Zelot

Der Begriff Zelot (von altgriechisch ζηλωτής zelotes, ‚Eiferer‘; hebräisch קנאי kanai) leitet sich von der biblischen Person Pinchas ben Eleasar, einem Enkel Aarons, ab, der ein religiöser Eiferer war und mit dem Speer in der Hand „für seinen Gott eiferte“. Dies tat er, indem er einem anderen Israeliten, der sich mit einer fremden Frau eingelassen hatte, in dessen Zelt folgte und ihn und die Frau mit seinem Speer durchbohrte (Num 25,7–8 EU). Im Folgenden wurden bestimmte religiöse jüdische Eiferer jahrhundertelang als Zeloten bezeichnet und werden es teilweise bis heute.

Hauptverwendung des Begriffs

Die Zeloten waren eine von Judas dem Galiläer (hebräisch יהודה בן חזקיה Jehuda ben Ezechias (Hezekiah)) und einem pharisäischen Rabbi oder Chacham mit dem Namen Zadok (auch: Sadduk, zu hebräisch צדיק ṣaddīq, deutsch ‚Rechtschaffener‘ oder ‚Gerechter‘) im Jahre 6 n. Chr. gegründete paramilitärische Widerstandsbewegung der Juden gegen die römische Besatzung. Im Jüdischen Krieg fielen viele von ihnen bei der Eroberung von Jerusalem (70 n. Chr.) durch römische Legionäre unter Titus aus der flavischen Dynastie. Die letzten Aufständischen, die sich nach dem Fall der Stadt in die Bergfestung Masada zurückgezogen hatten, konnten sich noch bis 73 n. Chr. den römischen Legionen widersetzen. Als sie erkannten, dass sie ihren Widerstand nicht mehr aufrechterhalten konnten, beschlossen sie gemäß der Überlieferung, als freie Bürger aus dem Leben zu scheiden und warfen das Los, um zehn Männer zu bestimmen, die die Pflicht hatten, alle anwesenden Frauen und Kinder sowie ihre Kameraden und danach sich selbst zu töten.

Die Zeloten waren gewissermaßen der ‚militante Arm‘ der pharisäischen Bewegung. Dabei war die Beziehung zwischen den Zeloten und den Pharisäern in der Zeit des Zweiten Tempels komplex, insbesondere in Galiläa, obgleich nicht eindeutig feindlich, waren sie doch aber in einem gewissen „ideologisch-religiösem Gegensatz“ zueinander. Beide Gruppen waren religiös und politisch stark engagiert, aber ihre Herangehensweisen und Prioritäten bzw. Ziele unterschieden sich erheblich.

Münze von Coponius, dem ersten Gouverneur (Praefectus) der Provinz Iudaea, um 6 n. Chr. Itamar Atzmons Sammlung.

Die Zeloten traten vermehrt in das politische Geschehen ein, als der Zensus, der von der römischen Militärverwaltung in der Provinz Judäa erhoben werden sollte und vom ersten Statthalter Coponius und dem syrischen Legaten Publius Sulpicius Quirinius eingezogen wurde, den allgemeinen Widerstand in der Bevölkerung akzentuierte. Mit dem Jahr der Amtsübernahme in Judäa musste Publius Sulpicius Quirinius das Steuerwesen der neuen Präfektur reorganisieren. Dazu war es notwendig, die steuerpflichtige Bevölkerung in Listen zu erfassen.

Zum Widerstand gegen diese Maßnahme riefen ein Pharisäer namens Sadduk (auch: Zadok) und ein aus den Golanhöhen stammender Mann namens Judas auf. Dieser Judas (Apg 5,37 EU), wahrscheinlich ebenfalls ein Pharisäer und Schriftgelehrter, wird auch Judas der Galiläer genannt. Beide Männer waren u. a. die Anführer dieser Gruppierung in Israel.

Zeloten im Byzantinischen Reich

Weitere Bedeutungen

In der deutschen Bildungssprache wird die Bezeichnung Zelot heute manchmal auch allgemein für einen Eiferer oder Fanatiker verwendet, jedoch nach wie vor üblicherweise für einen religiös motivierten.

Im Zusammenhang mit dem sogenannten Synkretistischen Streit werden die orthodoxen Lutheraner (als eine der beiden Streitparteien) als Zeloten bezeichnet.

Bekannte Zeloten

Literatur

Wiktionary: Zelot – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Zeloten. In: Klaus-Michael Bull: Neues Testament. Bibelkunde des Neuen Testaments. Die kanonischen Schriften und die Apostolischen Väter. Überblicke – Themakapitel – Glossar. 8. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018. ( auf bibelwissenschaft.de)
  2. ↑ Yinon Shivti’el: Versteckt in Höhlen und Schluchten. Rebellen und Zeloten am See Gennesaret. In: Jürgen K. Zangenberg, Jens Schröter (Hrsg.): Bauern, Fischer und Propheten. Galiläa zur Zeit Jesu. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-8053-4543-9, S. 65–82.
  3. ↑ Flavius Josephus: Geschichte des jüdischen Krieges, Buch VII, Kap. 9
  4. ↑ Hyam Maccoby: Jesus und der jüdische Freiheitskampf. Ahriman, Freiburg 1996, ISBN 3-89484-501-5, S. 34
  5. ↑ Gösta Lindeskog: Der Staat im Neuen Testament. Scripta Instituti Donneriani Aboensis, Volume 6, Number 1, 1972, S. 57–79 ( auf journal.fi) hier S. 59
  6. ↑ Klaus-Michael Bull: Religiöse Parteien im Judentum des 1. Jahrhunderts. Deutsche Bibelgesellschaft, auf die-bibel.de
  7. ↑ Georg Dietrich: Die Pharisäer. S. 1–9, auf heilig-land-wein.de S. 4
  8. ↑ Verena Hoffer: Zeloten und andere religiöse Eiferer Zum Bild der Aufständischengruppen im Bellum Judaicum des Flavius Josephus. Diplomarbeit, Universität Graz, Graz 2017, auf unipub.uni-graz.at S. 12
  9. ↑ Alfred Bertholet: Jüdische Sekten zur Zeit Jesu. Mohr Siebeck, Tübingen 1906, Teilabdruck „§ 6 Die religiöse Lage.“ auf neutestamentliches-repetitorium.de S. 61 f.; 63
  10. ↑ Gabriele Wesch-Klein: Die Provinzen des Imperium Romanum. WBG, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-534-26438-4, S. 131–134.
  11. ↑ Unter anderem eine Münze, die in Iudaea geprägt und gefunden wurde. Sie führte die Inschrift: „im 36. Jahr von Caesar“ (= im 36. Jahr nach Actium (ein Jahr Null existiert nicht)). In: Andrew Burnett, Michael Amandry, Pere Pau Ripolles: Roman Provincial Coinage. British Museum Press, London 2007 (1992), Nr. 4954, nach: Richard Carrier: The Date of the Nativity in Luke. In: infidels.org. 6. Auflage, 2011, abgerufen am 13. März 2021 (englisch).