Zwergmusendrossel

Zwergmusendrossel

Zwergmusendrossel

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Unterfamilie: Turdinae
Gattung: Musendrosseln (Catharus)
Art: Zwergmusendrossel
Wissenschaftlicher Name
Catharus ustulatus
(Nuttall, 1840)
Verbreitungsgebiet der Zwergmusendrossel, orange Brutgebiet, gelb Durchzugsgebiet, blau Überwinterungsgebiet

Die Zwergmusendrossel (Catharus ustulatus) ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln (Turdidae).

Der Vogel brütet im Norden Nordamerikas in Alaska und Kanada, im Nordwesten und im Westen der USA und überwintert in Mexiko und im Norden Südamerikas bis Peru (September bis April) und Argentinien. Als seltener Irrgast kommt er in Westeuropa und Nordostasien vor.

Während des Vogelzuges ist er in Costa Rica als Durchzügler zwischen September und November sowie von März bis Mai von Meereshöhe bis 2800 m. ü. M. und in Panama zwischen Oktober und November sowie zwischen März und April anzutreffen.

Selten ist die Art auch auf den Westindischen Inseln auf den Großen Antillen, den Cayman Islands und den Bahamas sowie auf den Bermudainseln zu finden.

Der Lebensraum umfasst Koniferen-Wälder mit dichtem Unterholz, auch Mischwald, zur Überwinterung feuchte Wälder, Waldränder, Plantagen, Parks, meist von 600 bis 2000, aber auch bis 3500 m. ü. M.

Merkmale

Der Vogel ist 16–20 cm groß und wiegt 23–45 g. Charakteristika sind die Brille aus gelbbraunem Augenring und Zügel, die kräftig grau bis bräunlich-schwarz gefleckte Kehle und Brust sowie die bräunlich bis olivfarbenen Flanken. Die Oberseite ist olivbraun, rötlich olivfarben oder graubraun, Schwingen und Schwanz sind mitunter etwas brauner als der Rücken. Die Unterseite ist weiß, an den Wangen, der Kehle und Brust etwas cremefarben bis hell gelbbraun überhaucht und zeigt breite dreieckförmige, bräunlich schwarze Flecken seitlich an der Kehle und runde bräunlich schwarze Flecken auf der Brust. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht, allerdings sind beim Männchen die Flügel etwas länger. Jungvögel haben gelbbraune Federspitzen an den mittleren und großen Flügeldecken und kürzere Flügel. Die Iris ist dunkel, bei Jungvögeln haselnussbraun, Beine und Füße sind blass rosa bis grau.

Die Brille unterscheidet die Art von allen nordamerikanischen Musendrosseln, auch von der ziemlich ähnlich aussehenden Grauwangen-Musendrossel (Catharus minimus), die ein gräuliches Gesicht und graue Oberseite aufweist, auch mehr grau an Kehle und Brust überhaucht ist. Die ähnliche Bicknellmusendrossel (Catharus bicknelli) ist kleiner und ist von der übrigen Oberseite abgesetzt rotbraun am Schwanz und nicht bräunlich oder olivfarben. Die Einsiedler-Musendrossel (Catharus guttatus) weist gleichfalls einen abgesetzt rotbraunen Schwanz auf und ist an Brust und Kehle weißer mit schwärzeren Flecken auf der Brust. Die Weidenmusendrossel(Catharus fuscescens) ist an der Oberseite rötlicher, hat keinen deutlichen Augenring, die Brustzeichnung ist weniger deutlich. Die Walddrossel (Hylocichla mustelina) unterscheidet sich durch die hell rostrote Oberseite, den breiten weißen Augenring und die reinweiße Unterseite mit kräftigen schwarzen Flecken.

Geografische Variation

Es werden folgende Unterarten anerkannt:

C. u. almae (Oberholser, 1898) enthalten in C. u. ustulatus beziehungsweise in C. u. swainsoni

C. u. clarescens (Burleigh & H. S. Peters, 1948) enthalten in C. u. swainsoni

Stimme

Der Gesang wird als melodische, flötende Strophen, ansteigend, mit Trillern beschreiben, einzigartig in höhere Tonlagen aufsteigend beschrieben wie „wurzel werzel wedezel ezee zee?“ Rufe sind ein scharfes ansteigendes „Wheeik!“ oder fließendes „wick“, wie tropfendes Wasser.

Lebensweise

Die Art ist ein Langstreckenzieher, zieht nachts, bei Zwischenstopps auch streckenweise tagsüber. Sie ruft häufig während des nächtlichen Fluges. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Beerenobst und Insekten während der Brutzeit und des Frühlingszuges, im Herbst und Winter werden mehr Früchte verzehrt. Die Brutzeit liegt im April in Kalifornien, im Mai in Idaho und Südostalaska sowie in Massachusetts.

Das Gelege besteht meist aus 4 Eiern, das Nest befindet sich im Unterholz, gern im Dickicht in mindestens 3 Meter Höhe auf einem horizontalen Ast. Meist gibt es nur eine Brut. Als Nesträuber werden Habichtartige (Accipitridae) und Falken vermutet, während des Zuges werden etliche Vögel Beute des Eckschwanzsperbers (Accipiter striatus).

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Zwergmusendrossel erfolgte 1840 durch Thomas Nuttall unter dem wissenschaftlichen Namen Turdus ustulatus. Als Verbreitungsgebiet gab er die Wälder Oregons an. In der Beschreibung verwendete er den Namen Turdus cestulatus, ein Name, den er als fehlerhaft korrigierte. 1850 führte Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte die neue Gattung Catharus für die Goldschnabel-Musendrossel (Catharus aurantiirostris Hartlaub, 1850) (Synonym Turdus immaculatus Bonaparte, 1850) ein. Dieser Begriff hat seinen Ursprung in καθαρος catharos, deutsch ‚rein, pur, unverfälscht, sauber‘. Der Artname ustulatus stammt von lateinisch ustulatus, urere ‚verbrannt, brennen‘ ab. Phillipsi ist Allan Robert Phillips (1914–1996) gewidmet und swainsoni William Swainson (1789–1855). Appalachiensis bezieht sich auf die Appalachen, almae könnte sich auf Alma Creek, Elko County, beziehen, geht aber aus der Originalbeschreibung nicht klar hervor. Incanus hat seinen Ursprung in lateinisch incanus ‚hell grau, grauhaarig, ganz grau‘, oedicus in ωδικος, ωδη ōdikos, ōdē, deutsch ‚Musiker, Lied‘ und clarescens in lateinisch clarescens, clarescentis, clarescere, clarere, clarus ‚etwas hell, etwas klar, hell werden, leuchten, klar‘. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Für Paraguay nannte er die Unterart Hylocichla ustulata swainsoni. Er betrachtete die Art nur als Wintervogel in Südamerika. In der Literatur sah er nur in Puerto Bertoni im Departamento Alto Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni einen Nachweis für das Land. 2024 wurde sie dann erstmals bildlich im Land nachgewiesen. Matthew Ryan Halley ist der Meinung, dass Thomas Nuttall den damaligen Typus falsch als neue Art identifiziert hat und es sich in Wirklichkeit um eine Einsiedler-Musendrossel (Catharus guttatus (Pallas, 1811)) handelt.

Gefährdungssituation

Die Zwergmusendrossel gilt als nicht gefährdet (Least Concern).

Literatur

Commons: Zwergmusendrossel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Zwergmusendrossel (Catharus ustulatus) bei Avibase; abgerufen am 11. Mai 2026.
  2. ↑ P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  3. 1 2 3 4 R. Garrigues, R. Dean: The Birds of Costa Rica. Ithaca: 2007. ISBN 978-0-8014-7373-9
  4. 1 2 3 4 G. R. Angehr, R. Dean: The Birds of Panama. Ithaca: 2010 ISBN 978-0-8014-7674-7
  5. 1 2 3 M. McMullan: Field Guide to the Birds of Colombia Rey Naranjo Editores, 2018, ISBN 978-958-8969-77-0
  6. 1 2 3 Thomas Scott Schulenberg, Douglas Forrester Stotz, Daniel Franklin Lane, John Patton O’Neill, Theodore Albert Parker III: Birds of Peru. Princeton University Press, 2007, ISBN 978-0-691-04915-1
  7. 1 2 3 4 5 6 D. E. Mack und W. Yong: Swainson's Thrush (Catharus ustulatus), version 1.0. In: A. F. Poole und F. B. Gill (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Catharus ustulatus
  8. ↑ IOC World Bird List 15.2 Thrushes
  9. ↑ AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  10. ↑ J. F. Clements, P. C. Rasmussen, T. S. Schulenberg, M. J. Iliff, J. A. Gerbracht, D. Lepage, A. Spencer, S. M. Billerman, B. L. Sullivan, M. Smith und C. L. Wood: The eBird/Clements Checklist of Birds of the world: v2025, 2025, Version 2025. Abgerufen am 23. Januar 2026
  11. ↑ William Earl Godfrey: A new Northwestern Olive-backed Trush. In: The Canadian Field-Naturalist. Band 65, Nr. 2, 1952, S. 172–174, Im Text S. 173 (englisch, Online – 1951).
  12. 1 2 Thomas Nuttall: A manual of the ornithology of the United States and of Canada. 2. Auflage. Hillard, Gray, and Company, Boston 1840, S. vi, 400–401 & 830 (englisch, Online).
  13. 1 2 Mario Alberto Ramos Olmos in Allan Robert Phillips: The known birds of North and Middle America. 2 (Bombycillidae; Sylviidae to Sturnidae; Vireoni). Published by the Author, Denver 1991, ISBN 0-9617402-1-3, S. 92 (englisch).
  14. ↑ Harry Church Oberholser: Description of a New Hylocichla. In: The Auk. Band 16, Nr. 1, 1899, S. 23–25 (englisch, Online [PDF; 350 kB]).
  15. 1 2 Johann Jakob von Tschudi: Untersuchungen über die Fauna Peruana. Scheitlin und Zollikofer, St. Gallen 1845, S. 28 (Online – 1844–1846).
  16. 1 2 Mario Alberto Ramos Olmos in Allan Robert Phillips: The known birds of North and Middle America. 2 (Bombycillidae; Sylviidae to Sturnidae; Vireoni). Published by the Author, Denver 1991, ISBN 0-9617402-1-3, S. 90 (englisch).
  17. ↑ Harry Church Oberholser: Description of a New North American Thrush. In: The Auk. Band 15, Nr. 4, 1898, S. 303–306 (englisch, Online [PDF; 471 kB]).
  18. ↑ Swainson's Thrush (ustulatus, syn. almae) (Catharus ustulatus almae) bei Avibase; abgerufen am 11. Mai 2026.
  19. ↑ Thomas Dearborn Burleigh, Harold Seymour Peters: Geographic variation in Newfoundland birds. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band 61, 1948, S. 111–126, Im Text S. 118–119 (englisch, Online).
  20. ↑ Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte: Conspectus generum avium. Band 1. E. J. Brill, Leiden 1850, S. 278 (englisch, Online).
  21. ↑ Catharus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  22. ↑ ustulatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  23. ↑ almae The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  24. ↑ incanus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  25. ↑ oedicus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  26. ↑ incanus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  27. ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay: peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86, S. 58 (spanisch, Google Books).
  28. ↑ Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 2. Strecker und Schröder, Stuttgart 1940, S. 222 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  29. ↑ Pablo Martin Avidad, Rubén Meza, Doris Dávalos, Hugo del Castillo, Robert Clay: First confirmed record of Catharus ustulatus (Nuttall, 1840), Swainson’s Thrush (Passeriformes, Turdidae), in Paraguay. In: Check List. Band 21, Nr. 1, 2024, S. 177–180 (englisch).
  30. ↑ Matthew Ryan Halley: The misidentification of Turdus ustulatus Nuttall, and the names of the nightingale-thrushes (Turdidae: Catharus). In: Bulletin of the British Ornithologists' Club. Band 139, Nr. 3, 2019, S. 238–259, doi:10.25226/bboc.v139i3.2019.a6 (englisch).
  31. ↑ Catharus ustulatus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2021. Eingestellt von: BirdLife International, 2021. Abgerufen am 11. Mai 2026.