Act now ist eine Gruppe von Klimaaktivisten, die im März 2022 in der Schweiz gegründet wurde. Sie ist vor allem bekannt durch ihre erste Kampagne Renovate Switzerland, deren ursprüngliches Anliegen die rasche Wärmedämmung von Gebäuden war. Dies, um den Heizbedarf und damit den Ausstoß von CO₂, das zum Klimawandel beiträgt, zu senken. Die Gruppe nutzt, ähnlich wie vergleichbare Gruppen in anderen Ländern beispielsweise Letzte Generation, vor allem den zivilen Ungehorsam als Aktionsart.
Die erste „Renovate“-Kampagne zielte darauf ab, Druck auf die Schweizer Behörden auszuüben, um die thermische Sanierung von Gebäuden zu beschleunigen. Die Bewegung fordert vom Bundesrat, so schnell wie möglich eine Million Gebäude zu isolieren. Dazu müssen vier Milliarden Schweizer Franken investiert werden, um 100.000 Menschen in Bauberufen auszubilden.
Am 19. März 2022 sandte die Organisation einen Brief an die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), Simonetta Sommaruga, sowie an den Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Guy Parmelin, und fordert darin eine Beschleunigung der Umsetzung von Massnahmen zur Bekämpfung der Klimaerwärmung. In ihrem Antwortschreiben vom 25. April 2022 weist Simonetta Sommaruga darauf hin, dass „der Bund bis 2030 4 Milliarden investieren will, um Gasheizungen zu ersetzen und Gebäude zu sanieren“, und dass das UVEK im Januar 2022 „eine Ausbildungsoffensive im Bausektor“ gestartet hat. Da Renovate Switzerland diese Bemühungen für unzureichend hält, kündigt die Organisation an, dass die Straßenblockaden fortgesetzt werden.
Im Juli 2022 bespritzen Aktivisten den Eingang des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation in Bern mit oranger Farbe. Am 1. August 2022, dem Nationalfeiertag, unterbrechen zwei Aktivisten in Freiburg im Üechtland die Rede von Simonetta Sommaruga.
Um ihr Ziel zu erreichen, greifen die Aktivisten auf mehrere Straßenblockaden zurück. Diese Aktionen nahmen in der französischen Schweiz ihren Anfang: Am 11. April 2022 blockieren fünf Aktivisten die Autobahn A1a an der Ausfahrt La Maladière in Lausanne. Anschließend finden im April und im Oktober 2022 mehrere Straßenblockaden in Genf, Bern, Lausanne oder Zürich. Im Frühjahr 2023 kam es zu weiteren Blockaden, insbesondere am 7. April 2023 (Karfreitag, ein Feiertag mit hohem Verkehrsaufkommen in der Schweiz) zur Blockade der Nordzufahrt zum Gotthardtunnel. Im Dezember 2023 kam es in unmittelbarer Nähe von Weihnachtsmärkten in mehreren Städten zu Blockaden. Am 9. Mai 2024 (Christi Himmelfahrt) fand eine weitere Blockade am Nordportal des Gotthardtunnels statt.
Am 9. Juli 2022 versuchten Aktivisten in Lausanne, die Tour de France zu stoppen, doch die Aktion wurde von der Polizei unterbunden.
Im Dezember 2023 bewerfen Aktivisten Gebäude von Banken und Rentenkassen mit oranger Farbe, um eine Sanierung des Immobilienbestands dieser Unternehmen zu fordern.
Im Jahr 2024 startet die Bewegung die Kampagne „Liberate“, um ein Verbot des Verkaufs neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sowie eine Aufstockung der Mittel für den öffentlichen Nahverkehr und die sanfte Mobilität zu fordern. Im April 2024 besprühten Aktivisten im Rahmen dieser Kampagne eine Porsche-Werkstatt in Crissier mit oranger Farbe, und bedeckten anschließend in einer AMAG-Werkstatt in Bern Autos mit orangem Pulver. Ausserdem legten sie am 16. April 2024 eine Attraktion im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern lahm.
Im Jahr 2026 richtet sich die Kampagne „Öl tötet“ an Kraftstoffhändler und fordert diese auf, Warnaufkleber an den Zapfsäulen anzubringen, die den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen ähneln. Nachdem sie die Unternehmen direkt kontaktiert hatten, organisierten die Aktivisten Überraschungsbesuche in den Hauptsitzen einiger Unternehmen sowie Sitzstreiks an Tankstellen. Am 6. Mai 2026 fand im Militärflugzeugmuseum in Payerne eine Aktion statt, bei der sich zwei Aktivisten mit schwarzer Farbe übergossen.
Die Bewegung wird nicht hierarchisch geführt. Diese Art der Organisation findet sich auch in anderen Aktivistengruppen, insbesondere bei Extinction Rebellion, aus der einige Mitglieder stammen.
Im Mai 2022 zählte die Bewegung etwa vierzig Mitglieder, hauptsächlich in der Westschweiz. Nach Angaben eines ihrer Aktivisten soll die Organisation im November 2022 etwa hundert Mitglieder gezählt haben.
Die gewaltfreie Gruppe greift auf Mittel des zivilen Ungehorsams zurück, meist in Form von Straßenblockaden, bei denen sich die Teilnehmer auf den Boden setzen und Transparente hochhalten, um den Verkehr zum Stehen zu bringen, aber auch durch andere Aktionen. Das Ziel dieser Aktionen ist es, die Regierung und die Öffentlichkeit dazu zu zwingen, Stellung zu beziehen und das Thema der Klimakrise in den Vordergrund zu rücken.
Ab Juli 2023 organisiert die Bewegung „Langsame Märsche“, um den Verkehr zu verlangsamen, insbesondere in Bern, Genf, Lausanne, Zürich, Fribourg oder Martigny, um gegen die schleppende Klimapolitik der Schweizer Regierung zu protestieren.
Laut Peter Blunschi von der Nachrichtenseite Watson wurde die Gruppe „wahrscheinlich von der Kampagne Insulate Britain (en) beeinflusst“, wie „der Ablauf der Protestaktionen und das Logo“ nahelegen.