Abseilachter

Ein Standard-Abseilachter (links) und eine Variante mit zusätzlichen Umlenkmöglichkeiten zur Variation der Seilreibung (rechts)

Der Abseilachter ist ein Abseil- und Sicherungsgerät, das vor allem beim Klettern benutzt wird, aber auch bei anderen Tätigkeiten, bei denen abgeseilt wird. In seiner gebräuchlichsten Form besteht er aus einer etwa 15 bis 20 cm großen Acht aus gesenkgeschmiedetem Aluminium. Daneben existieren zahlreiche Spezialformen, deren Form auf bestimmte Einsatzzwecke hin optimiert ist.

Abseilen

Seilverlauf bei üblicher Benutzung (links) und als „schnelle Acht“ mit geringerer Bremswirkung (rechts). Das Bremsseil ist in beiden Fällen das nach rechts unten aus dem Bild verlaufende Seilende.

Klettern

Das Kletterseil wird so um den Abseilachter und durch dessen große Öse geführt, dass die Reibung des Seils ausreicht, um den Kletterer so zu bremsen, dass ein sicheres Abseilen möglich ist. Der Abseilachter ist dabei mit seiner kleinen Öse mit einem Schraubkarabiner am Klettergurt befestigt.

Das Abseilen mit dem Abseilachter gilt heute als universelle und sichere Abseilmethode und hat ältere Techniken wie den Dülfersitz verdrängt.

Canyoning

Beim Canyoning wird der Abseilachter ebenfalls zum Abseilen verwendet. Allerdings ist die Bremswirkung bei einem nassen Seil deutlich größer. Ausgeglichen wird dies dadurch, dass das Seil anders um den Abseilachter gelegt wird, um eine geringere Reibung zu erzeugen. Die durch den großen Ring gezogene Schlaufe wird nicht um den Mittelsteg gelegt, sondern in den Karabiner gehängt, in dem auch der Achter selbst hängt. Diese Technik, die auch als „schnelle Acht“ bezeichnet wird, verhindert zudem ein Umschlagen des Seiles in den Ankerstich und somit ein ungewolltes Blockieren des Seiles.

Klettersicherung

Neben der Verwendung beim Abseilen fand der Achter auch eine große Verbreitung als Sicherungsgerät vor allem beim Sportklettern. Hierbei wird die Reibung des Seils im und am Abseilachter genutzt, um die Sturzenergie und die daraus resultierenden Kräfte zu reduzieren. Obwohl er heute zunehmend von den moderneren Tubes und halbautomatischen Sicherungsgeräten wie dem Grigri abgelöst wird, trifft man ihn je nach Region teilweise immer noch recht häufig an.

Generelle Problematik

Trotz seiner großen Verbreitung gibt es bei der Verwendung des Abseilachters als Sicherungsgerät einige Einschränkungen und Kritikpunkte:

Damit der Achter seine maximale Bremskraft erreicht, müssen Brems- und Lastseil in entgegengesetzten Richtungen aus der großen Öse des Achters herauslaufen. Selbst in diesem Fall hat der Achter im Vergleich zu anderen Sicherungsgeräten eine geringe Bremswirkung von 2,0 bis 2,5 kN. Die Halbmastwurfsicherung (HMS) entwickelt im Vergleich dazu bei gleichem Seilverlauf 2,7 kN Bremskraft. Dies bewirkt, dass der Sichernde beim Achter mehr Handkraft benötigt, um dieselbe Bremskraft zu erreichen, weshalb Kindern und unerfahrenen Kletterern vom Sichern mit dem Achter abgeraten wird.

Laufen beide Seilstränge in dieselbe Richtung aus dem Achter heraus, so beträgt die Bremskraft nur noch 1,3 bis 1,5 kN (3,5 kN beim HMS in gleicher Konfiguration). Diese Situation kann bei der Verwendung des Achters in Mehrseillängenrouten in zwei Fällen auftreten:

Die beiden genannten Situationen beim Sichern in Mehrseillängenrouten lassen sich umgehen, indem der Sichernde das Sicherungsseil in eine Zwischensicherung oberhalb des Achters – einen sogenannten Dummy Runner – einhängt, die verhindert, dass der Achter auf Zug nach unten belastet wird. Da dies aber nicht immer möglich ist und das Vergessen dieser zusätzlichen Zwischensicherung eine weitere Gefahrenquelle ergibt, ist der Achter als Sicherungsgerät für Mehrseillängenrouten eher ungeeignet.

Neben diesen Problemen kann der Achter als einziges Sicherungsgerät neben der Halbmastwurfsicherung Krangelbildung bewirken. Daneben kann auch die Handhabung mit zwei Seilen bei der Verwendung von Halb- oder Zwillingsseilen sehr kraftraubend sein, wodurch ein optimales dynamisches Sichern nicht mehr gewährleistet ist. Auch von dieser Anwendung wird abgeraten.

Aus den genannten Gründen ist der Achter als Sicherungsgerät nur für (fortgeschrittene) Kletterer, die vom Boden aus sichern, eine sinnvolle Option. Trotz der Kritik wird der Achter als Gerät zur Körpersicherung (bei dieser ist das Gerät am Gurt des Kletterers eingehängt) für das Sichern bei Einseillängenrouten von modernen Lehrbüchern insgesamt als geeignet eingestuft.

Anwendungsfehler

Neben den generellen Problematiken gibt es – wie bei allen Sicherungsgeräten – typische Anwendungsfehler. Beim Achter sind dies:

Eine große Studie in deutschen Kletterhallen zeigte, dass der Achter mit einer Bedienerfehlerquote von 40 % deutlich schlechter abschneidet als die nächstbesseren Geräte Grigri und Tube mit 28,6 %.

Siehe auch

Literatur

Commons: Abseilachter – Sammlung von Bildern
Wikibooks: Übersicht verschiedener Bauformen von Abseilachtern – Lern- und Lehrmaterialien
Wikibooks: Sichern mit dem Abseilachter – Lern- und Lehrmaterialien
Wikibooks: Abseilachter zum Abseilen – Lern- und Lehrmaterialien
Wiktionary: Abseilachter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 Walter Fimml, Michael Larcher: Energie ist Kraft mal Weg. Sicherungstheoretische Grundlagen. In: bergundsteigen. Teil 2, Nr. 4, 2000, S. 15 (Online [PDF; 900 kB; abgerufen am 20. März 2008]).
  2. ↑ Sonja Schade: Sicherungstechnik up to date. 9. Mai 2007, S. 3 (Online [PDF; 25 kB; abgerufen am 21. März 2008]).
  3. 1 2 3 4 Michael Larcher: Alte und Neue Sicherungsgeräte(2). In: Bergundsteigen. Nr. 2, 1999, S. 14 (Online [PDF; 390 kB; abgerufen am 21. März 2008]).
  4. 1 2 Klaus Berghold: Sicherungsgeräte. In: berghold-online.de/Sicherungstechnik.htm. 9. Januar 2002, abgerufen am 17. August 2008.
  5. 1 2 Wolfgang Pohl, Christoph Schellhammer, Georg Sojer: Seil- und Sicherungstechnik. Das Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene. Bruckmann Verlag, München 2008, ISBN 978-3-7654-4742-6, S. 107 f.
  6. 1 2 3 Walter Britschgi: Begreiflich. Sicherheit beim Sportklettern. Handbuch für Anfänger, Fortgeschrittene, Ausbilder. Eigenverlag, Sarnen 2004, S. 85 f.
  7. ↑ Dieter Elsner, Jochen Haase: Bergsport Handbuch. Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 3-499-61002-7, S. 94.
  8. ↑ Chris Semmel und Dieter Stopper: Sicher sichern. In: DAV Panorama. Nr. 4/2003, 2003, S. 58–60 ([3-Bein-Logik (Memento vom 1. Februar 2013 im Internet Archive) Online] [PDF; 1000 kB; abgerufen am 21. März 2008]).
  9. ↑ Trenkwalder, Pauli et al.: Hallenklettern. Teil 2. Einflussfaktoren auf Verhaltensfehler. In: Bergundsteigen. Nr. 2/2005, 2005, S. 55 (Online [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 11. April 2015]).