| Zeppelin Universität | |
|---|---|
| Motto | „zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik“ |
| Gründung | Juni 2003 |
| Trägerschaft | ZU-Stiftung |
| Ort | |
| Bundesland | |
| Land | |
| Präsidentin
Vizepräsidenten |
Anja Achtziger
Matthias Weiss |
| Studierende | 491 (SoSe 2025) |
| Mitarbeiter | 244 (2022) |
| davon Professoren | 35 (2022) |
| Netzwerke | AACSB, EFMD, IBH |
| Website | www.zu.de |
Die Zeppelin Universität in Friedrichshafen am Bodensee ist eine staatlich anerkannte und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg akkreditierte privatwirtschaftliche Stiftungsuniversität.
Die Universität besitzt die Rechtsform einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung und bezeichnet sich selbst als „Universität zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik“, um damit den nach ihrem Selbstverständnis multidisziplinären Charakter von Forschung und Lehre zu betonen. Gesellschafter ist die ZU-Stiftung mit Sitz in Friedrichshafen, Stiftungsgeberin ist die Zeppelin Baumaschinen GmbH, Garching bei München. Namenspatron ist der deutsche General und Luftschiffkonstrukteur Ferdinand Graf von Zeppelin. Seit 2007 ist die Zeppelin Universität eine Stiftungshochschule. Am 3. Februar 2025 hat der Wissenschaftsrat bekannt gegeben, die Zeppelin Universität für fünf weitere Jahre als Hochschule zu reakkreditieren. Die Reakkreditierung erfolgte ohne Auflagen.


Die Universität verfügt über zwei permanente Standorte in Friedrichshafen. Der ehemalige Hauptstandort der ZU (SeeCampus / SMH) befindet sich am „Seemoser Horn“ am Bodensee und verfügt über einen eigenen Strand. Da die Universität seit ihrer Gründung stark gewachsen ist, wurde im Jahre 2013 mit dem Bau eines weiteren, größeren Hauptcampus (ZF Campus) begonnen, der, finanziert durch eine Spende der ZF Friedrichshafen in Höhe von 20 Millionen Euro, zum Herbstsemester 2015 fertiggestellt wurde. Dieser ergänzt den SeeCampus um eine größere Bibliothek, einen Audimax, weitere Büro- und Seminarräume, eine Mensa, einen Werkraum, ein Fitnessstudio und einen von Studenten frei nutzbaren Gebäudeteil mit Coworking-Angeboten. 2017 wurden die Architekten des Büros as-if für den ZF Campus beim Wettbewerb um den Deutschen Verzinkerpreis mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2018 wurde er im Rahmen der Vergabe des DAM-Preises für Architektur des Deutschen Architekturmuseums als eins von vier herausragenden neuen Bauwerken in Deutschland ausgezeichnet. Zudem erhielt die Universität für den Hauptcampus den Deutschen Hochschulbaupreises 2018 der Deutschen Universitätsstiftung.
Im CHE-Ranking 2021/22 erreichte die Zeppelin Universität im Bereich Politikwissenschaft/Sozialwissenschaften das beste Ergebnis aller deutschen Unis für ihr Lehrangebot und die allgemeine Studiensituation.
Im CHE-Ranking 2018/2019 zählen die Bachelor- und Masterstudiengänge in Politics, Administration & International Relations (Politik-, Verwaltungswissenschaft & Internationale Beziehungen) zu den Bestplatzierten im bundesdeutschen Vergleich.
Das Studium kann mit den akademischen Graden Bachelor (8 Semester / 240 ECTS) und Master (konsekutiv 4 Semester / 120 ECTS oder nicht-konsekutiv 2 Semester / 60 ECTS) abgeschlossen sowie zum Doktor promoviert werden. Neben der grundständigen Lehre in den Bachelor- und Masterprogrammen bietet die Universität auch berufsbegleitende Executive-Programme sowie Weiterbildungsangebote für Unternehmen an.
Weiterbildungsangebote für Unternehmen
Anders als in Deutschland normalerweise üblich, umfasst die Regelstudienzeit des Bachelors an der ZU seit dem Herbstsemesters 2011 acht statt sechs Semester und 240 ECTS (statt 180), wodurch ein Bachelor-Absolvent der ZU lediglich ein zweisemestriges Master-Studium (60 ECTS) belegen müsste, um an den meisten deutschen Universitäten promotionsberechtigt zu sein. Das zusätzliche Jahr soll als „Humboldt-Jahr“ vor allem für einen Forschungsaufenthalt an einer Partneruniversität genutzt werden. Um übergangslose Auslandsaufenthalte zu ermöglichen, orientieren sich die Studienzeiten an der Zeppelin Universität an den internationalen Semesterplänen. Ein Studienstart ist zweimal jährlich zum Januar und zum September möglich.
Die Universität hat derzeit 97 Partneruniversitäten. Darunter:
Das Auswahlverfahren der ZU galt als anspruchsvoll und selektiv, auch da es von den an anderen Hochschulen üblichen Verfahren erheblich abwich. So nimmt die Universität Abstand von einem reinen Numerus clausus und versucht stattdessen, Studierende zu finden, die neben den erforderlichen Leistungen zum Charakter der Universität passten. Dabei wird Wert auf außerschulische Aktivitäten wie ehrenamtliches Engagement und Praxiserfahrung gelegt.
Im April 2025 passte die Zeppelin Universität ihr Auswahlverfahren an und legt nun mehr Wert auf vorbereitende Studienberatung. Im Kern des Auswahlverfahrens steht weiterhin ein Auswahlgespräch von 45 Minuten Länge, bei dem die Mitglieder der Auswahlkommission die Eignung der Bewerber für bestimmte Studiengänge prüfen. Begründet wird das veränderte Verfahren damit, dass junge Menschen sich zum Zeitpunkt der Bewerbung immer häufiger noch in einer Orientierungsphase befänden und stärker auf Beratung angewiesen seien als das früher der Fall gewesen sei. Eine feste Aufnahmequote, wie sie vorher in der Außenwahrnehmung bestanden hat, gibt es nicht.
Alle Studenten durchlaufen in den ersten zwei Semestern Pflichtkurse aus allen Studiengängen und lernen so Inhalte aus den jeweils anderen Fächern sowie Grundlagen der Rechtswissenschaft kennen. Weiterhin besteht für leistungsstarke Studenten (bis zu einem Notenschnitt von 2,0) die Möglichkeit, zusätzlich Wahlpflichtkurse aus den anderen Studiengängen zu wählen oder einen von ihnen als zusätzliches Nebenstudienfach („Minor“) zu belegen, zu dem ein eigenes Abschlusszeugnis ausgehändigt wird.
Im ersten Studienjahr des Bachelors muss eine gemeinsame Forschungsarbeit („Zeppelin-Projekt“) erstellt werden. Im sechsten und siebten Semester besteht darüber hinaus die Möglichkeit, im sogenannten „Humboldt-Jahr“ ein durch die Universität finanziertes, studentisches Forschungsprojekt durchzuführen. Ebenfalls im Master bekommen Studierende Raum für eigene Forschungsprojekte. Jährlich findet eine Konferenz zur studentischen Forschung statt. Durch das Forschungsunterstützungssystem (FUSY) können Forschungsaktivitäten des wissenschaftlichen Nachwuchses finanziell gefördert werden.
An der Universität gibt es in der Regel keine Vorlesungen, sondern Seminargruppen bis 40 Personen, in denen Originalliteratur erarbeitet wird. Studenten können eigene Kursformate zu selbstgewählten Themenfeldern initiieren, welche als außercurriculare Kurse belegt („ZUsätze“) oder auf das Curriculum angerechnet („StudentStudies“) werden können. Das Betreuungsverhältnis beträgt 1:12.
Die Studiengebühren betragen im Masterprogramm zwischen 4.590 Euro und 7.980 Euro pro Semester. Für Bacherlorprogramme variiert die Summe zwischen 4.350 und 4.980 Euro bei semesterweiser Zahlung. Insgesamt belaufen sich die Studiengebühren für einen Bachelor-Abschluss auf 34.020 und 39.840 Euro.
Die Universität versucht, solchen Bewerbern ein Studium an der ZU zu ermöglichen, die aufgrund schwieriger persönlicher Hintergründe oder Lücken im Lebenslauf Schwierigkeiten hätten, an anderen Hochschulen einen Studienplatz zu erhalten, sowie finanziell schwächer situierten Studenten zu fördern. Daher bietet die Universität verschiedene Stipendien, unter anderem für gesellschaftliches und soziales Engagement, sowie ein Diversitätsstipendium an.
Studierende ohne Stipendium können einen Studienkredit der Sparkasse Herford nutzen, oder sich auf eine Aufnahme in den „ZU-Bildungsfonds“ bewerben, der über einen umgekehrten Generationenvertrag das Studium vorfinanziert. Darüber hinaus sind etwa 15 % der ZU-Studenten Stipendiaten eines Begabtenförderungswerkes.
Seit 2003 sind an der Universität mehr als 120 Unternehmensgründungen erfolgt. Seit Herbst 2017 existiert mit dem „PioneerPort“ im Campus am Seemooser Horn das „Gründerzentrum“. Die Initiativen „PioneerSchool“ und „Tatendrang“ ermöglichen ebenfalls den Weg zur Gründung. Neben der Zeppelin Universität selbst besitzt die J. Wagner GmbH einen Inkubator im Gründungszentrum.
Zu den studentischen Gründungen gehören unter anderem DeinBus.de, Stilnest, agora42, der Impact HUB München, Reparando sowie Unu Motors.
2016 wurde die Zeppelin Universität durch das Gründungsradar Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet.
Es bestehen rund 59 studentische Initiativen. Dazu gehören unter anderem die Bildungsinitiative „Rock Your Life“, das Campus-Radio „Welle20,“ die Uni-Zeitung „ZU|Daily“, das studentische Magazin „futurdrei“, der Debattierclub „Soapbox“, der „Club of International Politics“ mit eigener MUN-Gruppe, die Gründerkonferenz „Tatendrang“, das Kulturfestival „seekult“, der „Entrepreneurs Club“, die Karrieremesse „ZUtaten“, die studentische Unternehmensberatung „whyknot“, die International Student Group und mehrere politische Hochschulgruppen. Mit dem „Student Project Office“ gibt es außerdem eine eigene Abteilung zur Unterstützung der studentischen Initiativen. Darüber hinaus bietet der Hochschulsport ein vielfältiges Angebot an Sportarten an.
Seit 2009 beruft die Universität einen Studierenden hauptamtlich zur „Studentischen Vizepräsidentschaft“ ins Präsidium der Universität. Die studentische Selbstverwaltung ist organisiert im Student Council, dessen Mitglieder (studentische Vertreter in diversen Hochschulgremien, darunter 4 Senatoren und 2 Prüfungsausschuss-Mitglieder, sowie Programmsprecher) direkt gewählt werden. Als Studentenwerk fungiert die StudentLounge.
Die Universität verfügt über mehrere eingegliederte, teilweise durch Drittmittel finanzierte fächerübergreifende Forschungsinstitute. Dazu gehören das durch die Karl Schlecht Stiftung geförderte „Leadership Excellence Institute Zeppelin“ das „Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen“, das „Forschungszentrum für Verbraucher, Markt und Politik“ sowie das von Audi und Rolls-Royce Power Systems geförderte „European Center for Sustainability Research“.
Die Hochschule wurde 2003 aus der „International School for General Management“ unter Dieter Giehmann zur „Zeppelin University“ umbenannt. Kurz darauf übernahm der Ökonom Stephan A. Jansen das Präsidentenamt und die Geschäftsführung. Dieser wandelte die ehemalige Business School zu einer multidisziplinären Hochschule um, deren Angebot sich fortan über die Fachbereiche Wirtschafts-, Kultur- und Kommunikations- sowie Staats- und Gesellschaftswissenschaften erstreckte. Dabei verfolgte die „Zeppelin University“, die mit 19 Studenten startete, das Ziel, die deutsche Hochschullandschaft durch „innovative Konzepte der Lehre und Forschung“ zu reformieren.
Im Februar 2009 akkreditierte der Wissenschaftsrat die ZU. Am 10. September 2011 wurden ihr die Promotions- und Habilitationsrechte verliehen. Dieser Status wurde im Jahr 2018 durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg um fünf Jahre verlängert. Damit ist auch die Berechtigung verbunden, die Bezeichnung „Universität“ zu führen.
Im Sommer 2014 traten Zerwürfnisse zwischen Stiftungsrat und Geschäftsführung zutage. Der im Dezember 2012 eingestellte Kanzler, Niels Helle-Meyer, erhielt Anfang August 2014 die fristlose Kündigung durch das Eigentümer-Gremium, den Stiftungsrat. Als Begründung wurden unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft der Universität genannt. Dass die Kündigung fristlos erfolgte, wurde mit dem Gang Helle-Meyers an die Öffentlichkeit begründet. Ein Urteil des Landgerichts Ravensburg vom 17. Juni 2015 konnte jedoch kein Fehlverhalten Helle-Meyers feststellen und erklärte die Kündigung für unwirksam.
Durch einen Pressebericht wurde am 10. September 2014 ein Provisionssystem bekannt. Mitarbeiter der Universität hatten für die Einwerbung von Geldern, z. B. für Stiftungsprofessuren, Prämien erhalten, die angeblich nicht mit den Geldgebern abgesprochen worden seien. Davon habe insbesondere Universitätspräsident Jansen profitiert. Dieser trat am 8. September 2014, nur einige Monate vor seinem eigentlich geplanten Ausscheiden, vorzeitig zurück. Als Ursache nannte er persönliche Gründe – Jansen hatte bereits längere Zeit zuvor angekündigt, die Universität spätestens im Frühjahr 2015 nach elf Jahren Präsidentschaft zu verlassen, um eine Stelle als Gastprofessor an der Stanford University anzunehmen. Nach Jansens Rücktritt sahen sich er und die Zeppelin Universität mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert. Im Oktober 2014 leitete die Staatsanwaltschaft Ravensburg ein Ermittlungsverfahren gegen Jansen wegen des Verdachts des Betrugs und der Bestechlichkeit ein. Nach mehr als vier Jahren wurde das Ermittlungsverfahren im Mai 2019 gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Ab September 2014 führten Alfred Kieser und Alexander Kübler-Kreß die Universität kommissarisch.
Im April 2015 übernahm Insa Sjurts das Amt der Präsidentin. Am 16. September 2016 wurde der ehemalige Verlagsleiter des Spiegel-Verlags Matthias Schmolz zum neuen Kanzler berufen. Zum 21. Dezember 2020 hat Schmolz die ZU verlassen, um Geschäftsführer des Deutschen Stiftungszentrums zu werden. Am 3. März 2020 wurde Klaus Mühlhahn vom Senat der ZU zum Präsidenten und Geschäftsführer gewählt und von der ZU-Stiftung ins Amt berufen. Er trat seine Amtszeit von fünf Jahren am 1. Juni 2020 an. Insa Sjurts war einem Ruf als Präsidentin an die Hamburg School of Business Administration gefolgt. Im November 2024 gab Mühlhahn bekannt, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Am 31. März 2025 schied er aus dem Amt des Prasidenten und Geschäftsführers aus.
Koordinaten: 47° 39′ 31″ N, 9° 26′ 2″ O