Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000hPa).
2-Methoxynaphthalin (auch 2-Naphthylmethylether oder Yara-Yara genannt) ist eine organischechemische Verbindung, die das Gerüst des Naphthalins hat und die sich vom 2-Naphthol (auch β-Naphthol genannt) ableitet. Es ist ein farbloser Feststoff, der seit über einem Jahrhundert als Duftmittel eingesetzt wird, beispielsweise in billigen Seifen oder in Räucherstäbchen. Der Geruch erinnert an Orangenblüten und damit an das Orangenblütenöl Neroli. Deshalb wurde 2-Methoxynaphthalin – wie das ähnlich durftende homologe2-Ethoxynaphthalin – auch als Nerolin vermarktet. Zur Unterscheidung wurde 2-Methoxynaphthalin Nerolin I oder Nerolin alt genannt, 2-Ethoxynaphthalin Nerolin II oder Nerolin neu. Der Duft des Methylethers wird auch als Akaziennote beschrieben. Diese Stoffe sind Ersatzstoffe, die nicht in den duftenden Blüten der Natur vorkommen.
Geschichte
Über eine erste Darstellung und Charakterisierung von 2-Methoxynaphthalin wurde 1879 berichtet, wobei der Geruch damals als „nach Ananas“ beschrieben wurde.
Darstellung
Die Darstellung erfolgt aus 2-Naphthol und einem Methylierungsreagenz wie Methanol, Dimethylsulfat oder Diazomethan, wobei insbesondere die Methylierung mittels Dimethylsulfat genannt wurde. Als Katalysator für die Reaktion zwischen 2-Naphthol und Methanol wird zumeist Schwefelsäure verwendet, aber es können auch Molekularsiebe genutzt werden. Auch eine Synthese vom Typ der Williamson-Ethersynthese ist möglich, sie geht z.B. vom Natriumsalz des 2-Naphthols aus, das mittels Halogenmethan methyliert wird.
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
2-Methoxynaphthalin ist in kaltem Wasser fast unlöslich (nur 75,9 mg/Liter), in heißem kaum löslich. Nur wenig löst sich in Methanol oder Ethanol. Es ist in Ether, Benzol, Chloroform und Schwefelkohlenstoff leicht löslich. 2-Methoxynaphthalin kann mit Wasserdampf destilliert werden. Seine Bildungsenthalpie beträgt −98 kJ·mol−1, die Verbrennungsenthalpie −5660 kJ·mol−1.
2-Methoxynaphthalin wurde wegen seines anhaftenden Geruchs vor dem 1. Weltkrieg zur Vergällung von für Industriezwecke genutzten fetten Ölen verwendet. In den 1960er Jahren wurde es in den USA in einer Konzentration von maximal 11 ppm als Aromastoff in Kaugummis verwendet. Außerdem diente es als Ausgangsstoff für die Synthese des fiebersenkenden Arzneistoffes Naproxen, von dem im Jahr 1970 500 kg aus 2-Methoxynaphthalin hergestellt wurden. Die wichtigste Verwendung ist die als Duftstoff in billigen Seifen. In der EU ist 2-Methoxynaphthalin als Aromastoff unter der FL-Nummer 04.074 zugelassen.
Sicherheitshinweise
Wie die meisten organischen Substanzen ist auch dieser Ether brennbar. Er ist schädlich für Wasserorganismen. Beim Umgang damit Handschuhe und Schutzbrille tragen.
Einzelnachweise
1234Deutsche Chemische Gesellschaft (Hrsg.):Beilsteins Handbuch der Organischen Chemie. Die Literatur bis 1. Januar 1910 umfassend. vierte Auflage. 6 Isocyclische Oxo-Verbindungen. Julius Springer, Berlin 1923, System-Nr. 538, Funktionelle Derivate des β-Naphthols, S.640–641 (Internet Archive).
1234Eduard Gildemeister, Friedrich Hoffmann:Die ätherischen Öle. Dritte Auflage. Erster Band. Verlag der Schimmel & Co. Aktiengesellschaft, L. Staackmann, Leipzig 1928, III, Hauptbestandteile der ätherischen Öle, natürliche und künstliche Riechstoffe; Phenole und Phenoläther, β-Naphtholäther, S.624 (Internet Archive[abgerufen am 4.April 2020]englische Version „The Volatile Oils“ von 1913 (Longmans, Green and Co, London) Seite 495–496): „zum Parfümieren billiger Haus- und Toilettenseifen viel gebrauchte Produkte“
12Walther Schrauth, C . Deite:Handbuch der Seifenfabrikation. Nach dem Handbuch von Dr. C. Deite. fünfte Auflage. Julius Springer, Berlin 1921, E. Die Feinseifen, I Die Rohstoffe für die Feinseifenfabrikation, 3. Die Riechstoffe für die Parfümierung der Feinseifen, S.479–480 (Internet Archive): „zum Parfümieren billiger Haus- und Toilettenseifen“
1232-Methoxynaphthalin.In:Lexikon der Chemie.Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg,1998,abgerufen am 4.April 2020.
↑C. Marchetti:Sopra alcuni derivati dei Naftoli. In: Gazzetta chimica Italiana. Band9. Michele Amenta, Palermo 1879, S.544–545 (Internet Archive, Zusammenfassung aus dem Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie in der Hathi Trust Digital Library).
↑M. Colomina, M.V. Roux, C. Turrion:Thermochemical properties of naphthalene compounds IV. Enthalpies of combustion and formation of 2-methoxynaphthalene, 2-ethoxynaphthalene, and 2,3- and 2,7-dihydroxynaphthalenes. In: The Journal of Chemical Thermodynamics. Band8, Nr.9, September 1976, S.869–872, doi:10.1016/0021-9614(76)90164-6.
↑
Vergällung fetter Öle. Amtliche Verordnungen und Erlasse. In: Zeitschrift für Analytische Chemie. Band52, Nr.12, Dezember 1913, S.4–6, doi:10.1007/BF01554318.
↑Food Protection Committee, Food and Nutrition Board:Chemicals Used in Food Processing. Hrsg.: National Academy of Sciences, National Research Council. Publication 1274. Washington D. C. 1965, LCCN65-060045, S.165 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Peter J. Harrington, Eric Lodewijk:Twenty Years of Naproxen Technology. In: Organic Process Research & Development. Band1, Nr.1, Januar 1997, S.72–76, doi:10.1021/op960009e.