
Zirkarie bezeichnet einen Visitations- und Verwaltungsbezirk im Prämonstratenserorden. Sie ist etwa vergleichbar mit der Ordensprovinz in anderen Orden, besitzt aber keinen eigenen körperschaftlichen Charakter.
In den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts wurden zwischen dem Generalkapitel und den Klöstern die bereits seit etwa der Mitte des Jahrhunderts geforderten Zirkarien eingeführt. Dabei handelte es sich um Visitationsbezirke ohne eigenen körperschaftlichen Charakter. Die Zirkarien waren somit nach den Provinzen der geistlichen Ritterorden die frühesten regionalen Unterteilungen im geistlichen Ordenswesen. Die Grundlage für dieses neue Organisationssystem war wahrscheinlich das ordensinterne doppelte Visitationssystem.
An der Spitze jeder Zirkarie standen zwei (später nur noch einer) „Visitatoren“ oder „Zirkatoren Capituli“, die die Klöster des Bezirks visitierten und die. von Generalkapitel eingesetzt wurden. Mit den Zirkarien schufen sich die Prämonstratenser eine von den bischöflichen Diözesanstrukturen unabhängige Verwaltungsstruktur.
Innerhalb der Zirkarien bildeten sich bald eigene Provinzialkapitel, die zunächst von Prémontré unterdrückt, dann aber doch zugelassen wurden, um im beginnenden Kampf um die Exemtion eine starke und sachnahe Institution verfügbar zu haben. Ab dem Spätmittelalter ernannte der Generalabt des Ordens in jeder Zirkarie einen Vikar; diesem oblagen die Leitung der Ordensprovinz und die Einberufung und der Vorsitz der allerdings nur sporadisch durchgeführten Provinzialkapitel.
In Europa gab es im Mittelalter etwa 30 Zirkarien, darunter in Mitteleuropa mit rund 300 Stiften. Im 16. Jahrhundert wurden viele Niederlassungen durch die Reformation aufgelöst. Einige Zirkarien (Sachsen, Pommern) bestanden seitdem nicht mehr, andere wurden zusammengelegt (Westfalen mit Ilfeld und Wadgassen, Bayern und Schwaben).
Bayern mit Oberösterreich
Böhmen, Mähren und Niederösterreich
Friesland
Thüringen, Hessen und Franken, benannt nach Kloster Ilfeld am Harz
Sachsen, entlang der mittleren und unteren Elbe, bis nach Brandenburg und an den Harz
Pommern
Schwaben mit Elsass und der deutschsprachigen Schweiz
Pfalz, Hessen, Lothringen (Saargebiet), Elsass, benannt nach Kloster Wadgassen
Westfalen, war mit 48 Häusern eine der größten Zirkarien des gesamten Ordens im Mittelalter.
Brabant
Flandern
Wallonien, benannt nach Abtei Floreffe, als zweitältester des Ordens
Auvergne
Burgund
Gascogne
Lothringen
östliche Normandie
westliche Normandie
Grafschaft Ponthieu im nordöstlichen Frankreich
England und Wales, zeitweise aufgeteilt in drei Zirkarien
Dänemark, Norwegen und Schweden
Irland
Schottland
Böhmen, Mähren und Niederösterreich
Schlesien, Kleinpolen, Großpolen
Pommern, gegründet von polnischen Herzögen, später deutschsprachig
Griechenland mit Konstantinopel, Zypern, Palästina
Spanien und Portugal
Ungarn mit der Slowakei
Nördliches Italien mit Rom
Mit den neuen Konstitutionen von 1970 wurden statt geografischer Zirkarien solche nach Sprachgruppen eingeführt: eine französisch-, eine niederländisch-, eine englisch- und eine deutschsprachige Zirkarie. Die alten Zirkarien Böhmen und Ungarn blieben bestehen.
Sie umfasst die niederländischsprachigen Abteien in den Niederlanden und Belgien, sowie deren abhängige Häuser, auch in Brasilien, Chile, Kongo und Südafrika.