AREDS

Die Age-Related Eye Disease Study (AREDS) – Studie zu altersbedingten Augenerkrankungen – war eine klinische Studie, die von dem amerikanischen National Eye Institute (NEI) finanziert wurde, um Erkenntnisse über die Risikofaktoren, den natürlichen Krankheitsverlauf, und die Prognose der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und des Grauen Stars zu erhalten.

Zudem wurde die Wirkung einer täglichen Gabe hochdosierter Antioxidantien (500 mg Vitamin C, 400 IE Vitamin E, 15 mg β-Carotin) und 80 mg Zink (als Zinkoxid) untersucht. Da die Zinkgaben zu einer Anämie führen können, wurde gleichzeitig mit 2 mg Kupferoxid supplementiert. An der Studie nahmen insgesamt 4757 Personen im Alter von 55 bis 80 Jahren teil; die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 6,3 Jahre. Die Ergebnisse der Studie wurden 2001 veröffentlicht.

Ergebnisse

Die Gabe hochdosierter Antioxidantien und Zink verringert die Wahrscheinlichkeit eines Sehverlustes um 19 % sowie eines Fortschreitens einer AMD in ein fortgeschrittenes Stadium um 25 %. Ein fortgeschrittenen Stadium ist definiert als feuchte Makuladegeneration oder geografische Atrophie bei einer trockenen Makuladegeneration. Die Entwicklung der Katarakt wurde dagegen nicht beeinflusst.

Demzufolge empfiehlt das NEI den AMD-Risikopatienten, die Einnahme der sogenannten AREDS-Rezeptur „zu erwägen“. Raucher und ehemalige Raucher sollen bedenken, dass β-Carotin ihr Risiko, Lungenkrebs zu entwickeln, vermutlich erhöht. Abgesehen davon kann eine erhöhte Gabe an β-Carotinen Nebenwirkungen wie Nierensteine, Magenbeschwerden und Hautverfärbungen verursachen.

Spätere Analysen von 2016 und 2018 haben gezeigt, dass die Risikoreduktion vom Genotyp des Patienten abhängt – während manche Patienten profitieren, kann es bei anderen sogar zu einer Verschlechterung der AMD kommen.

AREDS-II-Studie

Eine retrospektive Evaluierung ergab, dass ein höherer Anteil von Lutein und Omega-3 ungesättigten Fettsäuren in der Diät eine signifikante inverse Korrelation mit der Entwicklung einer intermediären oder fortgeschrittenen AMD hat. Um diese Befunde zu verifizieren, wurde von 2006 bis 2012 die AREDS-II-Studie durchgeführt. Die Studie untersuchte, ob eine zusätzliche Gabe von hochdosierten Omega-3 (EPA/DHA 650/350 mg) und Lutein/Zeaxanthin (10 mg / 2 mg) zur ursprünglichen AREDS-Rezeptur die Wahrscheinlichkeit des Fortschreitens einer AMD verändert. Die Ergebnisse der multizentrischen Studie mit 4203 Teilnehmern sind im Mai 2013 veröffentlicht worden. Demnach führte jene zusätzliche Gabe der Carotinoide und der Omega-3-Fettsäuren nicht zu einer weiteren Verringerung des AMD-Progressionsrisikos. Zusätzlich wurde bei AREDS II untersucht, ob β‑Carotin durch die Kombination von Lutein und Zeaxanthin ersetzt und die Zinkdosis reduziert werden kann. Hierbei wurde gezeigt, dass Lutein/Zeaxanthin ein geeigneter Ersatz für β-Carotin für (ehemalige) Raucher ist.

Ein Cochrane-Review von 2023 kam ebenfalls zu dem Schluss, dass die Einnahme von Antioxidantien mit Zink wahrscheinlich das Fortschreiten der AMD und den Verlust der Sehkraft verzögert (moderater Evidenzgrad), was zu einer kleinen Verbesserung der Lebensqualität führen kann (geringer Evidenzgrad). Jedoch hat vergleichsweise die Einnahme von Vitamin E allein sowie von Lutein mit oder ohne Zeaxanthin keinen oder nur einen geringen Effekt (geringer Evidenzgrad).

Darüber hinaus wird in den analysierten Studien die Nichtberücksichtigung der Faktoren Lebensqualität und Kosten kritisiert, welche durch eine Wirtschaftlichkeitsanalyse relativiert wurde. Demnach haben Patienten mit fortgeschrittener AMD (AREDS-Kategorie 4) im Vergleich zu jenen, die keine AREDS-Supplementierung erhalten, eine bessere Lebensqualität sowie geringere Therapiekosten.

Literatur

AREDS1-Studie

AREDS2-Studie

Einzelnachweise

  1. ↑ Age-Related Eye Disease Study Research Group: A randomized, placebo-controlled, clinical trial of high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss: AREDS report no. 8. In: Archives of Ophthalmology (Chicago, Ill.: 1960). Band 119, Nr. 10, Oktober 2001, S. 1417–1436, doi:10.1001/archopht.119.10.1417, PMID 11594942, PMC 1462955 (freier Volltext) – (englisch).
  2. ↑ The AREDS Formulation and Age-Related Macular Degeneration. (Memento vom 2. Februar 2009 im Internet Archive) National Eye Institute, abgerufen am 17. Januar 2012
  3. ↑ Lutein - Augenschutz oder Augenwischerei? In: Verbraucherzentrale. 2. Dezember 2025, abgerufen am 8. Oktober 2026.
  4. ↑ Johanna M. Seddon et al.: Response to AREDS supplements according to genetic factors: survival analysis approach using the eye as the unit of analysis. In: The British Journal of Ophthalmology. Band 100, Nr. 12, Dezember 2016, S. 1731–1737, doi:10.1136/bjophthalmol-2016-308624, PMID 27471039, PMC 6570490 (freier Volltext) – (englisch).
  5. ↑ Demetrios G. Vavvas et al.: CFH and ARMS2 genetic risk determines progression to neovascular age-related macular degeneration after antioxidant and zinc supplementation. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 115, Nr. 4, 23. Januar 2018, S. E696–E704, doi:10.1073/pnas.1718059115, PMID 29311295, PMC 5789949 (freier Volltext) – (englisch).
  6. ↑ Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group: Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. In: JAMA. Band 309, Nr. 19, 15. Mai 2013, S. 2005–2015, doi:10.1001/jama.2013.4997, PMID 23644932 (englisch).
  7. ↑ Jennifer R. Evans, John G. Lawrenson: Antioxidant vitamin and mineral supplements for slowing the progression of age-related macular degeneration. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews. Band 9, Nr. 9, 13. September 2023, S. CD000254, doi:10.1002/14651858.CD000254.pub5, PMID 37702300, PMC 10498493 (freier Volltext) – (englisch).
  8. ↑ Aaron Y. Lee et al.: Cost-effectiveness of age-related macular degeneration study supplements in the UK: combined trial and real-world outcomes data. In: The British Journal of Ophthalmology. Band 102, Nr. 4, April 2018, S. 465–472, doi:10.1136/bjophthalmol-2017-310939, PMID 28835423, PMC 5825252 (freier Volltext) – (englisch).