Zhu Biao

Zhu Biao

Zhu Biao (chinesisch 朱標; * 10. Oktober 1355 in Taiping, Anhui; † 17. Mai 1392 in Nanjing) war der älteste Sohn des chinesischen Kaisers Hongwu. Nach der Gründung der Ming-Dynastie durch seinen Vater (1368) wurde Zhu Biao zum Thronfolger (Taizi) ernannt. Um ihn für seine zukünftige Herrschaft vorzubereiten, erhielt er eine umfassende konfuzianische Ausbildung. Er starb jedoch 1392 im Alter von 36 Jahren zu Lebzeiten seines Vaters. Sein ältester noch lebender Sohn Zhu Yunwen folgte Hongwu nach dessen Tod 1398 als Kaiser Jianwen.

Leben

Abstammung und Jugend

Zhu Biao war der älteste Sohn von Zhu Yuanzhang (dem nachmaligen Kaiser Hongwu) und dessen Gattin, der späteren Kaiserin Ma. Er kam 1355 in Taiping auf die Welt, einer Festung am Südufer des Jangtsekiang und damaliger Stützpunkt seines Vaters, der einer der Anführer des Aufstands der Roten Turbane gegen die über China herrschende mongolische Yuan-Dynastie war. Zhu Yuanzhang war über die Geburt Zhu Biaos sehr erfreut und ließ ihn schon in jungen Jahren durch herausragende Gelehrte, insbesondere Song Lian, in den konfuzianischen Lehren unterrichten. Als sich Zhu Yuanzhang 1364 zum König von Wu ausrief, ernannte er Zhu Biao zu seinem Thronerben (Shizi). Nach dem Sturz der Yuan-Dynastie 1368 gründete er die Ming-Dynastie, proklamierte sich zu deren erstem Kaiser und erkor seinen ältesten Sohn zum Kronprinzen (Huang Taizi). Dadurch bestimmte er, dass Zhu Biao ihm in der Herrschaft über das chinesische Kaiserreich nachfolgen sollte. Zhu Biao galt als gebildeter und humaner Politiker, worin er seiner Mutter ähnelte.

Rolle als Kronprinz

Als Kaiser nahm Zhu Yuanzhang die Regierungsdevise bzw. den Äranamen Hongwu an. Dem 13-jährigen Kronprinzen wurde der Ostpalast (Dong Gong) des Kaiserhofs als neue Residenz zugewiesen. Nun legte Hongwu großen Wert auf Zhu Biaos weitere Ausbildung, um ihn auf seine zukünftige Rolle als Herrscher vorzubereiten. Er beauftragte viele enge Vertraute mit der Aufsicht des Haushalts seines ältesten Sohns, darunter die Generäle Xu Da und Chang Yuchun sowie den Beamten Li Shanchang. Ab 1377 nahm Zhu Biao an den Beratungen seines kaiserlichen Vaters mit den Ministern teil und wirkte bei der Abwicklung der täglichen Regierungsgeschäfte mit. So sollte er sich in der Kunst der Staatsführung üben. Öfters unterschieden sich aber die Ansichten des Thronfolgers bezüglich diverser Regierungsangelegenheiten deutlich von jenen seines Vaters. 1389 wurde eine eigene Staatskanzlei des Kronprinzen (chinesisch Zhanshi Yuan) geschaffen, zu deren Leiter Hongwu den Kriegsminister Tang Duo ernannte.

Familie

Die erste Gattin Zhu Biaos war Xiaokang (* 1355; † 1378), eine Tochter von Chang Yuchun. Sie heirateten 1371 und hatten zwei Söhne, Zhu Xiongying (* 1374; † 1382) und Zhu Yuntong (* 1378; † 1417). Die zweite Gemahlin Zhu Biaos war die Kronprinzessin Yiwen (* 1359; † 1412), eine Tochter von Lü Ben († 1382), einem Beamten der Yuan-Dynastie, der sich Zhu Yuanzhang frühzeitig während dessen Aufstieg angeschlossen hatte. Aus dieser zweiten Ehe des Thronfolgers gingen drei Söhne hervor: Zhu Yunwen (* 1377; † 1402), der 1398 unter dem Namen Jianwen chinesischer Kaiser wurde, Zhu Yunjian (* 1385; † 1402) und Zhu Yunxi (* 1391; † 1407).

Tod

Im September 1391 wurde Zhu Biao mit der Inspektion der Provinz Shaanxi betraut, um die Möglichkeit der Verlegung der Hauptstadt nach Xi’an zu prüfen. Der Kaiser hielt Xi’an für sicherer als die damalige Hauptstadt Nanjing. Zhu Biao kehrte im Dezember 1391 von seiner Reise nach Nanjing zurück und übergab eine Karte von Shaanxi sowie ein Memorandum mit seinen Beobachtungen in der Region sowie zu anderen potentiellen Standorten. Seine Empfehlungen bezüglich der Verlegung der Hauptstadt sind unbekannt. Im Januar 1392 erkrankte er und starb am 17. Mai 1392 im Alter von 36 Jahren in Nanjing. Die Ursache seiner Krankheit ist nicht näher bekannt. Der Kaiser war über den Verlust seines ältesten Sohns tief betrübt und stellte die Regierungsgeschäfte länger hintan als es den rituellen Gepflogenheiten entsprach. Im September 1392 wurde der Leichnam von Zhu Biao im Dong-Mausoleum am Fuß des Berges Zhong an Stadtrand von Nanjing beigesetzt.

Während der Trauerzeit um Zhu Biao besprach Kaiser Hongwu mit seinen Beratern die Frage der Thronfolge. Auf Empfehlung des Hanlin-Gelehrten Liu Sanwu wurde Zhu Yunwen, der älteste noch lebende Sohn des verschiedenen Kronprinzen, anstelle des eigentlichen Kandidaten Zhu Shuang, dem zweiten Sohn von Hongwu, als Thronfolger erwählt. Durch diese Entscheidung sollte die Thronfolge in Zhu Biaos Linie gewahrt bleiben. Zhu Yunwen neigte wie sein Vater der Literatur und zivilen Staatsführung zu, während Zhu Shuang kriegerisch eingestellt war. Daher wurde erwartet, dass Zhu Yunwen die Politik der Mäßigung und Zivilisierung fortsetzte. Nach seiner Thronbesteigung als Kaiser Jianwen erhob Zhu Yunwen seinen Vater 1399 postum zum Kaiser. Zhu Di, der vierte Sohn von Hongwu, stürzte 1402 Jianwen und annullierte Zhu Biaos Kaisertitel. Erst 1644 wurde Zhu Biao erneut postum der Kaisertitel verliehen.

Literatur

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Anmerkungen

  1. 1 2 Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 346.
  2. 1 2 John D. Jr. Langlois, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 111.
  3. ↑ Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 346–347.
  4. 1 2 3 4 Luther Carrington Goodrich, Fang Chaoying: Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, 1976, S. 347.
  5. 1 2 John D. Jr. Langlois, in: Frederick W. Mote, Denis Twitchett (Hrsg.): The Cambridge History of China, Bd. 7, 1988, S. 164.
  6. ↑ So Qian Haiyue: Nan Ming Shi, 2006, Bd. 7, S. 367; nach Luther Carrington Goodrich und Fang Chaoying (Dictionary of Ming Biography, 1368-1644, S. 346 f.) erfolgte die erneute postume Proklamation von Zhu Biao zum Kaiser bereits im Jahr 1595.
Personendaten
NAME Zhu Biao
KURZBESCHREIBUNG chinesischer Kaisersohn und Thronfolger
GEBURTSDATUM 10. Oktober 1355
GEBURTSORT Taiping, Anhui
STERBEDATUM 17. Mai 1392
STERBEORT Nanjing