| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Name | Lutein | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen | ||||||||||||||||||||||
| Summenformel | C40H56O2 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
gelber bis roter Feststoff | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 568,88 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
196 °C | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
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| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Lutein (von lateinisch luteus (gold)gelb, orangegelb, mit Reseda (luteola) gefärbt) ist ein orangegelbes Xanthophyll und neben β-Carotin und Lycopin das häufigste Carotinoid. Häufig ist es in Produkten für die Augengesundheit zu finden und als E 161b ist es in der EU als Lebensmittelfarbstoff zugelassen.
Lutein ist ein in der Natur weit verbreitetes Xanthophyll und wird stets von Zeaxanthin begleitet. Als natürlich gilt ein Verhältnis von 5 Teilen Lutein zu 1 Teil Zeaxanthin.


Hohe Gehalte werden in dunklen Blattgemüsen (z. B. Grünkohl bis 0,25 mg/g Frischgewicht, Spinat bis 0,12 mg/g Frischgewicht) gefunden. Tagetes-Blütenblätter weisen Gehalte bis zu 8,5 mg/g Frischgewicht auf und werden zur industriellen Herstellung von Lutein genutzt. In tierischen Organismen tritt Lutein z. B. als gelber Farbstoff im Eidotter auf. In der Macula des Auges kommen Lutein und Zeaxanthin als einzige Carotinoide vor.
Die Biosynthese des Luteins erfolgt aus α-Carotin durch Hydroxylierung beider Iononringe durch spezifische Hydroxylasen. Diese Biosynthese wie auch die des α-Carotins erfolgt nur in Pflanzen.
Industriell wird es durch Extraktion luteinhaltiger Pflanzenteile, insbesondere aus Tagetes-Blütenblättern, gewonnen.
In einem ersten Schritt werden aus den Pflanzen Luteinester gewonnen. In dieser Form wird es von einigen Unternehmen angeboten. Um das in der Natur häufiger vorkommende freie Lutein zu erhalten, muss das Produkt weiter aufbereitet werden. Um eine möglichst „natürliche“ Form zu erhalten, werden hierzu die Ester, die das Molekulargewicht eines Luteinester im Vergleich zu einem freien Lutein doppelt so hoch machen, abgespalten. Auch das freie Lutein ist in kommerziellen Produkten verfügbar. Bayer (Leverkusen) vermarktete Adaptinol, ein zur Steigerung der Adaptationsgeschwindigkeit und Dunkelsichtigkeit angewendetes Arzneimittel in Dragéeform, das Helenien, den Dipalmitinsäureester des Luteins enthält.
Lutein ist Bestandteil der Lichtsammelkomplexe in Chloroplasten. Dort erhöht es die Energieausbeute und entfaltet eine Schutzwirkung. Es dient des Weiteren als Lockfarbe in Blütenblättern und Früchten.
Bei einigen Vogelarten dient Lutein zur Färbung des Gefieders. So nehmen Pirole (Oriolus oriolus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), Goldwaldsänger (Dendroica petechia) und die javanische Buschelster (Cissa thalassina) Lutein mit der Nahrung auf und man findet es in dem Gewebe, aus dem die Feder wachsen.
Beim Menschen spielt Lutein zusammen mit Zeaxanthin eine essenzielle Rolle beim Sehen. Lutein findet sich konzentriert im gelben Fleck, der Makula.
Das menschliche Auge verfügt mit der Netzhaut über eine Struktur, in der viele Nerven- und Sinneszellen liegen. Von den Sinneszellen gibt es zwei Arten, Stäbchen und Zapfen: Die Stäbchen sind für das Hell-dunkel-Sehen und das Sehen bei schwachem Licht; etwa 120 Millionen Stäbchen sind auf der gesamten Netzhaut verteilt. Von den nur etwa sechs Millionen Zapfen hingegen gibt es drei Arten, die jeweils für rotes, blaues und grünes Licht empfindlich sind; sie ermöglichen es, Licht im Spektrum von 380 bis 760 Nanometern Wellenlänge zu sehen. Die Zapfen sind in der Makula konzentriert.
Auf die Netzhaut fallendes Licht muss durch die oberflächliche Schicht von Nervenzellen, um die Sehsinneszellen zu erreichen. Die Sehsinneszellen enthalten das meiste Lutein und Zeaxanthin. Man geht davon aus, dass Lutein sowohl antioxidativ wirkt als auch Licht im energiereichen blauen Spektralbereich absorbiert und so photochemische Schäden verhindert.
Neuere Forschung schreibt Lutein und Zeaxanthin eine Bedeutung in der menschlichen Entwicklung zu. Lutein ist besonders im Colostrum, der ersten Muttermilch, in hohen Konzentrationen zu finden, was bereits an der gelblichen Färbung des Colostrums zu erkennen ist. Das Verhältnis zur Konzentration im Blutplasma der Mutter deutet auf eine selektive Konzentration hin. Hintergrund dürfte sein, dass es eine Rolle bei der Funktion der Neuronen und Synapsen spielt. Eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2019 stellt einen theoretischen Zusammenhang zwischen der hohen metabolischen Aktivität des Gehirns bei einem gleichzeitig hohen Gehalt an PUFA (Polyunsaturated Fatty Acid/ungesättigten Fettsäuren) her, was wiederum ein hohes oxidatives Risiko mit sich bringt. Die antioxidative Wirkung von Lutein, das die Blut-Hirn-Schranke überwindet, kann demnach die Funktion des Gehirns unterstützen.
Lutein findet als Futtermittelzusatz insbesondere für Geflügel zur Gelbfärbung von Eidotter Verwendung.
In der Form von Kapseln und Tabletten sind Präparate zur diätetischen Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und auch Nahrungsergänzungsmittel für die Augengesundheit auf dem Markt.
Als Rohstoff werden hierbei sowohl Luteinester als auch das freie Lutein verwendet. Nicht bei allen im Markt erhältlichen Produkten ist direkt erkennbar, welche Luteinquelle verwendet wird. Solche Produkte werden von Verbraucherschutzverbänden kritisch bewertet. Bei einer ausgewogenen und optimalen Ernährung werden alle essentiellen und nicht-essentielle Nährstoffe ausreichend aufgenommen. Nahrungsergänzungsmittel sind nicht zum Heilen von Krankheiten geeignet.
Funktionsaussagen für Lebensmittel werden im europäischen Raum durch die Health Claim Regulation geregelt. Seit vielen Jahren besteht hier ein abschließender Regelungsbedarf, da für nahezu alle pflanzlichen Rohstoffe keine abschließende Entscheidung getroffen worden ist. Auch Lutein wurde nicht abschließend bewertet, vielmehr wurde festgestellt, dass Lutein geeignet ist, die Pigmentdichte im Auge zu verbessern, aber die seinerzeit eingereichten Studien nicht ausreichend geeignet sind, eine Auslobung im Hinblick auf die Augengesundheit auf Lebensmitteln zu genehmigen. Seit 2010 wurde von den Herstellern von Lutein kein weiterer Versuch unternommen, mit neuen Studien eine Funktionsaussage für Lutein in Lebensmitteln zu erhalten.
Da Lutein hitzeempfindlich ist, empfiehlt sich der Verzehr von Gemüse und Salat im ungekochten Zustand, damit das in diesen natürlichen Quellen enthaltene Lutein nicht zerstört wird.
Als Lebensmittelfarbstoff (E161b) werden Luteinextrakte für das Färben von Lebensmitteln verwendet.
Lutein ist ein Rohstoff mit vielen Humanstudien. Zwischen 1941 und 1945 soll es Gotthilft von Studnitz, unter dem Augenarzt Franz Anton Hamburger (junior), und seinen Assistenten gelungen sein, die normale Nachtsehfähigleit durch Zufuhr von Lutein zu steigern.
Einen möglichen Einfluss der Carotinoide Lutein und Zeaxanthin sowie von Omega-3-Fettsäuren auf das Fortschreiten der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) wurde durch die AREDS II-Studie („Age-Related Eye Disease Study 2“) von 2006 bis 2012 erforscht. Bei der ersten AREDS-Studie wurde ein augengesundheitlicher Effekt bei AMD nach täglicher Einnahme von Vitamin C, Vitamin E, β-Carotin, Zink und Kupfer bewertet. Diese auch als „AREDS-Rezeptur“ bezeichnete Supplementation hochdosierter Antioxidantien sowie Zink konnte das Risiko einer Progression zur fortgeschrittenen AMD reduzieren. Die zusätzliche Gabe von Lutein, Zeaxanthin und der Omega-3-Fettsäuren zur ursprünglichen AREDS-Rezeptur führte in der AREDS II-Studie dagegen zu keiner weiteren Verringerung des AMD-Progressionsrisikos, jedoch wurde die Kombination von Lutein und Zeaxanthin als ein geeigneter Ersatz für β-Carotin für (ehemalige) Raucher betrachtet (hohe Dosen an β-Carotin führen zu Nebenwirkungen und können das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern erhöhen).
Ein Cochrane-Report von 2017 bzw. 2023 kam zu dem Schluss, dass eine Supplementation von Zeaxanthin und Lutein wenig bis gar keinen Einfluss auf das Fortschreiten einer AMD hat.
Eine zehnjährige Nachbeobachtung der AREDS2-Kohorte wurde 2022 veröffentlicht. Diese bestätigte die Sicherheit von Lutein und Zeaxanthin als Ersatz für β-Carotin und fand Hinweise auf eine geringere Progression zur späten AMD im Vergleich zu β-Carotin.
Zwei Metaanalysen von Beobachtungsstudien fanden eine Assoziation zwischen höheren Verzehrmengen von Lutein beziehungsweise höheren Konzentrationen im Blutserum und einem reduzierten Risiko, einen altersbedingten Grauen Star (Katarakt) auszubilden. Es gibt nur eine große, randomisierte Interventionsstudie (AREDS2 Report No. 4), die aber keinen Zusammenhang zwischen einer täglichen Lutein- und Zeaxanthin-Supplementation (10 mg / 2 mg) und einer verminderten Notwendigkeit einer Kataraktoperation oder einem geringeren Sehverlust nachweisen konnte.