X.800

X.800 ist eine Sicherheitsarchitektur im Sinne der Informationssicherheit zur sicheren Anbindung verschiedenster offener digitaler Systeme. Nach wie vor ist X.800 kein Standard, sondern eine Empfehlung der ITU (International Telecommunication Union) von 1991.

Die X.800 Recommendation definiert generelle Elemente einer Sicherheitsarchitektur. Sie erweitert das Anwendungsfeld der Recommendation X.200 (OSI-Modell) um die sichere Kommunikation zwischen offenen Systemen.

Die Recommendation X.800 erfüllt folgende Aufgaben:

X.800 deckt nicht alle Sicherheitsdienste ab: Sicherheitsaspekte im Endsystem, die sehr stark vom Anwendungskontext abhängig sind, werden von X.800 nicht erfasst.

Sicherheitsdienste in X.800

Im Rahmen von X.800 werden die folgenden Sicherheitsdienste definiert:

Sicherheitsmechanismen in X.800

Um diese Dienste umzusetzen, können die folgenden Mechanismen verwendet werden:

Folgende Mechanismen beziehen sich nicht auf einen speziellen Dienst:

Die X.800-Dienste im OSI-Modell

Die X.800-Dienste kommen auf folgenden Schichten des OSI-Modells zum Einsatz. Dabei kann jede höhere Schicht die Sicherheitsdienste der niedrigeren Schichten verwenden.

Schicht 1: Bitübertragungsschicht

Auf der Bitübertragungsschicht können nur die Vertraulichkeit der Verbindung sowie die Vertraulichkeit des Verkehrsflusses angeboten werden.

Das wird durch die Verschlüsselung des Datenstroms durch Hardware (sog. Spread Spectrum Security, Frequenzspreizung) erreicht. Dabei wird der gesamte physikalische Bitstrom kodiert.

Schicht 2: Sicherungsschicht

Auf der Ebene der Schicht 2 werden die Dienste der verbindungsorientierten sowie der verbindungslosen Vertraulichkeit angeboten.

Auch diese Dienste werden mittels Verschlüsselung erreicht. Die Verschlüsselung der Daten wird vor der regulären Übertragung resp. nach dem Empfang durchgeführt. Deshalb sind die verwendeten Verschlüsselungsmechanismen abhängig vom verwendeten Protokoll dieser Schicht.

Folgende Protokolle können zur Realisierung der Schicht 2-Sicherheitsdienste verwendet werden:

Mit PPTP können PPP-Pakete getunnelt und damit über unsichere IP-basierte Netzwerke gesendet werden.

Wie PPTP verwendet L2TP verschlüsselte Tunnel zum Versenden von Daten. Der Unterschied liegt darin, dass mit L2TP-Tunnel über beliebige paketvermittelte Netze (IP-Netze, Frame-Relay-PVCs, X.25-VCs oder ATM-VCs) aufgebaut werden können. Außerdem ist es mit L2TP möglich, mehrere Tunnel zwischen 2 Endpunkten aufzubauen und über eine Authentifizierung der Tunnelendpunkte den Tunnel selbst abzusichern (bei PPTP werden nur die transportierten Daten gesichert).

Schicht 3: Vermittlungsschicht

In der Vermittlungsschicht werden eine Reihe von Sicherheitsdiensten angeboten:

Um die Kommunikationspfade auf Ebene der Vermittlungsschicht abzusichern, wurde IPsec entwickelt. Innerhalb von IPsec werden zwei verschiedene Protokolle verwendet, die auch kombiniert werden können:

Ein Abhören der Kommunikation ist allerdings auch nach Verwendung des AH-Protokolls möglich, da die Nutzdaten des Pakets nicht verschlüsselt werden.

Bei Verwendung des ESP-Protokolls werden die Nutzdaten des IP-Pakets verschlüsselt, der Header jedoch nicht.

Literatur