
Wulf Hermann Gatter (* 1943) ist ein deutscher Förster, Ornithologe und Entomologe.
Gatter wurde 1943 als Sohn des sudetendeutschen Politikers und Automobilkonstrukteurs Willibald Gatter geboren. Er studierte Forstwirtschaft an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und an der Forstlichen Versuchsanstalt in Stuttgart-Weilimdorf. Gatter ist Gründer und Leiter der Forschungsstation Randecker Maar und war von 1990 bis 2008 Leiter des ökologischen Lehrreviers der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg (Schwäbische Alb).
Von 1981 bis 1984 arbeitete Wulf Gatter als Förster in der Entwicklungszusammenarbeit und Regenwaldforschung in Liberia, Westafrika. Zahlreiche Forschungsreisen führten ihn seit den 1980er Jahren in die westafrikanischen Regenwaldgebiete der Gola-, Lofa- und Nimba-Berge, zu den Inselbergen des Grand Gedeh County sowie in den Mangrovengürtel der liberianischen Küste. In Grand Gedeh erfolgte 1981 die Erstbeschreibung des Sperlingsvogels Fleckflügelbülbül (Phyllastrephus leucolepis), der sich allerdings aufgrund neuer genetischer Untersuchungen des einzigen Exemplars in einer biologischen Sammlung als eine Farbvariante des Zeisigbülbüls (Phyllastrephus icterinus) erwies. Er beschrieb 1988 die unbekannten Jugendkleider des Weißbrust-Perlhuhns (Agelastes meleagrides). 1993 beschrieb er die Biologie des seltenen Ballmann-Webers (Malimbus ballmanni) und veröffentlichte 1997 das Standardwerk der liberianischen Ornithologie „Birds of Liberia“.
1985 gründete er mit liberianischen Umweltaktivisten die Society for the Conservation of Nature of Liberia (SCNL), die erste Naturschutzgesellschaft des westafrikanischen Landes. 1986 folgte Gatter einem Ruf des WWF, um für den Sapo-Nationalpark, den zweitgrößten Regenwald-Nationalpark Westafrikas, ein Infrastrukturprogramm zu entwickeln. Es galt die Ressourcen dieses unbewohnten Gebietes zu erhalten und gleichzeitig den Bewohnern der Randgebiete des Parks (Bauern, Jäger) ein Überleben zu sichern. In Zusammenarbeit mit der liberianischen Forstverwaltung baute er hier die Gbabony-Creek-Forschungsstation auf.

Ebenfalls 1986 erforschte Gatter im Auftrag von BirdLife International die Überwinterung euroasiatischer Fluss- und Seevögel an dem 600 Kilometer langen Küstenstreifen Liberias, in den Lagunen, an den gezeitenbeeinflussten Flussunterläufen und den Mangrovengebieten.
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Afrika des Naturschutzbund Deutschland (NABU) fördert Gatter seit den 1990er Jahren die Feldforschungen und Diplomarbeiten junger Liberianer zur Ökologie des Regenwaldes und zum Vogelzug. 2003 erhielt er für seine afrikanische Forschungstätigkeit und seine Mitarbeit beim Wiederaufbau der University of Liberia nach dem Bürgerkrieg den Ehrendoktor dieser Universität. 2004 wurde er mit dem Ehrendoktor der Wilhelms-Universität Münster für seine „langjährigen und international anerkannten Forschungsarbeiten zum Vogelzug und zu den Vogelbeständen in Mitteleuropa und Afrika“ ausgezeichnet – insbesondere für sein im Jahr 2000 erschienenes und wegweisendes Werk zur Populationsdynamik europäischer Vögel („Vogelzug und Vogelbestände in Mitteleuropa: 30 Jahre Beobachtung des Tagzugs am Randecker Maar“).
Gatter war Vorsitzender der Ortsgruppe Kirchheim/Teck und Lenninger Tal des Naturschutzbund Deutschland (NABU). Seine Interessenschwerpunkte sind die Wald- und Populationsökologie, die Prädation und Konkurrenz und sich daraus ergebende Verknüpfungen sowie der Vogel- und Insektenzug – speziell auch im Hinblick auf den Klimawandel – Themen, über die er zahlreiche Beiträge verfasste.
Eine Ende Oktober 2020 vorgelegte Studie über Insektensterben auf der Schwäbischen Alb erregte deutschlandweites Aufsehen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gatter, Wulf |
| ALTERNATIVNAMEN | Gatter, Wulf Hermann (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Forstökologe und Ornithologe |
| GEBURTSDATUM | 1943 |