Zyklenzeiger

Der Zyklenzeiger, auch Zyklenindikator genannt, wird in der Mathematik als Hilfsmittel eingesetzt, wenn bei der Bestimmungen komplexerer Anzahlen in der Kombinatorik Symmetrien berücksichtigt werden können.

Konkret ist der Zyklenzeiger ein Polynom, welches Informationen über die Struktur einer passenden Gruppe abstrahiert.

Die bekannteste Anwendung ist der Satz von Pólya, welcher das Abzählen komplexerer Äquivalenzklassen von Objekten ermöglicht, etwa die Anzahl aller echt unterschiedlichen Moleküle einer Familie in der Chemie oder die der Bäume in der Graphentheorie.

Formale Definition

Sei eine Permutationsgruppe mit Elementen vom Grad . Jede Permutation lässt sich eindeutig als Vereinigung disjunkter Zyklen darstellen. Der Zyklentyp der Permutation sei durch die Anzahl aller Zyklen von mit Länge gegeben, also

Nun wird jedem ein Monom

in den Variablen zugewiesen. Dann ist der Zyklenzeiger von gegeben durch das den Durchschnitt bildende Polynom

.

Beispiele

Zyklische Gruppe C3

Die zyklische Gruppe wird durch die drei Permutationen

realisiert. besteht aus Zyklen der Länge eins, also lautet das entsprechende Monom . Hingegen bestehen und jeweils aus einem Zyklus der Länge 3, also ergibt sich zweimal das Monom . Durchschnittsbildung führt auf den Zyklenzeiger von :

.

Symmetrische Gruppe S3

Die symmetrische Gruppe besteht aus den sechs Permutationen

und der Zyklenzeiger ist

.

Drehgruppe eines Würfels

Würfel mit eingefärbten Seiten

Die Drehgruppe eines Würfels, das heißt die Automorphismengruppe seiner Rotationen im dreidimensionalen Raum, kann als Permutationsgruppe der sechs Seiten des Würfels dargestellt werden. Insgesamt gibt es 24 verschiedene Automorphismen, die für die Berechnung des Zyklenzeigers dieser Gruppe klassifiziert werden müssen:

Insgesamt ergibt sich damit für den Zyklenzeiger der Gruppe G

Diese Formel kann jetzt für verschiedene kombinatorische Probleme verwendet werden: Die Substitution und Anwendung des Satzes von Pólya ergibt etwa, dass es insgesamt

echt verschiedene (d. h. durch Rotation nicht ineinander überführbare) Möglichkeiten gibt, die Seiten eines Würfels mit verschiedenen Farben einzufärben.

Man beachte: Alternativ hätte man auch eine auf die Ecken oder Kanten (wenn der Würfel als Graph aufgefasst wird) wirkende Gruppe betrachten können, was allerdings auf andere Zyklenzeiger führen würde.

Literatur