Wolf Zucker

Wolfgang Max Zucker, bekannt als Wolf Zucker (* 22. Mai 1905 in Kassel, Provinz Hessen-Nassau; † 21. Mai 1983 in East Orange, New Jersey), war ein deutschstämmiger Redakteur, Schriftsteller sowie Literatur- und Filmkritiker in der Weimarer Republik. Er emigrierte 1949 in die Vereinigten Staaten und war dort als Hochschullehrer tätig.

Leben und Wirken

Wolf Zucker wurde im Frühjahr 1905 in Kassel geboren. An der Universität Berlin wurde er mit der Arbeit Existenz und Erkenntnis der Individualität in der Kultursoziologie zum Dr. phil. promoviert und setzte seine Ausbildung an der London School of Economics fort. In der Endphase der Weimarer Republik zählte er in Berlin zu den Redakteuren der Wochenzeitschrift Die Weltbühne, die ab 1927 von Carl von Ossietzky herausgegeben wurde.

Zucker arbeitete auch für Die neue Rundschau und als Literatur- und Filmkritiker für Die literarische Welt, in der im August 1929 sein Aufsatz Kunst und Reklame. Zum Weltreklamekongreß in Berlin erschien. Dieser Text wurde 1994 in die englischsprachige Quellensammlung The Weimar Republic Sourcebook (University of California Press, USA) aufgenommen, die ausgewählte dokumentarische und kulturelle Texte zur Weimarer Republik bündelt. Unter dem Titel Art and Advertising ist Zuckers Text dort im Kapitel „Visions of Plenty: Mass Consumption, Fashion, and Advertising“ („Visionen des Überflusses: Massenkonsum, Mode und Werbung“) neben Beiträgen weiterer deutscher Autorinnen und Autoren jener Zeit enthalten.

1931 war Zucker als Autor, Bearbeiter oder Kommentator an mehreren Hörspielproduktionen beteiligt.

Mit Walter Benjamin arbeitete Zucker am Konzept von dessen „Hörmodellen“, einer neuen Art nicht-literarischen Hörspiels. Anders als das traditionelle Hörspiel stellte es praktische Probleme des zeitgenössischen Lebens an konkreten Situationen dar und war von Benjamin als „Lebenshilfe“ für die Hörerschaft gedacht. Zucker war derjenige, der die Gedanken Benjamins konkret zu Papier brachte und die Hörspieltexte formulierte. Eines der ersten Hörmodelle mit dem Titel Gehaltserhöhung?! Wo denken Sie hin? stellte Techniken zur Verhandlung einer Gehaltserhöhung anhand zweier kontrastierender Versionen derselben Situation vor. Mehr als 40 Jahre später berichtete Zucker 1972 in einem Artikel in der Zeit darüber, wie seine Radiokooperation mit Benjamin damals zustande gekommen war und wie ihre Zusammenarbeit im Detail ausgesehen hatte.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 floh Wolf Zucker wegen seiner jüdischen Vorfahren aus Deutschland nach Estland und wurde estnischer Staatsbürger. Dokumente der estnischen Volkszählung belegen, dass er dort bis Ende 1939 in Haapsalu und später in Tartu lebte. Aus dieser Zeit ist ein Brief erhalten, den Zucker im Oktober 1938 aus Haapsalu an Bruno Franks Ehefrau Liesl Frank (1903–1979) schickte.

In Estland heiratete Wolf Zucker die aus einer adligen Familie stammende Emmeline von Stackelberg (1907–1983), die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Während der nationalsozialistischen Besatzung Estlands verbrachte Zucker viel Zeit in Verstecken. Nach Kriegsende lebte er mit seiner Familie im amerikanisch besetzten Bayern.

1949 emigrierte Wolf Zucker mit seiner Frau und inzwischen drei Kindern in die Vereinigten Staaten. An Bord des US-amerikanischen Flüchtlingstransportschiffs General Taylor reiste die Familie am 19. Juni 1949 über Bremerhaven nach New York, wo sie am 28. Juni ankamen; ihr Zielort war Perryville (Maryland).

Nach fast einem Jahr in Port Deposit, Maryland, erhielt Wolf Zucker in New Jersey eine Stelle als Assistenzprofessor für Philosophie und Germanistik am privaten Upsala College in East Orange. 1956 wurde er eingebürgert. Am Upsala College war Zucker mehr als ein Vierteljahrhundert als Professor für Philosophie tätig, zuletzt als Vorsitzender des Fachbereichs Philosophie und Religion. Zudem lehrte er als außerordentlicher Professor für Philosophie an der Graduiertenschule der Drew University in Madison (New Jersey).

Wolf Zucker starb am 21. Mai 1983 – einen Tag vor Vollendung seines 78. Lebensjahres – in East Orange. Er hinterließ zwei Söhne, eine Tochter und eine Stieftochter sowie mehrere Enkelkinder.

Archivmaterial

Archivmaterial zu Wolf Zucker befindet sich im Deutschen Exilarchiv.

Werke (Auswahl)

Bücher
Schriften
Bereich Hörspiel

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 „Wolfgang Zucker“. Nachruf in: The Baltimore Sun, 27. Mai 1983, S. 45.
  2. ↑ Autoren der Weltbühne vor 1933 – Das Blättchen. In: das-blaettchen.de. 12. September 2005, abgerufen am 17. Mai 2026.
  3. 1 2 Zucker, Wolf. In: Anton Kaes, Martin Jay und Edward Dimendberg (Hrsg.): The Weimar Republic Sourcebook. University of California Press, 1994, S. 762 (archive.org)
  4. ↑ Wolf Zucker: Kunst und Reklame. Zum Weltreklamekongreß in Berlin. In: Die literarische Welt, 5. Jahrgang, Nummer 32 vom 9. August 1929.
  5. ↑ Art and Advertising. In: Anton Kaes, Martin Jay und Edward Dimendberg (Hrsg.): The Weimar Republic Sourcebook. University of California Press, 1994, S. 668 (archive.org)
  6. ↑ Suche. In: Deutsches Rundfunkarchiv. Abgerufen am 18. Mai 2026 (Eingabe „Wolf Zucker“ im Suchfeld Autor erforderlich).
  7. ↑ ARD Hörspieldatenbank: Gehaltserhöhung?! Wo denken Sie hin! In: hoerspiele.dra.de. 18. Mai 2026, abgerufen am 18. Mai 2026.
  8. ↑ Wolfgang M. Zucker: So entstanden die Hörmodelle. In: Die Zeit, Nr. 47 vom 24. November 1972, S. 79.
  9. ↑ Volkszählung Estland, Dezember 1939; eingesehen auf ancestry.de am 17. Mai 2026.
  10. ↑ Wolf Zucker – Person – Archivportal-D. In: archivportal-d.de. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  11. ↑ „Zucker, Wolfgang“ in der Datenbank Afrika, Asien und Europa, Passagierlisten von Flüchtlingen, 1946-1971 Germany Bremerhaven; eingesehen auf ancestry.de am 18. Mai 2026.
Personendaten
NAME Zucker, Wolf
ALTERNATIVNAMEN Zucker, Wolfgang Max (vollständiger Name); Zucker, Wolfgang M.
KURZBESCHREIBUNG deutschstämmiger Redakteur, Schriftsteller, Literatur- und Filmkritiker sowie Hochschullehrer in den Vereinigten Staaten
GEBURTSDATUM 22. Mai 1905
GEBURTSORT Kassel
STERBEDATUM 21. Mai 1983
STERBEORT East Orange, New Jersey