Zweiter Tod

Der Ausdruck „zweiter Tod“ stammt aus der Offenbarung des Johannes, der letzten Schrift des Neuen Testaments der Bibel. Er bezeichnet dort den endgültigen unwiderruflichen Tod. Dieser endgültige bzw. ewige Tod wird im Endgericht durch Gott als endzeitlichen Richter verhängt. In der bildhaften Sprache der Offenbarung wird diese endgültige Vernichtung durch einen Feuersee (wörtlich: „ein See von brennendem Schwefel“; Lutherbibel: „feuriger Pfuhl“) bewirkt (Offb 20,14 LUT; 21,8 LUT).

Der Teufel im Höllenfeuer – Menschenseelen quälend und selbst gequält (aus dem Stundenbuch Les Très Riches Heures, Musée Condé, Chantilly, Frankreich, um 1410)

Textbefund

Der Ausdruck kommt in der Offenbarung vier Mal vor, wobei folgende Aussagen getroffen werden:

Bedeutung in der Offenbarung des Johannes

Verdammnis von Mächten

In der Darstellung der Offenbarung werden zuerst gottfeindliche Mächte in den endgültigen Tod geschickt: „Das Tier und der falsche Prophet“ (Offb 19,20 EU), im Weiteren der Teufel (diabolos, Offb 20,10 EU), gefolgt vom Tod und der Totenwelt (Offb 20,14 EU).

Verdammnis von Menschen

Schließlich sollen – nach der allgemeinen Totenauferstehung (Offb 20,13 EU) – jene Menschen den zweiten Tod erleiden, deren Namen nicht im Buch des Lebens geschrieben sind. Dies sind nach Offb 21,8 EU folgende Personen:

und zusammenfassend

Betroffen sind also nach weit verbreiteter Auslegung Menschen, die „systematisch“ oder prinzipiell dem Tod gedient haben und nicht zu Gott umgekehrt sind.

Im Verständnis der Apokalypse ist „ewige Verdammnis“ also keineswegs ein Ort ewiger Qual, sondern vielmehr die ewige Vernichtung, der „Gang ins Nichtsein“. Dieser Auslegung entgegen steht die ausdrücklich ewige Qual in Offenbarung 20,10b (Elberfelder Übersetzung): „... und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

Komplementärbegriff

Der „erste Tod“ – der Ausdruck taucht in der Bibel nirgends auf – ist der irdische bzw. leibliche Tod, den alle Menschen erleiden müssen, sofern sie nicht zu Lebzeiten in den Himmel entrückt wurden, wie etwa Henoch oder der Prophet Elia.

Rezeption

In der christlichen Spiritualität ist das Motiv des zweiten Todes vielfach aufgegriffen worden. Franz von Assisi stellt den zweiten Tod als eine Konsequenz der Sünde dar:

„Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.“

Anmerkungen

  1. ↑ David H. Stern: Kommentar zum jüdischen Neuen Testament. Bd. 3, Holzgerlingen 1996, S. 280–281, ISBN 978-3-7751-2592-5.
  2. ↑ Vgl. zum Folgenden Pablo Richard: Apokalypse. Das Buch von Hoffnung und Widerstand. Ein Kommentar. Edition Exodus, Luzern 1996, ISBN 3-905577-00-3, S. 246.
  3. ↑ Vgl. dazu 1 Kor 5,11 EU; Eph 5,5 EU; Kol 3,5 EU
  4. ↑ Vgl. Jes 66,24 EU; Mt 3,10–12 EU; Mt 5,29–30 EU; Mt 10,28 EU; Mk 9,43–48 EU (die Jesajastelle zitierend); Lk 17,29–30 EU.
  5. ↑ Dem zum Tod durchs Kreuz verurteilten Schwerverbrecher verhieß Jesus das ewige Paradies, als dieser ihn um Erbarmen bat (Lk 23,40–43 EU).
  6. ↑ Pablo Richard: Apokalypse. Das Buch von Hoffnung und Widerstand. Ein Kommentar. Edition Exodus, Luzern 1996, ISBN 3-905577-00-3, S. 224; S. 247.