Das 10/40-Fenster ist ein Begriff aus der evangelikalen Gemeindegründungsbewegung AD 2000 and Beyond Movement (deutsch: „Bewegung 2000 und darüber hinaus“) und bezeichnet ein etwa rechteckig gedachtes Gebiet auf der Weltkarte, in denen die „unerreichten Völker“ vermutet werden, die Ziel vieler missionarischer Projekte sind und bis zum Jahr 2000 evangelisiert bzw. mit dem christlichen Evangelium erreicht werden sollten. Die nachfolgende Bewegung ist das „Joshua Project“. Lutherische und Römisch-katholische Kirchen beteiligen sich an derartigen Projekten in der Regel nicht, da hier der Fokus überwiegend auf sozialer Hilfe liegt und insbesondere die Geistliche Kriegsführung als unbiblisch abgelehnt wird.
Der Ursprung des Begriffs dürfte ungefähr um das Jahr 1989 liegen, als die Lausanne-II-Konferenz in Manila stattfand und mit dem Manifest von Manila abgeschlossen wurde. Die Konferenz formulierte strategische Ansätze für evangelikale Gemeinden, Missionswerke und Gemeindegründungsbewegungen, die Ausbreitung des Christentums zu fördern. Louis Bush, ein argentinische Missionar, sah seine Aufgabe in der Vollendung der Weltevangelisierung durch Zusammenarbeit und Vernetzung evangelikaler Führungskräfte und prägte die Begriffe „Resistant Belt“ (Widerstandsgürtel, in Analogie zum sogenannten Bible Belt in den USA, in dem besonders viele evangelikale Christen leben) und „10/40-Fenster“, die seitdem oft synonym verwendet werden. Es folgte Bushs Schrift AD 2000 and Beyond als Strategiepapier für die Zeit bis 2000. Bis 2000 war die Zielsetzung zwar vermutlich nicht realistisch erreichbar, Bush selbst schrieb aber darin von einem „symbolischen Meilenstein sowohl als zentraler Punkt für Evangelisierungspläne als auch als Übergangszeit in ein neues Jahrhundert der Weltevangelisierung“. Es gelang ihm mit seiner Schrift, evangelikale Gemeinde- und Missionswerke auf der ganzen Welt für dieses Anliegen zu gewinnen. Auch C. Peter Wagner gilt als ein Vertreter dieser Idee. Er brachte die sogenannte „Geistliche Kriegsführung“ als Methode in die Arbeit ein.
Vor der Etablierung dieses Kunstworts gab es im deutschsprachigen Raum keine deckungsgleiche Entsprechung. Man sprach in christlichen Kreisen von „Geschlossenen Ländern“, weil sie christlichen Missionaren die Einreise verweigerten oder Visa blockierten (wie damals die Sowjetunion, China oder Saudi-Arabien), vom „Eisernen-“ bzw. „Bambusvorhang“ (aus dem politischen in den religiösen Kontext übernommen, wie China, Nordkorea, Vietnam) oder der „Islamischen Welt“ bzw. dem „hinduistisch-buddhistischen Raum“.
Das 10/40-Fenster sind die Länder in einem gedachten Rechteck auf der Weltkarte, dessen nördlicher Rand am 40. Breitengrad durch die Türkei verläuft und südlich auf dem 10. Grad etwa die Südspitze Indiens erreicht. Geschlossen wird das Fenster durch Längengrade von Westafrika bis nach Japan. Hier werden „6.012 unerreichte Volksgruppen“ vermutet; das seien nach Definition von Globe Mission ethnolinguistische Volksgruppen, die in ihrer eigenen Kultur und Sprache noch keine lebendige, starke Kirche/Gemeinde haben, welche in der Lage seien, ohne die Hilfe von interkulturellen Erntearbeitern [gemeint sind im Biblischen Bild Missionare] oder ausländischen Missionswerken ihr eigenes Volk zu durchdringen. Dementsprechend liegt der Fokus vieler Missionswerke für dieses Gebiet in der Gründung neuer Gemeinden.
Die ursprüngliche Länderliste orientierte sich noch sehr stringent an den geografischen Breitengraden. Sie schloss Portugal, Griechenland und Südkorea ein. Teilweise mit der Begründung eines nur oberflächlichen Christentums, was aber ebenso auf Italien zugetroffen hätte, das außerhalb dieses Rechtecks lag, im Fall von Malta trotz Vorhandenseins einheimischer evangelikaler Missionare. Diese Länder wurden in einer Neufassung der Länderliste entfernt. Im Gegenzug wurden inzwischen Länder außerhalb dieser Grenzen aufgenommen, wie Kasachstan oder Albanien, aber auch Indonesien innerhalb des Rechtecks ausgeschlossen, da hier ein hohes Wachstum evangelikaler Gruppen zu verzeichnen ist. Die plakativ formulierte „10/40“-Definition wurde also mit den tatsächlich kaum erreichten Menschen außerhalb und den zwischenzeitlichen Erfolgen der Missionswerke innerhalb des 10/40-Rechtecks kombiniert.
Zielgruppe in dieser Region seien 3,38 Milliarden Menschen oder fast 95 Prozent der unerreichten Menschen in diesem Fenster, In den 1990er Jahren wurden erhebliche Fortschritte bei der Bibelübersetzung und der Verbreitung christlicher Medien (wie dem Jesus-Film) erzielt. Auch politische Krisen wie in Syrien und dem Libanon werden als Erschütterung der bestehenden Gemeinden gedeutet, durch die ein Aufbruch und eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden in Gang komme. Erhard Kamphausen von der Hamburger Missionsakademie spricht in diesem Zusammenhang von den Kerngebieten des Islams, deren „satanische Bollwerke und Territorien“ in dieser Weltregion lägen und zum „spirituellen Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts“ deklariert werden.