Yui Kawaguchi

Yui Kawaguchi (2009)

Yui Kawaguchi (japanisch 川口ゆい Kawaguchi Yui; * 1975 in Chigasaki, Kanagawa, Japan) ist eine japanische Tänzerin und Choreographin, die in Berlin lebt.

Leben und Wirken

Yui Kawaguchi ist Choreografin und Tänzerin mit Wohn- und Arbeitsort Berlin. In ihren Arbeiten bewegt sie sich zwischen zeitgenössischem Tanz, Musikperformance und digitalen Formaten. In wechselnden Konstellationen mit Musikern, Künstlern und Wissenschaftlern entstehen choreografische Arbeiten, in denen Körper, Klang und Raum miteinander in Beziehung treten. Dabei interessiert sie der Körper als Träger von Erinnerung, Wahrnehmung und Beziehung – und Tanz als ein Raum, in dem sich Erfahrungen jenseits von Sprache ausdrücken und mit anderen geteilt werden können.

Kawaguchi begann im Alter von sechs Jahren zu tanzen und studierte Tanz und Theater in Tokio. Mit elf Jahren begann sie parallel zu choreografieren. Als Tänzerin in Kompanien wie H.art.Chaos und Kota Yamazaki war sie bald auf renommierten Bühnen weltweit zu erleben. 2001 choreografierte sie die Eröffnungsfeier der Ostasien-Olympiade. Mit Media-Drive Unit 66b/cell (2000–2004) bewegte sie sich zwischen Tokyos Clubszene und der internationalen Kunstszene.

Seit 2005 lebt und arbeitet sie in Berlin, wo sie eigene Stücke entwickelt und mit Choreografen und Regisseuren wie Ismael Ivo, Helena Waldmann, Tomi Paasonen, Nir de Volff und Nico and the Navigators zusammenarbeitet. Ihre Arbeiten wurden bei zahlreichen internationalen Festivals präsentiert, darunter das New Vision Festival Hongkong, das International Dance Festival Vancouver, das Neue Nationaltheater Tokio, das OzAsia Festival Adelaide und das MODAFE Seoul.

Ein Meilenstein ihrer choreografischen Arbeit ist andropolaroid (Kölner Tanzpreis 2010). Ihre choreografische Handschrift zeigte sich in Arbeiten wie MatchAtria (2014), das in Zusammenarbeit mit dem japanischen Künstler und Filmemacher Yoshimasa Ishibashi entstand, Flying Pictures im Hamburger Bahnhof (2019) und der Opernproduktion Suor Angelica mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko und Nicola Hümpel (2020). 2024 choreografierte und verkörperte sie die Rolle der Anna II in Die sieben Todsünden mit dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Joana Mallwitz.

Ihre besondere Nähe zur Musik führte zu engen künstlerischen Kooperationen mit Musikern wie Aki Takase, Daniel Hope, Matan Porat und dem Kuss Quartett. Seit 2008 führt sie gemeinsam mit der Pianistin Aki Takase die Reihe Die Stadt im Klavier fort. In weiteren interdisziplinären Projekten arbeitete sie u. a. mit der Schriftstellerin Yoko Tawada sowie den bildenden Künstlerinnen wie Chiharu Shiota oder Gabi Schillig zusammen. Seit 2018 besteht zudem eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Musikern des Ensembles ImPuls der Suite.

Seit der Corona-Zeit erweitert sie ihre choreografische Arbeit um virtuelle Räume und 3D-Animation. In diesem Zusammenhang entstanden u. a. die AR-Performance Du musst Dein Leben rendern! (2022, nominiert für den AUREA Award), die Ausstellungen AR-Loopmachine (Tanzmuseum Köln, 2023), Endlichkeit der Pixel (ITI Berlin, 2024) sowie Fragile Landschaften (Japanisches Kulturinstitut Köln, 2026).

Werke

Projekte

Kollaboration

Ausstellungen, Workshops

Commons: Yui Kawaguchi – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ ASTRID PRIEBS-TRÖGER: Ein Tanz, der zu Tränen rührte. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 14. Januar 2019, abgerufen am 21. September 2019.
  2. ↑ Mit Yui Kawaguchi und Kofie da Vibe expandiert auch das Festival Bregenzer Frühling. 27. April 2018, abgerufen am 21. September 2019.
  3. ↑ Leonore Welzin: Wertvolle Sozialarbeit und virtuose Tanzkunst. In: Stimme.de. Heilbronner Stimme, 20. Mai 2017, abgerufen am 21. September 2019.
  4. ↑ Katherine Arguile: OzAsia review: andropolaroid 1.1. In: Indaily Adelaide's independent news. Solstice Media, 10. November 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  5. ↑ Alan BRISSENDEN: Riveting journey from light into darkness. In: The Australian. The Australian, 12. November 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  6. ↑ Peter Wilkins: Andropolaroid 1.1. In: Canberra Critics Circle. 10. November 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  7. ↑ Alexis Buxton-Collins: Andropolaroid 1.1 Adelaide Review @ OzAsia Festival. In: scenestr. 14. November 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  8. ↑ Ben Brooker: Yui Kawaguchi, Andropolaroid 1.1. In: realtime. RealTime™, 5. Dezember 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  9. ↑ Peter Krieg: OzAsia Review: Andropolaroid 1.1. In: The Adelaide Review. 13. November 2018, abgerufen am 21. September 2019 (englisch).
  10. ↑ B.L.: le spectacle de danse « Andropolaroid 1.1 » Envoûtant, mais intrigant. In: JETSETmagazine.net. 14. Dezember 2016, abgerufen am 21. September 2019 (französisch).
  11. ↑ Haïthem Haquel: : L’intrigant spectacle de Yui Kawaguchi. In: La Presse (Tunesien). 10. Dezember 2016, abgerufen am 21. September 2019 (französisch).
  12. ↑ Léa Chalmont-Faedo: À Berlin, Yui Kawaguchi rend visible l’invisible. In: CCÇDANSE.com. 4. Februar 2016, abgerufen am 21. September 2019 (französisch).
  13. ↑ Volkmar Draeger: Der Lichtwald als Glitzerwelt. In: Neues-Deutschland.de. 4. Februar 2016, abgerufen am 21. September 2019.
  14. ↑ Astrid Kaminski: Im wundersamen Neonlampenwald. In: taz.de. 1. Februar 2016, abgerufen am 21. September 2019.
  15. ↑ Léa Poiré: MatchAtria. In: Mouvement. 8. Februar 2018, abgerufen am 21. September 2019 (französisch).
  16. ↑ Arnd Wesemann: kammerflimmern. In: Tanz. Der Theaterverlag, Februar 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. September 2019; abgerufen am 21. September 2019 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. ↑ Ute Steffens: Vereint im Rhythmus des Herzens. In: Braunschweiger Zeitung. 20. Oktober 2016, abgerufen am 21. September 2019.
  18. ↑ Isabelle von Neumann-Cosel: Von Herzen. In: Tanznetz.de. 25. Oktober 2016, abgerufen am 21. September 2019.
  19. ↑ Yui Kawaguchi con MatchAtria inaugura Inteatro. Abgerufen am 21. September 2019.
  20. ↑ Las tradiciones en la sangre nueva. 24. November 2015, abgerufen am 21. September 2019 (spanisch).
  21. ↑ Volkmar Draeger: Virtuelle Körperwelten (neues deutschland). Abgerufen am 21. September 2019.
  22. ↑ Bis in die Kapillaren. Abgerufen am 21. September 2019.
  23. ↑ Brigitte Jähnigen: Yui Kawaguchi Zwischen den Welten. In: Stuttgarter Nachrichten. Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, 12. November 2015, abgerufen am 21. September 2019 (deutsch).
  24. ↑ tanznetz.de - das tanzmagazin im internet. Abgerufen am 21. September 2019.
  25. ↑ TT: Strenge der Stadt, Seele der Kunst. 8. Juli 2014, abgerufen am 21. September 2019.
  26. ↑ Arnd Wesemann: Die Lichtgestalt. In: Tanzraumberlin. Tanzbüro Berlin, Februar 2011, abgerufen am 21. September 2019 (deutsch).
  27. ↑ Badische Zeitung: Raumarchitektinnen - Kultur - Badische Zeitung. Abgerufen am 21. September 2019.
  28. ↑ : Utopische Stadt vom Klavier gezeichnet. Abgerufen am 21. September 2019.
  29. ↑ Arnd Wesemann: berlin: Yui Kawaguchi: «Bubble Boxing». In: Tanz. Der Theaterverlag, Februar 2012, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 21. September 2019 (deutsch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  30. ↑ Gib ihm eins auf die Nase | trailer - Kultur. Kino. Ruhr. Abgerufen am 21. September 2019.
  31. ↑ Arnd Wesemann: yui kawaguchi über missverständnisse. In: Tanz. Der Theaterverlag, Juli 2010, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 21. September 2019 (deutsch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  32. ↑ Michaela Schlagenwerth: Vergnüglich absurd: Die Berliner Tanztage gingen in die letzte Runde: Gleich sind wir nackt. 18. Januar 2006, abgerufen am 21. September 2019 (deutsch).
  33. ↑ Volkmar Draeger: Kopfpirouetten zur »Appassionata« (neues deutschland). Abgerufen am 21. September 2019.
  34. ↑ 安藤 英由樹, 坂倉 杏介, 川口 ゆい, 渡邊 淳司: 心臓ピクニック : 鼓動に触れるワークショップ(ハプティクスとVR). In: 日本バーチャルリアリティ学会論文誌. Band 16, Nr. 3, 30. September 2011, ISSN 1344-011X, S. 303–306, doi:10.18974/tvrsj.16.3_303 (jst.go.jp [abgerufen am 21. September 2019]).
  35. ↑ Kyosuke Sakakura, Junji Watanabe, Yui Kawaguchi, Hideyuki Ando: 「生命」のシンボル・グラウンディング 鼓動に触れるワークショップ「心臓ピクニック」の評価と展開. In: アートミーツケア Vol.4. 2012, abgerufen am 21. September 2019 (japanisch).
  36. ↑ Masahiro Oba, Kyosuke Sakakura, Junji Watanabe: 身体の内外に定位される音声を利用したワークショップ “HERE/HEAR”の音響設計に関する考察. 13. Dezember 2010, abgerufen am 21. September 2019 (japanisch).
  37. ↑ Kyosuke Sakakura, Yui Kawaguchi, Junji Watanabe, Hideyuki Ando: Design Guidelines of "Workshop HERE and HEAR". In: 情報処理学会論文誌. CiNii, 12. Dezember 2009, abgerufen am 21. September 2019 (japanisch).
Personendaten
NAME Kawaguchi, Yui
KURZBESCHREIBUNG japanische Tänzerin und Choreographin
GEBURTSDATUM 1975
GEBURTSORT Chigasaki, Kanagawa, Japan