Young Struggle

Young Struggle (YS) ist eine 2010 gegründete sozialistische und internationalistische Jugendorganisation in Europa und gehört zur türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP). Die Organisation bezeichnet sich als „europaweite Struktur für den gemeinsamen, revolutionären Kampf der einheimischen und migrantischen Jugendlichen“. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes betrachtet sich die Organisation als „Miliz“ der MLKP und vergleicht sich mit der deutschen Rote Armee Fraktion (RAF).

Organisation in Deutschland

Young Struggle 2018 bei Protesten im Gedenken an die Opfer des Brandanschlags von Solingen

In Deutschland sind Mitglieder der YS in linksextremistischen Szenen, insbesondere bei den Themenbereichen „Antifaschismus“ und „Antiimperialismus“ aktiv. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 rechtfertigten Mitglieder von YS in Stellungnahmen und Reden das Massaker. Sie bezeichneten es als „Ausbruch des palästinensischen Volkes aus dem Freiluftgefängnis Gaza“ und „Widerstand“. Eine Demonstration in Eisenach anlässlich des vierten Jahrestags des Anschlags in Hanau wurde von den Organisatoren aufgrund der angekündigten Teilnahme von YS abgesagt mit dem Tenor „Wir laufen nicht mit Antisemiten“. YS hatte Verbindungen zu dem im November 2023 verbotenen Netzwerk Samidoun. Ermittler der Berliner Polizei sehen auch enge Verbindungen zu der als links geltenden Berliner Frauengruppe Zora, die am 12. Oktober 2023 auf Flugblättern und im Internet zur Unterstützung der Terrororganisation PFLP aufrief.

Im Dezember 2023 war YS an der Hörsaalbesetzung in der Freien Universität Berlin beteiligt. YS ist laut dem Verfassungsschutzbericht von 2024 „einer der aktivsten extremistischen Akteure in Bezug auf Mobilisierung, Organisation und Teilnahme an propalästinensischen Versammlungen“. Laut der Taz nutzen nach Erkenntnissen des Hamburger Verfassungsschutzes Linksextreme den Protest gegen das israelische Vorgehen in Gaza nach dem Hamas-Terrorüberfall für ihre Zwecke, darunter die „türkisch-linksextremistische Young Struggle“.

Nach Einschätzung des Journalisten Tobias Prüwer ist YS einer der Akteure, die in Dogma und Hierarchie an die streng organisierten K-Gruppen der 1970er Jahre erinnerten. Laut Prüwer gehören zu ihrem Programm „Befreiungsnationalismus und als Antizionismus camouflierter Antisemitismus“. Aggressive wie einseitige Palästina-Parteinahme sei nicht neu, doch nach dem 7. Oktober kämen diese Gruppen aus der Deckung, „ob durch die Hörsaalbesetzung an der FU Berlin, Aktionen an anderen Hochschulen oder versuchtes Kapern von vielen Demonstrationen gegen die AfD mit israelfeindlichen Inhalten“.

Für das Jahr 2025 verzeichnete das Bundesministerium des Innern im Verfassungsschutzbericht 2025 einen deutlichen Mitgliederzuwachs von über 300 Personen sowie eine gesteigerte Gewaltbereitschaft bei Young Struggle.

Bekannte Mitglieder

Ivana Hoffmann war Mitglied der Duisburger Ortsgruppe von Young Struggle, bis sie um 2014 nach Rojava (Syrien) in den Krieg gegen den IS zog.

Commons: Young Struggle – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Young Struggle Duisburg: Selbstverständnis von Young Struggle. Abgerufen am 1. Juli 2025.
  2. 1 2 3 Markus Wehner: Die Hamas in Deutschland: Polizei hat es mit vielen kleinen Gruppen zu tun. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Dezember 2023, abgerufen am 9. Mai 2026.
  3. ↑ Türkische Linksextremisten und ihre Organisationen in Deutschland. (PDF; 0,8 MB) In: Bundesamt für Verfassungsschutz. Juni 2018, S. 26–29, archiviert vom Original; abgerufen am 9. Mai 2026.
  4. Philipp Scharf, Gregor Kreuzer: Welcher Antisemitismus? Der Gaza-Krieg in lokalen linken Zusammenhängen am Beispiel Göttingens. (PDF; 2,3 MB) In: Bundesfachstelle Linke Militanz. Oktober 2024, abgerufen am 9. Mai 2026.
    1. ↑ S. 4.
  5. ↑ Daniel Roßbach: „Wir laufen nicht mit Antisemiten“: Israel-Feinde als Teil eines Linken-Bündnisses? In: Frankfurter Rundschau. 19. November 2023, abgerufen am 6. Februar 2024.
  6. ↑ Erik Peter: Pro-Palästina-Demos in Berlin. Überschattetes Gedenken, Taz, 15. Februar 2024
  7. ↑ Markus Wehner: Razzia bei Frauengruppe Zora in Berlin: Terror-Unterstützung? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Dezember 2023, abgerufen am 9. Mai 2026.
  8. ↑ Julius Geiler: Durchsuchungen an acht Orten: Razzia bei linker Frauenorganisation in Berlin. In: Der Tagesspiegel. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. Mai 2026]).
  9. ↑ Maria Disman: Angriff auf jüdischen Studenten: Die Grenzen der Freien Universität. In: Die Tageszeitung. 17. Februar 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. Mai 2026]).
  10. ↑ Beate Frenkel, Michael Haselrieder: Verfassungsschutz: Extremistische Gruppen an Unis im Visier. In: ZDF heute. 15. Juli 2024, abgerufen am 9. Mai 2026.
  11. ↑ Extremismus: Verfassungsschutz: Linksextreme nutzen Pro-Palästina-Camp. In: Die Zeit. 17. August 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 9. Mai 2026]).
  12. ↑ Tobias Prüwer: Neue K-Gruppen: Die Avantgarde von vorgestern. In: nd. 12. Februar 2024, abgerufen am 9. Mai 2026.
  13. Verfassungsschutzbericht 2025. Bundesministerium des Innern, 26. Juni 2026, abgerufen am 1. Juli 2026.
    1. ↑ S. 298.