
Als Junge Pflegende (eng. Young Carers) bezeichnet man Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die zu Hause pflegebedürftige Familienmitglieder unterstützen.
Die international am häufigsten zitierte Definition stammt von dem britischen Forscher Saul Becker, der Young Carers (YCs) als Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bezeichnet, die regelmäßig für ein oder mehrere chronisch körperlich oder psychisch erkrankte oder behinderte Angehörige sorgen.
Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verwendet, die langfristig pflegebedürftige Familienmitglieder unterstützen und dadurch eine kind-untypische Verantwortung tragen. Diese Definition stammt von der Pflegewissenschaftlerin Sabine Metzing, die das Thema maßgeblich erforscht hat.
Erweitert wurde die jüngere Forschung um die Altersgruppe der jungen Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, den Young Adult Carers (YACs).
Weder die WHO noch internationale Studien liefern verlässliche Zahlen über die Größenordnung der Zahl der Kinder und Jugendlichen, die weltweit als Young Carer gelten. Studien wurden bisher nur in Industrieländern durchgeführt. Allein in Europa wird ihre Zahl auf 6 bis 8 Millionen geschätzt, während in den USA rund 1,3 Millionen Minderjährige betroffen sind. Man geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, da sowohl die Betroffenen als auch die Familien oft die häusliche Situation verschweigen.
Die Prävalenz wird in England mit 1,5 % angegeben. Das bedeutet, dass 1,5 % aller in England lebenden Kinder unter 18 Jahren pflegende Kinder sind. Dies entspricht einer Zahl von 175.000 Kindern.
In Deutschland untersuchte Sabine Metzing erstmals die Rolle der Kinder als pflegende Angehörige. Eine genaue Anzahl von pflegenden Minderjährigen in Deutschland gibt es (derzeit) nicht. Geschätzt handelt es sich um etwa zwei bis vier Prozent Kinder und Jugendliche, die regelmäßig kranke Familienmitglieder pflegen oder ihnen behilflich sind.
In Deutschland wächst die Zahl von Beratungsangeboten für Kinder von überwiegend psychisch erkrankten Eltern. Wegen ihrer unterschiedlichen Konzepte sind sie kaum untereinander vergleichbar. Keines dieser Projekte ist fokussiert auf die Rolle der Kinder als pflegende Angehörige. Außerdem liegen zu den Projekten bisher keine Bewertungen vor. Spezifische flächendeckende Unterstützungsangebote für pflegende Kinder existieren in Deutschland derzeit nicht. Das Fehlen solcher Angebote beeinträchtigt die gesamte Entwicklung der betroffenen Kinder.
In Österreich wurde im Jahr 2012 aufgrund eines parlamentarischen Entschließungsantrags die Situation pflegender Kinder genauer untersucht. Das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien erhoben dabei erstmals anhand einer großen Zufallsstichprobe an Schulen Prävalenzdaten über pflegende Kinder. In der Stichprobe der 10- bis 14-jährigen Kinder konnten dabei 4,5 % als pflegende Kinder identifiziert werden. Hochgerechnet auf die Altersgruppe der 5- bis 18-Jährigen und auf das ganze Bundesgebiet, ergibt dies einen Anteil pflegender Kinder und Jugendlicher an der Gesamtgruppe von 3,5 %, das sind 42.700 Betroffene. Diese Zahlen übersteigen bisherige Schätzungen von 22.500 auf Basis des UK Zensus (2001) deutlich und legt nahe, dass internationale Zahlen unterbewertet sind.