Philip José Farmer

Philip José Farmer (2002)

Philip José Farmer (* 26. Januar 1918 in North Terre Haute, Indiana; † 25. Februar 2009 in Peoria, Illinois) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er war vor allem für seine über 70 Science-Fiction- und Fantasyromane und über 100 Kurzgeschichten bekannt.

Leben

Philip Farmer wuchs in Peoria (Illinois) als ältestes von fünf Kindern auf. Sein zweiter Vorname Josie, der im chauvinistischen Milieu der 30er Jahre zu José wurde, stammte von seiner Großmutter Josephine, die in einem Feuer umkam. Den Besuch des Colleges musste er Mitte der 1930er Jahre abbrechen, weil der kleine Betrieb seines Vaters pleiteging. Statt wie geplant zu studieren und Zeitungsreporter zu werden, machte er jeden Job, den ein Ungelernter kriegen konnte: Erdarbeiter, Hilfselektriker, Stahlarbeiter und Kinokartenabreißer. Neben all diesen Tätigkeiten begann er 1949 dann doch zu studieren und erlitt wegen der Doppelbelastung prompt einen Zusammenbruch. Dennoch schaffte er an der Bradley University 1950 seinen Bachelor of Arts in Englisch und arbeitete danach als technischer Journalist für wechselnde Unternehmen.

Seine erste Erzählung O’Brien and Obrenov erschien 1946 und war weder Science-Fiction noch besonders vielversprechend. Doch 1952 wurde Farmer mit der Erzählung The Lovers (dt. „Die Liebenden“) schlagartig bekannt, als sie in dem kleinen Magazin Startling Stories erschien. Die Geschichte, die von den führenden Science-Fiction-Magazinen (John W. Campbells Astounding und Horace L. Golds Galaxy) wegen Obszönität abgelehnt worden war, handelt von der sexuellen Beziehung eines Mannes von der Erde zu einem außerirdischen Wesen. Zum ersten Mal wurde das Thema Sex in eine Science-Fiction-Geschichte eingebunden und verursachte im prüden Amerika der 1950er-Jahre einen handfesten Skandal, zumal es sich darüber hinaus auch noch um Sex zwischen verschiedenen Rassen handelte. Ein Jahr später wurde Farmer als bester Nachwuchsautor mit dem Hugo Award geehrt. Eine Romanfassung der Erzählung erschien 1961.

In der Folge schrieb Farmer weitere Erzählungen, die seinen Ruf als Tabubrecher kräftigten, wie Mother („Mutter“), Open to Me, My Sister („Der Bruder meiner Schwester“) oder The Alley Man („Der Müllkutscher“), die sexuelle Themen wie beispielsweise Inzest behandelten. Auch Farmers Science-Fiction-Porno-Satiren trugen zu diesem Ruf bei, wie The Image of the Beast (1968) und Blown (1969), in denen es um Gruppensex und Affären zwischen ausgedachten und realen Charakteren geht. Der Roman Fire in the Night (1962), der keine Science-Fiction ist, schildert die Liebesgeschichte eines weißen Mannes und einer schwarzen Frau, damals ein weiterer Tabubruch.

Farmer hatte vor allem mit seinen Abenteuerromanen, die auf exotischen Welten spielen, Erfolg. Hier ist insbesondere seine Romanreihe zu erwähnen, die in der Flusswelt spielt, einer künstlich erschaffenen Welt, in der alle Menschen, die seit der Steinzeit auf der Erde gelebt haben, gleichzeitig wiederauferstanden sind. Mit dem ersten Roman der Reihe To Your Scattered Bodies Go („Die Flusswelt der Zeit“) gewann er 1972 erneut den Hugo Award.

Verschiedene von Farmers Arbeiten beziehen existierende Charaktere aus Literatur und Geschichte mit ein. So füllt The Other Log of Phileas Fogg („Das echte Log des Phileas Fogg“) die Zeitabschnitte, die in Jules Vernes In achtzig Tagen um die Welt nicht beschrieben wurden. The Wind Whales of Ishmael („Ismaels fliegende Wale“) ist eine Fantasy-Fortsetzung von Moby-Dick. A Barnstormer in Oz („Ein Himmelsstürmer in Oz“) ist die Science-Fiction-Fortsetzung von L. Frank Baums Oz-Büchern. In The Adventure of the Peerless Peer (1974) lässt Farmer Tarzan und Sherlock Holmes aufeinandertreffen, sich selbst hinter dem Pseudonym John H. Watson verbergend, als wäre er Dr. Watson, Holmes’ ewiger Sidekick. Farmers Spiel mit den Pseudonymen ging so weit, den Roman Venus on a Half-Shell (1975) unter dem Namen Kilgore Trout zu veröffentlichen, ein chronisch erfolgloser Science-Fiction-Autor, den sich Kurt Vonnegut ausgedacht hatte. Zudem tauchen in seinen Romanen wichtige Personen mit seinen Initialen „P.J.F.“ auf, zum Beispiel Peter Jarius Frigate im Riverworld-Zyklus oder Paul Janus Finnegan in The World of Tiers.

Im Jahre 1999 erschien mit The Dark Heart of Time: A Tarzan Novel (Das dunkle Herz der Zeit) der erste offizielle Tarzan-Roman von Farmer. Am 22. März 2003 sendete der Fernsehsender SciFi-Channel eine Fernsehfassung des ersten Romans des Flusswelt-Zyklus unter dem Titel Riverworld mit einem stark veränderten Handlungsablauf. Die Sendung war als Pilotfolge für eine Fernsehserie gedacht, die aber nicht realisiert wurde.

Farmer schrieb auch einen Drehbuchentwurf für einen Nachfolgefilm von George Pals Film „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ (Doc Savage: The Man of Bronze. 1975) unter dem Titel Doc Savage and the Cult of the Blue God, der nach der enttäuschenden Resonanz des Films jedoch nicht verwirklicht wurde. Der Entwurf wurde 2006 in der Sammlung Pearls from Peoria veröffentlicht.

Zuletzt wohnhaft in Peoria, starb Philip José Farmer am 25. Februar 2009 im Schlaf. Er hinterließ seine Ehefrau Bette, die einige Monate nach ihm am 10. Juni 2009 starb, und zwei Kinder sowie Enkel und Urenkel.

Auszeichnungen

Werke

Serien und Zyklen

Flusswelt-Zyklus (Riverworld)

Alle fünf Bände wurden 2008 im Piper Verlag vollständig überarbeitet und neu aufgelegt. Der erste Band enthält zusätzlich die Novelle Riverworld (dt. Auf dem Fluss), der fünfte Band die Novelle Up the Bright River (dt. Den glänzenden Fluss hinauf).

Weiterhin erschienen, allerdings nicht im deutschsprachigen Raum:

Welt der tausend Ebenen (World of Tiers)
Exorzismus-Trilogie
Doc Caliban and Lord Grandrith
Opar-Zyklus
Dayworld-Zyklus
Tarzan 2
Doc Savage

Einzelromane

Kurzgeschichtensammlungen

Diese Sammlung wurde auf Deutsch als Science-Fiction-Roman veröffentlicht, es handelt sich jedoch um eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten um die Figur des geläuterten Kriminellen Pater John Carmody. Die erste Erzählung The Night of Light von 1957 erschien 1966 auch in einer erweiterten Romanfassung als Night of Light, die in dieser Form nicht auf Deutsch erschienen ist.

Deutsche Kurzgeschichtensammlungen:

Herausgeber

Dungeon-Zyklus

Farmer organisierte diese Buchreihe, deren einzelne Bände von 4 anderen Autoren verfasst wurden. Er steuerte zu jedem Band ein Vorwort bei. Die deutschen Ausgaben kamen im Heyne Verlag, München, heraus, und wurden von Alfons Winkelmann übersetzt.

Literatur

Commons: Philip José Farmer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Locus. Heft Juli 2009, S. 61.
  2. ↑ P. J. Farmers offizielle Homepage. Stand 28. Feb, 2009.
Personendaten
NAME Farmer, Philip José
ALTERNATIVNAMEN Kilgore Trout (Pseudonym); Manders, Harry (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Science-Fiction- und Fantasy-Schriftsteller
GEBURTSDATUM 26. Januar 1918
GEBURTSORT North Terre Haute, Indiana
STERBEDATUM 25. Februar 2009
STERBEORT Peoria, Illinois