen Frequenz-Bereiche für (meist bodenständige) Windprofil-Radargeräte sind:

min. Frequenzmax. FrequenzFrequenzband
46 MHz68 MHzVHF
470 MHz790 MHzUHF
1260 MHz1300 MHzUHF (bzw. L-Band)

Satellitengestützt

Bei satellitengestützten Radargeräten (Abstrahlung nach unten) müssen durch die meist sehr große Höhe der Umlaufbahn über der Erdoberfläche oder der Wolkendecke Einschränkungen in der Genauigkeit durch die Divergenz der elektromagnetischen Wellen hingenommen werden. Das kann kompensiert werden durch die Wahl extrem hoher Sendefrequenzen und daraus folgender höherer Richtwirkung bei kleineren geometrischen Abmessungen der Antennen; die höhere Dämpfung durch die Atmosphäre ist bei Messungen aus dem Weltall nur auf einem sehr kurzen Stück des Ausbreitungsweges wirksam. Von Satelliten aus werden zusätzlich folgende Frequenzbänder für die Erkundung von Wettererscheinungen genutzt:

min. Frequenzmax. FrequenzFrequenzband
5,250 GHz5,255 GHzC
9,300 GHz9,900 GHzX
13,25 GHz13,75 GHzKu
24,05 GHz24,25 GHzK
35,5 GHz36,0 GHzKa
94,0 GHz94,1 GHzW
130,0 GHz134,0 GHzF
237,9 GHz238,0 GHzJ

Geschichte

Siehe auch

Commons: Wind Profiler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 DWD, Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): Radar-Windprofiler (UHF: 482 MHz). (dwd.de [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  2. 1 2 DWD, Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): Windprofiler Radar/RASS. (dwd.de [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  3. 1 2 US Environmental Protection Agency, EPA-454/R-99-005, Meteorological Monitoring Guidance for Regulatory Modeling Applications, 2000.February. (epa.gov [PDF; abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  4. ↑ Radar Wind Profiler, Lehmann, V., Brown, W. (2021), Part C31 in Handbook of Atmospheric Measurements, Foken, Springer.
    1. 1 2 Tbl. 31.4
  5. ↑ New Observations by Wind Profiling Radars, Masayuki K. Yamamoto. (intechopen.com [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  6. 1 2 3 Wind Data Hub for U.S. Department of Energy, Office of Energy Efficiency and Renewable Energy (Hrsg.): Radar - ESRL Wind Profiler with RASS, Wasco Airport - Raw Data. (energy.gov [abgerufen am 14. Oktober 2025]).
  7. 1 2 50RWP, Radar Wind Profiler (50 MHz). (arm.gov [abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  8. ↑ ARM TR-045Radar Wind Profiler and RASS (RWP50) Handbook, R. Coulter, 2004. November. (arm.gov [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  9. ↑ Document AP 2004/1, Product Information, Radar Wind Profilers, AP10, AP100, AP1000, AP50, AP500, AP5000, Scintec.
    1. 1 2 3 4 Notes 12.
    2. 1 2 Notes 11.
    3. ↑ Notes 11und 12.
  10. ↑ Comparison of Boundary-Layer Profiles and Layer Detection by AMDAR and WTR/RASS at Frankfurt Airport, Clemens Drüe, Thomas Hauf, Axel Hoff, Boundary-Layer Meteorol 2010.March.20.
  11. ↑ Electronic Communications Committee (ECC) within the European Conference of Postal and Telecommunications Administrations (CEPT) Working Group SE, SE39(05)01, Wind Profiler Radar – Tests concerning the possible impact of Emissions from the Galileo System on the measurements of Wind Profile Radars, Germany, 2005.January.11 – 13.
  12. ↑ Electronic Communications Committee (ECC) within the European Conference of Postal and Telecommunications Administrations (CEPT) Working Group SE, SE39(06)XX Wind Profiler Radar – Fundamentals and Report on a GALILEO E6 - WPR Interference Simulation Experiment, Germany, 2005.March.30 – 31.
  13. ↑ Electronic Communications Committee (ECC) within the European Conference of Postal and Telecommunications Administrations (CEPT), ECC Report 90, Compatibility of Wind Profiler Radars in the Radiolocation Service (RLS) with the Radionavigation Satellite Service (RNSS) in the Band 1270-1295 MHz, Lübeck, 2006. September. (cept.org [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  14. ITU-RR (International Telecommunication Union Radio Regulations) Articles, Edition 2024. (itu.int [abgerufen am 16. Oktober 2025]).
    1. ↑ No. 5.162A.
    2. ↑ No. 5.291A.
  15. ↑ Report ITU-R M.2013, Wind Profiler Radars, 1997. (itu.int [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  16. ↑ Recommendation ITU-R M.1227-2, Technical and operational characteristics of wind profiler radars in bands in the vicinity of 1000 MHz, 1997-2000-2001. (itu.int [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).
  17. ↑ Radio Science Research Article 10.1002/2015RS005836, Validation of 205 MHz wind profiler radar located at Cochin, India, using radiosonde wind measurements, Ajil Kottayil, K. Mohanakumar, Titu Samson, Rejoy Rebello, M. G. Manoj, Rakesh Varadarajan, K. R. Santosh, P. Mohanan, K. Vasudevan,.
  18. 1 2 Frequenznutzungsplan der Bundesnetzagentur für Deutschland
  19. ↑ Neues von Rohde&Schwarz, Wind-Profiler für den Deutschen Wetterdienst, Heft 180 (2003/IV), S. 58 ff. (radartutorial.eu [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2025]).