Zapotekenzivilisation

Die Zapotekenzivilisation (zapotekisch Be'ena'a, „das Volk, das aus den Wolken kam“) war eine indigene präkolumbische Zivilisation, die im Tal von Oaxaca in Mesoamerika entstand. Archäologische Befunde zeigen, dass die zapotekische Kultur mindestens 2500 Jahre alt ist. Die archäologische Stätte der alten Stadt Monte Albán umfasst monumentale Gebäude, Ballspielplätze, Gräber und Grabbeigaben, darunter fein gearbeiteter Goldschmuck. Monte Albán gehörte zu den ersten bedeutenden Städten Mesoamerikas und war das Zentrum eines zapotekischen Staates, der große Teile des heutigen mexikanischen Bundesstaates Oaxaca beherrschte. Die heutigen Zapoteken gelten als ihre Nachfahren.

Geschichte

Die zapotekische Zivilisation entstand gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. in den Y-förmig angeordneten Zentraltälern von Oaxaca. Die drei Täler waren zwischen drei unterschiedlich großen Gesellschaften aufgeteilt, die durch ein etwa 80 km² großes Niemandsland im Zentrum voneinander getrennt waren. In diesem Gebiet entwickelte sich erst wesentlich später die Stadt Oaxaca. Archäologische Befunde wie niedergebrannte Tempel und geopferte Kriegsgefangene deuten darauf hin, dass die drei Gesellschaften miteinander konkurrierten. Am Ende der Rosario-Phase zwischen 700 und 500 v. Chr. verloren die größte Siedlung des Tals, San José Mogote, und eine benachbarte Siedlung im Etla-Tal einen Großteil ihrer Bevölkerung.

Im selben Zeitraum entstand auf einem Berg oberhalb der drei Täler eine neue große Siedlung im bisherigen Niemandsland, die später Monte Albán genannt wurde. Die frühe Keramik Monte Albáns ähnelt derjenigen aus San José Mogote, was darauf hindeutet, dass die neue Stadt von Menschen besiedelt wurde, die San José Mogote verlassen hatten. Obwohl aus der Frühzeit Monte Albáns keine unmittelbaren Belege für eine militärische Bedrohung vorliegen, lassen die Mauern und Befestigungen aus der archäologischen Phase Monte Albán II, etwa 100 v. Chr. bis 200 n. Chr., vermuten, dass die Stadt als Reaktion auf eine solche Bedrohung errichtet wurde. Die US-amerikanischen Archäologen Joyce Marcus und Kent V. Flannery verglichen diesen Vorgang mit dem Synoikismos im antiken Griechenland: Kleinere, verstreute Bevölkerungsgruppen schlossen sich in einer zentralen Stadt zusammen, um einer äußeren Bedrohung begegnen zu können.

Blick auf Monte Albán

Der in Monte Albán entstandene zapotekische Staat begann sich während der späten Phase Monte Albán I, etwa zwischen 400 und 100 v. Chr., und während der gesamten Phase Monte Albán II, etwa zwischen 100 v. Chr. und 200 n. Chr., auszudehnen. Von Monte Albán Ic, ungefähr ab 200 v. Chr., bis Monte Albán II brachten zapotekische Herrscher auch Gebiete außerhalb des Tals von Oaxaca unter ihre Kontrolle. Bis zum Jahr 200 erstreckte sich der zapotekische Einfluss von Quiotepec im Norden bis Ocelotepec und Chiltepec im Süden. Monte Albán war zur größten Stadt des heutigen südlichen mexikanischen Hochlands geworden und behielt diese Stellung ungefähr bis 700 n. Chr.

Die Expansion des zapotekischen Reiches erreichte während der Phase Monte Albán II ihren Höhepunkt. Die Zapoteken eroberten oder kolonisierten Siedlungen weit außerhalb des Tals von Oaxaca. Ihr Einfluss zeigt sich insbesondere im plötzlichen Wandel der Keramikstile in den außerhalb des Tals gelegenen Regionen. Die dortigen eigenständigen Stilformen wurden durch Keramik im zapotekischen Stil ersetzt, was als Hinweis auf die Eingliederung dieser Gebiete in den zapotekischen Staat gilt. Es gibt Hinweise, dass die Expansion der Zapoteken sowohl durch militärische Eroberung als auch durch Kolonisierung erfolgte, wobei Siedler aus dem Kernland in die Randgebiete geschickt wurden. Größere politische Einheiten, die ihre Autonomie nicht aufgeben wollen, mussten möglicherweise gewaltsam unterworfen werden.

Der Archäologe Alfonso Caso, der in den 1930er Jahren zu den ersten Ausgräbern Monte Albáns gehörte, deutete ein Gebäude am Hauptplatz als weiteren Beleg für die weitreichende Expansion des zapotekischen Staates. Das heute als Gebäude J bezeichnete Bauwerk besitzt im Unterschied zu den übrigen Monumentalbauten die Form einer Pfeilspitze. An ihm befinden sich mehr als 40 bearbeitete Steinplatten mit hieroglyphischen Inschriften. Archäologen interpretierten die Glyphen als Darstellungen der von den Zapoteken kontrollierten Provinzen. Jede Glyphengruppe zeigt zudem einen Kopf mit aufwendigem Kopfschmuck, bei dem es sich vermutlich um den jeweiligen Provinzherrscher handelt. Auf den Kopf gestellte Darstellungen sollen Herrscher zeigen, die getötet und deren Gebiete gewaltsam erobert wurden. Aufrecht dargestellte Köpfe könnten dagegen Herrscher bezeichnen, die sich der Eingliederung nicht widersetzten und deshalb verschont wurden. Gebäude J wird daher in der archäologischen Literatur auch als „Eroberungsplatte“ bezeichnet.

Krieg mit den Azteken und Ankunft der Spanier

In den 1450er Jahren drangen aztekische Truppen in das Tal von Oaxaca ein, um ihre Vorherrschaft über das Gebiet auszudehnen. Das Gebiet wurde 1458 von den Azteken erobert. Im Jahr 1486 errichteten sie auf dem Hügel Huaxyácac, dem heutigen El Fortín, eine Festung, von der aus sie die Entrichtung von Tributen in Oaxaca durchsetzten.

Die letzte Schlacht zwischen Azteken und Zapoteken fand zwischen 1497 und 1502 unter dem aztekischen Herrscher Ahuízotl bei Guiengola statt, einer befestigten Stadt am Isthmus von Tehuantepec. Als während der spanischen Eroberung des Aztekenreiches die Nachricht von der Niederlage der Azteken eintraf, wies König Cosijoeza sein Volk an, die Spanier nicht anzugreifen, um einem ähnlichen Schicksal zu entgehen. Die Zapoteken entsandten eine Delegation, um ein Bündnis mit den Spaniern anzustreben.

Am 25. November 1521 erreichte Francisco de Orozco das Tal von Oaxaca. Sowohl die Zapoteken als auch die Mixteken der Region unterwarfen sich bald der Herrschaft von Hernán Cortés. Nach Darstellung des Historikers William B. Taylor bewahrte die friedliche Eroberung das Tal von Oaxaca vor den hohen Opferzahlen sowie den schweren sozialen und psychischen Verwerfungen, welche die Azteken im Tal von Mexiko erlitten hätten. In Antequera, dem späteren Oaxaca de Juárez, stieß de Orozco allerdings auf Widerstand, der bis Ende 1521 niedergeschlagen wurde.

Spanische Herrschaft

Nach 1526 wurde das zapotekische Gebiet Teil des Marquesado del Valle de Oaxaca im Vizekönigreich Neuspanien und unterstand der Kontrolle von Hernán Cortés.

Seit 1528 ließen sich die Dominikaner dauerhaft in Antequera nieder. Nach der formellen Errichtung des Bistums Oaxaca im Jahr 1535 trafen zunehmend katholische Geistliche in der Region ein. Spanische Siedler brachten Haustiere mit, die in Oaxaca zuvor unbekannt gewesen waren, darunter Pferde, Rinder, Ziegen, Schafe, Hühner, Maultiere und Ochsen. Die indigene Bevölkerung Oaxacas war unter anderem Pocken, Windpocken, Diphtherie, Scharlach, Masern, Typhus, Mumps, Influenza und Cocoliztli, einer hämorrhagischen Krankheit, ausgesetzt. Dieshalb sank die indigene Bevölkerung dadurch von rund 1,5 Millionen Menschen im Jahr 1520 auf etwa 150.000 im Jahr 1650. Langfristig erholte sich die Bevölkerung Oaxacas jedoch wieder.

Während der Kolonialzeit kam es zu einem Prozess der Vermischung zwischen der indigenen Bevölkerung und den spanischen Siedlern, der sich über Jahrhunderte bis nach der Entstehung des mexikanischen Staates fortsetzte. Viele ihrer Nachkommen behielten bis in die Gegenwart die mixtekische Sprache als Ausdruck ihrer Abstammung bei.

Archäologische Erforschung

Palast in Mitla

Die zapotekischen Ruinenstätten waren der örtlichen Bevölkerung vielfach auch nach der spanischen Eroberung bekannt; Mitla blieb sogar während der Kolonialzeit und bis in die Gegenwart besiedelt. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Stätten setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein. Der US-amerikanische Archäologe Marshall H. Saville führte zwischen 1897 und 1904 Feldforschungen in Mitla, Xoxocotlán und Monte Albán durch.

In Monte Albán nahm Leopoldo Batres 1901 erste größere Ausgrabungen an Gräbern und Bauwerken vor. Die systematische Erforschung begann 1931 unter der Leitung von Alfonso Caso, der bis 1943 insgesamt rund 180 Gräber untersuchte. Besondere Aufmerksamkeit erregte die 1932 entdeckte Grabstätte 7 mit zahlreichen Schmuck- und Grabbeigaben aus mixtekischer Zeit. In Yagul fanden seit den 1950er Jahren umfangreiche Ausgrabungen unter anderem durch John Paddock und Ignacio Bernal statt, während die archäologische Zone von Zaachila 1962 von Roberto Gallegos Ruiz untersucht wurde. Monte Albán wurde 1987 gemeinsam mit dem historischen Zentrum von Oaxaca in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Im Januar 2026 wurde bei einer Untersuchung des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte in Oaxaca ein gut erhaltenes, etwa 1400 Jahre altes zapotekisches Grab entdeckt. Den Eingang zur Grabkammer schmückt ein großer Fries in Form eines Eulenkopfes. Der Schnabel des Vogels wölbt sich über das bemalte Stuckgesicht eines zapotekischen Würdenträgers und soll die Verbindung des Verstorbenen zur Unterwelt symbolisieren. Im Inneren befinden sich seltene polychrome Wandmalereien, die eine Prozession von Figuren mit Beuteln voller Copal darstellen, sowie aus Stein gearbeitete Wächterfiguren an der Schwelle.

Etymologie

Die Bezeichnung Zapoteken ist ein Exonym. Sprecher des Nahuatl bezeichneten das Volk als tzapotēcah, im Singular tzapotēcatl, was „Bewohner des Ortes der Sapote“ bedeutet. Die Zapoteken selbst bezeichneten sich mit verschiedenen Formen des Ausdrucks Be'ena'a, der mit „Wolkenvolk“ oder „Menschen aus den Wolken“ übersetzt wird. Historischen und gegenwärtigen zapotekischen Legenden zufolge gingen ihre Vorfahren aus der Erde oder aus Höhlen hervor oder verwandelten sich aus Bäumen und Jaguaren in Menschen. Die herrschende Elite glaubte, von übernatürlichen Wesen abzustammen, die in den Wolken lebten, und nach dem Tod dorthin zurückzukehren.

Sprache

Heutige Verbreitung des Zapotekischen in Oaxaca
Archäologische Phasen der Geschichte Monte Albáns
Phase Zeitraum
Monte Albán I ca. 400–100 v. Chr.
Monte Albán II ca. 100 v. Chr.–100 n. Chr.
Monte Albán III ca. 200–900
Monte Albán IV ca. 900–1350
Monte Albán V ca. 1350–1521

Die zapotekischen Sprachen gehören zur Familie der Otomangue-Sprachen, einer alten mesoamerikanischen Sprachfamilie. Es wird angenommen, dass sich die heutigen otomangueischen Sprachen um etwa 1500 v. Chr. aus einer gemeinsamen Ursprache entwickelten. Vermutlich spalteten sich zunächst die Mangue-Sprachen und danach der oto-pameische Zweig ab, während sich die mixtekischen und zapotekischen Sprachen erst später voneinander trennten.

Die zapotekische Sprachgruppe umfasst die zapotekischen Sprachen und das eng verwandte Chatino. Zapotekische Sprachen werden in Teilen der nördlichen Sierra, in den Zentraltälern, in Teilen der südlichen Sierra, am Isthmus von Tehuantepec und entlang einiger Abschnitte der Pazifikküste gesprochen.

Zapotekisch ist eine Tonsprache, bei der die Bedeutung eines Wortes häufig von der Tonhöhe abhängt. Die zapotekischen Sprachen weisen bis zu vier unterschiedliche Tonverläufe auf: hoch, tief, steigend und fallend. In Monte Albán haben Archäologen einen längeren Text in einer Hieroglyphenschrift gefunden. Einige Zeichen lassen sich als Kalenderangaben erkennen, doch die Schrift selbst ist nach wie vor nicht entziffert.

Gesellschaft und Staat

Zwischen den Phasen Monte Albán I und II nahm die Bevölkerung des Tals von Oaxaca erheblich zu. Mit dem Bevölkerungswachstum verstärkten sich die soziale Differenzierung, die Zentralisierung der politischen Macht und die zeremonielle Tätigkeit. Während der Phasen Monte Albán I und II scheint das Tal in mehrere unabhängige Staaten mit jeweils eigenen regionalen Machtzentren aufgeteilt gewesen zu sein. Während der Phase Monte Albán III führte die zunehmende Konzentration auf die Stadt zu einem starken Bevölkerungswachstum und zur weiteren urbanen Entwicklung Monte Albáns.

Das zapotekische Herrschaftssystem war nicht während seiner gesamten Geschichte einheitlich. Für die Phase Monte Albán II, etwa 100 v. Chr. bis 200 n. Chr., lässt sich ein territorial gegliederter Staat mit Monte Albán als Hauptstadt und mehreren nachgeordneten regionalen Zentren nachweisen. Artefakte belegen die Existenz einer gemeinsamen kulturellen Elite in der Hauptstadt. Die Verwaltung scheint jedoch nicht überall gleich organisiert gewesen zu sein, sondern beruhte teilweise auf wechselnden Kooperations- und Abhängigkeitsverhältnissen zwischen der Hauptstadt und den lokalen Eliten.

Frühkoloniale Quellen beschreiben für die spätere Zeit einzelne Stadtstaaten, die auf Zapotekisch queche genannt wurden. An ihrer Spitze standen erbliche Herrscher mit dem Titel coqui, die in einem Palast lebten und Adlige, sogenannte xoana, mit der Verwaltung untergeordneter Gemeinden betrauten. Der coqui regierte offenbar gemeinsam mit einer als xonaxi bezeichneten Herrscherin, sodass die Herrschaft zumindest teilweise von einem königlichen Paar ausgeübt wurde. Politische und religiöse Ämter waren eng miteinander verbunden; der als huíatào bezeichnete Hohepriester wirkte beispielsweise an der Einsetzung eines neuen Herrschers mit. Unklar ist jedoch, in welchem Umfang die Priesterschaft von den politischen und administrativen Ämtern getrennt war.

Geografie und Landwirtschaft

Die Zentraltäler von Oaxaca, die als Ursprungsgebiet der zapotekischen Zivilisation gelten, bestehen aus drei breiten Tälern: Etla im Westen, Ocotlán im Süden und Mitla im Osten. Sie treffen sich in einer Höhe von rund 1370 Metern im Zentrum des heutigen Bundesstaates Oaxaca und liegen etwa 200 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt. Das Tal wird im Norden von der Sierra Norte und im Südosten von den Bergen von Tlacolula umgeben.

Die natürlichen Bedingungen eignen sich gut für die Landwirtschaft, und das Gebiet gilt als eines der Ursprungszentren des Maisanbaus. Zur Zeit der Entstehung der zapotekischen Zivilisation waren die Böden vermutlich noch nicht in demselben Ausmaß von Erosion betroffen wie in der Gegenwart, da die Eichen- und Kiefernwälder der umliegenden Berge noch nicht durch Abholzung stark reduziert worden waren.

Von November bis Mai herrscht eine Trockenzeit. Entlang der Flüsse konnten jedoch zweimal jährlich Feldfrüchte angebaut und geerntet werden. Der Río Atoyac durchfließt das Gebiet von Nordwesten nach Süden und versorgt bei seinen regelmäßigen Überschwemmungen einen schmalen Landstreifen mit Wasser. Für landwirtschaftliche Flächen außerhalb des unmittelbaren Flussgebiets nutzten die Zapoteken Bewässerungskanäle.

Mithilfe kleiner Wasserläufe leiteten sie Wasser bis zum rund 400 Meter oberhalb des Talbodens gelegenen Monte Albán. Archäologen fanden an der südöstlichen Bergflanke Überreste eines kleinen Bewässerungssystems aus einem Damm und einem Kanal. Da dieses System allein nicht ausgereicht hätte, um die gesamte Bevölkerung Monte Albáns zu versorgen, wird von der Existenz weiterer Anlagen ausgegangen.

Die landwirtschaftliche Produktion des Talbodens reichte während der Phase Monte Albán I nicht aus, um das schnelle Bevölkerungswachstum zu versorgen. Daher wurden auch die weniger fruchtbaren Berghänge bewirtschaftet, wofür künstliche Bewässerung erforderlich war.

Weiterentwicklungen in der Landwirtschaft ermöglichten es den Zapoteken, den spanischen Eroberern Tribute zu entrichten und trotz Naturkatastrophen und Krankheiten genügend Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung zu erzeugen.

Technologie und Lebensweise

Mosaikmaske einer Zapoteken-Vampirfledermaus aus 25 Jade-Stücken, mit gelben Augen aus Muschelschalen

Die Zapoteken entwickelten einen Kalender und ein logosyllabisches Schriftsystem, das einzelne Glyphen zur Darstellung der Silben ihrer Sprache verwendete. Dieses System gilt als eine der frühesten Schriften Mesoamerikas und als möglicher Vorläufer der Schriften der Maya, Mixteken und Azteken. Umstritten ist, ob die auf etwa 650 v. Chr. datierten olmekischen Symbole tatsächlich eine Schrift darstellen, die älter als die frühesten zapotekischen Schriftzeugnisse aus der Zeit um 500 v. Chr. wäre.

In der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán arbeiteten zapotekische und mixtekische Handwerker, die Schmuck für aztekische Herrscher, darunter Moctezuma II., herstellten. Die Beziehungen zum zentralen Mexiko reichten jedoch wesentlich weiter zurück. Darauf weisen die archäologischen Überreste eines zapotekischen Viertels in Teotihuacán sowie eines Gästehauses im Teotihuacán-Stil in Monte Albán hin.

Weitere bedeutende präkolumbische zapotekische Stätten sind Lambityeco, Dainzú, Mitla, Yagul, San José Mogote, El Palmillo und Zaachila. Die Zapoteken waren eine sesshafte Kultur. Sie lebten in Dörfern und Städten und errichteten ihre Häuser aus Stein und Mörtel. Wichtige Ereignisse ihrer Geschichte hielten sie mithilfe von Hieroglyphen fest.

Religion und Mythologie

Eine Urne in Form eines „Fledermausgottes“ aus Oaxaca, datiert auf 300–650 n. Chr.

Wie die meisten mesoamerikanischen Religionen war auch die Religion der Zapoteken polytheistisch. Zu den bekannten Gottheiten gehörten Cocijo, der Regengott, der dem aztekischen Tlaloc ähnelte, Coquihani als Gott des Lichts und Pitao Cozobi als Gott des Maises.

Die zapotekischen Gottheiten waren vorwiegend mit Fruchtbarkeit oder Landwirtschaft verbunden. Sowohl männliche als auch weibliche Gottheiten wurden dargestellt und durch ihre Kleidung unterschieden. Männliche Gottheiten trugen Lendenschurze mit oder ohne Umhang, weibliche Gottheiten Röcke.

Es gibt Hinweise auf die Verehrung von Gottheiten, die nicht unmittelbar der zapotekischen Kultur entstammten. Dazu gehörten die Gefiederte Schlange, der Schmetterlingsgott und der Regengott von Teotihuacán sowie der Nahuatl-Frühlingsgott Xipe Totec. Vermutlich führten die Zapoteken bei einigen Ritualen auch Menschenopfer durch.

Zur Herkunft der Zapoteken existieren mehrere Legenden. Einer Überlieferung zufolge waren sie die ursprünglichen Bewohner des Tals von Oaxaca und entstanden aus Felsen oder stammten von Großkatzen wie Pumas, Jaguaren und Ozelots ab. Eine andere Legende besagt, dass sie sich nach der Gründung des Toltekenreiches im Tal von Oaxaca niederließen und von den Bewohnern Chicomoztocs abstammten. Diese Überlieferungen wurden erst nach der spanischen Eroberung schriftlich festgehalten.

Weiherituale

Die Zapoteken führten Weiherituale durch, um Wohnstätten und andere Bauwerke zu heiligen. Bei der Ausgrabung des Hügels III an der Tempelpyramide von Cuilapan in Oaxaca wurde eine um 700 n. Chr. angelegte Weihedeponierung entdeckt. Sie enthielt zahlreiche Jadeperlen, zwei Ohrschmuckstücke aus Jade, drei Obsidianklingen, Muscheln, Steine, eine Perle und kleine Tierknochen, vermutlich von Vögeln.

Die Materialien symbolisierten unterschiedliche religiöse Vorstellungen. Jade war schwer zu beschaffen und deshalb wertvoll; bearbeitete Jade besaß einen noch höheren Stellenwert, da vor allem Angehörige der Elite als Kunsthandwerker tätig waren. Obsidianklingen wurden mit Opfern verbunden, da sie häufig bei Ritualen des rituellen Blutvergießens verwendet wurden. Muscheln und Perlen symbolisierten aufgrund ihrer Herkunft aus dem Meer die Unterwelt, während die kleinen Vogelknochen für den Himmel und dessen Beziehung zu einem ausgeglichenen Kosmos standen.

Die Bedeutung der Objekte ergibt sich auch aus ihrer Niederlegung in einem für Rituale genutzten und mit politischer Macht verbundenen Bauwerk. Die Deponierung stellte ein Weiheritual dar, das die Tempelpyramide von Cuilapan Vorstellungen von Macht, Opfer sowie dem Verhältnis zwischen Unterwelt und Kosmos widmete.

Gottheiten

Die folgende Liste wurde von Michael Lind auf der Grundlage verschiedener Quellen aus der Kolonialzeit zusammengestellt. Einige Gottheiten besaßen mehrere Namen sowie unterschiedliche historische Schreibweisen und dialektale Varianten. Das Wort Pitao bedeutet lediglich „Gott“.

Gottheit Zuständigkeit
Liraa Quitzino Hauptgott
Pitao Cozaana Schöpfergott; Gott der Jagd und der Tiere
Pitao Huichana Schöpfergöttin; Schutzgöttin der Frauen und Kinder
Pitao Copiycha Sonnengott
Cociyo Regengott
Pitao Cozobi Gott des Maises und der Ernte
Pitao Peeze Gott der Vorzeichen; Schutzgott der Zauberer und Diebe
Pitao Paa Gott der Händler, des Wohlstands, des Glücks und der Freude
Pitao Ziy Gott des Elends, des Verlusts, des Unglücks und der Trauer
Pitao Xoo Gott der Erdbeben
Pixee Pezeelao Gott der Unterwelt
Xonaxi Quecuya Göttin der Unterwelt

Huetexi Pea, der Gott, der die Welt vermessen haben soll, könnte mit Liraa Quitzino identisch gewesen sein. Pitao Xicala, der Gott der Träume, und Pixee Pecala, der Gott der Liebe und Ausschweifung, könnten Erscheinungsformen von Pitao Peeze gewesen sein. Coquihuani könnte eine andere Bezeichnung für Pitao Copiycha gewesen sein.

Weitere Gottheiten waren Cozichacozee, der Gott des Krieges, Coqui Lao, ein Gott der Truthennen, und Leraa Queche, der Gott der Medizin. Auch die Vergöttlichung lokaler Herrscher scheint verbreitet gewesen zu sein.

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Einzelnachweise

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  5. ↑ Joyce Marcus; Kent V. Flannery: Zapotec Civilization: How Urban Society Evolved in Mexico's Oaxaca Valley. Thames & Hudson, New York 1996, ISBN 978-0-500-05078-1, S. 206 (englisch).
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  7. ↑ Joyce Marcus; Kent V. Flannery: Zapotec Civilization: How Urban Society Evolved in Mexico's Oaxaca Valley. Thames & Hudson, New York 1996, ISBN 978-0-500-05078-1, S. 198 (englisch).
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