Rhizome einer Ziest-Art – sogenannte „Ziestwurzeln“Illustration von Stachys hyssopifoliaZygomorphe Blüten im Detail des Sumpf-Ziest (Stachys palustris)Klausenfrucht des Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
In dichten Scheinquirlen, die in den Achseln von hochblattartigen Laubblattpaaren stehen, sind die Blüten angeordnet. Der Blütenstand ist jedoch nicht besonders vom belaubten Stängel abgesetzt. Die Blütenstiele sind kurz bis kaum erkennbar.
Es handelt sich um typische Blüten der Lippenblütler. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf grünen Kelchblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die Farbe der Blütenkronblätter ist je nach Art rötlich, rosafarben, gelb oder weiß. Die fünf Kronblätter sind verwachsen. Die Kronröhre ist zylindrisch. Ober- und Unterlippe sind stets vorhanden. Die Oberlippe ist mehr oder weniger flach, jedenfalls nicht stark ausgehöhlt. Die dreilappige Unterlippe ist länger als die Oberlippe. Die vier Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus, überragen jedoch nicht die Oberlippe. Das einzige abweichende Blütenmerkmal ist, dass die Staubblätter, zumindest die beiden äußeren, spätestens gegen Ende der Blütezeit gedreht und nach außen gebogen sind.
Die Klausenfrucht zerfällt in vier Klausen. Die dreikantigen Klausen sind eiförmig bis länglich.
Der Gattungsname Stachys wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarumerstveröffentlicht. Typusart ist Stachys sylvatica. Synonyme für StachysL. sind: AspasiaE.Mey. ex Pfeiff., BonamyaNeck., EriostemumSteud., EriostomumHoffmanns. & Link, GaleopsisHill nom. illeg. und GaleopsisMoench nom. illeg. non GaleopsisL., LamiostachysKrestovsk., Menitskia(Krestovsk.) Krestovsk., OrtostachysFourr., StachyusSt.-Lag., TetrahitumHoffmanns. & Link, TrixagoHaller, TrixellaFourr., ZieteniaGled., OlisiaSpach.
Phylogenese
Die Arten der Betonien (Betonica) werden von manchen Autoren als Teil der Gattung der Zieste (Stachys) behandelt, beispielsweise in der Flora Europaea. Mit molekularbiologische Untersuchungen haben Scheen et al. 2010 gezeigt, dass die Betonica nur entfernt mit Stachys verwandt sind und nicht einmal in dieselbe TribusStachydeae gehören. Diese Studien haben auch ergeben, dass die Gattung Stachys in der Umgrenzung von Salmaki et al. 2013 nicht monophyletisch ist.
Stachys aethiopicaL.: Sie ist vom tropischen und bis ins südliche Afrika verbreitet.
Knollen-Ziest, Chinesische Artischocke, Japanische Kartoffel (Stachys affinisBunge, Syn.: Stachys sieboldiiMiq., Stachys tuberiferaNaudin): Er ist in den chinesischen Provinzen Gansu, Hebei, Hubei, Innere Mongolei, Ningxia, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan sowie in Xinjiang und in Myanmar verbreitet. Er wird in Europa, Asien, Südafrika, Neuseeland, Nord- sowie Südamerika angebaut. Seine knolligen Rhizome sind essbar.
Alpen-Ziest (Stachys alpinaL.) (Syn.: Stachys macrophyllaAlbov, Stachys persicaS.G.Gmel. ex C.A.Mey.): Die zwei Unterarten sind von Europa bis zum nördlichen Iran verbreitet.
Stachys amanicaP.H.Davis: Sie kommt in der südlichen Türkei vor.
Stachys ×ambiguaSm.: Diese Hybride aus Stachys palustris × Stachys sylvatica kommt in Europa vor.
Stachys brachiataBojer ex Benth. (Syn.: Stachys madagascariensisBriq., Stachys rupicolaBojer ex Benth.): Sie kommt in Madagaskar in den nördlichen Provinzen Antananarivo sowie Fianarantsoa vor.
Stachys brachycladaNoë ex Coss.: Sie ist im westlichen Mittelmeerraum verbreitet.
Stachys brantiiBenth.: Sie kommt in der südöstlichen Türkei vor.
Stachys bridgesiiBenth.: Die Heimat ist das zentrale und südliche Chile.
Scharlach-Ziest (Stachys coccineaOrtega, Syn.: Stachys coccineaJacq. nom. illeg., Stachys cardinalisKunze, Stachys limitaneaA.Nelson, Stachys oaxacanaFernald): Er ist von den US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico sowie Texas über Mexiko und Guatemala bis Nicaragua verbreitet.
Stachys collinaBrandegee: Dieser Endemit kommt nur im südlichen Teil des mexikanischen Bundesstaates Puebla vor.
Stachys emodiHedge (Syn.: Stachys splendensWall.): Sie wurde 1990 aufgestellt. Sie kommt in Afghanistan, Pakistan, von Kaschmir bis Bhutan und im nordwestlichen Indien vor.
Stachys eplingiiJ.B.Nelson: Das Verbreitungsgebiet reicht von Oklahoma bis zu den südöstlichen USA.
Stachys erectiusculaGürke: Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Mpumalanga sowie KwaZulu-Natal vor.
Stachys forsythiiHedge: Dieser Endemit kommt in Madagaskar nur in der Provinz Fianarantsoa vor. Es ist nur ein Fundort bekannt und er gilt als „Endangered“ = „stark gefährdet“.
Stachys fruticulosaM.Bieb. (Syn.: Stachys araxinaKopell., Stachys sosnowskyiKopell.): Das Verbreitungsgebiet reicht von der nordöstliche Türkei bis zum Iran.
Stachys geobombycisC.Y.Wu: Sie gedeiht in Lorbeerwäldern, gestörten Standorten und Feuchtwiesen in Höhenlagen von 200 bis 700 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian, Guangdong, Guangxi, Hubei, Hunan, Jiangxi sowie Zhejiang.
Deutscher Ziest (Stachys germanicaL.): Die vier Unterarten sind von den Kanaren über Europa bis zum Kaukasusraum verbreitet.
Stachys gilliesiiBenth.: Das Verbreitungsgebiet reicht vom westlichen Südamerika bis Chile, Argentinien und Brasilien.
Stachys kotschyiBoiss. & Hohen.: Die Heimat ist der nördliche und nordöstliche Irak und der westliche Iran.
Stachys kouyangensis(Vaniot) Dunn: Sie gedeiht in fünf Varietäten in Höhenlagen von 900 bis 3800 Metern in den chinesischen Provinzen Guizhou, Hubei, Sichuan, Yunnan sowie in Tibet.
Stachys kuntzeiGürke: Sie ist im südlichen Afrika verbreitet.
Stachys kurdicaBoiss. & Hohen. (Syn.: Stachys ballotiformisVatke, Stachys asterocalyxRech. f.): Es gibt drei Unterarten. Sie kommen in der südöstlichen Türkei, im Irak und im westlichen Iran vor.
Stachys lamarckiiBenth.: Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Nordkap vor.
Stachys lamioidesBenth.: Sie ist in Kolumbien und Ecuador verbreitet.
Stachys langmaniaeRzed. & Calderón: Sie ist im nordöstlichen Mexiko verbreitet.
Stachys lanigera(Bornm.) Rech. f.: Die Heimat ist der westliche Iran.
Stachys latidensSmall: Sie ist in den nördlich-zentralen sowie östlichen USA verbreitet.
Stachys menthoidesKotschy & Boiss.: Die Heimat ist die südöstliche Türkei.
Stachys mexicanaBenth. (Syn.: Stachys ciliataDouglas ex Benth., Stachys emersoniiPiper, Stachys pubens(A.Gray) A.Heller): Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Alaska bis Kalifornien.
Stachys milaniiPetrov ex Magnier: Das Verbreitungsgebiet reicht von Serbien bis Bulgarien.
Stachys minor(Boiss.) Akçiçek & Dirmenci (Syn.: Stachys libanotica var. minor Boiss.): Diese Sippe wurde erst 2012 zur Art erhoben. Sie kommt in der südlichen Türkei vor.
Stachys × mirabilisRouy in G.Rouy & J.Foucaud: Diese Hybride aus Stachys germanica × Stachys palustris kommt in Europa vor.
Stachys pannosaPhil.: Die Heimat ist das nördliche und zentrale Chile.
Stachys paroliniiVis.: Die Heimat ist Albanien und das westliche Griechenland.
Stachys parvifloraBenth.: Sie wurde 1941 unter dem Namen Phlomidoschema parviflorum(Benth.) Vved. als einzige Art in die Gattung Phlomidoschema(Benth.) Vved. gestellt; dem wurde von anderen nicht gefolgt, also ist es ein Synonym. Sie ist vom nordöstlichen Iran über Afghanistan bis Pakistan, Pamir-Alai, und ins nordwestliche Indien verbreitet.
Stachys rivularisJ.M.Wood & M.S.Evans: Dieser Endemit gedeiht im montanen Grasland in Höhenlagen von etwa 1500 Metern nur in einem kleinen Gebiet in den Distrikten Mooi River sowie Lions River in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Er wurde zuletzt 1960 gesammelt und im kleinen Verbreitungsgebiet sind die Habitate in vielfältiger Weise bedroht.
Stachys rizeensisR.Bhattacharjee: Die Heimat ist die nordöstliche Türkei.
Stachys rosea(Desf.) Boiss.: Die Heimat ist das nordöstliche Libyen.
Stachys strictifloraC.Y.Wu: Die zwei Varietäten gedeihen an Grashängen in Höhenlagen von 2100 bis 3400 Metern nur in der chinesischen Provinz Yunnan.
Stachys subaphyllaRech. f.: Die Heimat ist der nördliche und nordöstliche Iran.
Stachys sublobataSkan: Sie kommt nur in der südafrikanischen Provinz Westkap vor.
Stachys subnudaMontbret & Aucher ex Benth.: Die Heimat ist die östliche Türkei.
Stachys swainsoniiBenth.: Die drei Unterarten kommen nur in Griechenland vor.
Wald-Ziest (Stachys sylvaticaL.): Er gedeiht in gemäßigten Gebieten von Europa über Südwest- bis Zentralasien (Xinjiang, Kasachstan, Kirgisistan und Russland). Er wird in einigen Gebieten der Welt angebaut.
Stachys taliensisC.Y.Wu Sie gedeiht in immergrünen Wäldern in Höhenlagen von etwa 2000 Metern nur in der chinesischen Provinz Yunnan.
Stachys siamensisMuschl. → Colquhounia elegansWall. var. tenuiflora(Hook. f.) Prain
Quellen
Literatur
Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.):Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3, S.180.
Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Stachys. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press / Missouri Botanical Garden Press, Beijing / St.Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S.178 (englisch, online). (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
P. W. Ball: Stachys L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S.151–157 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Gilbert Long (Hrsg.):Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 3: Dicotyledones (Convolvulaceae – Labiatae). Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1986, ISBN 2-8277-0153-7, S.354–366 (englisch).
Einzelnachweise
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Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Stachys. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.):Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press / Missouri Botanical Garden Press, Beijing / St.Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S.178 (englisch, online).
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Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. dtv, München 1999, ISBN 3-423-59045-9, S. 1235 (Nachdruck der Erstausgabe 1854–1971).
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Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
↑Stachys bei Tropicos.org.Missouri Botanical Garden, St. Louis,abgerufen am 10.März 2015.
12Datenblatt bei Euro+Med PlantBase. mit Daten aus Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
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Anne-Cathrine Scheen, Mika Bendiksby, Olof Ryding, Cecilie Mathiesen, Victor A. Albert, Charlotte Lindqvist: Molecular phylogenetics, character evolution, and suprageneric classification of Lamioideae (Lamiaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 97, Nr. 2, 2010, 191–217, DOI:10.3417/2007174, online.
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Yasaman Salmaki, Shahin Zarre, Olof Ryding, Charlotte Lindqvist, Christian Bräuchler, Günther Heubl, Janet Barber, Mika Bendiksby: Molecular phylogeny of tribe Stachydeae (Lamiaceae subfamily Lamioideae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 69, Nr. 3, 2013, 535–551, doi:10.1016/j.ympev.2013.07.024.
↑Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.