Abraham Genoels

Abraham Genoels, Porträt aus: La vie des peintres flamands, allemands et hollandois : avec des portraits gravés en taille-douche, une indication de leurs principaux ouvrages, & des réflexions sur leurs différentes manieres (1753)

Abraham Genoels (genannt Archimedes; getauft am 25. Mai 1640 in Antwerpen; † 10. Mai 1723 ebenda) war ein flämischer Maler, Kupferstecher und Zeichner. Er gilt als einer der bedeutendsten Landschaftskünstler der zweiten Hälfte des 17. und des frühen 18. Jahrhunderts. Sein Œuvre umfasst klassizistische Landschaften, Druckgrafik und Zeichnungen, durch die er in die Tradition von Nicolas Poussin und Gaspard Dughet gestellt wird.

Leben

Abraham Genoels wurde am 25. Mai 1640 in der Antwerpener Kirche St. Jacobskerk als Sohn von Pierre (Pieter?) Genoels und Cornelia Melis getauft. Von 1651 bis 1655 erhielt er seine erste Ausbildung im Atelier von Jacques (Jacob) Backereel, wo er das Zeichnen und die Landschaftsmalerei erlernte. Anschließend bildete er sich bei Nicolaes Martens Fierling im Bereich der perspektivischen Darstellung weiter.

Abraham Genoels: Landschaft mit Apollo und Kalliope, Öl auf Leinwand, 24 × 32 cm. Rijksmuseum, Amsterdam

Im Jahr 1659 besuchte er mit Georges Remeus, einem Freund seines Vaters, verschiedene Malerwerkstätten in Amsterdam. Von Rotterdam aus fuhr er mit dem Schiff nach Dieppe und gelangte schließlich nach Paris, wo er vom Maler Laureys Franck empfangen wurde. Über die genaue Verwandtschaftsbeziehung zwischen Genoels und Franck differieren die Quellen. So bezeichnete Jean-Baptiste Descamps (1760) Franck als Neffen, Didier Bodart (1970) als Cousin und Bénédicte Biard (2005) als Onkel. In Paris wurde Jean François Millet Genoels Lehrer in perspektivischer Darstellung. Im Auftrag des Marquis de Louvois fertigte er acht Tapisseriekartons mit Kinderdarstellungen für Gilbert de Sève an. Er arbeitete für eine angesehene private Klientel, darunter der Prieur du Temple, die Princesse de Condé, der englische Gesandte in Frankreich und der Duc d'Orléans.

Abraham Genoels: Landschaft mit Diana auf der Jagd, Öl auf Leinwand, 24 × 32 cm. Rijksmuseum, Amsterdam – Pendant zum obigen Gemälde

Mit einer Empfehlung von Gilbert de Sève an Charles Le Brun erhielt Genoels den Auftrag, mehrere Landschaften für die Folge der Alexanderschlachten zu malen. Am 1. Februar 1664 wurde er als Agrégé an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen, am 4. Januar 1665 schließlich als Landschaftsmaler. Sein Aufnahmegemälde ist verschollen. In den Jahren 1668/69 lieferte er auf Empfehlung Le Bruns Tapisseriekartons für die Gobelinfabrik. In Paris erlernte er unter der Leitung von Gérard Audran auch die Stichkunst. Zu dieser Zeit schloss er Freundschaft mit dem Schlachtenmaler Jan van Huchtenburgh. Im Auftrag Ludwigs XIV. zeichnete er das Schloss Mariemont als Tapisseriemotiv. Dazu reiste er gemeinsam mit Adriaen Frans Baudewijns und Van Huchtenburgh an. In Amiens trennte er sich von ihnen, um die drei Ansichten allein zu vollenden.

Im Jahr 1669 kehrte er vorübergehend nach Antwerpen zurück. Am 12. Januar 1670 war er in Paris Trauzeuge bei der Hochzeit von Baudewijns und Barbara van der Meulen, einer Schwester des Malers Adam Frans van der Meulen. Kurz darauf begann er eine ausgedehnte Studienreise, die ihn über Antwerpen nach Italien führte. Im Jahr 1672 wurde er Freimeister der Antwerpener St.-Lukasgilde und schenkte ihr das Gemälde Paysage avec les muses (Antwerpen, Königliches Museum der Schönen Künste), um sich für 25 Jahre von allen Amtspflichten befreien zu lassen. In den Jahren 1672 bis 1674 malte er für den Grafen von Monterey, den Statthalter der Niederlande. Zusammen mit Jean-Baptiste Monnoyer, Pieter Boel und Nicasius Bernaerts fertigte er Tapisseriekartons an und schuf Porträts in Öl und Aquarell sowie mehrere kleinformatige Landschaften.

Abraham Genoels: Italienisierende Landschaft mit Figuren vor Ruinen (Feder und Tinte sowie graue Lavur über schwarzer Kreide). Ex-Sotheby's

Im September 1674 brach er gemeinsam mit dem Bildhauer Peeter Verbrugghen, dem Stecher Albertus Clouwet und dem Maler Marcellis Liberechts nach Rom auf. Die Reiseroute führte über Köln, Augsburg, Innsbruck, Trient, Treviso, Mestre und Venedig nach Bologna. Am 4. November 1674 traf die Gruppe in Loreto ein. Er blieb fast acht Jahre in Rom, wurde bei den Bentvueghels aufgenommen und erhielt den Künstlernamen Archimedes, unter dem er fortan sowohl in Rom als auch später in Paris seine Kupferstiche signierte. Die Benennung wird von Denis Pierre Jean Papillon de la Ferté (1776) auf seine außergewöhnlichen mathematischen Fähigkeiten zurückgeführt, während andere Autoren sie auf zunehmende geistige Beeinträchtigungen Genoels beziehen. In Rom entstanden Werke für den Kardinal Rospigliosi sowie zwei großformatige Gemälde für den Marqués del Carpio, den spanischen Gesandten in Italien. Den größten Teil seiner Zeit in Rom widmete Genoels dem Zeichnen, wobei er besonders im Herbst in den ländlichen Gegenden des Latiums im Freien arbeitete.

Am 25. April 1682 trat er gemeinsam mit den französischen Bildhauern Jean Cavalier und Pierre Monier die Rückreise nach Paris an. Sie führte über Siena, Florenz, Livorno, Genua, Nizza, Marseille, Lyon, Roanne und Orléans. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris, bei dem er Le Brun und Jean-Baptiste Colbert je ein Gemälde schenkte, kehrte er am 8. Dezember 1682 nach Antwerpen zurück. Über die folgenden vierzig Jahre seines Lebens sind nur wenige Informationen überliefert. Er unterrichtete unter anderem Gaspar van Wittel in perspektivischer Darstellung und ab 1689 Pierre Beethoven in Antwerpen, wo er einen kostenlosen öffentlichen Kurs in perspektivischer Darstellung, Geometrie und Architektur leitete. Laut Arnold Houbraken war er noch 1719 in Antwerpen künstlerisch tätig.

Als großzügiger Förderer des Julian-Hospizes in Antwerpen vermachte er diesem 10.000 Florin. Die dem Hospiz unterstehende Confrérie des Lorettains beauftragte den Bildhauer Michel van der Voort mit einem posthumen Porträt Abraham Genoels als Zeichen der Dankbarkeit. Abraham Genoels starb am 10. Mai 1723 in Antwerpen und wurde in der Dominikanerkirche beigesetzt.

Werk

Abraham Genoels: Idyllische Landschaft mit einem Fluss (Radierung). Statens Museum for Kunst, Kopenhagen

Abraham Genoels Œuvre umfasst Gemälde, Druckgrafik und Zeichnungen. Letztere sowie die Stiche übertreffen die malerische Produktion bei Weitem. Seine Gemälde sind klassizisierende Landschaften, die häufig mythologische Szenen zeigen und in der Tradition von Gaspard Dughet und Nicolas Poussin stehen. Im Jahr 1760 lobte Descamps ihn als begabten Künstler, der mit natürlich wirkenden, kräftigen Farben leichte und unmanierierte Kompositionen schuf. François-Xavier de Burtin rühmte ihn im Jahr 1808 als herausragenden Landschaftsmaler, dessen Werke sich durch subtiles Kolorit und feinen Duktus auszeichnen, jedoch fast immer unter dem Namen anderer Künstler verkauft wurden. Pierre-Jean Mariette urteilte 1754 verhaltener: Die Landschaften seien nicht besonders natürlich aufgebaut und der Duktus manieriert, wenngleich die Landschaftsradierungen gut gelungen seien. Gérard de Lairesse zählte ihn 1787 neben Francesco Albani, Gaspard Dughet, Nicolas Poussin und Johannes Glauber zu den besten Landschaftsmalern seiner Zeit.

Didier Bodart bezifferte die Anzahl seiner druckgrafischen Werke auf rund 800 Stiche und stützte sich dabei auf Adam Bartsch (1805), Rudolph Weigel (1843) und Hollstein (1952). Bartsch kannte seinerzeit lediglich 73 Stiche. Bodart unterscheidet dabei drei Schaffensperioden: die Zeit vor der Italienreise, den Romaufenthalt und die späte Antwerpener Phase. Die Stiche umfassen vorwiegend Landschaften sowie zahlreiche Genreszenen. Die erhaltenen Zeichnungen werden von der Forschung qualitativ als deutlich hochwertiger eingestuft als die Druckgrafik.

Abraham Genoels: Felslandschaft mit einem Fluss (Radierung). Statens Museum for Kunst, Kopenhagen

Zu den gesicherten Werken zählen die Gemälde Diana auf der Jagd und Apoll und Kalliope (beide Amsterdam, Rijksmuseum), Besuch der Minerva bei den Musen (Antwerpen, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten) sowie Ruinen-Landschaft mit Angelica und Medor (Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum). Zeichnungen befinden sich unter anderem im Louvre (15 Werke), im Haarlemmer Teylers Museum, im Prentenkabinett der Rijksuniversiteit Leiden, in der Royal Collection in Windsor Castle sowie im Museum der Bildenden Künste Leipzig. Zwölf Tapisseriekartons mit Darstellungen der Tierkreiszeichen, die als Gemeinschaftswerk entstanden sind, werden im Musée des Arts Décoratifs in Paris aufbewahrt; weitere befinden sich im Schloss Versailles.

Literatur

Commons: Abraham Genoels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. 2009.
  2. 1 2 3 4 5 Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 6: Gémignani – Herring. Paris 2006.
Personendaten
NAME Genoels, Abraham
ALTERNATIVNAMEN Archimedes
KURZBESCHREIBUNG flämischer Maler, Kupferstecher und Zeichner
GEBURTSDATUM getauft 25. Mai 1640
GEBURTSORT Antwerpen
STERBEDATUM 10. Mai 1723
STERBEORT Antwerpen