


Die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Nordbahnhof Stuttgart erinnert daran, dass von diesem Ort unter der Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes zwischen 1941 und 1944 mehr als 2600 Jüdinnen und Juden und 260 Sinti aus Stuttgart, Württemberg und Hohenzollern „in den Osten“, das heißt zu ihrer Ermordung, deportiert wurden. Fast alle diese Menschen wurden dann in der Shoah (NS-Judenverfolgung) bis 1945 ermordet.
Es handelt sich um ein altes Güterbahngelände am „inneren Nordbahnhof“ zwischen Pragfriedhof und Nordbahnhofstraße, auf dem noch heute die ursprünglichen Schienen und Prellböcke zu sehen sind. Die fünf Gleise werden nun von einer 70 Meter langen Mauer begrenzt, auf der die Namen der von der Stuttgarter Gestapodienststelle deportierten jüdischen Einwohner der Region Stuttgart sowie von Sinti aus ganz Südwestdeutschland zu lesen sind. Am Kopfende der Gleisanlage befindet sich eine weitere, überdachte Wand mit Informationstafeln über die rassistischen Verfolgungsmaßnahmen vor Ort.
Der erste Deportationszug fuhr von hier am 1. Dezember 1941 mit etwa tausend gefangenen Menschen nach Riga in das Konzentrationslager Jungfernhof der SS ab. Von ihnen wurden bis auf rund zwanzig Personen alle ermordet.
Die weiteren Sammeldeportationen waren am:
Die Gedenkstätte wurde von den Architekten Ole und Anne-Christin Saß geplant und mit Hilfe des hierzu gegründeten Vereins Zeichen der Erinnerung e.V., dessen Vorstand unter anderem durch Roland Ostertag gebildet wurde, verwirklicht.
Die Gründung des Vereins wurde von der Stiftung Geißstraße Sieben initiiert. Sechzig Jahre nach der Deportation der Juden vom Stuttgarter Nordbahnhof brachte die Stiftung Geißstraße Sieben ein Denkblatt heraus. Aus der Tatsache heraus, dass das Gelände im Zusammenhang mit Stuttgart 21 überbaut werden sollte, entstand dann die Initiative, die Gleise als Erinnerungsstätte zu bewahren. Der Ort wurde durch eine Flatterbandaktion als Tatort weiträumig abgesperrt. Zusammen mit dem Infoladen Nordbahnhof schrieb die Stiftung Geißstraße Sieben einen internationalen Studentenwettbewerb für eine Gedenkstätte aus. Nach einem Workshop mit über 50 Studierenden und deren Professoren aus Deutschland, Italien und der Schweiz, wurde der Entwurf der Architekten Anne-Christine und Ole Saß im Mai 2002 prämiert. Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart hat die Realisierung der Gedenkstätte am Inneren Nordbahnhof gebilligt.
Die Arbeit wurde vom Stuttgarter Bürgerprojekt Die AnStifter unterstützt. Die „AnStifterin“ Beate Müller hat im Zeitraum von Dezember 2004 bis Januar 2006 über 2000 Namen von jüdischen Menschen, die aus Stuttgart deportiert wurden und die Deportationen bis auf wenige Ausnahmen nicht überlebt haben, zusammengetragen. Die Namen dieser Menschen wurden an der Außenwand der Gedenkstätte angebracht. Durch weitere Recherchen konnten in der Zwischenzeit die Namen von etwa 300 weiteren Deportierten gefunden werden, die sich mit Stand vom April 2008 noch nicht an der Gedenkwand befanden. An der Wand befinden sich auch die Namen von Inge Auerbacher und ihren Eltern, die die Deportation nach Theresienstadt überlebten.
Die Namen der 260 deportierten Sinti sowie die Deportation vom 15. März 1943 wurden 2008 an der Wand angebracht. Der Diözesanhistoriker Dr. Stephan M. Janker erstellte nachträglich mithilfe von Vorstandsmitglied Elke Martin eine Liste mit Geburts- und Deportationsdaten.
Das Projekt kostete insgesamt 500.000 Euro, von denen jeweils die Hälfte von der Stadt Stuttgart und von Spendern aufgebracht wurde. Am 14. Juni 2006 wurde die Gedenkstätte offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Der Architekt Ostertag sagte über die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“: „Wir werden uns fragen lassen müssen, warum wir mehr als 64 Jahre brauchten, um uns hier der Vergangenheit zu stellen.“
Im November 2025 wurden drei der fünf zu der Gedenkstätte gehörenden Gleise durch die Deutsche Bahn entfernt, die dort ein Habitat für Mauereidechsen errichten will. Dem lag eine Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes zugrunde. Die Gedenkstätte wurde bei der Planung offensichtlich „übersehen“.
Weitere Deportations-Mahnmale im (ehemaligen) Deutschland im Kontext von Bahnhöfen:
Koordinaten: 48° 47′ 49,5″ N, 9° 11′ 21,7″ O