Der 20-m-Shuttle-Run-Test (auch 20-m-Pendellauf, Beep-Test, Léger-Test, Course-Navette, Multi-Stage Fitness Test oder PACER-Test) ist ein stufenweise ansteigender Ausdauerlauftest zur Schätzung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max). Die Teilnehmer laufen zwischen zwei 20 m voneinander entfernten Linien hin und her; das Tempo wird durch akustische Signale vorgegeben und in festen Zeitabständen erhöht, bis es nicht mehr gehalten werden kann. Der Test gilt als einer der am häufigsten verwendeten Feldtests der kardiorespiratorischen Fitness.
Der Test wurde von dem kanadischen Sportwissenschaftler Luc A. Léger entwickelt. Eine erste Fassung, die Léger und Lambert 1982 an 91 Erwachsenen validierten, arbeitete mit zweiminütigen Stufen: Sie begann bei 8 km/h, das Tempo stieg je Stufe um 0,5 km/h. Später wurde die Stufendauer auf eine Minute verkürzt, da dies als motivierender angesehen wurde. Diese Fassung veröffentlichten Léger und Mitarbeiter 1988 mit Prognosegleichungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene; sie gilt als Referenzprotokoll. Im selben Jahr legten Ramsbottom, Brewer und Williams an der University of Technology in Loughborough eine Variante vor, bei der die VO2max anhand einer Tabelle geschätzt wird.
Der Test ist Bestandteil mehrerer Testbatterien für Kinder und Jugendliche, darunter Eurofit und FITNESSGRAM.
Die Teilnehmer laufen zwischen zwei Linien im Abstand von 20 m hin und her und müssen die jeweilige Linie mit dem Tonsignal erreichen. Im Protokoll nach Léger et al. (1988) beginnt die erste Stufe mit 8,5 km/h; jede Minute steigt die Geschwindigkeit um 0,5 km/h. Die Geschwindigkeit der Stufe S beträgt somit
mit v in km/h.

Verbreitet ist auch eine Variante, deren erste Stufe mit 8,0 km/h gelaufen wird und die ab der zweiten Stufe mit 9,0 km/h dem gleichen Schema folgt. Da die Stufe jeweils nur nach vollständigen Bahnen wechselt, nimmt die Zahl der Bahnen je Stufe mit dem Tempo zu, in dieser Variante etwa von 7 Bahnen in Stufe 1 über 11 in Stufe 9 bis 16 in Stufe 20.
Der Test endet, wenn ein Teilnehmer die Linie zweimal hintereinander nicht rechtzeitig erreicht. Als Ergebnis wird die zuletzt erreichte Stufe angegeben, oft ergänzt um die in dieser Stufe gelaufenen Bahnen (etwa „9/8“). Alternativ werden die Gesamtzahl der Bahnen oder die Endgeschwindigkeit verwendet.
Die VO2max (in ml·kg−1·min−1) wird aus dem Testergebnis über Regressionsgleichungen – meist mit der Endgeschwindigkeit v in km/h als Eingangsgröße – oder über Tabellen geschätzt.
| Quelle | Stichprobe | Gleichung bzw. Verfahren | Kennwerte |
|---|---|---|---|
| Léger & Lambert 1982 | 91 Erwachsene; 2-Minuten-Stufen | r = 0,84; SEE = 5,4 | |
| Léger et al. 1988 | 188 Kinder und Jugendliche (8–19 Jahre); für Erwachsene A = 18 (77 Erwachsene) | Kinder r = 0,71; Erwachsene r = 0,90 | |
| Ramsbottom et al. 1988 | 74 aktive Erwachsene (36 Männer, 38 Frauen) | Tabelle nach Stufe und Bahn | r = 0,92 (Stufe vs. gemessene VO2max) |
| Flouris et al. 2005 | 110 Männer | r² = 0,92 |
A: Alter in Jahren.
Für dieselbe Laufleistung liefern die Verfahren unterschiedliche Werte. In einer Untersuchung an 35 Sportstudierenden ergab die Gleichungsmethode im Mittel 52,5, die Tabellenmethode 46,9 ml·kg−1·min−1. Flouris et al. stellten fest, dass die Léger-Gleichung die auf dem Laufband gemessene VO2max junger Männer signifikant überschätzte, ihre eigene Gleichung hingegen nicht. In einer Studie an 65 Hockeyspielerinnen wiesen die Verfahren nach Ramsbottom und Flouris keine systematische Abweichung auf, während mehrere andere Gleichungen die Werte überschätzten; im Einzelfall betrugen die Abweichungen jedoch bis zu etwa 10 ml·kg−1·min−1. Die Autoren empfehlen, eine Gleichung zu wählen, die an einer möglichst ähnlichen Population entwickelt wurde.
Eine Metaanalyse von 57 Studien mit 78 Korrelationswerten ergab eine mittlere bis hohe Kriteriumsvalidität gegenüber der im Labor gemessenen VO2max (rp = 0,66–0,84). Für das Léger-Protokoll lag sie bei Erwachsenen (rp = 0,94) signifikant höher als bei Kindern (rp = 0,78); Geschlecht und Fitnessniveau hatten keinen erkennbaren Einfluss. Die Autoren weisen darauf hin, dass das Testergebnis eine Schätzung und keine direkte Messung der kardiorespiratorischen Fitness ist.
Das Ergebnis hängt nicht allein von der aeroben Kapazität ab. Die Richtungswechsel verursachen zusätzliche Energiekosten, die mit der Körpergröße zusammenhängen, und das wiederholte Abbremsen und Beschleunigen erfordert einen anaeroben Beitrag.
Léger und Lambert ermittelten bei 50 Erwachsenen eine Test-Retest-Korrelation von r = 0,975. Für das Protokoll von 1988 wurden Werte von 0,89 bei 139 Kindern und 0,95 bei 81 Erwachsenen berichtet. Lamb und Rogers ließen 35 Sportstudierende den Test dreimal im Abstand einer Woche absolvieren: Der zweite und dritte Durchgang fielen signifikant besser aus als der erste, unterschieden sich untereinander jedoch nicht, was auf einen Gewöhnungseffekt hinweist.
Léger und Mitarbeiter konzipierten den Test für Schulkinder, gesunde Erwachsene in Fitnesskursen sowie Sportler aus Sportarten mit häufigem Abstoppen und Antreten wie Basketball oder Fechten. Auch beim Militär wird er eingesetzt; Validität und Reliabilität wurden dort gesondert untersucht.
Bei Kindern und Jugendlichen wird der Test als Indikator der Bevölkerungsgesundheit genutzt. Eine systematische Übersicht über 142 Studien mit 319.311 Teilnehmenden aus 32 Ländern fand günstige Zusammenhänge zwischen dem Testergebnis und Indikatoren des Körperfetts sowie einigen kardiometabolischen, kognitiven und psychosozialen Gesundheitsmerkmalen; die Evidenzqualität reichte jedoch nur von sehr niedrig bis moderat. Internationale alters- und geschlechtsspezifische Normwerte beruhen auf Daten von 1.142.026 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 17 Jahren aus 177 Studien und 50 Ländern; Jungen erreichten dabei im Mittel eine um 0,86 km/h höhere Endgeschwindigkeit als Mädchen. Eine Auswertung von 55 Studien aus elf Ländern zeigte zwischen 1980 und 2000 einen Rückgang der Leistungen.
Der Cooper-Test ist ein Lauf über eine feste Dauer von zwölf Minuten, bei dem die zurückgelegte Strecke gemessen wird; das Tempo wählt der Läufer selbst. Cooper ermittelte an 115 Angehörigen der US-Luftwaffe eine Korrelation von r = 0,897 zwischen Laufstrecke und auf dem Laufband gemessener VO2max. Beim 20-m-Shuttle-Run gibt dagegen das Tonsignal das Tempo vor, das stufenweise bis zum Abbruch steigt; gemessen wird die erreichte Stufe bzw. Endgeschwindigkeit.
Der Shuttle-Run benötigt nur eine 20-m-Strecke und lässt sich auf den meisten Hallenböden durchführen. Beide Tests eignen sich für Gruppentests mit geringem Materialaufwand.
In einem direkten Vergleich an 22 jungen, regelmäßig trainierenden Männern korrelierte der Cooper-Test mit r = 0,92 etwas enger mit der Laufband-VO2max als der Shuttle-Run mit r = 0,86; der Shuttle-Run unterschätzte die gemessenen Werte im Mittel um 4,5 ml·kg−1·min−1.
Den Guinness-Weltrekord für den Beep-Test mit den meisten Teilnehmern hält das Army Foundation College in Harrogate (North Yorkshire): Am 14. Dezember 2017 nahmen dort 941 Personen gleichzeitig teil.