Absehen

Normalabsehen No. 1
Kreisabsehen beim Steyr AUG, ausgelegt für eine Einsatzreich­weite von 300 Metern. Auf diese Entfernung kann ein 180 cm großes Ziel genau innerhalb des Absehens zentriert werden.

Als Absehen (engl.: Reticle) wird waffentechnisch die Markierung im Fernrohrbild bezeichnet, welche das Zielen mit dem Zielfernrohr einer Feuerwaffe ermöglicht. Alltagssprachlich wird es als Fadenkreuz bezeichnet. Das Absehen kann verschiedene Ausbildungen haben, von einem einfachen Fadenkreuz bis zur komplizierten Maßteilung, mit der man sogar Entfernungen schätzen kann.

In einem Fernrohr sind zwei Linsensysteme hintereinander montiert; das Objektiv und das Okular, wobei Letzteres, wie der Name schon sagt (oculus = lat. Auge), näher am Auge des Betrachters liegt, während das Objektiv dem betrachteten Objekt zugewandt ist. Das Absehen kann in der Objektiv- oder der Okularebene angebracht sein. Befindet es sich in der Objektivebene (auch erste Bildebene genannt, engl. First Focal Plane (FFP)) von Zielfernrohren mit variabler Vergrößerung, so wachsen bei einer Vergrößerung des Zieles im gleichen Verhältnis auch die Balken und Fäden des Absehens. Dadurch können Teile des Zielobjekts durch das Absehen verdeckt werden; andererseits erleichtert diese Anordnung das Bestimmen der Entfernung zum Ziel, da sich die Proportionen auf der Messskala im Verhältnis zum Ziel hierbei nicht verändern. Befindet sich das Absehen in der Okularebene (zweite Bildebene, engl. Second Focal Plane (SFP)), so verändert sich mit zunehmender Vergrößerung nur die Größe des Zielobjekts, nicht aber die des Absehens. Die Proportionen der Messskala im Vergleich zur Größe des Ziels stimmen in solchen Fällen daher nur für eine bestimmte Vergrößerungsstufe, was das Bestimmen der Entfernung zum Ziel erschwert.

Varianten

Bei Zielfernrohren mit variabler Vergrößerung und dem Absehen in der 2. Bildebene entsprechen die Größen nur bei einer bestimmten Vergrößerung den jeweiligen Angaben. Meist wird bei diesen Zielfernrohren die zehnfache Vergrößerung als die maßhaltige vorgegeben.

Bei Zielfernrohren mit Mildot-Absehen und dem Absehen in der 1. Bildebene wird das Absehen mitvergrößert und die angegebenen Maße können weiter angewendet werden.

Formel: mit Breite und Entfernung in Meter
Beispiel:
Für einen Polizeischarfschützen erscheine ein 2 m breites Fahrzeug 4 MIL breit im Zielfernrohr. Wie weit ist es entfernt?
Mit und und ist .
Die Längeneinheit ist hierbei auswechselbar, z. B. wäre ein 1 Yard breites Objekt, das mit 5 MIL Breite erscheint, entsprechend 200 Yards entfernt.

Durch die vertikalen und horizontalen Markierungen lässt sich das Vorhalten beim Schießen auf bewegte Ziele und das Einschätzen von Entfernungen noch verbessern.

Das Absehen bzw. Teile davon können für den Einsatz in der Dämmerung oder in hellen Nächten auch beleuchtet werden. Damit ist das Erkennen des Absehens auf dem Ziel wesentlich erleichtert.

Eine Sonderform stellt das Leuchtpunkt-Absehen der Reflexvisiere dar. Hier sieht der Schütze lediglich einen (meist roten) Leuchtpunkt im Zielfernrohr. Dieses Absehen gestattet einen besonders schnellen Zielvorgang und wird von Jägern gerne beim Schuss auf flüchtendes Wild verwendet.

Absehen für jagdliche Zwecke

Zielfernrohre für jagdliche Zwecke besitzen beleuchtete oder unbeleuchtete Absehen. Die häufigsten Absehen sind hierbei das Absehen 1 und das Absehen 4.

Die Horizontalbalken sind so dimensioniert, dass bei einer Zielentfernung von 100 Metern der Mittelabstand (untenstehend mit a bemaßt) ungefähr der Länge eines Rehbocks (ca. 70 cm) entspricht. Bei den A-Absehen (Absehen 4A oder Absehen 8A) ist der Abstand dagegen größer, in der Regel doppelt so breit, so dass ein Rehbock auf 100 m nur die Hälfte des Freiraums ausfüllt.

Folgende Absehen sind im jagdlichen Bereich gängig:

Absehen für sportliche und militärische Zwecke

Gebräuchliche Absehen
PSO-1 oder SVD-type - Absehen: Mit der Skala links unten kann die Entfernung eines 1,70 Meter hohen Objektes gemessen werden. Passt dieses ganz rechts zwischen die beiden Linien (zwischen die obere gekrümmte Linie und die untere gerade Linie), so ist es 200 Meter entfernt, passt es links dazwischen, sind es 1000 Meter.

Wie in allen technischen Bereichen gab es auch bei den Absehen eine historische Entwicklung. So wurde bei den deutschen Armeen bis Ende des Zweiten Weltkrieges meist das Absehen 1 (German reticle) verwendet. Die Bundeswehr setzte beim G3A3 mit dem Zielfernrohr Hensoldt Fero Z-24, 4×30 das Absehen 1 sogar noch bis Anfang der 1990er-Jahre ein. Das Tätigkeitsabzeichen Scharfschütze/Zielfernrohrschütze der Bundeswehr hat als Wappen ebenfalls ein Absehen 1. Im Korea- und Vietnamkrieg wurde meistens mit dem Sportabsehen Crosshair oder mit dem Jagdabsehen Duplex Crosshair gearbeitet. Seit den 1970er-Jahren findet in der Regel das Mil-dot oder eine abgewandelte Form des Mil-dot Verwendung.

Die verschiedenen Absehen mit den verschiedenen Einsatzzwecken:

Qualitätskriterien

Das Problem eines guten und universellen Absehens ist so zu umreißen:

Alle diese Punkte befriedigend zu optimieren, ist nicht möglich, da sie sich teilweise gegenseitig ausschließen. Die Entscheidung für ein bestimmtes Absehen ist vom Verwendungszweck der Waffe und von persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten des Schützen abhängig.

Siehe auch

Commons: Absehen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Absehen. Zeiss, abgerufen am 22. Mai 2024.
  2. ↑ Absehen – Polizei & Militär. Schmudt und Bender, abgerufen am 22. Mai 2024.
  3. ↑ Features. Kahles, abgerufen am 22. Mai 2024.
  4. ↑ Übersicht Absehen Swarovski. Frankonia, abgerufen am 22. Mai 2024.