Zwetschge

Zwetschge

Reife Zwetschgen

Systematik
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Pflaume (Prunus domestica)
Unterart: Zwetschge
Wissenschaftlicher Name
Prunus domestica subsp. domestica
L.

Die Echte Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) ist eine Unterart der Pflaume (Prunus domestica). Sie wird in Europa, Westasien, Nordamerika sowie Nord- und Südafrika als Obstbaum angebaut.

In Österreich wird der Name Zwetschke geschrieben. In Norddeutschland wird die Frucht häufig Pflaume genannt, im Westmitteldeutschen auch Quetsche. Die weitere Bezeichnung als „Damaskus-Pflaume“ (französisch prune de Damas) weist auf ihre orientalische Herkunft hin.

Wortherkunft

„Zwetschge“ und ähnlich ist aus norditalienisch-südostfranzösisch davascena entlehnt, das seinerseits auf lateinisch damascēna ‚damaszenisch‘ zurückgeht, und bedeutete damit ursprünglich „Frucht aus Damaskus“, weil die veredelten Pflaumensorten aus den pontischen Ländern stammen.

Beschreibung

Fünfzählige radiärsymmetrische Blüten

Vegetative Merkmale

Der Zwetschgenbaum erreicht Wuchshöhen von bis zu 6 Metern, selten bis zu 10 Metern. Einjährige Zweige sind mehr oder weniger kahl. Ältere Äste sind bei den meisten Sorten mit bis zu etwa 5 Zentimeter langen, starken Dornen besetzt. Die einfachen Laubblätter sind gekerbt bis gesägt, auf Ober- wie Unterseite meist kahl und nur selten zerstreut behaart; sie sind zur Blütezeit erst wenig entwickelt.

Generative Merkmale

Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 1,5 bis 2 Zentimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind länglich und auf beiden Seiten zerstreut behaart. Die fünf grünlich-weißen bis gelblich-grünen Kronblätter sind länglich.

Pollen der Prunus domestica subsp. domestica, 400fach vergrößert

Die Steinfrucht ist bei Reife blau bis blauschwarz, bereift, 4 bis 8 Zentimeter lang, länglich-eiförmig und verjüngt sich zu den beiden Enden hin deutlich. Der Steinkern ist ei- bis halbmondförmig, abgeflacht, an beiden Enden zugespitzt und beinahe stechend. Er ist 0,47- bis 0,58-mal so dick wie lang. Seine Oberfläche ist höckerig-netzig. An der Bauchseite ist er besonders stark gegen das Stielende vorgezogen. Die Rückenfurche ist schmal und weist schräge Kammstriche auf. Das Fruchtfleisch ist mäßig saftig, fest und löst sich leicht vom Kern und bei Ofenhitze behält es seine Form.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 6x = 48, bei einer Chromosomengrundzahl von x = 8. Es handelt sich folglich um eine hexaploide Art.

Nutzung

Zwetschgen werden neben dem Frischverzehr auch zur Herstellung von Pflaumenmus (Powidl), Kuchen (Zwetschgenkuchen), Speiseeis, Trockenobst (Dörrzwetschgen; daraus, mit anderen Früchten und Nüssen und Eisendraht wird traditionell der Zwetschkenkrampus hergestellt), Essigzwetschgen oder Obstbrand (Zwetschgenwasser) verwendet.

Im Tiroler Oberland wird die Zwetschge seit Jahrhunderten in Höhenlagen um etwa 1000 Meter kultiviert (die ersten Reiser sollen der Legende nach im 16. Jahrhundert von Petrus Canisius dorthin gebracht worden sein). Die Stanzer Zwetschke ist im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums eingetragen und ist das Leitprodukt für die Region in der Genussregion Österreich.

Im Gegensatz zu anderen Pflaumen löst sich bei reifen Zwetschgen der Stein leicht vom Fruchtfleisch und sie sind nicht sauerkochend.

Holz

Das Holz des Zwetschgenbaumes hat eine Rohdichte von 0,75 bis 0,85 g/cm³ und ist wegen seiner rötlichbraunen Farbe und Härte bei Tischlern für hochwertige Möbel begehrt. Es bleicht jedoch unter Lichteinwirkung aus.

Sorten

Auswahl aus den in Mitteleuropa angebauten Zwetschgensorten:

Filme

Siehe auch

Wiktionary: Zwetschge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Zwetschge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunus. In: Hildemar Scholz (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. 2., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Band IV, Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3) (Rosaceae, 2. Teil). Blackwell, Berlin/Wien u. a. 1995, ISBN 3-8263-2533-8.
  2. ↑ Ulrich Ammon, Hans Bickel, Alexandra N. Lenz (Hrsg.): Variantenwörterbuch des Deutschen. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, unter den verschiedenen Wörtern.
  3. ↑ Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 3. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, unter den verschiedenen Wörtern.
  4. ↑ Zwetschge/Pflaume. In: Atlas zur deutschen Alltagssprache. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  5. ↑ Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 26., grundlegend überarbeitete Auflage von Frank Heidermanns. de Gruyter, Berlin/Boston 2026, S. 1250.
  6. ↑ Leserfrage: Pflaume oder Zwetschge? In: Stiftung Warentest (Hrsg.): test. Nr. 9, 2010 (test.de [abgerufen am 1. Februar 2013]).
  7. ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 573.
  8. ↑ Stanzer Zwetschke. Eintrag Nr. 54 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.
  9. ↑ Neuer Arche-Passagier: die Bühler Frühzwetschge. In: www.slowfood.de. 12. Juni 2018, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  10. ↑ Wie die „Blaue Königin“ ums Überleben kämpft. In: insidebw.de. 6. Januar 2022, abgerufen am 8. August 2023.
  11. ↑ Manfred Fischer: Farbatlas Obstsorten. Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-5547-8.