Reflexvisier

Blick durch ein Reflexvisier
Ein Blick durch ein Reflexvisier vom Typ Mark III Free Gun Reflector Sight aus verschiedenen Blickrichtungen

Ein Reflexvisier ist ein optisches Visier für Schusswaffen und kleinere astronomische Fernrohre sowie für Fotokameras mit langbrennweitigen Objektiven. Dabei gehört das Reflexvisier, zusammen mit Kollimatorvisieren und holografischen Visieren zur Gruppe der Rotpunktvisiere im englischen Sprachraum Red-Dots genannt. Im Bereich der Astronomie spricht man von Suchern.

Die ersten modernen Reflexvisiere für Handfeuerwaffen stammen von dem schwedischen Unternehmen Aimpoint.

Im Gegensatz zum Zielfernrohr bietet ein Reflexvisier keine oder nur eine geringe Vergrößerung, ist dafür aber beinahe parallaxenfrei. Das Ziel wird dabei, anders als beim Zielfernrohr, mit beiden Augen erfasst. Durch die Bauweise kann sowohl präzise als auch sehr schnell über kurze und (kürzere) mittlere Distanzen (100 m bis 150 m wie beim G36) ein Ziel im Schulteranschlag bei Langwaffen anvisiert werden. Treffer bis in untere Langdistanzen sind abhängig von der gestreckten Geschossflugbahn möglich.

Das Reflexvisier gibt im Unterschied zu einem Zielpunktprojektor keinen aktiven Lichtstrahl ab, der in Verbindung mit der Waffe zum Suchen, Zielen und schnellen Erfassen in der Dämmerung und bei Nacht, zum treffsicheren Schießen aus dem Hüftanschlag durch Beleuchten des Ziels dient. Reflexvisiere eignen sich auch für das Gefecht im bebauten Raum (CQB, „Close Quarters Battle“).

Im Gegensatz zu einem Kollimatorvisieren, wie dem Armson O.E.G., sieht man beim Blick durch ein Reflexvisier Absehen und Ziel. Bei einem Kollimatorvisier, wo der Schütze direkt in einen Kollimator blickt, sieht der Schütze lediglich das Absehen und ist so gezwungen, beide Augen offen zu halten, damit das Gehirn die Bilder beider Augen übereinanderlegen kann, damit das Absehen auf dem Ziel erscheint.

Holografische Visiere, wie das EoTech HWS 552, erzeugen ihr Absehen, indem ein Laser ein Hologramm beleuchtet. Diese Visiere haben einen höheren Energieverbraucht, sind aber im Gegensatz zu Reflexvisieren vollkommen parallaxefrei.

Frühe Systeme fanden sich bei den Bordwaffenvisieren der Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs und in den Ringvisieren der Flakwaffen, die unter Nutzung des Effekts der Newtonschen Ringe konstruiert waren.

Prinzip

Diagram der drei Varianten. CL: Kollimatorlinse, B: Strahlteiler, V: Virtuelles Bild, R: Absehen, CM: gekrümmte Spiegel

Ein leuchtender Zielpunkt (oder auch ein anderes Absehen) wird über einen halbdurchlässigen Spiegel in das Auge des Schützen reflektiert. Eine Linsenoptik sorgt dafür, dass dieses Absehen dem Schützen im Unendlichen (oder aber bei näher liegendem Ziel entsprechend näher fokussiert) erscheint. Der Schütze sieht also gleichzeitig durch den halbdurchlässigen Spiegel das Ziel und das über den Spiegel reflektierte Absehen. Da der Lichtstrahl des Absehens genau aus der Richtung der Visierlinie in das Auge fällt, erscheint das Absehen unabhängig von der relativen Position des Auges zur Visiereinrichtung immer am richtigen Ort.

Grundsätzlich werden drei Arten unterschieden:

  1. Das Absehen sowie die Kollimatorlinse befinden sich im rechten Winkel zum Strahlengang des betrachteten Ziels. Die beiden Bilder werden über einen Strahlteiler bzw. eine Glasplatte gemischt. Diese Art benötigt viel Platz und wird vor allem in Head-up-Displays von Flugzeugen verwendet.
  2. Eine kompaktere Art nutzt einen gekrümmten dichroitischen Spiegel, welcher sowohl das Absehen fokussiert als auch die beiden Bilder mischt. Diese Art wird vielfach als Leuchtpunktvisier an Handfeuerwaffen verwendet.
  3. Bei dem Typ von L.E.W. van Albada liegt das Absehen zwischen dem Betrachter und dem gekrümmten Spiegel. Das Absehen selbst ist zu nahe um im Fokus des Betrachters zu sein, aber der gekrümmte Spiegel mischt die beiden Bilder in der Unendlichkeit. Diese Art wurde als Sucher für Kameras, aber auch als Waffenvisier, beispielsweise bei der Bazooka, verwendet.

Vorteile gegenüber anderen Visieren

Prototyp eines frühen Reflexvisiers, nach einem Patent von Howard Grubb, ca. 1901

Nachteile

Montage

Durch ihr geringes Gewicht lassen sie sich auf fast allen Handfeuerwaffen montieren. Montiert werden Reflexvisiere bei Schusswaffen normalerweise auf Picatinny-, Weaver-, 11-mm-Prismenschienen oder Suhler Einhakmontagen, die wiederum auf dem Waffenlauf befestigt sind. Eine Montage anstelle eines Zielfernrohrs ist meist möglich, in Verbindung mit einer Wechselmontage auch im Wechsel mit einem Zielfernrohr. Eine Montage mit einem Laser-Licht-Modul oder nur einem Weißlicht in gleicher Höhe ist möglich, jedoch nur für Behördenwaffen in Deutschland erlaubt. Die Montage eines LLM vorne führt zu einer Veränderung des Haltepunktes. Bei Pistolen werden sie auch auf Bridgemontagen befestigt, die dann allerdings eine Visierung über Kimme und Korn nicht mehr zulassen.

Ableger

Siehe auch

Commons: Reflexvisiere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Heckler & Koch HK Aim Point Projector brochure mp5 gun, HK Zielfernrohre für Handwaffen, Seite 37, 21. Februar 2006.
  2. ↑ Francis B. Patrick: Military Optical Instruments. In: Titel Optical Instruments, Teil 2. Verlag Elsevier, 2012, ISBN 978-0-323-15223-5, S. 198 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  3. ↑ David Link: How Do Reflex Sights And Holographic Sights Differ?, 3. April 2015
  4. ↑ Norman Goldberg: Camera Technology: The Dark Side of the Lens. Verlag Academic Press, 1992, ISBN 978-0-08-050066-9, S. 302 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  5. ↑ Howard Grubb: A New Collimating-telescope Gun-Sight For Large And Small Ordnance. In: The Scientific transactions of the Royal Dublin Society. Vol. VII, August 1901. S. 321–330.