Zambujal

Zambujal, Blick von Ost nach West über Linie IV im Vordergrund, Linie III in der Bildmitte, auf Linie II und I vor dem Bauernhaus im Hintergrund links

Zambujal (auch Castro do Zambujal) ist eine befestigte Siedlung der Kupferzeit (3. und 2. Jahrtausend v. Chr.) auf der Iberischen Halbinsel. Sie liegt auf einem Bergsporn in der Nähe von Torres Vedras in Portugal.

Durch geoarchäologische Untersuchungen, insbesondere Bohrungen in der Aue des Rio Sizandro und der zufließenden Ribeira de Pedrulhos, wurde festgestellt, dass die Siedlung des 3. Jahrtausends v. Chr. nur etwa einen Kilometer von einem heute verlandeten Meeresarm lag. Zambujal gehört zu einer Reihe von Fundorten, in der die früheste Kupfer-Metallurgie auf der Iberischen Halbinsel nachgewiesen wurde.

Dazu gehören u. a. in Spanien Los Millares (Provinz Almería), Valencina de la Concepción (Provinz Sevilla), Cabezo Juré (Provinz Huelva), und in Portugal Alcalar (Algarve), Vila Nova de São Pedro (Distrikt Lissabon) und Leceia (in der Nähe der Tejomündung). Vor der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. scheint in der portugiesischen Estremadura das sogenannte Glockenbecher-Phänomen entstanden zu sein. Zambujal gehört in den Bereich der frühen Metallurgie und zum Kerngebiet der Glockenbecher-Bewegung auf der Iberischen Halbinsel, die sich dann relativ schnell in Europa ausbreitete.

Entdeckung und Ausgrabung

Bei der Entdeckung der Anlage durch Leonel de Freitas Sampaio Trindade im Jahre 1932 war nur ein kleiner Hügel hinter einem Bauernhaus zu sehen. Erste Ausgrabungen erfolgten unter der Leitung von Leonel Trindade zusammen mit Aurélio Ricardo Belo 1959, 1960 und 1961. Das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Madrid (DAI Madrid) führte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Freiburg 1964, 1966, 1968, 1970, 1971 und 1973 Grabungen unter der Leitung von Edward Sangmeister und Hermanfrid Schubart durch. Im Jahr 1994 wurden neue Ausgrabungen des DAI begonnen, die sich auf den Bereich des teilweise eingestürzten Bauernhauses, auf äußere Bereiche im Osten und Norden sowie auf den Bereich unterhalb des Steilhanges im Westen konzentrieren. Sie sind noch nicht abgeschlossen. Die ersten beiden Kampagnen 1994 und 1995 standen unter der Leitung von Michael Kunst (DAI) und Hans-Peter Uerpmann von der Universität Tübingen, die Kampagne von 2002 unter der Leitung von Michael Kunst und Elena Morán (heute Stadtarchäologin von Lagos (Portugal)) und Rui Parreira (heute Direção Regional de Cultura do Algarve Faro Portugal). Die Kampagnen von 2004 und 2007 leitete Michael Kunst mit Unterstützung von Nina Lutz (Universität Marburg).

Aufbau und Bauphasen

Zambujal, Blick von Ost nach West auf die Linien II und I; in der Bildmitte die Barbakane, davor die Hohltürme B (links) und A (rechts)

Das sogenannte Zentrum der Anlage, das aus einer Zitadelle von etwa elliptischer Form bestand, ist besonders gut erhalten. Nach Osten, also hangaufwärts, wurden bisher drei weitere Mauerlinien (Linie II bis IV) nachgewiesen, die den Bergsporn, auf dessen Ende die Zitadelle (Linie I) sitzt, in Form von aufeinander folgenden Abschnittsbefestigungen sicherten. Die meisten Mauern wurden im Laufe der Zeit mehrfach durch vorgesetzte Außen- oder Innenschalen verstärkt. An der Ostseite der Zitadelle hat sich besonders gut eine halbrunde, teilweise noch 4 m hohe Mauer erhalten, die nur innen kleine schießschartenartige Öffnungen aufweist. Daher die Bezeichnung der Anlage als Barbakane, früher auch Zwinger. Sie wurden später durch eine Mauerneuverschalung zugesetzt. Im Inneren der Anlage wurde zu allen Zeiten Kupfermanufaktur betrieben. Umbauten zeigen, dass das Verteidigungskonzept mehrfach geändert wurde.

Durch vertikal- und horizontal-stratigraphische Beobachtungen und damit zusammenhängende, teils strategische Überlegungen zu den Verhältnissen der Bauten zueinander konnten insgesamt 16 aufeinanderfolgende Bauphasen erkannt werden, die sich zu fünf Konzeptionen zusammenfassen ließen.

Die Anlage war um ein Vielfaches größer als früher angenommen, wie zunächst die Entdeckung der vierten Mauerlinie mit Halbrundtürmen zeigte, die eine ähnliche Baugeschichte aufweist wie das Zentrum. Aber durch Prospektionen der letzten Jahre wurden zahlreiche Funde auf dem Gelände östlich der vierten Linie, weiter hangaufwärts, nachgewiesen. Im Inneren wurde zu allen Zeiten Kupfer verarbeitet. Verschiedene Wohnbereiche wurden innerhalb der Einfriedung dokumentiert, aber auch am Hang unterhalb des Bergsporns, auf dem die Befestigung liegt, scheint gesiedelt worden zu sein. Bisher sind jedoch nur sehr wenige Reste von Rundhäusern gefunden worden, die auf keinen Fall der Anzahl von Menschen entsprechen, die für den Bau und die Verteidigung der Anlage notwendig gewesen wären. Die nahe Meeresbucht war von fundamentaler Bedeutung für die Siedlung, nicht nur für die Ernährung wie Reste von Fischen und Muscheln zeigen, sondern wahrscheinlich auch für den Transport verschiedener in Zambujal verwendeter Materialien wie Amphibolit, Elfenbein und Kupfer sowie für den Tauschhandel. Das Ende der Siedlung in der Bronzezeit (nur vereinzelte Funde zeigen noch eine lockere Besiedlung bis zum Übergang zur Eisenzeit an und dann erst wieder ab dem Mittelalter) könnte mit dem Verlanden der Meeresbucht in Zusammenhang stehen. Die Funde der Grabungen werden im Museu Municipal Leonel Trindade de Torres Vedras aufbewahrt.

Literatur

Monographien (nach Erscheinungsjahr)

Aufsätze (alphabetische Reihenfolge)

Portugiesische Publikationen (alphabetische Reihenfolge)

Commons: Zambujal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 39° 4′ 28″ N, 9° 17′ 8″ W