Während des Vogelzuges ist er in Costa Rica als Durchzügler zwischen September und November sowie von März bis Mai von Meereshöhe bis 2800 m.ü.M. und in Panama zwischen Oktober und November sowie zwischen März und April anzutreffen.
Der Lebensraum umfasst Koniferen-Wälder mit dichtem Unterholz, auch Mischwald, zur Überwinterung feuchte Wälder, Waldränder, Plantagen, Parks, meist von 600 bis 2000, aber auch bis 3500 m.ü.M.
Merkmale
Der Vogel ist 16–20cm groß und wiegt 23–45g. Charakteristika sind die Brille aus gelbbraunem Augenring und Zügel, die kräftig grau bis bräunlich-schwarz gefleckte Kehle und Brust sowie die bräunlich bis olivfarbenen Flanken. Die Oberseite ist olivbraun, rötlich olivfarben oder graubraun, Schwingen und Schwanz sind mitunter etwas brauner als der Rücken. Die Unterseite ist weiß, an den Wangen, der Kehle und Brust etwas cremefarben bis hell gelbbraun überhaucht und zeigt breite dreieckförmige, bräunlich schwarze Flecken seitlich an der Kehle und runde bräunlich schwarze Flecken auf der Brust. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht, allerdings sind beim Männchen die Flügel etwas länger. Jungvögel haben gelbbraune Federspitzen an den mittleren und großen Flügeldecken und kürzere Flügel.
Die Iris ist dunkel, bei Jungvögeln haselnussbraun, Beine und Füße sind blass rosa bis grau.
Die Brille unterscheidet die Art von allen nordamerikanischen Musendrosseln, auch von der ziemlich ähnlich aussehenden Grauwangen-Musendrossel (Catharus minimus), die ein gräuliches Gesicht und graue Oberseite aufweist, auch mehr grau an Kehle und Brust überhaucht ist.
Die ähnliche Bicknellmusendrossel (Catharus bicknelli) ist kleiner und ist von der übrigen Oberseite abgesetzt rotbraun am Schwanz und nicht bräunlich oder olivfarben. Die Einsiedler-Musendrossel (Catharus guttatus) weist gleichfalls einen abgesetzt rotbraunen Schwanz auf und ist an Brust und Kehle weißer mit schwärzeren Flecken auf der Brust. Die Weidenmusendrossel(Catharus fuscescens) ist an der Oberseite rötlicher, hat keinen deutlichen Augenring, die Brustzeichnung ist weniger deutlich. Die Walddrossel (Hylocichla mustelina) unterscheidet sich durch die hell rostrote Oberseite, den breiten weißen Augenring und die reinweiße Unterseite mit kräftigen schwarzen Flecken.
Geografische Variation
Es werden folgende Unterarten anerkannt:
C. u. incanus (Godfrey, 1952) – Alaska und Nordwestkanada, überwintert von Kolumbien bis Peru, wie C. u. swainsoni, aber Schwanz röter, Oberseite grauer, Kopf blasser gelbbraun, Flügeldecken und Steuerfedern weniger gelbbraun berandet, Unterseite grauer als C. u. ustulatus, Brust dunkler und dichter gefleckt
C. u. ustulatus (Nuttall, 1840), Nominatform – Küstenregion von Südalaska bis Oregon, überwintert überwiegend in Westmexiko, auch im Hochland von Honduras, aber nicht südlich von Costa Rica
C. u. phillipsiRamos, 1991 – Haida Gwaii, überwintert an den Ost- und Westhängen Mexikos, röter als C. u. ustulatus, Rücken und Bürzel abgesetzt gegen rötliche Oberschwanzdecken, am wenigsten gefleckt
C. u. oedicus (Oberholser, 1899) – Westen der Sierra Nevada, überwintert von Westmexiko bis Nicaragua, auch mal südlich von Costa Rica, wie C. u. ustulatus, aber Oberseite wesentlich blasser und grauer, Oberschwanzdecken leicht rötlich
C. u. swainsoni (Tschudi, 1845) – Südkanada und Norden der USA, „Swainsonmusendrossel“ (Catharus swainsoni), überwintert in Mexiko, Honduras, zieht über Panama, mehr olivfarben als C. u. ustulatus oder C. u. oedicus, wenig Kontrast zwischen Rücken und Oberschwanzdecken, Unterseite deutlicher olivfarben, dichte schwärzliche Striche oder Flecken an der Brust
C. u. appalachiensisRamos, 1991 – Appalachen, überwintert in Kolumbien bis Nordostperu, dunkler und mehr rostrot als C. u. swainsoni
C. u. almae (Oberholser, 1898) enthalten in C. u. ustulatus beziehungsweise in C. u. swainsoni
Der Gesang wird als melodische, flötende Strophen, ansteigend, mit Trillern beschreiben, einzigartig in höhere Tonlagen aufsteigend beschrieben wie „wurzel werzel wedezel ezee zee?“
Rufe sind ein scharfes ansteigendes „Wheeik!“ oder fließendes „wick“, wie tropfendes Wasser.
Lebensweise
Die Art ist ein Langstreckenzieher, zieht nachts, bei Zwischenstopps auch streckenweise tagsüber. Sie ruft häufig während des nächtlichen Fluges.
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Beerenobst und Insekten während der Brutzeit und des Frühlingszuges, im Herbst und Winter werden mehr Früchte verzehrt.
Die Brutzeit liegt im April in Kalifornien, im Mai in Idaho und Südostalaska sowie in Massachusetts.
Das Gelege besteht meist aus 4 Eiern, das Nest befindet sich im Unterholz, gern im Dickicht in mindestens 3 Meter Höhe auf einem horizontalen Ast. Meist gibt es nur eine Brut.
Als Nesträuber werden Habichtartige (Accipitridae) und Falken vermutet, während des Zuges werden etliche Vögel Beute des Eckschwanzsperbers (Accipiter striatus).
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung der Zwergmusendrossel erfolgte 1840 durch Thomas Nuttall unter dem wissenschaftlichen NamenTurdus ustulatus. Als Verbreitungsgebiet gab er die Wälder Oregons an. In der Beschreibung verwendete er den Namen Turdus cestulatus, ein Name, den er als fehlerhaft korrigierte. 1850 führte Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte die neue Gattung Catharus für die Goldschnabel-Musendrossel (Catharus aurantiirostrisHartlaub, 1850) (SynonymTurdus immaculatusBonaparte, 1850) ein. Dieser Begriff hat seinen Ursprung in καθαροςcatharos, deutsch ‚rein, pur, unverfälscht, sauber‘. Der Artnameustulatus stammt von lateinischustulatus, urere‚verbrannt, brennen‘ ab. Phillipsi ist Allan Robert Phillips (1914–1996) gewidmet und swainsoniWilliam Swainson (1789–1855). Appalachiensis bezieht sich auf die Appalachen, almae könnte sich auf Alma Creek, Elko County, beziehen, geht aber aus der Originalbeschreibung nicht klar hervor. Incanus hat seinen Ursprung in lateinischincanus‚hell grau, grauhaarig, ganz grau‘, oedicus in ωδικος, ωδηōdikos, ōdē, deutsch ‚Musiker, Lied‘ und clarescens in lateinischclarescens, clarescentis, clarescere, clarere, clarus‚etwas hell, etwas klar, hell werden, leuchten, klar‘. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. Für Paraguay nannte er die Unterart Hylocichla ustulata swainsoni. Er betrachtete die Art nur als Wintervogel in Südamerika. In der Literatur sah er nur in Puerto Bertoni im Departamento Alto Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni einen Nachweis für das Land. 2024 wurde sie dann erstmals bildlich im Land nachgewiesen. Matthew Ryan Halley ist der Meinung, dass Thomas Nuttall den damaligen Typus falsch als neue Art identifiziert hat und es sich in Wirklichkeit um eine Einsiedler-Musendrossel (Catharus guttatus (Pallas, 1811)) handelt.
Gefährdungssituation
Die Zwergmusendrossel gilt als nicht gefährdet (Least Concern).
Literatur
Thomas Nuttall:A manual of the ornithology of the United States and of Canada. 2. Auflage. Hillard, Gray, and Company, Boston 1840, S.vi,400&830 (englisch, Online).
↑P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
123456D. E. Mack und W. Yong: Swainson's Thrush (Catharus ustulatus), version 1.0. In: A. F. Poole und F. B. Gill (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Catharus ustulatus
↑AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
↑J. F. Clements, P. C. Rasmussen, T. S. Schulenberg, M. J. Iliff, J. A. Gerbracht, D. Lepage, A. Spencer, S. M. Billerman, B. L. Sullivan, M. Smith und C. L. Wood: The eBird/Clements Checklist of Birds of the world: v2025, 2025, Version 2025. Abgerufen am 23. Januar 2026
↑William Earl Godfrey:A new Northwestern Olive-backed Trush. In: The Canadian Field-Naturalist. Band65, Nr.2, 1952, S.172–174, Im Text S.173 (englisch, Online– 1951).
12Thomas Nuttall:A manual of the ornithology of the United States and of Canada. 2. Auflage. Hillard, Gray, and Company, Boston 1840, S.vi,400–401&830 (englisch, Online).
12Mario Alberto Ramos Olmos in Allan Robert Phillips:The known birds of North and Middle America. 2 (Bombycillidae; Sylviidae to Sturnidae; Vireoni). Published by the Author, Denver 1991, ISBN 0-9617402-1-3, S.92 (englisch).
↑Harry Church Oberholser:Description of a New Hylocichla. In: The Auk. Band16, Nr.1, 1899, S.23–25 (englisch, Online[PDF; 350kB]).
12Johann Jakob von Tschudi:Untersuchungen über die Fauna Peruana. Scheitlin und Zollikofer, St. Gallen 1845, S.28 (Online– 1844–1846).
12Mario Alberto Ramos Olmos in Allan Robert Phillips:The known birds of North and Middle America. 2 (Bombycillidae; Sylviidae to Sturnidae; Vireoni). Published by the Author, Denver 1991, ISBN 0-9617402-1-3, S.90 (englisch).
↑Harry Church Oberholser:Description of a New North American Thrush. In: The Auk. Band15, Nr.4, 1898, S.303–306 (englisch, Online[PDF; 471kB]).
↑Thomas Dearborn Burleigh, Harold Seymour Peters:Geographic variation in Newfoundland birds. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band61, 1948, S.111–126, Im Text S.118–119 (englisch, Online).
↑Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte:Conspectus generum avium. Band1. E. J. Brill, Leiden 1850, S.278 (englisch, Online).
↑Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni:Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay: peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band59, Nr.1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S.1–86, S.58 (spanisch, Google Books).
↑Alfred Laubmann:Die Vögel von Paraguay. Band2. Strecker und Schröder, Stuttgart 1940, S.222 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Pablo Martin Avidad, Rubén Meza, Doris Dávalos, Hugo del Castillo, Robert Clay:First confirmed record of Catharus ustulatus (Nuttall, 1840), Swainson’s Thrush (Passeriformes, Turdidae), in Paraguay. In: Check List. Band21, Nr.1, 2024, S.177–180 (englisch).
↑Matthew Ryan Halley:The misidentification of Turdus ustulatus Nuttall, and the names of the nightingale-thrushes (Turdidae: Catharus). In: Bulletin of the British Ornithologists' Club. Band139, Nr.3, 2019, S.238–259, doi:10.25226/bboc.v139i3.2019.a6 (englisch).