Koordinaten: 37° 47′ 36″ N, 40° 47′ 35″ O
Ziyaret Tepe ist ein archäologischer Siedlungshügel in der türkischen Provinz Diyarbakır und mit der assyrischen Provinzhauptstadt Tušḫan (alternativ Tušan geschrieben) identisch. Ziyaret Tepe war seit der Mitanni-Zeit und hauptsächlich während der Neuassyrischen Periode in der Eisenzeit bewohnt. Der heutige Name Ziyaret Tepe drückt mit der Bedeutung Wallfahrtshügel oder Besuchshügel die besondere Stellung des Platzes für die Bevölkerung aus.
Die Stätte war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Der größte Teil der Funde und Gebäude stammt aus der mittleren Eisenzeit, als nach Zusammenbruch des mittelassyrischen Reiches der Ort wieder aufgebaut wurde. Frühere archäologische Untersuchungen an der Stätte im Jahr 1997 ergaben, dass Ziyaret Tepe eine von drei assyrischen Grenzstädten der Tigrisgrenze darstellt. In viel kleinerem Umfang war die Stätte auch in der hellenistischen, römischen, mittelalterlichen und osmanischen Zeit besiedelt. Es wird erwartet, dass das Gelände in Zukunft durch den Ilısu-Staudamm überschwemmt werden wird.
Ziyaret Tepe liegt im oberen Tigris-Flusstal südlich des Flusses im Landkreis Bismil. Etwa 1,5 km westlich liegt die Kleinstadt Tepe (ehemals Behramki oder Tepe-i Barava). Die Stätte besteht aus einem hohen Hügel und einer ihn umgebenden unteren Stadt. Der Hügel liegt am nördlichen Rand der Stätte. Er ist 22 m hoch und etwa drei Hektar groß und zeichnet sich durch eine flache Spitze, eine große Mulde an seinem Nordrand, die wahrscheinlich ein wichtiges Tor zur Zitadelle darstellte, und steile Hänge aus, die darauf hindeuten, dass die heutige Form des Hügels durch vergrabene Befestigungsmauern geformt wurde. Der hohe Hügel war auf drei Seiten von einer ausgedehnten Unterstadt umgeben, die sich über etwa 20 Hektar nach Westen, Süden und Osten erstreckt. Die Unterstadt von Ziyaret Tepe ist im Allgemeinen eben, obwohl eine leichte Erhebung am südlichen Rand der Unterstadt, die 1997 entdeckt wurde, den Verlauf einer Stadtmauer markieren könnte. Ebenso ist der westliche Rand der Unterstadt durch ein bedeutendes Wadi und der östliche Rand durch einen gemäßigteren Hang gekennzeichnet. Beides könnte das Ergebnis postablagerungsbedingter Erosion entlang der Linien antiker Befestigungsanlagen sein.
Die Arbeiten am Standort begannen 1997 mit einer dreijährigen Survey und Fernerkundung unter der Leitung von Timothy Matney der University of Akron. Danach gingen die Arbeiten von 2000 bis 2014 mit dem gleichen Team weiter.
In Ziyaret Tepe wurde ein Palast, der dem örtlichen Verwalter als Sitz diente, entdeckt. Er wurde unter dem König Aššur-nâṣir-apli II. (883 bis 859 v. Chr.) erbaut, was durch eine in der Nähe gefundene Inschrift belegt ist. Im Boden des Palastes wurden einige Gräber gefunden, die vielleicht den Verwaltern als letzte Ruhestätte dienten. Außerdem wurden in zwei Räumen 28 Tontafeln gefunden, die von Simo Parpola von der Universität Helsinki übersetzt wurden.
Eine dieser Tafeln stach besonders hervor. Sie wurde 2009 entdeckt und enthielt eine Liste mit etwa 60 Frauennamen. Diese Frauen trugen für die Gegend untypische Namen und wurden um 800 v. Chr. durch die assyrischen Herrscher aus einem unbekannten Ort hierher deportiert. Laut John MacGinnis vom McDonald Institute for Archaeological Research der University of Cambridge könnten diese Frauen aus der Umgebung des Zagrosgebirges stammen. Er sagte, die wahrscheinlichste Möglichkeit bestehe darin, dass diese Namen den Šubrianiern gehörten, einem Volk, das einen hurritischen Dialekt spreche.
Ziyaret Tepe liegt etwa 22 km Luftlinie östlich von Üçtepe Höyük, wo John George Taylor 1861 die berühmten Kurkh-Monolithen fand, der eine Beschreibung der Schlacht von Qarqar enthielt und daher von Interesse für biblische und altorientalische Studien ist. Tatsächlich glaubten einige Gelehrte in der Vergangenheit, dass Üçtepe der Standort von Tušḫan war.