
Xiaoxiang (chinesisch 瀟湘 / 潇湘, Pinyin Xiāoxiāng) ist eine historische Bezeichnung für die heutige Provinz Hunan der Volksrepublik China, sie leitet sich von den beiden großen Flüssen Xiao Shui und Xiang Jiang ab. Während der Zeit der Streitenden Reiche hatte der Begriff negative Konnotationen – er war ein Synonym für den „Wilden Süden“ – seit der Song-Dynastie steht er jedoch für landschaftliche Schönheit.
Der Begriff „Xiaoxiang“ taucht erstmals im Kapitel „Klassiker der Berge: Mitte“ (中山经) des Shanhaijing aus der Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.) auf. Dort steht er nur für den Xiang Jiang. Der Xiao Shui hieß damals „Ying Shui“ (营水), das Schriftzeichen xiao wird hier in seiner ursprünglichen Bedeutung „tief und klar“ verwendet. „Xiaoxiang“ bedeutete damals „der tiefe und klare Fluss Xiang“, wobei der Fluss bereits eine Alternativbezeichnung für die Gegend war. Diese hatte damals einen sehr schlechten Ruf. Sie galt als Malaria-Gebiet mit einer zu Unhöflichkeit und Gewalt tendierenden Bevölkerung, heißen Tropensommern und kalten Wintern. Bekannt wurde Xiaoxiang durch die Klagen des Dichters Qu Yuan, der aus Ying, der Hauptstadt des Staates Chu im heutigen Hubei verbannt worden war und dort im Exil lebte.

Etwa 420, am Ende der Östlichen Jin-Dynastie, erhielt der Ying Shui seine heutige Bezeichnung „Xiao Shui“. Als Akronym für die beiden Flüsse Xiao Shui und Xiang Jiang wird der Ausdruck „Xiaoxiang“ erstmals von dem Tang-Dichter Du Fu in dem Gedicht „Sichuan verlassen“ (去蜀) von 765 verwendet. Während Du Fu eine Reise durch das heutige Hunan noch als unerwünschten und mühevollen Umweg beschreibt, wird ab der Song-Dynastie die landschaftliche Schönheit der Gegend betont. Der bekannteste Ausdruck dieser Sichtweise sind die „Acht Ansichten von Xiaoxiang“ (chinesisch 瀟湘八景 / 潇湘八景, Pinyin Xiāoxiāng Bājǐng), ein Sujet der chinesischen Landschaftsmalerei, das sich im Laufe der Jahrhunderte in ganz Ostasien ausbreitete. Besonders zu nennen wären hier die „Acht Ansichten des Biwa-Sees“ in Japan. Die originalen Acht Ansichten wurden von Song Di (宋迪, 1015–1080) im Jahr 1063 bei einem beruflichen Aufenthalt in der damaligen Präfektur Tan (潭州), dem heutigen Changsha, geschaffen:
Auch in der Ming-Dynastie war Xiaoxiang ein beliebtes Sujet in Dichtung und Malerei. So beschrieb zum Beispiel He Jingming (何景明, 1483–1521) in dem Gedicht „Wildgänse“ (雁), wie besagte Vögel im 9. Monat nach dem Mondkalender, also im Oktober, in das heutige Hunan kommen, um dort den Winter zu verbringen. Eine der bekanntesten Interpretationen der Acht Ansichten stammt von Zhang Fu (张复, 1546–1631); heute wird der Zyklus im Tianjin-Museum aufbewahrt:
Seit 2007 wird der Begriff „Xiaoxiang“ vom Hunaner Tourismusverband (湖南省旅游学会) für die Vermarktung der Provinz genutzt. Von April 2004 bis April 2007 konnten Bürger Vorschläge für die „Neuen Acht Ansichten von Xiaoxiang“ (新潇湘八景) einreichen, von denen schließlich 24 ausgewählt und in den drei Kategorien „Kulturelle Sehenswürdigkeiten“, „Klassische Landschaften“ sowie „Umweltbewusster Urlaub“ zusammengefasst wurden. Dort finden sich zum Beispiel die Geburtshäuser von Mao Zedong in Shaoshan und Liu Shaoqi in Ningxiang, das Hengshan-Gebirge mit dem Nanyue-Kloster und diverse Feriendörfer.
Das in Changsha ansässige Raumfahrtunternehmen Spacety nennt seit 2016 seine Experimentalsatelliten Xiaoxiang 1, Xiaoxiang 1-02 etc.
Koordinaten: 26° 15′ 30,3″ N, 111° 36′ 2,8″ O