Adam Weyer

Adam Weyer (ca. 1990)

Adam Josef Weyer (* 4. April 1928 in Fischeln; † 21. Oktober 1995 in Neukirchen-Vluyn) war ein deutscher Theologe, der als Professor und 3. Gründungsrektor an der Universität Duisburg tätig war.

Leben

Adam Weyer war von 1970 bis zu seinem Tode im Jahr 1995 Professor für evangelische Theologie an der Gesamthochschule Duisburg. Als Gründungsrektor hat er zudem in den Jahren 1979 bis 1986 die Entwicklung der Duisburger Gesamthochschule, der späteren Universität Duisburg, entscheidend geprägt. Zuvor war er als Gemeindepfarrer in Idar-Oberstein (1956–1961), als Reichswart der Schülerbibelkreise der Evangelischen Jugend Deutschlands im Dienste der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) mit Standort Wuppertal (1961–1967) und als theologischer Leiter des Jugendzentrums Höchst/Odw. der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (1967–1970) tätig gewesen.

Das Leben von Adam Weyer war entscheidend von den Erfahrungen des Nationalsozialismus geprägt. Als 15-jähriger Schüler wurde er Luftwaffenhelfer, zunächst fast zwölf Monate in der Nähe seines Heimatortes Mülheim/Ruhr, bevor er dann an verschiedenen Stationen im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren, in Kiel und in Dänemark im Fronteinsatz war. Nach Kriegsgefangenschaft und Notabitur (1947) folgte das Theologiestudium in Kiel und Münster (1949–1953) sowie das Vikariat in Mettmann und Oberhausen (1953–1954). Adam Weyer hatte eine pazifistische Haltung, die sich in seinem Engagement gegen die Wiederbewaffnung in den 1950er Jahren, aber auch in seiner aktiven Rolle in der Friedensbewegung der 1980er Jahre niederschlug. Immer wieder verknüpfte er gesellschaftliches Engagement und theologisches Denken.

1955 heiratete er Gerda Freudenberg (1929–2023). Aus dieser Ehe gingen die drei Söhne Johannes (* 1956), Christian (* 1959) und Martin (* 1962) hervor.

Seine Tätigkeit als Reichswart der Evangelischen Jugend in den 1960er Jahren bedeutete für ihn nicht nur die Durchführung von Schülerfreizeiten für die EKiR, sondern auch die Kontaktpflege mit der evangelischen Kirche in der DDR. Unter oftmals schwierigen Bedingungen reiste er zu Partnergemeinden in Ostdeutschland.

In den späten 1960er Jahren kam er dann als Leiter eines kirchlichen Tagungszentrums südlich von Frankfurt in Kontakt mit der Studentenbewegung.

Adam Weyer war aktives und engagiertes Mitglied des „Klüngels“ der rheinischen Kirche. Mit dem langjährigen Oberkirchenrat Johannes Schlingensiepen war er eng befreundet. Während seiner Wuppertaler Zeit hatte er zudem den Geschäftsführer des (kirchlichen) Jugenddienst-Verlags, Johannes Rau, kennengelernt, den späteren Wissenschaftsminister und Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens und Bundespräsidenten, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Adam Weyer war begeisterter Kartenspieler (Skat, Doppelkopf, Patience etc.), er liebte Pferderennen und -wetten, und er hatte jahrelang eine Dauerkarte beim Bundesligaclub MSV Duisburg.

Adam Weyer starb 1995 an den Folgen einer Krebserkrankung.

Akademischer Werdegang

Der akademische Werdegang beginnt 1970 mit der Promotion bei Gerhard Wendland in Münster. Das Thema der Doktorarbeit Kirche im Arbeiterviertel verweist auf Adam Weyers Interesse an einem Thema, das in der Theologie nur einen geringen Stellenwert hatte und das ihn zeit seines Lebens beschäftigte, nämlich die Rolle der Kirche im Kampf der Unterprivilegierten, sei es in der Dritten Welt, z. B. in Nicaragua, sei es in den Industrievierteln des Ruhrgebiets, aber auch der SBZ/DDR.

Mit der Berufung zum Professor für evangelische Theologie und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Ruhr, Abteilung Duisburg, im Jahr 1970 fächerte sich das Spektrum der Themen auf: Von kirchengeschichtlichen Themen über Fragen der christlich-jüdischen Zusammenarbeit, die insbesondere sein Kollege und Mentor Heinz Kremers mit Nachdruck verfolgte, bis hin zu wirtschaftsethischen Fragen. Immer stärker wurde die Frage der Gerechtigkeit zum Leitmotiv der Forschungsarbeiten Adam Weyers, die immer wieder zu den frühen Wurzeln zurückkehrten, die in der Promotion von 1970 angelegt worden waren.

Mitgliedschaften

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Universität Duisburg Essen. (Memento vom 19. März 2005 im Internet Archive)
  2. ↑ M. Weyer 1987: Wenn Hitler das wüsste
  3. ↑ Jungk/Weyer 1977: Die Grenzen der Resignation
  4. ↑ Weyer 1971: Kirche im Arbeiterviertel
  5. ↑ https://www.weyeriana.de/images_buecher/basta_5_95_17.pdf
  6. ↑ Weyer/Wippermann-Lins 1990: Kirche im Industriegebiet
  7. ↑ Weyer/Wippermann/Lins 1994: Ordentlich und fleißig arbeiten
  8. ↑ Weyer 1979: Frühe Denker der Christenheit
  9. ↑ Bach/Weyer/Brocke 1990: Leben mit/ohne/gegen Juden nach 1945 in Europa
  10. ↑ Weyer 1994: In der Welt leben
  11. ↑ Fink-Stöve 1994: Recht – Rechtfertigung – Gerechtigkeit
  12. ↑ 25 Jahre RISP. Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen. 21. September 2005, abgerufen am 30. Oktober 2019.
Personendaten
NAME Weyer, Adam
ALTERNATIVNAMEN Weyer, Adam Josef (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Theologe
GEBURTSDATUM 4. April 1928
GEBURTSORT Fischeln
STERBEDATUM 21. Oktober 1995
STERBEORT Neukirchen-Vluyn