Nikolaus Ludwig von Zinzendorf

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und Pottendorf (* 26. Mai 1700 in Dresden; † 9. Mai 1760 in Herrnhut, Oberlausitz, Kurfürstentum Sachsen) war ein deutscher lutherisch-pietistischer autodidaktischer Theologe, Reichsgraf, 1727 Gründer und Bischof der Herrnhuter Brüdergemeine (auch Brüder-Unität, lateinisch Unitas fratrum, tschechisch Jednota Bratrská), Mitbegründer einer weltweiten Missionsarbeit, Sozialreformer, Prediger sowie Dichter zahlreicher Kirchenlieder.

Leben

Gedenktafel am Haus Schloßstraße 26, in der Lutherstadt Wittenberg
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, Ausschnitt aus einem Gemälde von Balthasar Denner
Grab von Zinzendorf auf dem Herrnhuter Gottesacker

Zinzendorf war der Sohn von Georg Ludwig (Reichs-)Graf von Zinzendorf und Pottendorf (1662–1700) und Charlotte Justine Freiin von Gersdorff (1675–1763). Zinzendorfs Vater starb wenige Wochen nach der Geburt Nikolaus Ludwigs; fortan lebte dieser in Großhennersdorf in der Oberlausitz bei seiner frommen Großmutter Henriette Katharina von Gersdorff, geborene von Friesen. Seine verwitwete Mutter heiratete 1704 den preußischen Generalmajor Dubislav Gneomar von Natzmer.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf besuchte von 1710 bis 1715 das Pädagogium der Franckeschen Stiftungen in Halle, wo er sehr im Sinne des Pietismus ausgebildet wurde. Gerade August Hermann Francke selbst hatte großen Einfluss auf ihn. Die kürzlich gegründeten Missionsgesellschaften Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts (SPG, gegründet 1701) und die Dänisch-Halleschen Mission (gegründet 1706) bestärkten ihn, dass er eigentlich Missionar werden wollte, und er gründete etwa 1715 mit Friedrich von Wattenwyl den Senfkorn-Orden (Sammlung von Liebhabern Jesu).

Aus familiären Gründen – seine Vorfahren waren Militärführer und Regierungsbeamte gewesen – studierte Zinzendorf von 1716 bis 1719 an der Universität Wittenberg Rechtswissenschaft. Von 1719 bis 1720 unternahm er eine Kavalierstour in die Niederlande und nach Frankreich. Dort gewann er die Freundschaft von Menschen anderer Konfession, darunter Kardinal Louis-Antoine de Noailles, mit dem er in brieflichem Kontakt blieb, und erlebte die Möglichkeit einer die Konfessionen übergreifenden Einheit unter Christen. Von 1721 bis 1732 war er Hof- und Justizrat in Diensten Augusts des Starken in Dresden. Im September 1730 kam Graf Zinzendorf nach Berleburg und gründete dort eine philadelphische Versammlung in Form der Herrnhutischen Bewegung. Diese Gruppe konnte sich allerdings nur kurz behaupten.

Nach der Aufnahme von Glaubensflüchtlingen aus Mähren, Nachkommen der alten Böhmischen Brüder, konnte am 17. Juni 1722 die Brüder-Unität erneuert werden. Diese Gemeinschaft gründete außerhalb von Berthelsdorf, das unterhalb des Hutberges gelegen ist, die Siedlung Herrnhut. Daraufhin fällte der Zimmermann Christian David einen ersten Baum, und die Gemeinschaft errichtete damit unter seiner Führung das erste Haus der Siedlung. Zinzendorf ließ dort 1725 bis 1727 ein auch als Herrschaftshaus bezeichnetes Schloss errichten, das er bezog, sowie 1730 bis 1746 den Vogtshof, der ab 1756 als Sitz der Schirmvogtei (des Direktoriums) der Brüder-Unität diente.

Aus der Gemeinde der Böhmischen Brüder in Herrnhut, die 1727 auf etwa 300 Personen angewachsen war, erwuchs die kirchlich eigenständige Brüdergemeine. Sie zog weitere Pietisten, Separatisten und Schwenkfeldianer an. Am 13. August 1727 kam es im Rahmen einer Abendmahlsfeier in der lutherischen Kirche in Berthelsdorf zur Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine durch einen Buß- und Versöhnungsakt des Pfarrers Johann Andreas Rothe, Zinzendorfs und der ganzen Gemeinde. Zinzendorf erarbeitete danach eine Gemeindeordnung für die Brüdergemeine. Die Wochentage begannen mit einer Morgenandacht und endeten mit einer Singstunde, am Sonntag gab es den Gemeindegottesdienst. Zudem wurden neue liturgische Formen wie Liebesmahle, Fußwaschungen, Stundengebete und Nachtwachen eingeführt. Frauen erhielten wichtige Aufgaben und Stellungen als Lehrerinnen und Aufseherinnen von ihm zugeteilt. Von 1731 an wurden auch die sogenannten Herrnhuter Losungen herausgegeben – durch Losverfahren ermittelte Bibelverse als Leitgedanken für jeden Tag, die erstmals am 4. Mai 1728 gezogen wurden. Die Losungen werden bis zur Gegenwart jährlich neu – in viele Sprachen übersetzt – herausgegeben.

1731 brachte Zinzendorf einen westindischen Sklaven von Kopenhagen nach Herrnhut. Seine Berichte von St. Thomas motivierten die Gemeinde zur Missionsarbeit. So begann 1732 die Missionsarbeit der Brüdergemeine mit den Missionaren Johann Leonhard Dober und David Nitschmann. Sie reisten nach St. Thomas und waren bereit, selber Sklaven zu werden. 1735 begann die Missionsarbeit in Nordamerika unter Indianern in Georgia und im südamerikanischen Suriname; 1737 unter den Khoikhoi in Südafrika sowie an der Goldküste; 1754 in Jamaika. In seinen Missionsinstruktionen für die Herrnhuter gab er dem persönlichen Gespräch mit Nichtchristen den Vorzug gegenüber der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums.

Zinzendorf-Denkmal in Herrnhut
von Bildhauer Alfred Reichel
300. Geburtstag Zinzendorfs: deutsche Briefmarke aus dem Jahr 2000
Weste Zinzendorfs in Lititz (Pennsylvania)

1732 wurde Zinzendorf erstmals aus Sachsen verbannt, weil er dem Kaiser seine Untertanen aus Böhmen entfremdet und ihnen zur Flucht verholfen habe. 1733 besuchte er deswegen Württemberg, er begegnete Friedrich Christoph Oetinger und Johann Albrecht Bengel auf der Suche nach einem neuen Zuhause für seine Gemeinschaft. 1734 wurde Zinzendorf als lutherischer Theologe ordiniert. Die Rechtgläubigkeitsprüfung erfolgte in Stralsund, die erste Predigt danach in der Stadtkirche St. Marien und die Ernennung zum Kandidaten und freien Prediger in Tübingen. 1736 kam es zur erneuten Verbannung Zinzendorfs aus Sachsen (und ein weiteres Mal 1738), da seine Brüdergemeine der lutherischen Orthodoxie zu selbständig geworden war und als Bedrohung der einheitlichen Landeskirche angesehen wurde. Er ging in die südliche Wetterau und gründete dort die Gemeinden Marienborn in der Grafschaft Ysenburg-Büdingen-Meerholz, auf der Burg Ronneburg (beide 1736) und den Herrnhaag (1738). 1737 wurde er durch den reformierten Hofprediger Daniel Ernst Jablonski in Berlin, der zugleich Bischof der polnischen Brüder-Unität war, zum Brüderbischof ordiniert. Die polnische Unität war durch Sukzession mit der alten böhmisch-mährischen verbunden, deren eigene Bischofssukzession über Johann Amos Comenius hinaus nicht fortgesetzt werden konnte.

Zinzendorf war beeindruckt vom Eifer und der Tüchtigkeit des späteren Adoptivsohns von Friedrich von Wattenwyl, Johannes von Watteville, und er setzte ihn ab 1741 als Gehilfe, persönlichen Sekretär und Vertreter bei seinen Abwesenheiten in Herrnhut ein. In den folgenden Jahren lebte Zinzendorf in den hessischen Brüdergemeinen und unternahm vor allem Reisen als Prediger in das russische Ostseegouvernement Livland und nach England, Nordamerika, auf die Westindischen Inseln und Saint Thomas. Im Jahre 1747 wurde ihm die Rückkehr nach Sachsen gestattet, und 1749 erreichte er für die Herrnhuter Brüdergemeine die Freiheit der Verkündigung und die Tolerierung der Gemeinde als eine der sächsischen Landeskirche verbundene Gemeinschaft. Von 1750 an lebte Zinzendorf meistens in London. 1751 reiste er in die Schweiz, wo er Freunde in Basel, Bern, Montmirail und Oberdiessbach besuchte, wo der bekannte pietistische Pfarrer Samuel Lucius wirkte. Während der gleichen Reise hielt er sich im August für eine Woche bei Friedrich von Wattenwyl in Montmirail auf. Ab 1755 lebte er in Berthelsdorf.

Von London aus sandte Zinzendorf erregte Strafbriefe nach Herrnhaag, in „denen er drohte, zwanzig bis dreißig Menschen bis aufs Blut peitschen zu lassen“, und berief seinen Sohn Renatus von Zinzendorf nach England. Zinzendorf war über die Entwicklungen in Herrnhaag zutiefst erbost und ermahnte seinen Sohn umzukehren.

Zinzendorf war immer umstritten, besonders in den letzten 20 Jahren seines Lebens. Es begleiteten ihn eine große Menge Streitschriften, die ihm Häresie, Oberflächlichkeit, Falschheit, Tyrannei, Unanständigkeit und Geldgier vorwarfen. Während des Höhepunkts des Schriftenkrieges griff Zinzendorf 1749 selbst seine Gegner an, durch die in Form einer Erklärung der Gemeinde anonyme Schrift Der Evangelisch-Mährischen Kirchen-Diener Abgenöthigte Gewissens-Rüge. Als allgemeine apologetische Biographie entstand später aus dem Gemeinde-Vorstand Spangenbergs Leben des Herrn Nicolaus Ludwig Zinzendorf, Barby 1772–1775.

Nach Zinzendorfs Tod übernahm die Brüdergemeine 1764 Schloss und Gut Herrnhut, nachdem einige ihrer Mitglieder bereits 1737 nach Böhmisch-Rixdorf im heutigen Berliner Bezirk Neukölln umgesiedelt waren.

Familie

Vorfahren

Ahnentafel Nikolaus Ludwig von Zinzendorfs
Ururgroßeltern Johann Joachim von Zinzendorf (1570–1626)
⚭ 1595
Marie Judith von Liechtenstein (1575–1621)
Christoph Wilhelm von Zelking († 1631)
⚭ 1596
Esther von Hardegg auf Glatz und im Marchlande († 1614)
Bartholomäus von Dietrichstein (1579–1635)
⚭
Elisabeth von Fränking († 1635)
Franz Khevenhüller zu Aichelberg (1562–1607)
⚭ 1590
Crescentia von Stubenberg (* 1575)
Friedrich von Gersdorff († 1606)
⚭ 1603
Margarethe von Metzradt
Melchior von Loeben († 1636)
⚭
Martha von Kosel (1579–1637)
Heinrich von Friesen (1578–1659)
⚭ 1601
Katharina von Einsiedel (1585–1667)
Otto von Raben (1607–1631)
⚭
Eva von Wackerbarth (1608–1632)
Urgroßeltern Otto Heinrich von Zinzendorf (1605–1655)
⚭ 1628
Anna Apollonia von Zelking (1603–1646)
Christian von Dietrichstein (1610–1681)
⚭ 1636
Maria Elisabeth Khevenhüller zu Aichelberg (1608–1676)
Nicolaus von Gersdorff († 1631)
⚭
Anna Maria von Loeben (1595–1654)
Carl von Friesen (1619–1686)
⚭ 1645
Justine Sophie von Raben (1619–1691)
Großeltern Maximilian Erasmus von Zinzendorf (1633–1672)
⚭ 1659
Anna Amalia von Dietrichstein (1638–1696)
Nicolaus von Gersdorff (1629–1702)
⚭ 1672
Henriette Katharina von Friesen (1648–1726)
Eltern Georg Ludwig von Zinzendorf (1662–1700)
⚭ 1699
Charlotte Justine von Gersdorff (1675–1763)
Nikolaus Ludwig von Zinzendorf

Ehen und Nachkommen

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf heiratete am 7. September 1722 in Ebersdorf Erdmuthe Dorothea Gräfin Reuß zu Ebersdorf, Tochter von Heinrich X. Graf Reuß zu Ebersdorf und Erdmuthe Benigna zu Solms-Laubach. Bereits im Mai des gleichen Jahres erwarb er von seiner Großmutter das Rittergut Mittelberthelsdorf in der Oberlausitz, wo er von 1722 bis 1724 das Schloss Berthelsdorf barock umbauen ließ. 1732 überließ Zinzendorf das Schloss Berthelsdorf seiner Frau als Wohnsitz.

Mit seiner ersten Frau hatte er zwölf Kinder, von denen nur vier das Erwachsenenalter erreichten.:

  • Christian Ernst (* 7. August 1724 in Ebersdorf; † 24. November 1724 in Berthelsdorf)
  • Henriette Benigna Justine (* 28. Dezember 1725 in Berthelsdorf; † 11. Mai 1789 in Herrnhut) ⚭ Johannes von Watteville (* 18. Oktober 1718 als Johann Michael Langguth in Walschleben; † 7. Oktober 1788 in Gnadenfrei)
  • Christian Renatus (* 19. September 1727 in Herrnhut; † 28. Mai 1752 in London, begraben im Stadtteil Chelsea)
  • Christian Friedrich (* 18. September 1729 in Herrnhut; † 25. Oktober ebd.)
  • Theodora Caritas (* 24. Oktober 1730 in Herrnhut; † 2. Dezember 1732 ebd.)
  • Johann Ernst (18. März 1732 in Herrnhut; † 19. Mai 1732 ebd.)
  • Christian Ludwig Theodor (19. März 1733 in Herrnhut; † 31. August 1736 auf der Burg Ronneburg, begr. Herrnhaag)
  • Anna Theresia (* 7. August 1734 in Herrnhut; † 15. Dezember 1738 in Marienborn, begr. Herrnhaag)
  • Marie Agnes (* 6. November 1735 in Herrnhut; † 17. Februar 1784 ebd.) ⚭ Moritz Wilhelm Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien (* 2. Dezember 1737 in Halle (Saale); † 4. März 1777 in Bath)
  • Johanna Salome (* 4. August 1737 in Herrnhut; † 21. Dezember 1742 ebd.)
  • David (* 22. September 1738 in Marienborn; † 6. Juni 1742 ebd., begr. Herrnhaag)
  • Elisabeth (25. April 1740 in Marienborn; † 11. Februar 1807 in Herrnhut) ⚭ Friedrich Rudolph Freiherr von Watteville (* 1. Januar 1738 in Montmirail; † 18. Januar 1811 in Herrnhut); nach anderen Angaben erfolgte die Heirat mit Rudolf Friedrich von Wattenwyl (* 1. Januar 1738 in Bern; † 1809), Sohn des Bankiers Niklaus von Wattenwyl.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf am 19. Juni 1756, zu der er nach seiner Rückkehr 1747 nur noch sehr wenig Kontakt gehabt hatte, heiratete Zinzendorf am 27. Juni 1757 in aller Stille seine enge Mitarbeiterin und Reisebegleiterin Anna Nitschmann (1715–1760). Johann Leonhard Dober traute sie auf Schloss Berthelsdorf, aber seine neue Frau behielt ihren Namen und blieb im Haus der Ledigen Schwestern wohnen. Erst im November 1758 gaben sie ihre Eheschließung offiziell bekannt. Die Verliebtheit und das Verhältnis zu Anna Nitschmann hatte er vor dem Tod seiner ersten Ehefrau geheim gehalten.

Werk und Wirkung

Zinzendorf hatte Einfluss auf zahlreiche Theologen und Dichter wie John Wesley, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schleiermacher; im 20. Jahrhundert bezeichnete ihn Karl Barth als „erste[n] echten … Ökumeniker“.

Obwohl es ihm oft als sein bekanntestes Werk zugeschrieben wird, stammt das Tischgebet „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast“ nicht aus Zinzendorfs Feder.

Jesusfrömmigkeit

Die Theologie Zinzendorfs ist besonders christozentrisch geprägt. Im Mittelpunkt steht hierbei keine abstrakte Gotteslehre, sondern die Betonung der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, welchen er als „Heiland“ bezeichnet. Christus ist für ihn der Ort, an dem Gottes Liebe, Versöhnung und Nähe konkret erfahrbar werden.

Besonders stark betont Zinzendorf dabei den gekreuzigten Christus. Die Heilstat Christi am Kreuz bildet für ihn das Zentrum, das „Pünktchen“ des Evangeliums. Zinzendorfs Kreuzestheologie kann aber nur zusammen mit der Auferstehung und der leiblichen Gegenwart des gekreuzigten Christus verstanden werden. Der Glaube gründet nicht in moralischer Leistung oder religiöser Selbstverbesserung, sondern im stellvertretenden Leiden und Sterben Jesu Christi. In dieser Hinsicht steht Zinzendorf in der Tradition der lutherischen Rechtfertigungslehre, erweitert sie jedoch in Richtung einer affektiven Christusfrömmigkeit. Diese affektive Frömmigkeitsform fand eine besondere Ausprägung in Zinzendorfs Blut- und Wundentheologie. Diese bildete sich im Zeitraum der sogenannten „Sichtungszeit“ bis 1750 heraus, war aber auch darüber hinaus zentraler Bestandteil Zinzendorfs Theologie. Die Betrachtung des Blutes und der Wunden Christi soll dem Glaubenden die Wirklichkeit der Erlösung vergegenwärtigen. Besonders die Seitenwunde Christi, welche als Ort der Geborgenheit und Gemeinschaft mit Christus anschaulich gemacht wurde, spielte hierbei eine zentrale Rolle. Hierbei wird deutlich, wie sehr die Theologie Zinzendorfs durch das Empfinden und die Beziehung zu Christus geprägt ist, wohingegen er sich stets gegen einen reinen Kopfglauben wendete.

Schriften

Kirchenlieder (Auswahl)

Zinzendorf hat etwa 2000 Kirchenlieder gedichtet. Manche von ihnen werden heute noch gesungen, darunter besonders das Lied Jesu, geh voran. Dem dichterisch musikalischen Werk Zinzendorfs haben Musikproduzenten wie Jochen Rieger und Gerhard Schnitter Konzeptproduktionen gewidmet wie Jesu, geh voran, 1989 bei Gerth Medien mit dem Schulte & Gerth Studiochor, und Herz und Herz vereint zusammen, 2002 im Hänssler Verlag mit dem Solistenensemble. Auf der Website für das deutsche Volkslied findet sich eine beachtliche Auswahl seiner Liederdichtungen. Von seinen Liedern wurden etliche in verschiedene, vor allem evangelische Kirchengesangbücher aufgenommen. Erwähnenswert sind das Evangelische Kirchengesangbuch Bremen, das Gesangbuch für die evangelische Kirche im Großherzogtum Hessen (1893), das Gesangbuch für die evangelisch-reformierte Kirche der deutschen Schweiz (1915 und 1998), das Liederbuch der deutschen christlichen Mannesjugend (1923), das Liederbuch für evangelische Vereine (1930), das Evangelische Kirchengesangbuch für Württemberg (1953), das Gesangbuch für Mennoniten (1956), die Reichslieder im Gemeinschaftsliederbuch (1931, 1962 und 1965), das Evangelische Gesangbuch (1996), das Neuapostolische Gesangbuch, Jugendliederbücher, Schulliederbücher, Sonntagsschulliederbücher, Volksliederbücher u. a. m.

Ehrungen

Literatur

Commons: Nikolaus Ludwig von Zinzendorf – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Hans Schneider: Artikel Zinzendorf; in: Theologische Realenzyklopädie, Band 36. De Gruyter, Berlin/New York 2004, S. 691–697.
  2. ↑ Amy Tikkanen: Nikolaus Ludwig, count von Zinzendorf, German religious leader, britannica.com (englisch, abgerufen am 22. September 2024)
  3. ↑ Michael Sachs: Die Flucht der evangelischen Frau Anna Magdalena von Reibnitz (1664–~1745) mit ihren von der Zwangskatholisierung bedrohten fünf Kindern aus Schlesien im Jahre 1703 – ein Stimmungsbild aus dem Zeitalter der Gegenreformation und des Pietismus. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 221–263, hier: S. 227, Anm. 5.
  4. ↑ Michael Sachs (2015), S. 227.
  5. 1 2 3 Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760). In: Website mdr.de. Mitteldeutscher Rundfunk, 6. Mai 2010, abgerufen am 24. September 2024.
  6. ↑ Christoph Reimann: Die Tagebücher des Grafen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1687–1741) als Selbstzeugnis eines pietistischen Landesherrn. Dissertation 2017, kassel university press GmbH, Kassel 2019, S. 6, 9, 23, 26, 30, 43, 68 und 23 weiteren Seiten.
  7. ↑ Ulf Lückel: Adel und Frömmigkeit. Die Berleburger Grafen und der Pietismus in ihren Territorien.Verlag Vorländer, Siegen 2016, S. 140–148.
  8. ↑ Paul Tschackert: Zinzendorf, Nicolaus Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 344–353.
  9. ↑ Die Brüdergemeine entsteht (Memento vom 1. Dezember 2015 im Internet Archive), Website der Brüdergemeine.
  10. ↑ Wilhelm Wibbeling: Zinzendorf auf der Ronneburg. In: Hanau Stadt und Land. Ein Heimatbuch für Schule und Haus. Hanau 1954, S. 464–466.
  11. ↑ Hermann Arthur Lier: Watteville, Johannes Baron von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 255–257.
  12. ↑ Emil Blösch: Wattenwyl, Friedrich von (Herrnhuter). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 248 f.
  13. ↑ Paul Wernle: Zinzendorf bei Friedrich von Wattenwyl. Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, abgerufen am 27. Mai 2020.
  14. ↑ Oskar Pfister: Die Frömmigkeit des Grafen Ludwig von Zinzendorf, 1925, S. 288.
  15. 1 2 Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann, S. 765.
  16. ↑ Johann Georg Walch: Theologisches Bedencken von der Beschaffenheit der Herrnhutischen Secte, S. I. 1749. Digital: https://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10028290.html
  17. ↑ Johann Philip Fresenius: Bewährte Nachrichten von Herrnhutischen Sachen, Frf. 1747 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  18. ↑ Alexander Volck: Das Entdeckte Geheimnis der Bosheit der Herrnhutischen Secte, Frankfurt und Leipzig 1748 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  19. ↑ A. G. Spangenberg: Leben des Grafen Zinzendorf. 1. Auflage. 6. Teil. Die Brüdergemeine, [Barby] 1774, S. 1782.
  20. ↑ August Gottlieb Spangenberg: Leben des Herrn Nicolaus Ludwig Zinzendorf. Barby 1772–1775 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  21. ↑ Gerhard Meyer: Nikolaus Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf: Eine genealogische Studie mit Ahnen- und Nachfahrenliste, Hildesheim 1966, S. 143–148.
  22. ↑ Gerhard Meyer: Nikolaus Ludwig Reichsgraf von Zinzendorf und Pottendorf: Eine genealogische Studie mit Ahnen- und Nachfahrenliste, Hildesheim 1966, S. 228–260.
  23. ↑ Hans Braun: von Wattenwyl. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. Januar 2015, abgerufen am 10. Oktober 2026.
  24. ↑ Andrea König: Anna Nitschmann: Generalältestin, Priesterin, Missionarin, Mutter und Jüngerin der Herrnhuter Brüdergemeine, Abschnitt: Beziehungen, Website frauen-und-reformation.de (abgerufen am 9. September 2024)
  25. ↑ Freddy Dutz: Zinzendorf und Amerika, Website mission.de (1. Mai 2024, abgerufen am 22. September 2024)
  26. ↑ James R. Eggert: The Origin and Diffusion of the Common Table Prayer 'Come, Lord Jesus'. In: Lutheran Quarterly. Band 37, 2023, S. 49–72, doi:10.1353/lut.2023.0003 (englisch, Online [PDF; 775 kB; abgerufen am 14. November 2024]).
  27. ↑ Wilhelm Faix: Zinzendorf: Glaube und Identität eines Querdenkers. Francke, Marburg an der Lahn 2012, ISBN 978-3-86827-339-7, S. 49.
  28. ↑ Dieter Meyer: Der Christozentrismus des späten Zinzendorf: eine Studie zu dem Begriff «täglicher Umgang mit dem Heiland». Bern Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-261-01034-7, S. 194 (H. Lang P. Lang).
  29. ↑ Wilhelm Faix: Zinzendorf - Glaube und Identität eines Querdenkers. Francke, Marburg an der Lahn 2012, ISBN 978-3-86827-339-7, S. 72 f.
  30. ↑ Craig D. Atwood: Understanding Zinzendorf's Blood and Wounds Theology. In: Journal of Moravian History. Nr. 1, 2006, ISSN 1933-6632, S. 33, JSTOR:41179818 (englisch).
  31. ↑ Craig D. Atwood: Understanding Zinzendorf's Blood and Wounds Theology. In: Journal of Moravian History. Nr. 1, 2006, ISSN 1933-6632, S. 41–46, JSTOR:41179818 (englisch).
  32. ↑ Werke von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700–1760), Website deutscheslied.com (abgerufen am 13. Oktober 2024)
  33. ↑ Evangelisch-reformierten Gesangbuch, Reinhardt Verlag Basel/Theologischer Verlag Zürich 1998
  34. ↑ Evangelisch-reformierten Gesangbuch, Reinhardt Verlag Basel/Theologischer Verlag Zürich 1998
  35. ↑ Evangelisch-reformierten Gesangbuch, Reinhardt Verlag Basel/Theologischer Verlag Zürich 1998
  36. ↑ Frieder Schulz: Das Gedächtnis der Zeugen – Vorgeschichte, Gestaltung und Bedeutung des Evangelischen Namenkalenders. In: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, Band 19. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975, S. 69–104, Namenliste S. 93–104 (Digitalisat); Gail Ramshaw: More Days for Praise: Festivals and Commemorations in Evangelical Lutheran Worship. Augsburg Fortress 2016, S. 108.
  37. ↑ Zinzendorfkirchengemeinde Heidenheim
  38. ↑ Philipp Guntram: Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Website kulturstiftung.org (abgerufen am 25. September 2024)