

Patience [] (von französisch patience ‚Geduld‘) ist ein Kartenspiel, das meist von einer Person gespielt wird. Es gibt auch Zweierpatiencen, wie die Zank-Patience. Im amerikanischen und kanadischen Englisch werden diese Spiele als Solitaire bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem im Deutschen bekannten Brettspiel Solitär, das im britischen Englisch auch Solitaire genannt ist.). Es gibt auch Umsetzungen verschiedener Patiencen für den Computer oder als Mobile Apps.
Der Ursprung der Patiencen ist unbekannt. Als Entstehungsgeschichte wird häufig angegeben, dass die Patiencen im 18. Jahrhundert von einem französischen Adeligen aus Langeweile erfunden wurden, der zur Zeit der französischen Revolution in der Bastille gefangen war und auf seine Hinrichtung wartete. Von hier aus sollen sich die Patiencen unter den politischen Gefangenen verbreitet haben. Später soll auch Napoleon Bonaparte regelmäßig Patiencen gelegt haben, um den Ausgang der Schlachten vorherzusehen. Durch französische Emigranten wurde das Spiel dann im späten 18. und im 19. Jahrhundert weltweit verbreitet.
Alternativ entstand das Spiel wahrscheinlich in Deutschland im 18. Jahrhundert und breitete sich dann nach Frankreich aus, wo es sehr beliebt war und wo zahlreiche Patiencen und französische Begriffe und Namen entstanden sind. Auch die Bedeutung von Napoleon, der Namensgeber für einige Patiencen ist, wird dabei in Zweifel gezogen; er hat wahrscheinlich regelmäßig Whisthände ausprobiert und allein gespielt. Eine der ältesten Sammlungen von Patiencespielen stammte von Lady Adelaide Cadogan, die 1870 ihr Buch Many of Lady Cardogan’s solitaire games und später ihre Illustrated Games of Solitaire herausbrachte.
Obwohl diese Verbindung von Vorhersage mit dem Patiencespiel häufig vorkommt, haben Patiencen nichts zu tun mit dem von Wahrsagern praktizierten Kartenlegen, bei dem durch die Nutzung von Karten die Zukunft prophezeit werden soll.

Zum Legen von Patiencen werden überwiegend ein oder zwei einfache Kartenspiele zu je 52 Karten verwendet (Kartenwerte von Ass bis zum König). Hierfür gibt es kleinere Patience-Karten, die, auf dem Tisch ausgelegt, weniger Platz einnehmen, alternativ wird ein Bridge-Blatt oder ein Rommé-Blatt ohne Joker verwendet. Einige einfache Patiencen werden auch mit einem Skat-Blatt aus 32 Karten gespielt. Mit Ausnahme sehr weniger Spiele handelt es sich um Spiele für eine Person, Ausnahmen sind etwa die Zank-Patience und einige Ableger derselben.
Die Patience beginnt mit dem Auflegen einer Figur, die abhängig von der konkreten Patience ist. Werden nicht alle Karten benutzt, bildet der Rest den Talon. Zunächst wird mit den aufgelegten Karten gespielt und wenn mit diesen kein Zug mehr möglich ist, benutzt man die Karten des Talons. Ziel fast jeder Patience ist es, alle Karten den Regeln entsprechend so lange um- oder abzulegen, bis sie in vorgegebener Reihenfolge aufeinander liegen und auf- oder absteigende Wertfolgen ergeben oder bis eine vorgegebene Figur entsteht. Die Patience ist „aufgegangen“, wenn die Zielfigur nach Nutzung aller Karten erreicht wird.
Das Spiel hängt sehr stark von der Reihenfolge der Karten im Talon ab, ist entsprechend zugleich ein Geduld- und Strategiespiel wie auch ein Glücksspiel.
Es gibt hunderte von Patiencen, von denen viele auch als Software existieren. Die verschiedenen Patiencen unterschieden sich vor allem durch die Startfigur und die Komplexität der Lösungswege. Viele der Patiencen haben eine lange Geschichte, andere wurden erst in den letzten Jahren vor allem für die Umsetzung als Computerspiel entwickelt.


In den 1960er-Jahren entwickelte Paul Alfille die Patience-Variante FreeCell zunächst als physisches Kartenspiel. 1979 portierte er das Programm für den Großrechner der University of Illinois, sodass mehrere Menschen gleichzeitig an Terminals spielen konnten.
Klondike für Mac erschien 1984 und wird seitdem durch Michael Casteel entwickelt. Das Spiel wird heute weiterhin für macOS, sowie als iKlondike für iPhone, iPad und iPod Touch angeboten. Das Programm umfasst neben der Klondike-Patience noch weitere Patience-Varianten.
1986 wurde das traditionelle chinesische Brettspiel Mah-Jongg unter dem Namen Shanghai erstmals als Patience-Computerspiel umgesetzt.
Solitär für Windows, eine Computerspielumsetzung von Klondike, wurde 1988 durch Wes Cherry entwickelt, während er als Praktikant für Microsoft arbeitete. Es wurde unter dem Namen Solitaire, im Deutschen Solitär, mit Windows 3.0 ausgeliefert. Es sollte unerfahrenen PC-Nutzern den Umgang mit der Computermaus und das Ziehen und Ablegen beibringen.
Seit Windows 8 bietet Microsoft anstelle eines vorinstallierten Spiels das Freemium-Spiel Microsoft Solitaire Collection zur Installation an. Das Spiel umfasst neben Klondike die Patiencen Spider, Freecell, Tripeaks und Pyramid, außerdem verschiedene Skins und „tägliche Herausforderungen“. Neben Windows 8, Windows 10 und Windows 11 werden auch IOS und Android unterstützt.
Heute gibt es zudem zahlreiche Varianten als Mobile Apps für Smartphones und Tabletcomputer.